Ausgabe 
20.6.1897
 
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1S97

Sonntag den 2V Juni

Nr. 142

Erstes Blatt

Gießener Anzeiger

Kenerat-Wnzeiger

Amts- uni Anzeigeblatt für den Kreis Gieren

Hratisöeitage: chießener Aamikienbtätter

Amtlicher Tkeil

Wolff» telegraphisches Correfpondenz-Bureau.

das

8 Uhr Morgens bis

Gießen.

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Berlin, 18. Juni.

Gesetz über daS

Nach Informationen der ^Rordd. die Blättermelduvgen betr. angeblich über Veränderungen in de«

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für de» folgenden Lag erscheinenden Nummer bi» Bonn. 10 Uhr.

fflUl* tu.

Die Gießener A-amilienotLIter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

9. Juni 1897.

Berlin, 18. Juni.

Allgem. Ztg." beruhen

Der

Lietzener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montag».

DerRetchSanzeiger" veröffentlicht Auswanderungswesen vom

Bekanntmachung,

betreffend: Schießübungen.

1897.

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Alle Annoncen-Vureaux de» In- und Auslandes nehme» i Anzeigen für denGießener Anzeiger- mtgcye. '

Vie jedenfalls tn engem Zusammenhänge hiermit flehen und Ereignisse von größter Bedeutung bilden. Der neue Staats« secretär der Marine ist noch verhältnißmäßig jung. Er ist am 19. März 1849 geboren, also erst 48 Jahre alt. Seine Carriöre in der Marine war ebenso schnell wie die seines Vorgängers. Am 22. September 1869 wurde er Unter- lieutenant, am 13. Mat 1895 Coutre-Admiral und war Jahre lang Chef des Stabes des ObercommandoS der Marine. Da alle Kenner unserer Martneverhältnisse über die hohen Qualitäten deS Herrn von Tirpitz einig find und er sür den fähigsten Offizier der Kriegsmarine gehalten wird, so ist deffen Ernennung zum Staatssekretär nur mit Freuden zu begrüßen. Die nächsten Verhandlungen müssen eS nun zeigen, ob er auch im parlamentarischen Kampfe seinen Mann stehen und im Stande sein wird, seine Gegner im Parlament von der mehrfach schon erörterten Vermeh« rung der deutschen Marine zu überzeugen. Vielleicht ge­lingt eS ihm, im Einvernehmen mit dem Staatssekretär des Reichsschatzamts unter Berückfichttgung der Steuerkraft des Reiches etn Programm vorzulegen, dem der Reichstag seine Zustimmung geben kann- daß eine weitere Flottenvermehrung gefordert werden wird, ist kaum zu bezweifeln, auf keinen Fall wird aber dem Reichstage schon in der diesjährigen Nachseffion, welche am 22. Juni ihren Anfang nimmt, eine diesbezügliche Nachforderung für maritime Zwecke zugehen.

Die Friedens-Verhandlungen auf der Balkan- Halbinsel werden von Tag zu Tag schleppender- wahrend man Anfangs überzeugt war, daß solche, einmal begonnen, einen prompten Verlauf nehmen würden, ist man jetzt mehr und mehr zu der Ueberzeugung gelangt, daß der Sultan bei der Vereinbarung der Friedensbedingungen auf die öffentliche Stimmung seines Landes zu viel Rückficht uehmeu muß, dann aber auch immer noch nicht gewillt ist, Theffalten herzugeben. Die Botschafter halten immer noch Besprechungen über die Festsetzung der Friedens-Bedingungen ab. Die Verhandlungen betreffen die Berichtigung der thessalischen Grenze, die Kriegsentschädigung und die Frage der Captin- lationen. Vorerst gilt es, festzustellen, über welche Ein­nahmequellen Griechenland unter den gegenwärtigen Um­ständen verfügt, um danach die Summe der zu zahlenden Krtegsindemuität festzustellev. Dann handelt es fich um die Regelung der Frage für die neue Grenzbesttmmung zwischen Makedonien und Thesialien. Es wird hierzu auS Paris gemeldet, daß zwischen dem Standpunkt der Botschafter und demjenigen der Pforte sowohl in der Frage der Grenzregu- lirung wie bezüglich der Capitulationen eine wesentliche An­näherung fich vollzogen haben soll. Die Lösung all dieser Fragen dürste indeffen noch geraume Zett in Anspruch nehmen und das Datum, an welchem die Frtedensverhandlungen zu einem günstigen Ende gebracht werden, noch als sehr un­bestimmt erscheinen laffen.

In Paris scheint wieder eine Art Attentats- und Bombenwuth heretngebrochen zu sein. Mit der am Eintrachts­platz am Fuße des Bildes der Stadt Straßburg explodirten Bombe ist dies nunmehr die sechste, welche seit dem letzten Monate constatirt worden ist. Wenn man auch in Parts diese Sprenganschläge nicht für ernst nimmt, ihnen vielmehr jeden anarchistischen Charakter abspricht und der Anschlag vom Bois de Boulogne nur noch einen Gegenstand einer stark irontstrenden und spöttelnden Behandlung bildet, so constatirt man doch andererseits in Pariser Blättern mit einer gewtffen Genugrhuung die Namen von 18 gekrönten Häuptern und Fürstlichkeiten, die den Präfidenten dazu beglückwünscht haben, daß er am Sonntag dem Attentat mit heiler Haut entgangen ist. ES wäre nun trotzdem nachgerade an der Zett, wenn die Polizei diesem kindischen Schabernak etn Ziel setzte und eS ihr gelänge, die Verhaftung dieses eigenartigen Individuums zu bewirken. Denn sür die Dauer dürfte ein solcher Spaß doch nur ermüdend wirken.

Der Marine-AuSschuß der franzöfischeo Deputirten- kammer ist bekanntlich über die Forderungen des Ministers Besnard hinausgegangen und hat fich den Flotteuplan Lockrvys angreignet, der einen außerordentlichen Credit von 260 Millionen erfordert. Davon sollen 200 Millionen auf Neubauten, 20 Millionen auf Umbauten und AuSbefferungen, die übrigen 40 Millionen zur Anlage und Verbefferung maritimer Stützpunkte verwandt werden. Zu solchen Stütz­punkten hat der Ausschuß in den überseeischen Gebieten der Republik Tunesien, Algerien, Saigun, Madagaskar, Dakar, die Insel Gorea an der Küste SenegambienS und La Mar­tinique auSersehen. Die 200 Millionen für Neubauten sollen nach der Anficht des AuSschvffes zum Bau von Kreuzern und leichten Fahrzeugen, aber nichts von dieser Summe soll für Panzerschiffe verwandt werden, und zwar find 120 Mil­lionen für große Panzerkreuzer und 60 Millionen für Tor-

Gießen, den 18. Juni 1897.

Betr.: Wie oben.

Ha» Grotzberzogliche Kreisamt Gießen e* Me Grstzd. ©ftraermetfkreW* M AtdM.

Wir machen Sie auf die heute in rubricirtem Betreff «rlaffene Bekanntmachung aufmerksam.

v. Gagern.

Depeschen de» Bureau .Herold."

Berlin, 18. Juni. Der Kaiser wird die Nordlau^- reise om 4. oder 5. Juli anireteo. Die Rückkehr erfolgt am 27. Juli. Nach dem Besuch am russischen Hofe wird der Kaiser den am 23. August stattfindenden großen Uebungen der Flotte beiwohuen.

Berlin, 18. Juni. Der Kaiser genehmigte unter Be­zeugung der besonderen Zufriedenheit mit seiner Dienstführung und unter Verleihung des Wilhelms Ordens daS EntlaffungS- gesuch des Präfidenten des Reichs«Versicherungsamtes, Dr. Bödiker.

Berlin, 18. Juri. Staatssekretär Tirpitz tritt de« Localanzeiger" zufolge morgen seinen Urlaub an und begibt sich zunächst nach Ems, wo er Heilung von einem HalSleideu zu finden hofft.

Berlin, 18. Juni. DerSocialist" wurde heute Morgen auf Gerichtsbeschluß confiScirt. ES soll sich um eine Besprechung:AuS der Zeit" handeln.

Berlin, 18. Juni. DieNationalzeitung" hält die Auficht der Blätter, daß die Entscheidung über die tn der Reichs- und preußischen Regierung schwebenden Personal- frag en erst im Herbst erfolgen werde, für irrthüwlich, glaubt vielmehr, daß die Entscheidung tn dem für Anfang Juli in Aussicht genommene» Antritt der Nordlandreise deS Kaisers stattfinden wird. Aus parlamentarischen Kreisen wird dem Blatte mitgetheilt, daß Finaozminister Miquel die Rück- kehr nach Wiesbaden aufgegeben hat. DieNationalzeituug"

erfolgten bisher nicht.

Berlin, 18. Jui. Dem Abgeordnetenhaus ging ein Gesetzentwurf zu betr. die Zwangsvollstreckung aus Forderungen landschaftlicher und ritterschaft- licher Cre dtt an st alt en. Darnach können mit landes­herrlicher Genehmigung die Satzungen bestimmen, daß solchen Anstalten, auch prootnzialständischen und communalständische« Grundcredttanstalten, daS Zwangsvollstreckungsrecht in da» bewegliche oder unbewegliche Vermögen zustehe sür Forderungen au DarlehenScapitalien, Zinsen, TilgungSbeiträgen und sonstige« satzungsgemäßen Leistungen. AuS den Urkunden, welche zum Rtchteramt befähigte AnstaltSbeawte aufnahmen, findet die gerichtliche Zwangsvollstreckung statt.

Köln, 18. Juni. Bisher sind hier eingetroffeu der Erbgroßherzog von Baden, der Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe, die Minister v. Bo etlicher, Brefeld, Thielen. Schoenstedt, v. d. Recke, Staatsminister v. Goßler und Fürst zu Wied.

Paris, 18. Juni. Der Prinz von Neapel stattete dem Präsidenten F a u r e seinen Besuch in bürgerlicher Kleidung, von einem Ordonnanzoffizier begleitet, ab. Eine Compagnie Infanterie erwies dem Prinzen die militärischen Ehrenbezeu­gungen. Die sehr herzliche Unterredung des Prinzen mit dem Präfidenten währte etwa */» Stunde. Präsident Faure erwiderte alsbald den Besuch des Prinzen tu deffen Hotel.

Loudon, 18. Juni. DaS Oberhaus beschloß, am Sonntag in corpore dem Dankgottesdienst anläßlich deS Jubiläums der Königin in der Westminster-Abtei beizuwohnen.

pedoboote, Torpedojäger und Unterseeboote avzusetzeo. Der Ausschuß gibt endlich der Meinung Ausdruck, daß diese Credite n'cht tn da» JahreSbudget einzufügen seien, die Arbeiten für Umbauten, Neubauten, Aufbefferung oder Neuaulage vo« maritimen Stützpunkten sollen vielmehr ein Ganzes für fich bilden und find von den Capiteln deS Budget» zu trenne«. Die gesammtrn Voranschläge deS KriegSbudgetS für 1897 belaufen fich auf 629 Millionen Francs, also fieben Millionen mehr als tm Vorjahre. Die Ausgabenerhöhung ist durch die Schaffung von 40 vierten Bataillonen außer den im Herbste formtrten gerechtfertigt. 12000 Rekruten u«d 150 Offiziere werden für diese neuen Truppentheile ver- wandt werden. Die Landarmee wird tm nächsten Jahre 586000 Mann umfassen, von denen 25000 auf die Gen- darmeiie und die Sradtgardtsten entfallen. Im aktive« Cadre werden sich 29150 Offiziere, 742 der Gendarmerie miteinbegriffen, befinden.

Dienstag den 22. d. M., von Mittwoch den 23. b. M., von 3 Uhr Nachmittag», ttattfinden.

Gießen, den 19. Juni 1897. Großherzogliches Kreisamt v. Gagern.

Gefunden: 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Taschen- Uhr, 1 Regenschirm, 1 Paar Handschuhe, 1 Handtuch, 1 weißes Taschentuch, 1 Taschenmesser, 1 Gehrock, 2 Stücke Besatzlitze, 1 Haarpfeil, 1 Metermaaß, 1 Korb mit Inhalt, 1 Pferdedecke (wasserdicht), 1 Griffelkasten und 2 Schubkarren (darunter einer mit Kasten).

Zugeftogeu: 1 Brieftaube.

Gießen, den 19. Juni 1897.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

I. V.: Roth.

Bekanntmachung, betreffend: Maßregeln zur Abwehr und Unterdrückung der Maul- und Klauenseuche- hier Aufhebung de» allgemeinen

Verbot- der Viehmärkte.

Nachdem von Großh. Ministerium baß generelle Verbot »er Abhaltung von Viehmärkten im Großherzogrhum Heffen aufgehoben worden ist, bringen wir hiermit zur öffentlichen Äenntniß, daß im Kreise Gießen die kalendermäßig vor- gesehenen Märkte biß auf Weiteres unter folgenden Beding­ungen abgehalten werden dürfen:

1. Für den Auf- und Abtrieb ist den Anordnungen des KreiSveteriyäramteS gemäß je eine bestimmte Stelle zu schaffen.

2. Auf den Markt dürfen nur Thiere au» unverseuchten Orten deS Großherzogthums Hessen, Thiere von Händlern aber nur dann, wenn fie mindestens sieben Tage tu unversruchten hessischen Orten tn seuchen- freiem Zustande zugebracht haben, aufgrtrieben werden.

3. Außer der Conirole der Ursprungszeugnisse hat selbstverständlich auch die thierärztliche Besichtigung der Thiere vor dem Auftrieb zu erfolgen.

Gießen, den 18. Juni 1897.

GroßherzoglicheS Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

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Politische Wochenschau.

Persoualwechsel im Marineamt. Friede«».Berhaudlungeu anf der BaUanhalbiusel. Bomben - Attentate in Part». Forderungen für Marine-wecke.

Schon seit Wochen hatte mau in politischen Kreisen mehr und mehr die Ueberzeugung gewonnen, daß bi» zum Beginn der nächsten parlamentarischen Verhandlungen bedeut­same politische Zwischenfälle fich abspielen würden, die im Stande wären, Personalveräuderungrn in den leitenden Kreisen mach fich zu ziehen. Wenn man damals die herrschende Situation und die nächsten Ereignisse in Betracht zog, durfte man nicht außer Acht laffen, daß die Marinepläne den Kaiser mehr beschäftigen als irgend etwas anderes und daß er die fseinerzeit erfolgte Ablehnung der beiden Kreuzer keineswegs « einen überwundenen Punkt zu betrachten scheint. Dies «eht aus offenkundigen Thatsachen genügend hervor und führt zu der Schlußfolgerung hin, daß dem Reichstage tn seinen nächsten Verhandlungen neue Kämpfe uw Vermehrung der Flotte bevorstehen. Das inzwischen erfolgte Ausscheiden ve» früheren Staatssekretärs de» ReichSmarineamtS, Admiral» Möllmann und die nunmehrige Ernennung des Contre- Admirals Tirpitz zu seinem Nachfolger find Thatsachen,

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Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Psg.

Rrdaction, rxpediti», und Druckerei:

SchulffraheAr.7.

Fernsprecher 51.

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gefaßte Entschließungen

höchsten Stellen des Reichsdienstes und Staats- dtensteö lediglich auf Combtnation. Derartige Entscheidunge«

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Mit Bezug auf unsere Bekanntmachung vom 5. d. M. ^Anzeiger Nr. 132) bringen wir zur öffentlichen Kenntniß, Laß die dort bekannt gegebenen Schießübungen erst am 1 bis 7 Uhr, und

iingen alblemeo für Leid- bawast, sowie foi> stpaßl unb am Stück, .itu für MW ßMMttz V

SptthlUnl:

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Aeseob. OK- $DbI' , l 101-