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M. 168 Erstes Blatt Mittwoch de» 21. Juli XSQ9
Drr Oletzener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme de« Montag«.
Die Gießener A.milienvrätter werden dem Anzeiger «Wöchentlich dreimal beigelegt.
GießenerAnzeiger
Kenerat-Mnzeiger.
vierteljähriger Avonnemenlspreisr 2 Mark 20 Pfg. eit Bringerlohn. Durch die Post bezogen; 2 Mark 50 Pfg.
Redaction, Expedition und Druckerei:
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Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gieren.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag« für de, folgenden Tag erscheinenden Nummer bi« Bonn. 10 Uhr.
Gratisbeilage; Gießener Kamikienölätter.
Alle Annoncen-Bureaux de« In« und Auslandes nehme, i Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegE.
Amtlicher Theil.
Nr. 31 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 16. d. M., enthält:
(Nr. 2401.) Bekanntmachung, betreffend Aenderungen der Anlage B zur Verkehrs-Ordnung für die Eisenbahnen Deutschlands. Vom 7. Juli i897.
(Nr 2402.) Bekanntmachung, betreffend die Gestattung des Feilbietens von Obstbäumen im Umherziehen. Vom 12. Juli 1897.
(Nr. 2403.) Der obigen Nummer des Reichs-Gesetzblatts ist als besondere Beilage die Bekanntmachung, betreffend die Aichung von selbstthätigen Registrirungen, von chemischen Meßgeräthen und von Meßwerkzeugen zur Bestimmung des Procentgehalts von Zuckerlösungen, vom 2. Juli 1897, beigefügt.
Gießen, den 19. Juli 1897.
Großherzogliches KretSamt Gießen.
v. Gagern.
Bekanntmachung,
betreffend Vie Prüfung der Bewerber um die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst im Herbst 1897.
Diejenigen jungen Leute, welche beabsichtigen, sich der im Herbst 1897 stattfindenden rubr. Prüfung zu unterziehen, werden hierdurch aufgefordert, ihre deßfallsigen Gesuche um Zulassung bei Meldung des Ausschlusses von dieser Prüfung
spätestens bis zum 1. August 1897
bei der unterzeichneten Commission einzureichen.
Hinsichtlich der Anbringung der Gesuche wird im Speziellen das Folgende bemerkt:
1. Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüflings > Commission nur dann anzubringen, wenn der sich Meldende im Großherzogthum Hessen seinen dauernden Aufenthaltsort hat.
2. Die Zulassung zur Prüfung kann nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr erfolgen.
3. Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben sein. Auch erscheint es zweckdienlich, wenn stets die nähere Adresse angegeben wird.
•4. Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen:
a. Geburtszeugniß;
b. Einwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über dessen Bereitwilligkeit, den Freiwilligen während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten, sowie die Kosten für Wohnung und Unterhalt zu übernehmen. Die Fähigkeit hierzu ist obrigkeitlich zu bescheinigen und muß die Unterschrift des Vaters oder Vormundes beglaubigt sein -
c. ein Uubescholtenheitszeugniß, welches von der Polizei- Obrigkeit oder der vorgesetzten Dienstbehörde auszustellen ift;
d. ein selbstgeschriebener Lebenslauf.
5. In dem Gesuche ist außerdem anzugeben, in welchen zwei fremden Sprachen (von Französisch, Englisch, Lateinisch und Griechisch) der sich Meldende geprüft sein will.
6. Ist bereits früher ein Gesuch um Zulassung zur Prüfung eingereicht worden, so bleibt dem erneuten Gesuche nur ein Unbescholtonheitszeugniß beizulegen.
Ueber die Anforderungen, welche an die zu Prüfenden gestellt werden, gibt die Prüfungs-Ordnung (Anlage 2 zur Wehr-Ordnung vom 22. Novbr. 1888 — Regierungs-Blatt Nr. 27 von 1894) Aufschluß.
Bezüglich des Prüfungstermins, sowie des Locals, in welchem die Prüfung stattfindet, erfolgt eventuell weitere Bekanntmachung; auf specielle Ladung kann nicht gerechnet »erden.
Darmstadt, den 6. Jali 1896.
Großh. Prüfungs-Commission für einjährig Freiwillige. Der Vorsitzende: Dr Kayser.
Wolff- telegraphisches Corrrspondenz-Bureau.
Berlin, 19. Juli. Die „Nordd. Allgem. Ztg." schreibt: Die vom Reichskanzler genehmigte Aufhebung des Vorzugs- Zinssätze» für Reichs- und Staatspapiere, womit dem Vernehmen nach auch die Ftnanzverwaltungen des Reiches und deS preußischen Staates einverstanden sind, sei von zwei verschiedenen Seiten bemängelt worden. Einerseits sei darin eine Coucession gegen das Agrarirrthum, andererseits das
Bestreben, höhere Dividende zu erzielen, gefunden worden. ES handelt sich aber lediglich um die von dem Retchsbank- präfidenten wiederholt im Reichstage angekündigte Beseitigung einer Ausnahmebestimmung, welche früher günstig wirkte, in neuerer Zett aber eine ungesunde Ausdehnung der Lombarden der Centralnotenbank allzusehr förderte. Daß der Börsenverkehr am Schluffe der Monate und Quartale dadurch vielleicht einigermaßen, obschon nicht erheblich, erschwert wurde, habe von der alle Stände treffenden und Allen gleichmäßig zu Gute kommenden Maßregel nicht zurückhalten können.
Lausanne, 19. Juli. Der große StaatSrath hat für den Simplondurchsttch einstimmig eine Subvention von 1 Million Francs bewilligt.
Loudon, 19. Juli. Das „Reuter'sche Bureau" meldet aus Konstantinopel, der Minister des Aeußern Tewfik Pascha habe am SamStag den Vertretern der Mächte den Entwurf eines Fried enSv ertra g es vorgelegt. Dieser Entwurf halte nicht nur an der Grenzlinie Salambria- Teragis fest, sondern fordere auch eine Kriegsentschädigung von 4*/z Millionen Pfund, also eine halbe Million Pfund mehr als der von den Botschaftern festgesetzte Betrag, und komme auf die Forderung der Abschaffung der Capitulationen zurück.
Bergen, 19. Juli. Die „Hohenzollern" geht heute Mittag N/z Uhr nach Stavanger in See, wo Herzog Karl Theodor in Bayern an Bord kommt. DaS Wetter ift andauernd vortrefflich.
Christtauia, 19. Juli. Die Zollcommisston deS Storthing wird in den nächsten Tagen ihren Bericht erstatten, in welchem sie die Einführung eines Differential- zolltarifeS Vorschlägen wird; jedoch soll der Maximaltarif zur Zett gegen kein Land zur Anwendung gebracht werden. Die Commission wird auch einen Zoll auf einige laudwirthschast- liche Producte sowie einen erhöhten Zollschutz für die kleinen industriellen Betriebe in Vorschlag bringen.
Petersburg, 19. Juli. Der Petersburger Stadthaupt- mann hat eine Verfügung erlassen, die für jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen von 12 bis 15 Jahren in den Confrctious-, Mode- und Schneider-Werkstätten den Arbeitstag aus acht Stunden sestsetzt, wobei eine ArbeitS- schicht vier Stunden nicht übersteigen darf. Nachtarbeit Ist gänzlich untersagt.
Konstantinopel, 19. Juli. Die Mitglieder der „Mission des russischen Rothen Kreuzes" dintrten gestern im Ylliz KtoSk und erhielten Ordensauszeichnungen.
Depeschen deS Bureau .Herold."
Berlin, 19. Juli. Die „Kreuzzeitung" bringt wieder einige Bemerkungen zur Retchspo st «Reform und führt aus: Die Postverwaltung müsse sich mindesten- die Dienste, welche sie leistet, mit dem Selbstkostenpreis bezahlen lassen. Ernsthaft in Erwägung zu ziehen fei die Einführung von Kartenbrtefen, die Festsetzung des Höchst-GewichtS für einfache Briefe auf 20 Gramm und die Herabsetzung des PortoS für Stadtbriefe und der 5-Kilo-Tarif für Packete. Der PostzeitungS Tarif bedürfe aber einer anderweitigen Regelung und bezüglich des letzteren erleichtere die Post jetzt in bedenklichem Grade die Verbreitung einer auf das Volk ungünstig einwirkenden Presse. Ueber die unter Stephan entstandenen Postbauten sagt die „Kreuzzeitung": ES sei zweifelhaft, ob gerade die Postverwaltung berufen war, zur architektonischen Verschönerung der Städte beizutragen.
Berlin, 19. Juli. Die Eisenbahn Direktion Berlin hat durch Anschlag sämmtlichen Angestellten und Arbeitern den Beitritt zu dem neugegründkten soctaltstischen Eisenbahn-Arbeiter-Verband, sowie die Unterstützung deS Blatte- „Weckruf" der Eisenbahner Deutschlands verboten.
Berlin, 19. Juli. In militärischen Kreisen spricht man von besonders zahlreichen Verabschiedungen von Stabsoffizieren, die in allernächster Zeit etntreten und ein größeres Avancement der unteren Chargen zur Folge haben werden. Namentlich haben viele ältere Regiments« Commandeure, darunter auch solche, welche anscheinend eine noch große Zukauft hatten, durch höheren Bescheid den blauen Bries erhalten und infolge dessen nach etugereichtem Abschiedsgesuch einen Urlaub angetreten.
Berlin, 19. Juli. Dem „Localanzeiger" wird aus Tromsoe gemeldet: Englische und russische Dampfer werden nach dem Jenissei gehen, um an der Küste von Nordfibirteu Nachforschungen darüber anzustellen, wann und wo der Ballon AndröeS dort könnte gelandet sein.
Köln, 19. Juli. Die „Köln. Ztg." fordert an leitender Stelle angesichts der unfreundlichen Wendung, die die innere
Politik genommen, alle liberalen Parten auf, sich vor den ReichStagSwahlen zusammenzuschließeu und den Kreis Derjenigen, welche gegen eine Vergewaltigung find, so wett zu ziehen, um da- Centrum in denselben mitnehwen zu können. Mit Au-nahme der Ostelbier herrsche in allen Kreisen eine starke Unzufriedenheit, selbst Männer, welche man al- recht maßvoll und geduldig kennzeichnet, wollten nicht mehr mitmachen und seien durchaus geneigt, sich der herrschenden Strömung entgegenzustellen. Zwischen der liberalen und freifinnigen Vereinigung sei eS nicht schwer, eine Vereinigung herzustellen. Dagegen verhalte fich die fretfinnige Volkspartei immer noch ablehnend, wobei weniger die Partei als Abgeordneter Richter persönlich das Hinderniß bilde. Bei einem grfammten Ansturm werde man eventuell auf die Richter'sche Gruppe verzichten müssen.
Kattowih, 19. Juli. Die neue Zinkhütte Rodzin, welche gestern in Betrieb gesetzt wurde, ist heute durch Ein- stürz des 150 Fuß hohen Schornsteins theilweise zerstört worden. Eine Anzahl Personen wurde getödtet und verwundet. Bisher wurden drei Todte und zwei Schwerverwundete aus den Trümmern hervorgezogen.
Rom, 19. Juli. Demnächst werden die Verhandlungen wegen eines Handelsvertrags zwischen Italien und Frankreich hier beginnen. Da auf beiden Setten großes Entgegenkommen herrscht, so hofft man auf ein baldiges günstiges Resultat.
Pari-, 19. Juli. Wie nunmehr feststeht, wird der Präsident Faure fich an Bord des Dampfers „Cothicau" ein- schiffen und von einer Flottlle begleitet sein, die unter dem Commando des Admirals Cocatille steht.
Loudon, 19. Juli. Der „Standard- berichtet au« Athen, daß die Friedenspräliminarien noch in dieser Woche unterzeichnet werden. Der Sultan sei überzeugt, daß er nachgeben müsse, wenn auch nur zum Schein. ES stehe zu befürchten, daß die Türket am Tage nach der Unterzeichnung des Friedens Schwierigkeiten Hervorrufen wird, um Thessalien nicht räumen zu müssen.
Loudon, 19. Juli. Die „Times- melden aus Sebasto - pol, die russische Flotte sei angewiesen worden, sich bereit zu machen, um den Hafen innerhalb zwei Stunden verlassen zu können.
Loudon, 19. Juli. Wie die „Times" aus Konstantinopel meldet, hat Tewfik Pascha den Botschaftern mit- getheilt, der Sultan habe zwei Marschälle beauftragt, den Verhandlungen beizuwohnen und mit den Botschaftern zu verhandeln. Die letzteren haben tndeß einstimmig erklärt, daß sie nur mit Tewfik unterhandeln wollen.
Warschau, 19. Juli. Ein furchtbarer Brand hat in der Stadt Monasthrschtschina gewüthet. 400 Wohnhäuser, das Schulgebäude, drei Kirchen und zwei Synagogen wurden eingeäschert. Sieben Personen, darunter ein achtzig- jähriger Greis, kamen in den Flammen um. Der angerichtete Schaden ist sehr groß.
Konstantinopel, 19 Juli. Seit einigen Tagen sind hier wieder beunruhigende Gerüchte verbreitet. Gestern wurden die Geschäfte der Kaufleute in Stambul zeitig ge« schlossen, da man Unruhen befürchtete. Heute Morgen rückten starke Patrouillen aus.
Sofia, 19. Juli. In Philtppopel fand gestern Vormittag gegen 10 Uhr ein ziemlich heftiges Erdbeben statt, welches jedoch keinen Schaden anrichtete.
Berlin, 20. Juli. Der Kaiser ist, wie aus Bergen telegraphirt wird, gestern an Bord seiner Aacht „Hohenzollern" nach Stavomyar in See gegangen, um dem „Gefion", welcher den Herzog Karl Theodor von Bayern von Gothenburg abholt, entgegen zu fahren. Falls der Herzog als Arzt nicht- dagegen etnzuwenden und Zeit dazu übrig hat, die Reise mitzumachen, wird der Kaiser Sogenfjord besuchen. ES besteht die Absicht, Sognedal anzulaufeu, über Martfjaeden gehend, Joftahl hinauSzufahren und die Gletscher dort zu besichtigen. Der Kaiser ist in bester Laune.
Berlin, 20. Juli. Die 150-jährige Jubelfeier der Berliner Schützengtlde beginnt heute, nachdem bereit- gestern Abend Empfang der auswärtigen Gäste und ein Commers stattgefunden hat.
Berlin, 20. Juli. Die vom Bund der Landwirthe an den Reichskanzler gerichtete Forderung, die Einfuhr von ausländischem Brot-Getreide vorläufig auf 6 Monate zu verbieten, wird, wie die „Charlottenb. Ztg." auf Grund bester Informationen zu berichten weiß, vom Reichskanzler abgelehnt werden.
Pari-, 20. Juli. Die Untersuchungscommisfion verhörte gestern den bekannten Panamtsten Georg Thiebaut- Derselbe verweigerte die Eidesleistung, dabei bemerkend, er


