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*• Wie ein Land
Theil ward Und gewiß kam ihm auch auf der Seite deS Publikums sowohl die Empfänglichkeit zu Gute, die der Nimbus vermeintlicher Wundertbaten erzeugt, als auch vielfach die iustiuctive reactionäre Abneigung gegen die stetige Entwickelung der Wissenschaft. In Wörißhofen trafen^ mit • den armen Leidenden der Umgegend Aristokraten aller Länder zusammen, die vermeinten, dort auf den Wiesen die Schlacken deS Lebens abladen zu können. Ihnen hat die kalte Waflercur nicht viel geschadet. Aber in den Kreisen der wirklich HilfS- Bedürftigen dort hat diese einseitige Vergewaltigung deS Körpers manches Unbeil gestiftet.
e tragen vorgelegt: der MMe» 'de borbwden seien, den Fall der Du- die Frage grM rober Unfug zu c (Schluß folgt.)
seiner Anrede wies der Erstere darauf hin, wie er nahezu fünf Jahre lang daS Amt eines BranddirectorS der Stadt versehen und mit den Mitgliedern beider Wehren ernste und heitere Stunden verlebt habe. Er gedachte des vor drei Jahren hier abgehaltenen Feuerwehrfestes, bei welchem die Anforderungen an die hiesigen Wehren und an ihn selbst aufs Höchste gesteigert waren, da in der Nacht vor dem Hauptfesttag, an welchem die große Parade und Uebuog beider Wehren stattfand, in Folge Brandstiftung eine zweimalige Alarmirung stattfand. Solche Dinge vergefie man nicht so leicht, wenn man daran betheiligt. Herr Schwankt bemerkte weiter, daß es ihm nicht leicht gefallen sei, dem trotz mancher früheren Schwierigkeiten lieb gewordenen Amt zu entsagen, daß aber die mit dem Amte deS Stadtbaumeister» einer sich rasch entwickelnden Stadt verbundene steigende Arbeitslast und Verantwortlichkeit es ihm immer mehr erschwert hätten, gleichzeitig noch den Pflichten eines städtischen BranddirectorS gerecht zu werden. Indem er den neuen Branddirector, Herrn Traber, vorstelle, bitte er, daS Vertrauen, baß man ihm wahrend seiner sünsjährigen AmlSthätigkeit entgegengebracht habe, auf feinen Nachfolger im Amte zu übertragen. Er fei überzeugt, daß die beiden freiwilligen Feuerwehren den ihnen anvertrauten Dienst, die Stadt vor FeuerSgefahr zu bewahren, nach wie vor mit Pflicht und Liebe zur Sache versehen würden, mit Liebe iuS- hvjonbete zur Stabt Gießen, über beten sichtliches Aufblühen sich Jebermaon freue unb der anzugehören man stolz fein dürfe. Sein Hoch gelte dem Wachsen, Blühen und Gedeihen der schönen Stadt Gießen. Freudig stimmten alle Anwesenden darin ein. Herr Brandbirector Traber erwiderte in seiner Ansprache, baß er hoffe, an Hand der guten Organisation der Feuerwehr sich bald mit seinem neuen Amt und dessen Aufgaben vertraut zu machen. Er bitte die Mitglieder beider Wehren, ihm das gleiche Vertrauen, wie seinem Vorgänger, entgegen zu bringen und in gemeinsamer Arbeit mit «hm den Schutz der Stadt fördern zu helfen. Er trinke in diesem Sinne auf das Wohl beider freiwilligen Wehren. Der Hauptmann der freiwilligen Gatl'schen Feuerwehr, Herr LooS, hob hervor, wie man früher den Mangel einer einheitlichen Leitung deS Feuerlöschwesen» empfunden, aber trotzdem sich mit der neuen Einrichtung eine» städtischen Brand- directorS Anfangs nicht habe befreunden können. Der seitherige Inhaber dieses Amte» aber habe eß verstanden, manche Schwierigkeiten zu überwinden, die beiden Wehren mit den neuen Verhältnissen vertraut zu machen und die Eintracht unter ihnen zu pflegen, so daß sie sich unter seiner Leitung wohl gefühlt hätten. Er gedachte ferner der unbestreitbaren Verdienste, die sich Herr Stadrbaumeister Schmandt um die Organisation und Förderung des Feuerlöschwesens der Stadt Gießen erworben habe. Sein Hoch auf denselben fand lebhaften Beifall. Der Hauptmann der Gießener freiwilligen Feuerwehr, Herr C. L. Gail, toastete auf den neuen Brand- dtrector, Herrn Traber, und erregte mit seiner humoristischen Anspielung auf dessen Thätigkeit die Heiterkeit und den Beifall der Anwesenden. Mit der Vorstellung der einzelnen Vorstandsmitglieder schloß der offictelle Theil der Versammlung und blieb man noch lauge in höchst angeregter Stimmung gemüthlich vereint, wobei manch launige Rede und Gegen- rede den Abend würzte — ein schöne» Bild der Eintracht beider freiwilligen Wehren!
** Gauturnfest. Die Wettturner zum Gauturn- feft in Biedenkopf fahren Samßtag Nachmittag 5 Uhr 8 Min. auf ein direktes Billet nach Biedenkopf mir Zugwechsel in Cölbe, hier weg, und genießen bei Entnahme von 30 Fahrkarten die übliche Fahrpreisermäßigung von 50%. Am Sonntag früh 4 Uhr 18 Mln. und 8 Uhr 20 Mtn. empfiehlt es sich, SonntagSbilletS nach Marburg und von da wlche nach Biedenkopf zu lösen. Zur Rückfahrt wird Sonntag Abend 9 Uhr 16 Min. ein Sonderzug von Biedenkopf abgehen, welcher zum Zug 10 Uhr 54 Mtn. ab Marburg
H. Von bei Hercheuhaiuer höhe, 17. Juni. Im vergangenen Nachsommer wurde eine größere Anzahl von Leuten aus unserem Orte und der Umgegend um deswillen in Strafe genommen, weil fie Erd- unb Himbeeren In den Wäldern sammelten, und durch den Verkauf der Beeren einen kleinen Verdienst erzielten. Meistens waren es Kinder oder ältere Leute, die diese Arbeiten verrichteten, und die keine anderen schweren Arbeiten leisten können. Die Bestrafung wurde von den Betroffenen sehr schmerzlich empfun- den, einmal, weil fie lauter unbemittelte Leute zu tragen hatten, unb bann, weil bleie Leute meistens schon seit Jahren daß Einsammeln der Beeren ohne Anstand betreiben konnten. ES wurde darum ein Straferlaßgesuch an die höchste Staatsbehörde eingereicht, und baß Gesuch ist, zur großen Freude bet Bestraften, auch günstig beschieben worben,- bie Strafen find fast Allen ganz ober zum größten Theile er
„Damst. Tgl. N' ytemder. Mhmd isvollstttckuugs-, Hon
Smst-, Meß' unb Streitigkeiten zwischen uf Antrag wegen dt- ili erllarten eoitn
Katholische Gemeinde.
Samstag den 19. Juni.
Nachmittags um 4 Uhr und Abends um 8 Uhr Gelegenhett zur hl- Beichte:
Sonntag den 20. Juni- 2. Sonntag nach Pfingsten.
Vormittags von 67t Uhr an Gelegenheit zur hl. Beichte;
, um 67t Uhr erste hl- Messe;
„ um 77t Uhr AuStheilung der hl. Communion;
„ um 8 Uhr zweite hl. Messe;
„ um 97« Uhr Hochamt mit Predigt.
Nachmittags um 2 Uhr sacramentalische Bruderschaftsandacht.
Gottesdienst der israelitischen Religionsgesellschaft.
Freitag Abend 8 Uhr, SamStag Vormittag 8 Uhri, Nachmittag 4 Uhr, Sabbathausgong 940 Uhr.
Nachmittag 3« Uhr EchrifterktLrung Bahnhofstr. 50.
Wochengottesdienst Morgens 680 Uhr, Abends 8 Uhr-
stehender in dem „Höchster Kreisblatt" enthaltenen Mttthei- lang hervor. Vorgestern erschienen vier Abgeordnere der Zweiten hessischen Släabekammcr aus Darmstadt, nach kurz oorausgegangener Anmeldung, bei unserem Mitbürger, dem Thierarzt Herrn Dr. P. Getbel dahier, um „ihrem berühmten Landsmann", wie fie ihn nannten, ihre Huldigung, Verehrung und Dankbarkeit dazubringen für seine prächtigen vaterländischen Gedichte.
•* Für die Aepfelerute ist in hiesiger wie in der Main- gegend keine gute Aussicht, denn gerade baß Obst, was man zur Production des Aepfelwetns wegen seiner Herbe und LuSglebtgkeit liebt, wird kaum eine halbe Ernte geben - trotzdem brauchen unsere Aepfelwein-Ptoducenten und die Freunde btß Hohen-AftheimerS nicht zu verzweiseln, denn ,uS anderen Gegenden laufen sehr günstige Nachrichten ein. Holland, England, Amerika (Canada) melden seht Günstiges, hoffen billig nach Deutschland verkaufen zu können und schicken jetzt schon ihre Offerten ein.
Temperatur der Lahn und Luft nach Reaumur gemessen am 18. Juni, zwischen 11 und 12 Uhr Mittag»: Wasser 15°, Luft 12°.
Rübsamen'sche Badeanstalt.
Frankfurt a. M.. 15. Juni. Eine weite Reise hat am Wäldcheßtag einer der rothen Gummiballons gemacht. Lustige Gesellen banden eine Postkarte an den Segler der Lüfte, um deren Rücksendung der glückliche Finder gebeten wurde, und gaben dem Ballon die Freiheit. Mit 10 Psg. Strafporto beschwert, kam die Postkarte aus Michelßderg bei Marienbad in Böhmen zurück, wo der Ballon um 5% Uhr Abends niedergegangen war.
Leipzig, 14. Juni. Die erste Maschine zur Herstellung von Einbanddecken für Bücher ist, wie die „Buchbinderzeitung" mittheilt, In der Buchbinderei von Gustav Fritzsche in Leipzig ausgestellt worden. Sie fanctlonirt gut und liefert stündlich 550 Decken. Ihre Bedienung geschieht durch Mädchen. Die Maschine wird sich voraussichtlich rasch einführen.
♦ Sebastian Kneipp, lieber den am Frohnleichnamstage in Wörißhofen verstorbenen Prälaten Kneipp wird der „Franks. Zeit." geschrieben: Ein origineller Charakter von starken Impulsen beseelt war der Pfarrer Sebastian Kneipp, der heute Nacht in seinem Wörißhofen der unerbittlichen Natur seinen Tribut entrichten mußte, der Natur, die durch Schmeicheleien und Lobpreisungen ebensowenig wie durch Wunder sich abhalten läßt, ihre Rechte zu sordern- sie hat nicht einmal Gnade geübt an ihrem getreuen Apostel- sie schickte ein blttereß, lange» Leiden über ihn, ein Gebresten de» Alter», auf daß dec üppige Lebemann den gleich berechtigten Anspruch erheben darf, wie der sich zeitlebens mit Wurzeln und Wasser Befcheidende, und dem großen Wunder- arzt blieb so der Schmerz nicht erspart, seine eigne Lehre am eignen Leibe überleben zu müssen. Die Bulletins, die in den letzten Monaten au» der Residenz des Prälaten in die Welt gingen, gaben immer wieder der Hoffnung Raum, daß die Kräfte de» Patienten sich erholen möchten, um die Anwendung „feiner" Heilmethode wieder zu gestatten- aber der Frühling tarn und die warmen Tage beß Sommerß, ohne bie Heilung zu bringen.. Unb mit feinem Tode versinkt daß Dörfchen, dem er zu internationalem Rufe verhalfen, wieder in feine ursprüngliche Bescheidenheit, und den Aerzten, die klug zu den Füßen de» Apostels gesessen, bleibt nicht» übrig, al» — zur Wissenschaft zurückzukehren. Denn da» ist sicher, daß der Glaube an das extreme Wafferdogma beß Wörißhofener Prebigerß sich nicht an daß „System" allein heftete, bie Seele gab ihm bie Persönlichkeit de» originellen Mannes. Kneipp besaß vor Allem jenen agitatorischen Trieb, der sich nicht selten bet katholischen Geistlichen äußert, die (wie eß gerade in Bayern die Regel ist) auß der bäuerischen Bevölkerung hervorgegangen, ein frisches Naturell und sichern Instinkt sür die Empfindungen und Bedürfnisse der ländlichen Bevölkerung mit praktischem Wissen und oratorischen Fähigkeiten vereinigen. Es lag wohl in den äußeren Lebens- Verhältnissen KneippS begründet, daß er, der erst spät zum regelmäßigen Studium kam, sich nicht, wie die meisten dieser katholischen geistlichen Agitatoren, auf die politische Thätig- keit warf. Er war eine selbstständige Natur, der eß anscheinend nicht leicht wurde, beiden Vorgesetzten die Heber» zeugung von der unbedingten Fügsamkeit zu erwecken, und vielleicht ist es nicht Zufall, daß er erst im Alter von 60 Jahren vom Caplan zum Pfarrer atiancirte. Statt der politischen Agitation verband Kneipp schon frühzeitig mit seinem geistlichen den socialen Nebenberuf, die productive Thätigkeit feiner engem Landsleute zu erweitern- wenn wir nicht irren, war er um die Hebung der Bienenzucht eifrig bemüht. Daneben begann er schon bald, 1848, seine Wassercur zu propagiren und dieser kann man wohl baß eine Verdienst nicht absprechen, daß ihre Pflege die Wörißhofener hygienisch und schließlich, nachdem ihr Dorf zum Curort ausgewachsen, auch materiell gefördert hat. Der Erfolg, den Kneipp im engeren Kreise errungen, regte den Agitator in ihm zu immer eifrigerer Propaganda an- und je »eitern Kreisen er sich mittheilte, desto mehr Anklang fand seine originelle Lehre unb stine originelle, berb- humoristische Art, seine kräftige Lebenslust, bie mit dem geistlichen Gewanb an- ziehenb contrastirte. Gewiß war er überzeugt von dem Werth seiner Mission, gewiß aber schmeichelte ihm auch der Erfolg unb reizte ihn ber Ehrgeiz, je mehr Erfolg ihm zu
kirchliche Anzeiger» der Stadt Gietzerr.
evangelische Gemeinde.
Sonntag, den 20. Juni. 1. Sonntag nach Trinitatis Gottesdienst.
A« der Joh«nw»N»che.
Vormittags 77« Ubr: Pfarrer Dingeldey.
GotteSdi-nst mit Christenlehre für die Neuconfirmirten aus der Lucasgemeinde.
Vormittags 9Vs Uhr: Pfarrer Dr. Grein.
Vormittags 11 Uhr: Militärgottesdienst. Beichte und heil. Abendmahl. Pfarrer Dingeldey.
Sonntag, den 27. Juni, wird eine Collecte für den Bau einer evangelischen Kirche in Groß-Steinheim erhoben werden.
I« «onstrmavdensaal, Neustadt 61«
Vormittags 8 Uhr: Gottesdienst verbunden mit Christenlehre für die Neuconfirmirten der Matthäusgemeinde. Pfarrer Schlosser.
Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche der Matthäusgemeinde. Pfarrer Schlosser.
In der FriedhofSeapeve.
Vormittags 97» Uhr: Candidat Scheunemann aus Friedberg.
Schiff-nachvichten.
Norddeuttcher Lloyb, in Gießen vertreten durch die Agenten Curl LooS und I. M. Schulhos.
Bremen, 17. Juni. (Per transatlantischen Telegraph.! D« Schnelldampfer Trave, Capitän C. Thelenhorst, vom Nordd. Lloyd in Bremen, ist heute 3 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen.
Cxmb* tmb VolkrrVivthschaft^
— Schädlichkeit der Avfsatzzügel und Scheuklappe«« Der Berliner Thterichutzoeretn hat jüngst an alle Pferbebesitzer in Berlin und an viele außerhalb leine Flugblätter über die den Pferden schädlichen Aufsatzzügel und Scheuklappen versendet. Dieselben enthalten Gutachten der hervorragendsten Pferdekenner, wie deS Generals non Rosenberg, des Leibstallmeisters des Kaisers, Plinzer, des Major Schön deck, dann solche von Professoren tbierärzlicher Hochschulen u.l.w. Viele einsichtige Pferbebesitzer, die ihre Thiere nicht unnöthig quälen und schädigen wollen, haben diese Marterinstrumente abgeschafft. Zum großen Theil wurden die Scheuleder auch bei den Postpferden befettigt. Eine besonders empfindliche Qual verursachen die Scheuleder den ausrangirten Militär-, Feuerwehr- und Pferdebabnpferden, weil diese nicht von Jugend aus an dieselben gewöhnt sind. Die Käufer solcher Pferde seien darauf besonders aufmerksam gemacht. Die Equipagendesitzer wollen fich von den Scheuklappen deshalb nicht gerne trennen, weil fie auf denselbm ihre Wappen anbringen können. Mit dem Aufsatzzügel quälen sie ihre Pferde deshalb, weil e8 Mode ist, den in freier Bewegung fo schönen PferdebalS durch den Aufsatzzügel in einen HirfchhalS zu verwandeln. Pferdebefitzer, die über die Pferdebehandlung kein eigenes Urthetl baden, überlassen die Beschirrung ihren Kutschern, die es bequemer finden, ihre Pferde durch den Aufsatzzügel zu einer gleichmäßigen Haltung zu zwingen, alS diese durch eine gute Führung zu erzielen. Vielen fehlt dazu auch die nöthige Kenntniß. Die Pferdequälerei durch Aufsatzzügel und Scheuklappm würde sehr schnell aufhören, wenn die Höfe diese Marterinstrumente abschaffen würden. Es ist zu hoffen, daß Ihre Majestät die Kaiserin Friedrich ihren Einfluß dabin geltend machen wird, da sie jetzt daS Protektorat über den deutschen Thterschutzoerein übernommen hat. Daß die Scheuklappen und Aussatzzügel wenigstens beim Lohnfuhrwerk abgeschafft werden, könnte das Publikum dadurch erwirken, daß eS nur solche Droschken und andere Miethwägen benutzt, deren Pferde nicht mit diesen Marterwerkzeugen gequält werden. Der Berliner Thterschutzoerein (Berlin Königarätzer Sttaße 108) versendet seine Flugblätter über Aufsatzzugel und Scheuklappen auf Verlangen kostenfrei.
— Mähet nicht z« spüt! Diese Mahnung kann unseren Wiesenbesitzern und Landwirthen nicht genug gegeben werden, und besonders ist dieses Jahr, da der GraswuchS so üppig steht und sich das GraS niederlegt, eine solche eindringliche Ermahnung am Platze. Was an Menge durch das längere Stehenlassen deS Grases gewonnen wird, geht an Güte wieder doppelt verloren- Die immerhin verholzenden Zellhäute umschließen die vorhandenen Nährstoffe so fest daß ihre Verdaulichkeit bedeutend abnimmt. Ganz besonders rächt sich ein zu spätes Mähen auf Thal- und auf zweischürigen Wiesen, da der Nachwuchs durch spätes Mähen sehr beeinträchtigt wird, nicht nur weil die WachSthumszeit eine kürzere ist, sondern auch die ErnenerungSkraft der Wurzelstöcke um fo geringer ist, je weiter der erste Schnitt im Wachsthum vorgeschritten war- Außer der geringen Verdaulichkeit ist ferner ein Verluü dadurch zu verzeichnen, daß auch die diätetische Wirkung mit dem Alter abnimmt, weil die aromatischen Stoffe mit demselben geringer werden. Aus allen diesen Gründen rechtfertigt fich die Mahnung: „Mähet nicht zu spät!"
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lassen, bie kleinen NebenkostenZaber' werden säst alle uneinbringlich werben.
Wohubach i. d. W., 16. Juni. »Ich möchte glühenb Dich — burchbohrev!" (frei nach Boßharb). Allen Klagen über allgemeine Nervosität unb Willensschwäche unserer Generation spricht gewiß folgende Thatsache Hohn, wenigsten» haben, wie nachstehender Bericht zeigen wird, diese Gebrechen in den ländlichen Bevölkerungskreisen ihren Einzug noch nicht in dem Umfange gehalten, wie die» wohl „in der Straßen quetschenden Enge" mancher Großstadt der Fall sein mag. Schon mehrere Tage lang „brummte" einem jungen Manne Infolge einer Erkältung ein angefaulter „Hinterer" Backenzahn. Der Schmerz steigerte sich zuletzt fast bis zur Unerträglichkeit. Wegen dieses unbotmäßigen Benehmens schwur ber junge Mann dem Insassen seine» lieblichen Munbe» Berrr — nichtung! Am Herbseuer erhitzte er bie Stricknadel, beschaute fich im Spiegel und öffnet den Mund unb gewandt führt er hinein den glühenden Stahl bis zur letzten linksseitigen Säule ber oberen Pallisabe. Noch ein letzte» Zaubern, doch ,,ba» Gesürchtete muß nahen, baß Verhängte muß geschehen" unb couragtrt brückt mit Kraft unb Energie ber geschickte Zahnkünstler baß heiße Eisen in bie tieften Tiefen beß revoltirenben ©rummerß.
„Er bohrt» bi» an ber Zahnkron Wurzel, Schlägt aber seitwärts bann ’nen Purzel" Auss Bänkel, nah der Nähmaschine - Da finbet ihn bann bie „Karline" Unb fragt, maß er fo „johmern beht?" Er stöhnt „aich hun de Nerv getöt, Dvach aach met Zuhflaasch oark verbrennt."
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