Nr. 68
Sonntag den 2t. März
Drittes Blatt.
1S97
Gießener Anzeiger
Kemral-Mnzeiger.
Aints- und Anzeiseblatt für den Tireis Gieren
chratisßeisage: Gießener, Jamilienötätter.
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Der
Hießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.
Theil
Bekanntmachung,
betreffend Maul- und Klauenseuche zu Geilshausen.
Nachdem in einem Gehöfte zu Geilshausen die Maul- und Klauenseuche amtlich sestgestellt worden ist, wird dteS mit dem Anfügen zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Gehöfrsperre angeordnet worden ist.
Gießen, den 20. März 1897.
GroßherzogltcheS Kretsamt Gießen.
v. Gaa ern. -----—--e___
Gefunden: 1 Notenheft, 1 gold. Ring, 1 Glacehandschuh, 1 Hundehals^and Nr. 969, 1 Handschuh, eine Broche, 2 Bücher, 1 Bücherträger, 1 Frauenhut, 1 Scheere, 1 Globus.
Gießen, den 20. März 1897.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
v. Bechtold.
Dentldper LleiichstaH.
195. Sitzung. Freitag den 19. März 1897.
In der Hofloge: Prinz Heinrich.
AmBundeSrathsttsche: Reichskanzler Fürst von Hohenlohe, Freiherr o. Marschall, Admiral Hollmann und Schatzsecretär Gras v. Posadowsky. *><4
In Erledigung eines schleunigen Antrages Win ter er wird zunächst die Einstellung eines gegen den Abg. StmontS schwebenden Strafverfahrens beschloffen.
Das Hau« setzt sodann die Berathung deS MartnetatS, einmalige Ausgabe, fort.
Schatzsecretär Graf Posadowsky: Daß Deutschland reicher fei als Frankreich, wie Kardorff gestern behauptet habe, könne er selbst nicht zugeben. Sicher sei zum Mindesten der französische Staat reicher, und weshalb? weil derselbe seinen Bedarf hauptsächlich durch in di recte Steuern aufbringe. Redner erörtert dann die Finanzlage. Der angekündigte Nachtragsetat fordere im Ordinarium nur 1 Mill, und dem ständen ja im Ordinarium bereits Abstriche von 8 Mill, gegenüber, so daß im Ordinarium bereits eine Ueber- deckung von 7 Mill, vorliege, welche auch durch die erhöhte Schuld- ztnsenlast nicht absorbtrt werde. Infolge der für das Vorjahr und das laufende Jahr bereits beschloffenen Schuldentilgungen aus Mehrüberweifungen werde ferner selbst dann, wenn das HauS sämmtltche Forderungen im Extraordtnarium annehme, die neue Erhöhung der Schuldenlast sich nur auf 57V« Mill, belaufen. Und sogar voraussichtlich nur auf 40 Mill., falls auch für das nächste Jahr wiederum eine gleichartige Schuldentilgung aus Ueberwetsungen statifindet. Der nächstkünftige Etat werde hoffentlich balanctren können ohne Erhöhung der Matricularbeiträge und ohne Verlassen der bisherigen Grundsätze für Deckung der einmaligen Ausgaben im Ordi- nartum und Extraordtnarium. Da könne es doch wohl jeder Par- lammtarier auf sein Gewissen nehmen, von den Beschlüssen der Commission abzugehen.js MS
Abg. o. Vollmar (Soc.): Ich hoffe, daß der Reichstag sich nicht durch schöne Redensarten verlocken lassen wird, die den Dienst der Janitfcharenmusik hier leisten sollen. Von 40 bis 50 Mill, in den 80er Jahren sind unsere Marineausgaben jetzt bis auf 129 Mill, gestiegen. Und was soll gar noch nachkommen I — Die Denkschrift des Herrn Hollmann hat uns das ja gezeigt! Dieselbe widerspricht allen früheren von der Regierung abgegebenen Erklärungen auf das entschiedenste. Noch im November 1896 hat der Reichskanzler die förmliche Erklärung abgegeben, daß von weitausfchauenden Flotten- plänen nicht die Rede fei. Daraus, daß der Marinechef so offen gewesen ist, machen wir ihm keinen Vorwurf, sondern nur daraus, daß die Reichsregierung so lange eine Politik deS VersteckenfpielenS mit uns getrieben hat, uns sogar mit Umbauung von Schissen täuscht. ES ist eine Fiction, daß sich die neuesten Flottenplane lediglich an das 1873er Programm anlehnten. Die Zahl allein macht es doch nicht, sondern der Werth der Schiffe. Sind doch bet den Ersatzbauten seit jener Zett dte Baukosten um 80 bis 286 pCt. gestiegen. Dabei ist inzwischen der Nordostseecanal gebaut und auch Helgoland in unfern Besitz übergegangen, dessen frühere Zugehörigkeit zu England s. Z. als Grund zur Verstärkung unserer Marine dienen mußte. Die Denkschrift des Marinechefs ist zwar hinterher verleugnet worden, aber ihalsächlich bandle es sich doch um feste Pläne. Allerdings haben der Reichskanzler und die verbündeten Regierungen nicht einmal von der Denkschrift etwas vorher gewußt. Der Reichskanzler weiß also nicht einmal, was sein Untergebener thut. Letzterer Hai ja auch gesagt, daß er vom Admiralstab abhängig fei, also — von einer unverantwortlichen Stelle! Warum sagt man nicht offen: Alle« das ist der Wunsch des Kaisers! Diese Zustände sind characteristisch für die kaum noch verhüllten Allüren eines persönlichen Regiments. Herr o. Marschall sprach von den katholischen Missionaren in China. Nun, wenn der Regierung die Missionare gar so theuer sind, weshalb hat sie sie erst durch das Jesuitengesetz aus dem deutschen Reiche gejagt? (Heiterkeit.) Und was der Herr Staatssecretär vom auswärtigen Dienst sagte, ja — das ist doch eine unfähige Diplomatie, die immer nur bann vorzugeben vermag, wenn sie die Kanonen hinter sich weiß. Wenn die Schiffe für den auswärtigen Dienst fehlen, dann verstehe ich nicht, wie immer noch Schiffe für die Repräsentation und für das Vergnügen da sind. (Beifall links.) Der Schutz der Deutschen im Auslande ist offenbar nur Vorspann für eine „Weltpolitik". Wir sollen unsere Flotte bis zu dem Umfang derjenigen Frankreichs vermehren. Diese Weltpolitik aibt nur den Anreiz zu einer Abenteuerpolitik nach napoleonischem Muster. Wir muffen umsomehr die Mittel dazu verweigern, je weniger bei uns — im Gegensatz zu England — das Parlament
Einfluß bat auf die Executive. Man droht mit dem Conflict, dem Minister-Kladderadatsch. Man hat so oft schon mit solchen Schreckmitteln auf uns einzuwirren gesucht, daß es doch endlich einmal an der Zeit wäre, mit solchem unwürdigen Appell an die Furcht aufzuhöcen. Tritt der Confltct wirklich an uns heran, bann — meine Herren, seien wir fest und kämpfen wir ihn durch.
Reichskanzler Fürst Hohenlohe: Der Herr Vorredner hat die Denkschrift deS Herrn Marinechefs ein offenes Wort genannt. Er tadelte aber, daß der Reichskanzler nichts von der Denkschrift gewußt habe und durch dieselbe überrascht worden sei. Ich muß diese Vermuthung zurückweisen. Ich habe von der Denkschrift des Herrn Siaatssecretärs vorher Kenntniß geh cht und zu derselben meine Zustimmung gegeben, weil ich dte betr. Mittheilungen an den Reichstag für loyal hielt. Es ist also unrichtig, daß das constitutio- nelle Prtnctp du'chbrochen sei. (Beifall rechts.)
Abg. von Bennigsen (nl.): Wir bewilligen das jetzt Geforderte in der Voraussetzung, daß eS sich nicht um Schaffung einer Marine ersten Ranges, wie Die von England ober auch nur von Frankreich handelt. Wir werden aber geachteter fein, wenn wir mit unseren Bundesgenossen nicht nur zu Lande, sondern auch zur See zusammenwirken können. Eine Verstärkung unserer Marine wird immer ein bedeutender Zuwachs in der Beruhigung der europäischen Zustände sein. Die größere Höhe der Forderungen für die Marine erklärt sich durch die unendlich höhere Entwickelung der Marinetechnik. Mit Recht hat Herr von Marschall betont, wie wichtig es für uns sei, neue Handelsbeziehungen anzuknüpsen, neue sich bietende Absatzwege zu betreten, zumal angesichts der Concurrenz, die uns in älteren Culturstaaten durch deren eigene Industrie in zunehmendem Maße erwachse. Gegenüber so hohen Handels- und politischen Jn- tereffen liegt auch in der Finanzlage kein Grund, die gegenwärtigen Forderungen zu verweigern. Nicht zu leugnen ist, daß seit Jahr und Tag das Ansehen deS deutschen Reichstages im Rückgänge ist. Anders ist die Autorität der Parlamente nicht aufrecht zu erhalten, als dadurch, daß die großen Parteien und ihre Führer in solchen großen Momenten auch den Vorurtheilen der Menge entgegentreten. Gerade das Centrum mit feiner großen Autorität bei den Wählern kann angesichts der berufenen Darlegungen der Regierungsvertreter sehr wohl den Jrrthümem der Wähler in dieser Frage entgegentreten und daS Verlangte bewilligen. Ich gebe auch die Hoffnung nicht auf. Sollte etwa bei der Wahlbewegung gar noch die Marinefrage hinzutreten, so würde daS am allerwenigsten aufklärend und fördernd wirken, sondern nur verwirrend. AlS Wahlparole wäre daher die Marinefrage nicht zu brauchen. (Bravo!)
Abg. Richter (ftf. Vp.): Das Ansehen des Reichstags wird nicht durch die Behauptung gefördert, daß seine Beschlüsse nut beeinflußt feien durch wechselnde Stimmungen im Lande ober burch das Verhalten der Regierung statt bmch sachliche Erwägungen. Ich kann dem Centrum, an welches sich Herr von Bennigsen besonders gewandt hat, bezeugen, daß bei demselben die Absicht zu Abstrichen schon bestand, ehe Admiral Hollmann der Commission seine Denkschrift vorlegte! (Ruse im Centrum: sehr richtig!) Wer so dem Reichstage zuredet, seine eigene Ansicht unter die der Regierung zu stellen, wie Bennigsen, der sollte doch nicht von gesunkenem Ansehen deS Reichstags reden! (Beifall) Herr von Kardorff wirst uns vor, wir hätten s. Z. die Armeeorganisation verhindert. Ja, ist denn nicht die zweijährige Dienstzeit, die wir damals verlangten, jetzt eingeführt ? Unter Stosch und Caprivi ist Alles glatt gegangen. Seitdem hat sich alles geändert, weil andere Vorstellungen höheren Orts maßgebend geworden sind. Jetzt herrscht nicht mehr kühle Abwägung, es ist anders geworden, seitdem die Flotte alö „heißgeliebte" bezeichnet worden ist. Herr Hollmann hat uns ja nur reinen Wein einschenken wollen, aber ich glaube, wir haben erst die ersten Gläser erhalten (Heiterkeit). Was Sie uns jetzt abforbern, ist mehr, als in biesem Jahre Oesterreich unb Italien zusammen für ihre Flotte au8geben, unb auch mehr als in Rußlanb ausgegeben wirb. Der Reichskanzler spricht von einer schwachen Flotte, nachbem wir während der Regierungszeit des jetzigen Kaisers nicht weniger als 88 neue Schiffe für 287 Millionen gebaut haben! Wir können doch nicht an jedem Punkte der Welt Schiffe haben, um irgendwen in Grund zu bohren. Die Rede des Reichskanzlers war eine en tont cas- Rede (große Heiterkeit), die eben so gut hätte gebalten werden können, wenn es sich um 4 ober 6 Kreuzer, als um 2 Kreuzer handelt! (Heiterkeit). Hat denn nun eigentlich der Herr Reichskanzler die Denkschrift des Herrn Hollmann vorher gekannt ? Er hat nur gesagt: Herr Hollmann habe ihm vorher seine „Absichten" kundgegeben. Also nur die Absichten, nicht die Denkschrift, unb ba hat ber Herr Reichskanzler wohl Herrn Hollmann Blanko - Vollmacht gegeben: schreiben Sie nieber, was Sie benken, unb lesen Sie es in ber Commission vor! (Heiterkeit) Herr von Marschall thut so, als wenn bie Kreuzer Kreuzer für ben auswärtigen Dienst seien. Wir bewilligen für jene Zwecke, unb bann kommt bie Commanbogewatt unb bestimmt eS anders! In solcher Weise hat sich nun schon dreimal die Zweckbestimmung ber Kreuzer geänbert. Wozu benn noch zwei neue Kreuzer bewilligen, wenn bie Marineverwaltung sich noch nicht einmal klar über bie Verwenbung ist. Daß wir in Kreta nicht zwei Schiffe haben, fonbern nur eines, ist ein wahres Glück, darin hat Fürst Bismarck ganz Recht! WaS ist denn bei der Sammlung für bie Flotte herausgekommen? Rücken Sie boch heraus, wir könnten es jetzt gut brauchen! (Lebh. Heiterkeit.) Die sensationelle Art, wie wir f. Z. in Transvaal eingegriffen haben, hat uns in England sehr geschadet, ebenso sollten^ wir jetzt in Kreta uns nicht vordrängen, sondern Anderen die Vorhand lassen. Man glaubt überall dabei sein zu müssen, wo irgend etwas loS ist. (Stürmische Heiterkeit.) Unb da ist es mir lieber, wenn wir mit Kreuzern eher etwas im Rückstände sind! Wenn wir jetzt erste Raten bewilligen, so kommt das dicke Ende später in ben weiteren Raten nach. Unb wa8 stehen uns für militärische Forderungen noch bevor! Dabei bat sich unsere Staatsschuld in 8 Jahren um 1400 Millionen erhöht! Da sage ich, um auch einmal seemännisch zu sprechen, es ist verfluchte Pflicht des Reichstags, hier Halt zu gebieten- AuS ber Djarinekrisis ist geradezu eine StaatskrtstS geworden, und wir müßen dafür sorgen, daß die anderen Factoren der Gesetzgebung Achtung vor unS haben. Wir dürfen nicht bei jedem Wink von oben in bie Knie sinke! (Beifall links.)
StaatSsecretär v. Marschall: Der Borrebner hielt mir vor, immer in derselben Weise Kreuzer für den auswärtigen Dienst zu
fordern. Nun, ich werde über's Jahr, wenn ich noch an dieser Stelle stehe, wieder dieselbe Rede halten. Wenn wir nicht mehr unsere Interessen in der kretischen Frage, in Transvaal schützen dürfen, dann können wir nur ruhig unsere Kriegsflotte und unsere ganze auswärtige Politik an ten Nagel hängen. Unser Erfolg in Ostafien wird davon abhängen, daß wir dort Kreuzer haben, um unsere Rechte zu wahren, gleichwie alle anderen Staaten. Mit ben katholischen Missionen habe ich mich nicht allein an bad Centru« gewanbt, sondern an alle Die, bie bafür Verstänbniß haben. Bei Herrn Richter habe ich das allerdings nicht gesunden (Heiterkeit). Redner betont es als Erfolg unserer Politik seit 1888 und als Verdienst Bismarcks, daß die deutschen Missionare dort nicht mehr auf französischen Schutz angewiesen seien. WaS die Denkschrift betreffe, so sei dieselbe nicht oificiell, nicht von ben verbündeten Regierungen gebilligt, trotzdem behandle Vorredner sie als officiell. Wenn daS geschehe, so werde die Regierung künftig auf Anfragen in der Commission über Zukunftspläne nur antworten können: Ja, daS weiß ich nicht! Der Rückgang im Bestände ber Kreuzer bauert an, rott können unsere Aufgaben nicht erfüllen unb ich kann bähet nur wiederholen: Bewilligen Sie bie betben Kreuzer!
Abg. v. Leipziger (conf.) tritt unter großer Unruhe bei HauseS für Bewilligung aller Etatsforderungen ein.
Abg. v. Plötz erklärt, daß bie Minberheit ber Conservativen. welche im vorigen Jahre entroeber gegen bie Marineforberungen gestimmt ober ber Abstimmung sich enthalten hat, jetzt für die Neu- forbetungen stimmen werbe, weil sie sich von ber Nothwenbigkeit derselben zum Schutze von Hanbel unb Jnbustrie überzeugt habe unb nicht eine Politik ber Rache gegen Diejenigen treiben »olle, welche die Schuld an ber infolge der Handelsverträge eingetretenen Depression tragen. (Beifalls rechts.)
Frhr. v. Hoden berg (Welfe) spricht gegen, Abg. Graf Limburg (conf.) für Bewilligung der Kreuzer.
Ein Vertagungsantrag wird angenommen.
Persönlich bemerkt Abg. Müller-Fulda, daß er ben Abg. v. Eynern nicht persönlich angegriffen, sondern nur eine Aeußerung desselben Iritlfirt habe. (Große Heiterkeit.) Nachdem Herr o. Eynern im Abgeordnetenhause wiederholt ihn und vr. Lieber einer abfälligen Kritik unterzogen, müsse er für sich hier auch bafifelbe Rccht gegenüber von Eynern in Anspruch nehmen. (Lebhafter Bcijall.) DaS Centrum habe übrigens niemals ein Handelsgeschäft aus Marinefragen gemacht und werde es nie machen. (Beifall.)
ÜBeiterberathung morgen 11 Uhr. Schluß 5B/< Uhr.
XUnefte BtsreheßchäsW»
Wolff» telegraphisches Lorresponbenz-B»rea»
Berlin, 19. März. Die März - Nummer des „Soc tat ist" ist gestern aus unbekannten Gründen con- fiScirt worben.
Kol«, 19. März. Die „Köln. Ztg." meldet aus Kandia von gestern: AxelloS Pascha, ber langjährige türkische Ctvilgouverneur von LaflthiS, wirb von ben Aufständischen gefangen gehalten, weil er seine amtlichen Obliegenheiten als türkischer Beamter fortführen wollte. Dte Aufständischen verlangen unbedingte Anerkennung ihrer Regierung, sowie ferner die Entrichtung des gesetzlichen Ausfuhrzolles und Zehntens an ihre Kaffen. Dte Verwirrung wird immer größer.
Gera, 19. März. Der Landtag nahm heute ben Antrag der BolkSpartei auf Revision deS Vereins- ge setz es au.
Meutone, 19. März. Der Kaiser und die Kais er i.a von Oesterreich sind heute Mittag mir Sonderzug ab- gereist. Der Kaiser übersandte dem Präsidenten Faure ein Telegramm, in dem er seinem Danke Ausdruck gibt für dte vielen Aufmerksamkeiten, dte der Kaiserin unb ihm in de» gastlichen Lande erwiesen wurden. Der Kaiser erneuerte die Versicherung seiner Hochachtung und Freundschaft.
Depeschen deS Bureau .Herold."
Berlin, 19. März. Der Kaiser empfing heute Vormittag die anläßlich der Centenarfeier hier eiugetroffene russische Regimenter-Deputation.
Berlin, 19. März. Die polnische Fracttou deS Reichstages hat wegen der fortgesetzten Auflösung von Wähler-Versammlungen infolge Gebrauches der polnischen Sprache eine Interpellation eingebracht.
Berlin, 19. März. DaS Allgemeinbefinden deS Fürsten Bismarck ist so gut, daß er gestern Nachmittag einen langen Spaziergang im Parke unternehmen konnte. Der Fürst sah sehr wohl auS. Den 22. März wird er in aller Stille verbringen; irgend eine Festlichkeit oder ein Empfang ist nicht in Aussicht genommen.
Berlin, 19. März. Der Herzog von Genua, welcher den König von Italien bei den Festlichkeiten zur Centenarfeier vertreten wird, ist heute Nacht über Turin nach Berlin abgereist.
Breslau, 19. März. Der „BreSl. Gen.-Anz.- berichtet, daß heute früh 67» Uhr infolge heftigen Sturmes ein Theil des noch in Bau befindlichen vierstöckigen Eckhauses Neuendorferstraße 101 ein stürzte. Die Umfassungsmauern deS Treppengebäudes, wie ein Theil der Vorderfront brach in den unteren Stockwerken ein, wobei sämmtltche Balkenlagen zerbrachen. Menschenleben find nicht verunglückt, b*


