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21.5.1897 Erstes Blatt
 
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Nr. 118

Erstes Blatt

Freitag den 2 t. Mai

1S97

Gießener Airzeiger

Keneral-Anzeiger.

2lmts» «nd Anzeigeblatt für den Knie <6iefzen

Redaction, Expedition und Druckerei:

Zchutstraße Ar.7^

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Vierteljähriger Abonncmcntspreisr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg.

Die Gießener Aamiltenvtälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Der

Hietzener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme de» Montags.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Bonn. 10 Uhr.

Hralisöeitage; Hießener Kamikienötätter.

Alle AnnoneeN'Bureaux deS In- und Auslandes nehmen 1 Anzeigen für denGießener Anzeiger- entgeg«. '

Deutsche» Reich.

Darmstadt, 19. Mai. Se. Kgl. Hoheit der Groß Herzog wohnten gestern Nachmittag dem Diner bei, welches das Off-ziercorpS des 2. Großh. Dragoner - Regiments (Leib- Dragooer-Regiments) Nr. 24 zur Feier deS Höchsten Ge. burtsfestes Br. Majestät des Kaisers Nikolaus H. von Ruß­land, des hohen Inhabers des Regiments, veranstaltet hatte. An dem Diner nahm auch der Kaiserlich russische Minister- resident v. Ozerow Thetl.

Darmstadt, 19. Mat. Oberst Nepokoitschitzky, der Flügeladjutant Sr. Majestät deS Kaisers von Rußland, ist hier eingetroffen, um die neuen Standartenbänder für daS zweite Großh. DragonereRegtment (Leib-Dragoner- Regiment) Nr. 24 zu überbringen. Mit dem Obersten ist der Kaiserlich russische Militärattache in Berlin, Oberstlteutenant Prinz Engalitschew hier angekommen. Beide Herren wurden heute Mittag von Sr. Kgl. Hoheit dem Groß- Herzog empfangen und nahmen darauf an dem Großherzog- lichen Luncheon Theil.

-Neueste

KolffS telegraphische» Ksrresponte«r-B«r«m.

Berlin, 19. Mai. Der Abdruck der neuesten vom Kaiser gefertigten Marinetabelle ist, wie dieFreis. Ztg." mittheilt, jedem einzelnen Reichstags-Abgeordneten zugestellt worden.

Berlin, 19. Mat. Die PetirionScommisfion des Reichs­tages überwies die Petitionen desBundes der Landwirthe" tm Canton Dürkheim a. d. Haardt betr. die Besteuerung der Kunstweinfabrikation und Abänderung des WeinverkehrSgesetzeS dem Reichskanzler zur Erwägung. Ueber die Petitionen betr. das Verbot der Kunstweinfabri­kation und die Einführung des Quebracho-Holzzolles wurde zur Tagesordnung übergegangen.

Berlin, 19. Mai. DerReichsanzeiger" meldet: Zur Untersuchung deS gestern Abend auf der Et selb ahn zwischen den Stationen HilleShetm und Gerolstein vogekom- menen schweren EtseubahnunfalleS begab sich Ge- heimrath Misant vom ReichSeisenbahnamt sofort an Ort und Stelle.

Wiesbaden, 19. Mai. Gestern Nachmittag ist der Amts- gerichtSrath Oppermann, ein alter nassauischer Jurist, langjähriger aussichtführender Richter deS hiesigen Amts­gerichts, im 70. Lebensjahre gestorben.

Saarbrücken, 19. Mai. Der verunglückte Militär­zug hatte 81 Achsen und beförderte 5 Offiziere und 1124 Reservisten der Regimenter Nr. 98, Nr. 130, Nr. 143 und Nr. 135. Sieben Wagen wurden vollständig zertrüm­mert, 9 Reservisten und 1 Bremser wurden getödtet, 35 Reservisten und 1 Bahubeamter verwundet. Der Unfall entstand durch Zerreißen des Zuges und Auslaufen des Hinteren TheileS auf den vorderen in Folge des starken Gefälles der Bahn an der betreffenden Stelle.

Hildburghausen, 19. Mai. Johannes Nonne, seit 45 Jahren Leiter der htefigenDorfzeitung", ist gestern Abend gestorben.

Konstantinopel, 19. Mai. Die Division Osman Pascha unternahm gestern einen Angriff auf Arta. 4 griechische Bataillone versuchten ein Umgehungsmanöver, wurden jedoch von der ankommenden Division Saad Edin in Kreuzfeuer genommen und mit sehr erheblichen Verlusten zurückgeworfen. Seitens der Türken hofft man, heute in Ärta einzumarschtren. Bisher liegt feine Meldung vor, ob der Einmarsch erfolgt ist.

Depeschen deS Bure«u ,Herolds

Berlin, 19. Mai. Im Abgeordnetenhause wurde heute eine Anzahl kleinerer Vorlagen erledigt. Nächste Sitzung SamStag Tagesordnung: Kleine Vorlagen.

Berlin, 19. Mai. Zu den gestrigen Debatten in den Parlamenten über daS VeretnSgesetz schreibt heute die Nordd. Allgem. Ztg." am Schluffe eines Artikels: Wenn gegen die Novelle ein großer Sturm angestrebt sei, so er­wachse daraus für jeden Patrioten die ernsthafte Pflicht, Verdunkelungen des Thakbestandeö und der RegierungS- abfichten entgegenzutrelen. Der königliche Erlaß vom 4. Januar 1882 gelte noch heute und seinem Inhalte nach wicht nur für die Beamten, sondern für Jeden, der eS mit srtner Bürgerpflicht, die auch ein Stück Beamten-Qualität ist, erruft nimmt.

verliu, 19. Mai. Nach einem Telegramm desLocal- AnzeigerS" hat gestern Abend der Nordpolfahrer Andree eilt dem DampferSonSksund" die Reise nach dem nörd­

lichen E Smeer angetreten, um nochmals den Versuch zu machen, mir dem Lustballon noch in diesem Sommer den Nordpol zu erreichen.

Berlin, 19. Mai. Nach den Verhandlungen im Abgeord­netenhause Über die Bereinsgesetz-Novelle schreibt die Nationalzeitung", die dreistündige Debatte habe gezeigt, daß die ganze Linke und daS Centrum fest entschlossen sei, der ungeheuerlichen Vorlage daS verdiente Schicksal zu bereiten.

Berlin, 19. Mat. DemLocalanzeiger" zufolge ist der Staats secretär des ReichSmarineamtS, Admiral Holl mann, heute von seiner Erholungsreise nach Berlin zurückgekehrt. Seine Amtsgeschäfte werden nach wie vor von dem Contre- Admtral Büchse! besorgt. Der Nachfolger HollmannS, Admiral Tirpitz, wird in der ersten Juni-Woche hier ein­treffen.

Wiesbaden, 19. Mai. Der Kaiser unternahm heute Vormittag 7f/4 Uhr einen Spazierritt, von welchem er um 91/» Uhr in daS königliche Schloß zurückkehrte. Dortselbst empfing der Monarch um 9*/6 Uhr den gestern von Berlin hier eingetroffenen commandtrenden Admiral v. Knorr zu längerem Bortrage. Heute Mittag 1 Uhr findet im könig­lichen Schlöffe Frühstückstafel statt, zu welcher mehrere Einladungen ergangen find. Morgen um 1 Uhr speist der Kaiser im htefigen Osfizierscafino. Die Abreise des Kaisers ist definitiv auf Donnerstag Abend 9!/8 Uhr festgesetzt.

Paris, 19. Mai. Bei der Jubiläumsfeier der Königin von England wird Frankreich durch den General Davont vertreten sein.

Paris, 19. Mai. Als gestern Abend in dem Chatelet- Theater während der Vorstellung eine Dame ohnmächtig wurde, riefen mehrere BesucherFeuer!" Jnfolgedeffen ent­stand eine große Panik, bei welcher eine Anzahl Personen schwer verletzt wurden.

Paris, 19. Mai. In diplomatischen Kreisen verlautet, daß Deutschland die Ansprüche der Türkei gebilligt habe. DerEclair" constatirt, daß jetzt zum ersten Male die Großmächte wirklich einig find. Voraussichtlich wird der Sultan, welcher auf die Uneinigkeit der Mächte speculirr hatte, seine Ansprüche auf Theffalien fallen lassen.

Athen, 19. Mai. Die Gesandten unterbreiteten bereits der Regierung die hauptsächlichsten Friedens beding- ungen. In Regierungskreisen herrscht die Ansicht vor, daß der Krieg jetzt tatsächlich beendet sei.

Kanea, 19. iDcat Die Einschiffung der Truppen nach Athen vollzieht sich nur langsam, da die Insurgenten die Fortschaffung der griechischen Geschütze verweigern. Bei dem Fort Jzzedin wurden mehrere englische Offiziere von Insurgenten überfallen und auSgeraubt.

Konstantinopel, 19. Mai. Die Einstellung der Feindseligkeiten wird hier lediglich dem Zaren zu­geschrieben.

Berlin, 20. Mai. Die kaiserlichen Prinzen in Plön find von ihrem Unwohlsein wieder ganz hergeftellt.

Wien, 20. Mai. Die Friedensverhandlungen werden wahrscheinlich in Konstantinopel stattfinden. Wenn die zeitweilige türkische Occupation griechischen Gebietes alS Bürgschaft für die Kriegskosten unvermeidlich wäre, würden die Großmächte den Umfang dieses Gebietes und die Stärke der OccupationStruppen festftellen, und ferner dafür sorgen, daß öte Besetzung eine lediglich militärische bleibe. Türkische Verwaltung wäre auSgeschioffen. Die Aufhebung der cretischen Blokade wird in den nächsten Tagen erwartet.

Wie», 20. Mai. DieNene Freie Presse" meldet: In diplomatischen Kreisen wird geplant, die Bezahlung der Kriegsentschädigung an die Türkei, sowie die Deckung der Schuldenzinsen Griechenlands durch eine beson- dere Organisation nach dem Muster der serbischen Monopol- Verwaltung ficherzustellen.

Wien, 20. Mai. Der Bürgermeister Lueger berief völlig unerwartet für gestern Abend eine außerordentliche Sitzung des Gemeinderarhs ein und legte den Entwurf einer Adreffe an den Kaiser vor, worin um Regelung der Sprachen­frage durch ein Sprachengefetz unter Aufhebung der Sprachen-Verordnungen für Böhmen und Mähren gebeten wird. Der Gemeinderath har den Adreß Entwurf ange­nommen.

Rom, 20. Mai. Die Blätter in Bologna melden, das dortige Gericht habe soeben einen Vorführungsbefehl gegen Frau CriSpi erlassen, sowie der Kammer ein Gesuch vorgelegt um Bewilligung deS Verfahrens gegen CriSPi.

WB. Berlin, 20. Mai. Die VereinSgesetz-Lom- mission des Abgeordnetenhauses hat mit 15 gegen

13 Stimmen (Freiconservative und Couservative) Artikel 1 und 3 abgelehnr.

CoceU» unö prwinjielte»,

Gießen, den 20. Mai.

** Schuldienst Rachrichten. Am 14. April wurde der Schulamtsaspirantin Josephine Dingel dein auS Bensheim eine Lehrerinnenstelle an der Gemeindeschule zu Münster, Kreis Dieburg, übertragen- an demselben Tage wurde der SchulamtSaSpirant Ludwig Ringshausen auS Nidda zum Elementarlehrer an der Obstbauschule und landwirth- schaftlichen Winterschule zu Friedberg ernannt- am 17. April wurde dem Lehrer au der erweiterten Volksschule zu Guntersblum Simon Schwarz eine Lehrerstelle an der erweiterten Volksschule zu Rimbach i. O., Kr. Heppenheim, mit Wirkung vom 1. Mai an, am 20. April wurde dem Schulamtsaspiranten Wilhelm Pebler ans Büdingen die 6. Lehrerstelle an der Gemeindeschule daselbst, am 21. April wurde dem SchulamtSaSpiranten Wilhelm Ohly aus Holzheim die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Feldkrücken, Kreis Schotten, am 24. April wurde dem SchulamtSaSpiranten Ludwig Allendörfer auS Ober- RoSbach eine Lehrerftelle an der Gemeindeschule zu Helpers­hain, Kr. Schotten, übertragen.

* Parlamentarisches. Abgeordneter Erk u. Genossen haben bet der Zweiten Kammer beantragt: Die Großher­zogliche Regierung zu ersuchen, die Subvention der Bienenzüchtervereine des GroßherzogthumS auf jährlich 2000 Mk. zu erhöhen. In der Begründung heißt eS: Die Bienenzucht ist volkSwtrthschaftlich von erheblichem Werthe, weil sie die Befruchtung der Obstbäume und Pflanzen begünstigt und vielen sog. kleinen Leuten einen erfreulichen Nebenerwerb ermöglicht. Aber auch ebenso groß dürfte ihr indirecter Nutzen anzuschlagen sein, da die Biene durch ihr Vorbild zu Fleiß, Sparsamkeit, Reinlichkeit, Umficht, Muth, Ordnung und Unterordnung anregt und die Vereine social­politisch wirken. Da alljährlich noch über 10 Millionen Mark für Honig und Wachs ins Ausland gehen waS gewiß zu beklagen ist und da für Bienenzucht in dem halb so großen Nassau 2000 Mk. (CursuS zu Flacht 1500 Mk.). in Baden 2800 Mk. (CursuS zu Eberbach 1100 Mk., zu Hochburg 500 Mk.) gegeben werden, während Oberheffen seinen CursuS zu Ortenderg aus eigenen Mitteln bestreiten mutz und da eine Förderung der Bestrebungen der drei BienenzÜchtervereine wünscheuSwerth erscheint, zumal auch Curse für Obstbau, Molkerei rc. unterhalten werden, so halten wir eine Unterstützung der drei Provinzial-Bienenzüchter- Vereine mit je 6662/8 Mk. zusammen also mit 2000 Mk. zur freien, eventuell zur nachweislichen Verfügung für an­gemessen.

P.A. Sport- und Volksfest. Indem wir auf die Annonce in heutiger Nummer aufmerksam machen, bemerken wir, daß nach unS gewordenen Mittheilungen der Vorverkauf der Eintrittskarten nächste Woche beginnt.

* * Hnndezüchtung. Schau und Schliefen des Ver­eins zur Züchtung reiner Hunderaffen in Gießen findet am 13. Juni d. I. auf derSchönen AuSficht" hier statt.

* * Auf den Schoafchreib Uuterricht des Kalligraphen Herrn O. Gottlieb, welcher heute imHotel Schütz" hier feinen Anfang nimmt, machen wir hiermit noch besonders aufmerksam. Die Erfolge der Gottlieb'schen Methode sind ja hinlänglich bekannt und bedürfen solche deshalb einer weiteren Anpreisung nicht mehr.

* * Unfall. Herr Hauptmann Clausius stürzte heute Vormittag während des ExercirenS beim Ueberfetzen eines Grabens mit dem Pferde und zog fich anscheinend schwere Verletzungen zu.

* * Gratis-Abendessen. Ein hiesiger Tapezierermeifter engagirte gestern Abend in Klein ° Linden einen reisenden Tapeziergehülfen und kaufte ihm zu effen und trinken. Statt aber einzutreten, suchte der Gehülfe heute früh 6 Uhr schon das Weite und der vertrauensselige Meister war geprellt.

* * Ueber die Einschränkung des PostpackerewerkehrS an Sonn- und Feiertagen, die in einer vom Reichstage ange­nommenen Resolution Lingens gefordert wurde, hat der StaatSsecretär des RetchSpoftamtS von den Handels­kammern Gutachten eingefordert. Diese Gutachren sind von der großen Mehrzahl der Handelskammern erstattet und lauten im Wesentlichen ablehnend. In der Hauptsache wird geltend gemacht, daß durch die in Anregung gebrachte Einschränkung deS Postpäckereiverkehrs für einzelne größere Geschäftszweige, wie z. B. ConfectionS-, Modewaaren-, Delicateffen-, Galanteriewaarenhandel rc., empfindliche Nach­theile entstehen würden, andererseits wird verschiedentlich