Ausgabe 
21.5.1897 Erstes Blatt
 
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vorgeschlagen, die Entlastung der Postbeamten durch Auf­hebung der NachmittagS-Tchalterftuuden und Festsetzung der Poftdieuststunden an Sonntagen auf den Bormittag, etwa auf die Zeit vou 11 12 Uhr, anzustreben.

Bei der Sterbekasse de8 Deutsche» KriegerbuubeS be­trug die Zahl der Versicherten Ende December 1896: 31137 gegen 24 791 im Vorjahre. Der Bestand an Ver­sicherungen Ende 1896 betrug 26973 mit 6 482850 Mk. Verficherungscapital. AuS dem Überschuß pro 1895 gelangten 10334 Mk. Dividende an die dazu berechtigten Mitglieder durch Anrechnung auf die MonalSbeiträge zur Dertheilung. Für das Jahr 1896 beträgt die Prämienreserve 518140 Mk. Aus dem Reingewinn würde der Sonderreservefonds auf 31 634 Mk. und das Dividendenconto auf 12984 Mk. zu erhöhen sein. An die Hinterbliebenen wurden in 1896 in 252 Fällen 59383 Mk. Sterbegelder ausbezahlt. Unter den Gestorbenen befanden sich 38 Frauen. In 20 Fällen waren die Verstorbenen noch nicht sechs Monate versichrri. Der Vertreter derHaffia" bei dieser Sterbekaffe ist Herr Postsecretär a. D. Meyer in Gießen, welcher Anmeldungen ganzer Vereine derHaffia" als auch einzriner Mitglieder entgegennimmt.

Neue btempelmarke. Die Großh. Ministerien der Justiz und der Finanzen erlaffen folgende Bekanntmachung: ES ist für angemeffen erachtet worden, die vierte Gruppe der in der Bekanntmachung vom 4. März 1891 (Regierungs­blatt I. Seite 36) bezeichneten Stempelmarken um dir Marke mit dem Werthe vou 500 Mk. zu vermehren. Die Marken vou diesem Werthe werden von der Haupt-Stempelverwaltung vom Tage des Erscheinens der gegenwärtigen Bekanntmachung ab, gleichwie die andern Arten Stempelmarken, gegen Vor­ausbezahlung des Geldbetrags an die StemPelmarkenauS- theiler auf Bestellung abgegeben werden.

** Wetterbericht. Die Wetterlage hat sich im Großen und Ganzen wenig verändert. Die Luftdruck Unterschiede find dabei über Eentraleuropa gering, jedoch sind zahlreiche Un­regelmäßigkeiten vorhanden. Dieselben bedingen bei wechselnder Bewölkung andauernd zu Gewittern geneigtes Wetter. Die Temperaturen find in Deutschland gestiegen. Voraus­sichtliche Witterung: TheilS heiteres, theils wolkiges, zu Gewittern geneigtes Wetter.

M. Herbstein, 16. Mai. Heute wurde hier imDeutschen HausteineCentralauSschußsitzung deS Vogelsberger Sängerbundes abgehalten. ES handelt sich hauptsächlich um das am 12., 13. und 14. Juni zu Eichenrod abzuhaltende Bundes-Sängerfest. Wie vorn feftgebenden Gesangverein Concordia" in Eichenrod durch deffen Dirigenten, Herrn Lehrer Jüngst, rnitgetheilt wurde, verweigert der Freiherr!. R«edesel'sche Oberförster, Herr Hoffmann in Engelrod, seine Zustimmung zur Abhaltung des Festes in den einschlägigen, unter seiner Aufficht stehenden Rtedesel'schen Waldungen und begründet sein ablehnendes Verhalten damit, daß er aus forstwirthschaftlichen Gründen die Benutzung des Waldes ver­sagen müffe. Auch nachdem bann die Zustimmung der Kirchen- gemeinde HopsmannSfeld zur Abhaltung des Festes in deren Kircheuwald eingeholt war, hat der Herr Oberförster, deffen Zustimmung auch hier nöthig ist, diese verweigert. Wegen Kürze der Zeit bis zum Fest und da Privatwaldungen nicht vorhanden find, wurde von Erhebung von Beschwerden zwecks Erlangung der Genehmigung abgesehen und beschloffen, dem GesangvereinConcordia" in Eichenrod zu überlassen, den Festplatz im freien Felde zu wählen.

M. Herbstein, 20. Mai. ES wird beabsichtigt, hier eine Molkerei zu errichten im Anschluß au die Motkeretgrnoffen- schast Fulda-Lauterbach.

-I- Eicheurod, 19. Mai. Zum Bürgermeister hiesiger Gemeinde wurde der Landwirth Georg Greb III., Sohn des Gemeinderechners, gewählt. Sein Vater will als Ge- meinderechner mit Rücksicht darauf abdanken.

M.W. Aus der mittleren Wetteran, 19. Mai. Der Hoch- staplcr, über den aus Rieder-Mockstadt berichtet wurde, hat sich auch in unserer Gegend bemerklich gemacht. Es scheint eine kleine Bande dieser Gauner zu existtren, denn in voriger Woche wurde ein solcher zu Wald-Michelbach ding­fest gemacht, wo ihn der Pfarrer entlarvte. Auch in unserer Gegend scheinen die Pfarrhäuser gebrandschatzt zu werden, aber nicht blos dadurch, daß die Geistlichen angebettelt werden, die Hochstapler kundschaften auch oft die Häuser auS und bereiten die Einbrüche vor. ES ist offenbar nicht zusälltg, daß die Pfarrhäuser in Starkenburg und Oberhessen gleich­

zeitig heimgesucht werden. Daß die Gauner aber verschiedene Personen find, beweist die Thatsache: Der Eine fitzt hinter Schloß und Riegel, der Andere treibt hier noch sein Unwesen. Darum Vorficht.

X. Darmstadt, 19. Mai. DaS GroßherzogSpaar reiste heute zu ein- bis zweiwöchigem Besuch des Prinzen und der Prtnzeffin Ludwig von Battenberg nach Schloß Heiltgenberg bet Jugenheim. Der ehemalige Hofrheater- director, Herr Geh. Hofrath Th eodor Wünzer, ist gestern unerwartet schnell infolge eines Schlaganfalls im 66. Lebens­jahre verschieden. Er hat nach Tescher und vor dem jetzigen Director Werner beinahe zwanzig Jahre lang die Direction, und zwar unter theilweise recht schwierigen Ber- hältniffen, geführt. Wünzer war in der Vollkraft seiner Jahre ein vorzüglicher Heldendarsteller und hat in diesem Fache bis jetzt noch keinen ihm ebenbürtigen Nachfolger hier erhalten- weit und breit war seine Darstellungskunst in Rollen wie Wallenstein, Tell, König OdtpuS und in den Shakespeare'icheu Schicksalsdramen bekannt und berühmt. Wünzer, ein ge­borener Bayer, dem Darmstadt zur zweiten Heimath ge­worden, war eine vornehme Natur, ein trefflicher Charakter, ein gemüthlicher Gesellschafter. In vielen Bereinigungen ge­meinnütziger und wohlthätiger Art bethätigte er seine hohe RecitationSkunst und war überall gerne gesehen und gehört. Nicht nur verliert also in Wünzer daS Hoftheater einen ehe­maligen sehr verdienstvollen Angehörigen, sondern auch unser öffentliches Leben einen allezeit hilfsbereiten wackeren Künstler. Sein Andenken bleibt in Ehren.

* Püttlingen bei Saarbrücken, 18. Mai. Zwei junge Leute im Alter von 16 und 18 Jahren, die im Walde ge­steigertes Holz holen wollten, wurden vom GenSdarmen für Wilddiebe gehalten und zusammengeschossen. Beide liegen hoffnungslos darnieder.

Hnmor in der Schule. AuS Berlin berichtet der

Börsencourter": Zu der Hundertjahrfeier des königl. Friedrich WilhelmS-Gymnafiums ist auch eine Festschrift er­schienen. Alten Schülern der Anstalt wird durch eine Fülle biographischen Materials die Erinnerung an die Schulzeit wieder aufgefrischt. Auch der Humor fehlt nicht. AuS einem Buche Dr. Karl BormengSWie Fritz Mediziner ward" werden allerliebste Reminiscenzen wiedergegeben. So wird vorn alten Bresemer, dem Gewaltigen der Obersekunda, er­zählt: In die Obersekunda trat jeder Gymnasiast mit einer Art heiligen Schauders ein. Bresemer war wohl der einzige Lehrer der Anstalt, dem der Ruf großer Strenge voranging, und den man fürchtete, trotz der vielen geflügelten Worte und Witze, die von ihm erzählt wurden. Die Obersekunda galt allgemein als die große Klippe, an der so mancher hoff­nungsvolle, angehende Student scheiterte. Sofort am ersten Tage des Unterrichts, bei der Aufnahme des Nationale, konnten wir uns überzeugen, daß die Mär von den ergötz­lichen, unbewußten Witzen, den sogen.Brekladen", keine Redensart sei. Bresemer fragte zwei Brüder.Sie find Zwillinge?"Ja", war die Antwort.Und wo find Sie geboren?"In Berlin."Und Sie?" wendete er fich an den Bruder, der bann unter allgemeinem Gekicher antwortete: Auch in Berlin, Herr Professor." Einen Anderen fragte er:WaS ist Ihr Vater?"Der ist tobt, er war Besitzer einer Mineralwasser-Anstalt."So schreiben Sie", wendete sich Bresemer au den PrimuS, der die Liste führte,unter die Rubrik Stand des VaierS: Wiltwe einer Mineralwaffer- Anstalt." Eine gänzlich andere Natur war Schellbach, der Mathematiker. Klein von Gestalt, rasch in den Bewegungen, klar und gewandt in ber Rebe, blickte er mit seinen hellen Augen wohlwollend und forschend zugleich den Neuling an, als wolle er ihn eimuthigen und zu sich Herangehen. Vor kenntniffc verlangte rr so gut wie gar nicht, und der Schwachen nahm er sich mehr an, als ber Befähigten. Dann pflegte er zu sagen:Die können fich schon selbst helfen, ben Anderen aber muß stch beispringen." Schellbach entwickelte Engels­geduld, wenn es galt, einem Schwachen einen Beweis klar zu machen oder ihn eine Schlußfolgerung finden zu laffen. Man sah ihm die Freude an, wenn das ersehnte Ziel, oft nach unsäglicher Mühe, glücklich erreicht war. Aber ein fürchterliches Unwetter brach los in ben seltenen Fällen, wo alle Mühe vergeblich blieb. Dann legte sich bte sonst so glatte Stirn in Falten, der Mund zuckte, die Augen sprühten Flammen und die Worte donnerten nur so heraus:Sie

sind ja ein wahres Roß von Dummheit. Sie wollen studiren? Was in aller Welt wollen Sie studiren, frage ich, wenn Sie so einfache Dinge nicht begreifen können? UebrigenS kommen wir auf die Formeln. Sagen Sie mir doch mal cos a- gleich?" Damit schloß nämlich eine solche Scene regelmäßig, daß Schellbach dem Unglücklichen die Formeln abfragte, wobei derselbe selten genügend bestand, und dann hieß eS:Kommen Sie am Mittwoch Nachmittag auf zwei Stunden." Die Formeln waren reine Gedächtnißsache, und von guten Schü­lern erfragte sie Schellbach nie, der Schwache dagegen sollte sie genau au-wendig wiffcn. Da das selten zutraf, so war ber Grund zur Strafe gesunden . . . Kleinere Strafen be­standen in besonderen Aufgaben, die wir zu Hause lösen und des Morgens früh bet Schellbach, deffen Wohnung ebenfalls im Schulgebäude lag, abgeben mußten. Da kam es denn vor, daß Schellbach nicht anwesend war, und eine ber Töchter bte Arbeit annahm und die Ablieferung vergaß. Bei Beginn ber Lehrstunde fragte Schellbach ben Betreffenden, warum er Morgens nicht erschienen set.Ich war ja da, Herr Pro- feffor," lautete die Antwort,und habe die Arbeit abgegtDln; man sagte mir, Sie seien nicht zu sprechen."Wem haben Die die Arbeit gegeben?"Einer Ihrer Töchter, Herr Profeffor."Welcher denn?"Wie sie hieß, weiß ich nickt, Herr Profeffor."War sie hübsch?"Ja, Herr Profeffor." Na, bann war'S Florchen. ES ist gut!"

Citcratur «nd ünttft

Die »eben Äaifer Wilhelms II. Den interessantesten Band unter ben neuesten Erscheinungen der Reclam'ichen Unioersal- Bibliothek bilden zweifelsohneDie Reden Kaiser Wilhelms II. in den Jahren 18381895." So olele Biographien über Kaiser Wil­helm II. auch bereits erschienen sind, nichts orrmag ihn so wahr darzustellcn, wie seine eigenen Reden. Diese bezeugen am besten seine bohe Auffasiung oom Herrscherberuf, sein strenges, echt hohen- zollernsches Pflichtgefühl, feine Treue gegen die verbündeten Fürsten und bte Liebe zu seinem Volke. Daher sollte dieses Bändchen in keinem deutschen Hause fehlen. Besonderen Werth aber haben die Reden für jeden Politiker und für alle Journalisten.

Frankfurter Stadtthrater. Opernhaus.

Die anschließend an denRing befl Nibelungen" zur Aufführung gelangenden OpernTristan und Isolde" (am SamStag den 22. mit Herrn Kammersänger Heinrich Vogl auS München al-r Gast) undDie Meistersinger von Nürnberg" (am 26. mit Herrn Hofopernsänger Anthes auS Dresden und Herrn Friederich» als Gäste) sind wie folgt besetzt: 1) Tristan und Isolde Tristan : Herr Heinrich Vogl als Gast, König Marke: Herr Greest, Isolde: Frau Ende-Andrießen, Kurwenal: Herr NawiaSkn, Braugäne: Frl. Weber, ein Hirt: Herr Hauck, junger Seemann Herr W Meyer. 2) Die Meistersinger von Nürnberg. Hans Sachs. Herr Pröll, Togner: Herr Grreff, Bogelgesang: Herr W. Meyer, Beckmesser: Herr Friederich» als Gast, Kothner: Herr Reitz. Foltz: Herr Weber, Walther v. Siolzing: Her, Anthes als Gast, David: Herr Braun, @oa: Frau Jäger, Magdalene: Frl. Weber, Nachtwächter: Herr Hauck, usw.

Die VorstellungTristan und Isolde" findet im laufenden Abonnement statt. Beide Vorstellungen werden bei normalen großen Preisen gegeben und nehmen um '/,7 Uhr ihren Anfang.

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ist ihr gut entwickelte», kräftig genäbrtcS und deshalb muntere», von Kraft urb Gesundheit strotzendes Kind. Wo aber die bebauern»- wrrthe Mutter nicht das Glück empfindet, ihr Kind selbst zu stillen, kann sie der stolzen Freude an der gedeihlichen Entwickelung ihre» Lieblings dennoch theilhaftlg werden: Siatt zweifelhafter Kuhmllch oder Haferbrei u. bergt, gebe sie ihrem Kinde unbedenklich NefUe'S Sindermehl, ein altbewährtes Milchpulver au» bester Schweizer­milch mit einem entsprechenden Zusatz von Rohrzucker und ge- pulvertcm Weizenzwiedack und sie wird in der freudigen Ent­wickelung ihres Kindes ihr Glück sicher finden. 446

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