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Mr. 167 Erstes Blatt Dienstag den 20 Juli
Der
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Deutsche» Reich.
Berlin, 17. Juli. Die Kaiserin, welche bekanntlich alljährlich einige Zeit auf WtlhelmShöhe zur Erholung zu« bringt, hat ihrer Antheilnahme an dem Eisenbahnunglück bet Wilhelmshöhe durch eine telegraphische Anfrage an die Kasseler Eisenbahoverwaltung Ausdruck gegeben, indem fie über den Zustand der verletzten Personen nähere Nachricht zu erhalten wünscht.
Berlin, 17. Juli. Die „Deutsche TageSztg." bringt heute au der Spitze ihrer Nummer eine Eingabe des Bundes der Landwirthe au den Reichskanzler, an die StaatSsecretäre des Innern und Aeußereu, sowie an die preußischen StaatS- minifter, in welcher ein sofortiges Einfuhrverbot gegen ausländisches Brodgetreide, zunächst für die Dauer von sechs Monaten, gefordert wird.
Berlin, 17. Juli. Der „Deutschen TageSztg." wird auS FrtedrichSruh berichtet, daß Fürst Bismarck, wenn sein Gesundheitszustand so vorzüglich bleibt, wie er gegenwärtig ist, vielleicht tu diesem Spälsommer sein pom- merischeS Befltzthum Darztu zu läugerem Aufenthalte aufsuchen wird.
Hamburg, 17. Juli, lieber Christtanta wird den „Hamb. Nachr." aus Bergen vom 16. ds. gemeldet: Der deutsche Lonsul in Bergen, Mohr, war heute zum ersten Frühstück beim Kaiser geladen- er erzählte, das Auge des Kaisers sei eroftlich beschädigt, jedoch nicht so übel, daß nicht eine baldige Genesung vorauszusehen sei.
Köln, 17. Juli. Nach einer Meldung der „Kölnischen Zeitung" auS Hav annah stnll dort 89 vermögende Kaufleute und Bankiers in Haft genommen worden, wet fie Seinen und Arzneimittel an die Aufständischen verkauft haben.
Arr»la«d.
Stockholm, 17. Juli. Einer Privatdepesche der Zeitung „Dagen" auS Tromsoe zufolge herrscht laut allen in der letzten Woche etngetroffenen Nachrichten über Spitzbergen, Norwegen und den Etsregtonen Südwind und Südwestwind. AuS diesem Umstande vermuthen die Eismeerfahrer, daß AndrseS Ballon in der Richtung nach Oststbirien getrieben wird.
Tterreßte
Depesche« de? Bureau „Herold/
Bad Ltebenstein i. Thur., 18. Juli. In dem Schwer- spathwerk Mommel stürzte während der Arbeitszeit eine Schachtdecke ein. 5 Arbeiter wurden unter Steingeröll begraben. Eine Anzahl anderer Arbeiter find von der Außenwelt abgeschlossen. Die RettungSarbeiten find schwierig.
Hannover, 18. Juli. Wie die „Hann. Tage-nachr." auf Grund zuverlässiger Informationen erfahren, hat der Oberpräfidenr von Hannover, Herr v. Bennigsen, seinen Abschied zum 1. Januar n. I bereits formell eingereicht.
Wie«, 18. Juli. Hier eingetroffenen Privatnachrichten zufolge hat die Hitze in Dalmatien in den letzten Tagen derart zugenommen, daß mehrere Menschen und viele Haus- thiere am Hitzschlage zu Grunde gegangen find. Auf dem Hochlande von Jmoscht find während eines Manövers fünf Mann tobt zusammengebrochen. 20 Mann erkrankten am Sonnenstich.
Konstantinopel, 18. Juli. Ein telegraphisches Ultimatum des Zaren soll die sofortige Räumung Thessaliens fordern, da sonst Truppen die Grenze überschreiten würden. Rußland scheint der Zustimmung der Mächte sicher, ob auch derjenigen Englands wird bezweifelt.
Rom, 19. Juli. Wie hier verlautet, hat der nach hier ernannte russische Botschafter Nelidow von der Regierung den Auftrag erhalten, die bahnzielende Politik zu verfolgen, die Annäherung Italiens an England zu verhindern und den Plan der Cabiuette von Parts, Berlin und Petersburg eine dollständige Jsolirung Englands baldmöglichst zu veranlassen.
Brussel, 19. Juli. Aus dem Hennegauischen Strtke- gebietewerden neuerdings Ruhestörungen gemeldet. Die Gendarmerie versprengte die Meuterer, zahlreiche Verwundungen und viele Verhaftungen sind zu verzeichnen.
Paris, 19. Juli. Der demnächstigen Begegnung GoluchowSkyS in Vichy wird eine große Tragweite bei« gelegt. Die franco-österreichische Annäherung soll eine direkte Folge der allgemein bemerkten österreichisch.rusfischeu Annäherung sein.
Ctcale» uttfc ^provinzielle»,
Gießen, den 19. Juli 1897.
♦* Von der Universität. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 17. Juli dem ordentlichen Professor in der medicinischen Facultät der Landes'Univerfität und Direktor der Frauenklinik in Gießen Dr. Hermann Löhlein den Charakter als „Geheimer Medicinalrath" zu ertheilen.
*• Großherzogliche Technische Hochschule zu Darmstadt. Für das Studienjahr 1897/98 ist von Sr. Königl. Hoheit dem Großherzoge gemäß Wahl des Professoren-CollegiumS Geh. Baurath Professor Berndt erneut zum Rector der Technischen Hochschule ernannt worden. Als Prorector fungirt Geh. Hofrath Dr. LepsiuS. —Vorstände der sechs Fachabtheilungen find für daS kommende Studienjahr die nachstehend genannten Professoren: Für Architektur Geh. Baurath Marx, für Jngenteurwesen Baurath Koch, für Maschinenbau Geh. Baurath Lincke, für Elektrotechnik Geh. Hofrath Dr. Kittler, für Chemie (einschl. Elektrochemie und Pharmacie) Geh. Hofrath Dr. Stachel, für Mathematik, Naturwissenschaften und allgemein bildende Fächer (Allgemeine Abtheilung) Prosessor Dr. Wiener. — Dem Privatdocenten für Chemie Dr. Adalbert Kolb ift der Charakter als Professor ertheilt worden.
** Parlamentarisches. Abg. Dr. Schroeder hat bei der Zweiten Kammer einige Anträge zu Capitel 64 des Hauptvoranschlags pro 1897/1900, Centralstelle und Landesgewerbeverein betreffend, eingebracht. Darnach sollen für den Conservator und Bibliothekar statt wie ein- gesetzt 3500 Ml. Gehalt 4000 Mk., sür den Vereinsdiener statt wie eingestellt 900 Mk. 1200 Mk., als Gehalt für einen neu anzustellenden Gewerbe-Schulinspector 4000 Mk. und 1200 Mk. für Diäten und Reisekosten desselben eingesetzt werden. Ferner wird beantragt, statt der für Kosten der Zeitschrift angeforderten 6100 Mk. 8100 Mk., und statt der für Förderung der kleineren gewerblichen Unterrichts- Anstalten angeforderten 20,190 Mk. 25,190 Mk. zu ver- Willigen.
* ♦ Da8 Diplom, welches dem Bauer'fchen Gesangverein über den von demselben beim Gesangswettstreit in Bockenheim errungenen Preis ertheilt wurde, ist im Laden des Herrn Carl Schulze am Kreuzplatz ausgestellt.
• * Montags Coucert auf der „Schönen Aussicht". Heute (Montag) Abend 6 Uhr findet bestimmt das Bier- Concert, ausgeführt von der hiesigen RegimentSmusik, statt.
* * DaS MnfikcorpS des 6. Kgl. Sachs. Jnfanterie-RegimeulS Nr. 105 auS Straßburg gibt am Mittwoch den 21. Juli in „Steins Garten" ein C o n c e r t. Zum Vortrag kommen u. A.: Große Fantasie aus Alva, Solo für 10 egyptifche Ai)a- Bustnen, Historische Märsche und Fanfaren für 10 Heroldstrompeten usw. lieber die Leistungen der im Jahre 1891 in London mit dem 1. Preis ausgezeichneten Capelle schreibt man aus Baden-Baden: Am vorigen Donnerstag hatten wir Gelegenheit, zum ersten Male in dieser Saison wieder einmal die Capelle des Königl. Sächs. 6. Infanterie-Regiments Nr. 105 aus Straßburg i. Els. im Kurgarten zu hören. Bekanntlich errang die Capelle im Jahre 1891 in London den ersten Preis. Die Leistungen der wirklich gut geschulten Capelle waren derartig, wie wir fie wohl hier selten von einer Militär-Capelle gehört haben. Von dem geschmackvoll zusammengesetzten Programm wollen wir besonders die „Tannhäuser"-Ouverture von R. Wagner hervorheben, fie wurde mit Fleiß und unermüdlicher Hingabe gespielt. Stürmischen Beifall erntete dafür die Capelle. Im 2. Theil traten ein großer Theil der Künstler mit ihren HeroldStrompeten und fliegenden Fahnen auf. Die hier so gern gehörte „Aida"-Fantafie von Verdi (Solo für zehn A'ida-Bufinen) bildete den Schluß des ConcerteS. Wir hoffen, das Mufik CorpS recht bald wieder in Baden-Baden begrüßen zu können.
* • Waldparthien. Nicht weniger wie drei Waldparthien waren gestern von hiesigen Vereinen arrangirt worden. Die Kriegerkameradschaft zog nach dem Ludwigsbrunnen, die Concordia nach der Licherftraße und der Bauer'sche Gesangverein nach dem alten Anneröder Weg. An allen Veranstaltungen beteiligten sich die Mitglieder, deren Familien und Gäste zahlreich. Man vergnügte sich mit Gesang und Tanz, die Kinder mit Spielen und Bretzelspenden. Die warme, trockene Witterung verursachte natürlich auch Durst, der am gewaltigsten am Anneröder Weg gewesen zu sein schien, denn dort ging unmittelbar nach dem „Rabbelderautsch" der Sänger der Stoff aus.
** AnSfiüge und Festlichkeiten. Die Metzger-Innung fuhr in geschmückten Sommerwagen durch den Licher Wald 1
nach dem beliebten Ausflugsorte Kloster Arnsburg. Dem reizend schön gelegenen, prächtige Fernficht bietenden Staufenberg galt ein Ausflug des Männer g esangvereins Tin Sommer-Sportsfest auf der Pulvermühle hatte bet Erste Gießener Stemm- und Ringclub arrangirt. Per Bahn wurde von einer großen Anzahl daS Kirchweihfest in Großen-Linden, sowie das Krieg er fest in Waldgirmes besucht. Alle, welche den Festen und Ausflügen beiwohnten, bekunden, daß der gestrige Sonntag ein recht „genußreicher" war, desgleichen aber auch alle Andern, denen die Erholung nur in den bescheidenen Grenzen eines Spazierganges, deö Besuches einer Gartenwirthschaft oder „um die Schoor" vergönnt war.
Wetterbericht. Den Osten des Erdtheils bedeckt auch heute noch eine ausgedehnte Depression, doch hat sich ihr Centrum verflacht und gegen baß schwarze Meer verlegt, lieber Westeuropa hat dagegen der Luftdruck neuerbingß an Intensität gewonnen unb erstreckt sich am Morgen bereits wieder ein keilförmiger Ausläufer nach Süddeutfchland herein. Die Witterung war heute meist trüb und fielen Niederschläge, dazwischen hat es jedoch zeitweise vorübergehend aufgeklart. Voraussichtliche Witterung: Im Allgemeinen zwar wieder beffereö Wetter, im Süden aber noch zeitweise Niederschläge wahrscheinlich.
In Amerika verstorbene Hessen. Liverpool, N. U. Adam Bittel, 68 Jahre alt, aus Hamm. Brooklyn, N. A., Frau Jeanette Stern geb. Bauer, aus Schotten. Baltimore, Md., Johannes Adam D a s ch, 76 Jahre alt, aus Hessen-Darmstadt. Brooklyn, N. A., Johann Wilhelm Geil, 72 Jahre alt, aus Friedberg. Ebenda. Heinrich W. Fen dt, 67 Jahre alt, auS Schotten. EvanSville, O., Jacob Weintz, 67 Jahre alt, aus Albig. Chicago, Jll., Philipp Daudistels 52 Jahre alt, aus Horrweiler. New-Aork, Adam Güttler.
+ Nidda, 18. Juli. Ende verflossener Woche wurden einem Steinbruchspächter die Ergebnisse seines hiesigen Betriebes, nämlich gegen 200 Meter gebrochener Basaltsteine, zwangsweise versteigert, wobei ein hiesiger Fachmann eine größere Menge zubereiteter Steine für Mk. 1.50 pro Cubikmeter erstand - derselbe hat sonach an jedem Meter rund 1 Mk. verdient, weil für daS Klopfen allein durchschnittlich Mk. 2.50 bezahlt werden. — Die Heidelbeerernte in dem benachbarten VogelSgebirge ist quantitativ mittelmäßig, da die naßkalte Witterung im Mai den Fruchtansatz rc. beeinträchtigt hat- dec Preis ist gegenwärtig 9 und 10 Pfg. pro Schoppen, was immerhin einen besseren Verdienst der armen Heidelbeerpflücker gegen sonst bedeutet.
+ Nidda, 16. Juli. Heute Vormittag ereignete sich ein höchst bedauerlicher UnglückSfall auf her Kröten« bürg dahier. Der als Knecht daselbst bedienstet gewesene, Ende der sechsziger Jahre gestandene Johannes Kaiser, welcher im Juli v. I. an einem Auge erblindete, war auf dem Scheuergerüste feiner Herrschaft damit beschäftigt, Stroh herunter zu werfen, als er plötzlich, jedenfalls durch eine« Fehltritt, in die Tenne herabstürzte und mit halb zerschmettertem Kopfe, doppeltem Armbruch rc. bewußtlos liegen blieb, so daß er nach der alsbald zu Theil gewordene« nöthigsteü ärztlichen Hülfe nach feiner Wohnung gefahren werden mußte, wo der BedauernSwerthe noch des Nachmittags feinen schrecklichen Verletzungen erlag; er hinterläßt eine in zweiter Ehe gestandene Wittwe und ein vier Jahre altes Kind, während der ersteheliche Sohn zur Zeft beim Militär dient. Gerade vor einem Jahre hatte der Verunglückte das Sehvermögen am linken Auge dadurch ein- gebüßt, daß er mit dem letzteren auf das Horn eines Rindes fiel, welches ihn beim Führen ans dem Stalle feines Herrn zum Stürzen brachte. Der erste Gatte der armen Wittwe kam ebenfalls durch einen, allerdings gewaltsam von einem Anderen herbeigeführten Sturz vor ca. 20 Jahren nmS Leben.
§ Aus dem Ohmthal, 16. Juli. Die Rapsernte hat nicht gehalten, was sie zu versprechen schien. DaS Körner- ergebniß ist ein äußerst geringes. Die RapSblüthe hat unter dem Einfluß von Kälte und Nässe sehr wenig und schlechten Samen angesetzt. Wenn man die Hackgewächse, insonderheit Dickwurz unb Kohlrüben beobachtet, so bemerkt man hierbei ein äußerst schlechtes WachSthum der Pflanzen, ja ein vielfaches Eingehen derselben. Die Ursache dieser Erscheinung liegt an den zur Zeit im Erdboden in großer Zahl vorkommenden Engerlingen, welche die Wurzeln der Hackgewächse benagen oder abfressen. Wie uns Landwirthe mittheilen, haben sie selten eine solche Unmenge von Engerlingen beim Ackern gesehen, wie gegenwärtig. Darnach haben wir mit Sicherheit im kommenden oder einem nachfolgenden Jahre, die Maikäferlarve braucht bekanntlich vier Jahre zu ihrer


