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Mainz, 14. Mai. Der „Mainzer Anzeiger" schreibt: Stolz fuhr der Schlepper „Dr. Carl Peter»" immer den Rhein hinauf und hinab, dabei den Ruhm des AfrikaforscherS und ReichscommisiarS verkündend. Aber was ist ein Name! Er kamen die Enthüllungen über die unmenschlichen Hand« lungev, deren sich PeterS im dunkelsten Erdtheil schuldig gewacht, man erfuhr, wie er wehrlose Menschen geringfügiger Dinge wegen hatte aufknüpfen lassen, und man wandte fich empört von dem einst Gefeierten ab. Nicht genannt soll sein Name mehr werden! ES ist also recht, daß die Firma Asteroth hier kurz entschlossen ihren Schlepper „Dr. Carl PeterS" tu „Christine" umgetauft hat. So wandeln fich Menschen und Schiffe!
Dcrmifdpits.
• Wetzlar, 17. Mat. Im Januar ds. IS. pasfirte in Waldgirmes der Fall, daß der dortige Fletschbeschauer zwei an einem Tage geschlachtete Kühe wegen des Verdachts der Tuberculose beanstandete und dem Vorstand deS Vieh- orrsicherungSveretnS, welchem die Thiere zur Last fielen, dte Zuziehung eines Thierarztes anheimgab, um das Fleisch der Kühe auf seine Verkaufsfähigkeit hin prüfen zu lassen. Der Vorstand versprach sich hiervon indeß keinen Vortheil für seine Kasse und er acceptirte daher daS Angebot des MetzgerS Wilhelm Karl M. aus Ehringshausen, der eines der bean- slrodeten Thiere in Gemeinschaft mit einem Gießener Metzger geschlachtet hatte und der sich bereit erklärte, daS Fleisch der beiden Thiere als „Hundefutter" zu kaufen. M. kaufte dte beiden Kühe für 41 Mk., aber eS fiel ihm nicht ein, dos Fleisch derselben al- Hundefutter zu benutzen oder wieder zu verkaufen. Den größten Thetl deS Fleisches ließ er in Ehringshausen durch einen Mittelsmann für 20 Pfg. pro Pfund aubteten, für einen Preis also, der allerdings dte Käufer darüber belehren konnte, daß sie keine Waare von normaler Güte vor sich hatten. Zwei Hinterviertel lieferte er dagegen an die Schlächterei des Wetzlar-Braunfelser ConsumvereinS, welche zu seinen regelmäßigen Abnehmern gehörte, zu dem üblichen Preise. Da indeß die Cousumvereinsverwaltung davon Kenntniß erhielt, daß M. winderwerthigeS Fleisch geliefert habe, wurde M. zur Rücknahme der beiden Htnterviertel veranlaßt. Inwieweit überhaupt daS Fletsch der Kühe verdorben resp. genußunfähtg für Menschen war, hat nicht festgestellt werden können — nachtheilige Folgen deS Genusses find nicht bekannt geworden — da diejenigen Thetle, wie Lunge u.s.w., an denen die Krankheit zu erkennen ist, bereits verarbeitet waren, als der Kreisihierarzt dte Besichtigung vornahm. Doch
wird auf Grund der Zeugenaussagen, welche die Lunge deS zum Thetl an den Consumverein verkauften ThiereS gesehen hatten, als feftgestellt erachtet, daß wenigstens diese Lunge erkrankt und verdorben war. Die Anklagebehörde erblickt in dem Verhalten des Metzgers M. eine au» purer Gewinnsucht erfolgte schwere Verfehlung wider daS NahrungSmtttelgesetz, die sie mit 4 Monaten Ge- fängniß, 100 Mk. Geldstrafe und Veröffentlichung deS Ur- thetls im „Wetzlarer Anz." zu ahnden beantragt. Der Gerichtshof erkennt auf 2 Monate Gefängniß,- hinsichtlich der beiden Nebenstrafen wird nach dem Anträge der Staatsanwaltschaft erkannt.
* Es lebe die Submission! Bei der Verdingung von städtischen Arbeiten zum Lindenthaler Sammel-Canal in Köln erfolgte letzten SamStag die Eröffnung der ein- gegangenen Angebote. Der Höchstfordernde stellte sich mit seiner Rechnung auf 474,000 Mk., der Mtndestfordernde auf 249,000 Mk.
Literatur und Auuft.
AuSgewLhlte «elbstbiographien aus dem 15. bis 18. Jahrhundert, herausgeaeben von Christian Meyer. Mit vier Porträt- taseln. Preis 5 Mk. Verlag von I. I. Weber in Leipzig. Welche Fülle ungehobe.ien culturbtstorischen Stoffes bergen unsere Archive noch in Hauschroniken, Retseiagebüchern, Briefen und Selbstbto- graphien. Und doch sind sie eS erst, dte eine farbige Anschauung vom Privatleben unserer Altoorderen gewähren. In diese so wenig noch gekannte und doch so anziehende Welt gewährt bas vorliegende Buch den breitesten Schichten unserer gebildeten Leserkreise fesselnde Einblicke. Alle Berufsstände kommen zum Wort, alle deutschen Stämme; dte schlicht treuherzige Erzählung, die kraftvoll knorrige Sprache entbehren nicht schalkkaften Humors. Der bis nach Kreta und Rhodus gekommene Augsburger Chronist und Kaufmann Zink erzählt von seinen Fahrten; Meister Albrecht Dürer gedenkt liebevoll der Eltern; der Walliser Thomas Platter schilvert seine köstlichen Abenteuer als fahrender Schüler, dessen Sohn Felix Platter macht uns mit seiner Jugendliebe bekannt; der Stralsunder Bürgermeister Sastrow befindet fick zur Zett des Schmalkaldischen Krieges im Gefolge Karls V. Der Tiroler Getzkofler schildert die Schrecken der Pariser Bluthochzeit als Augenzeuge. EliaS Holl, der größten deutschen Baumeister einer, berichtet von der durch ihn in Augsburg zur Herrschaft gelangten Renaissance, während in das 18. Jahrhundert der Historiker Hocker htnüberleitet, der als Feldpredtger der Ansbach'schen Truppen dte ersten Jahre des spanischen Erbfolgekrieges mitmachte.
Die Frühlings-Nummer der »Modernen Kunst" (Verlag von Rich. Bong, Berlin W.) ist soeben in reizvollstem Gewände erschienen. Künstler, Musiker, Dichter, Männer der Feder und Drucker haben sich vereint, um etwas Außerordentliches darzubieten. In erhebendster Weise ist diese Absicht verwirklicht worden. Mit seinem Retchthum entzückender farbiger Bilder, wundervoller Holzschnitte und trefflicher Illustrationen athmet das Heft die echte Frühlingsfreude. In der farbigen Extra-Kunstbetlage „Etngefangen"
nach dem Bilde von V. Jrolli, einem bekannten italienischen Meister, in dem farbigen Holzschnitt „Frühlingsblumen" nach dem stimmungtz vollen Bilde R. Warthmüllcrs und in dem doppelseitigen Holzschnitte „Vor dem Kurhause in Ostende" nach Küchlers vortrefflicher Schöpfung ist daS Höchste geleistet, was fich nur vom Aquarellfacsimtledruck erwarten läßt. ES lassen sich diese Kunstblätter unter Glas und Rahmen getrost alS Zimmerschmuck auch im feinsten Heim verwenden. Die elegante „Plauderet über Ostende" von Georg Buß, die gedankenreichen und formvollendeten Gedichte von H. v. Stolzenberg und Heinrich Bäcker, die fesselnde Novelle „Der wächserne Gemahl" von Ludwig v. Romockt, ein Meisterstück feinen Humors und spannender Schilderung, die prächtig tllustrirten „Momentbtlder aus der Marine" von Frhr. v. Dincklage, dte pikanten „Mittheilungen vom Hofe de« Khedtoe" bilden inögesammt einen textlichen Inhalt, der in Wahrheit aus der Höhr der Zett steht. Auf solche Leistungen, wie sie sich im Frühttngsheft der „Modernen Kunst" widerspiegeln, kann Deutschland stolz sein. Die „Moderne Kunst" ist ein Weltblatt in deS Wortes vollster Bedeutung. Und bei alledem wie billig! Denn für Abonnenten kostet das Frühlingsheft nur 1 Mk., für Nichtabonnenten 2 Mk.
Temperatur der Lahu und Luft nach Reaumur gemessen am 17. Mai, zwischen 11 und 12 Uhr Mittags: Wasser 12-, L< ft 20'/,°.
Rübsamen'sche Badeanstalt.
Verkehr, Land- mir- Volfstrirt^fd^afk
•Uten, 18. Mai. Marktbericht. Auf dem heurigen Wochenmarkt kostete: Butter pr. Psd. X 0.95—1,05, Hühnerei-r pr. St. 0 4- 2 St. 10-11 H, Enteneier 2 ©t. 11—12 4, Gänse eiet pr. St. 00-11 H, Käse pr. St. 5-8 H, Käsematte pr. St. 3 & Erbsen pr. Liter 18 H, Linsen pr. Liter 27 4, Tauben pr. Paar X 0,70 bis 0,90, Hühner pr. Stück 1,10 bis 1,30, Hahnen pr. Stüä JL 1,20—1,50, Enten pr. Stück X 1,60—1,80, Gänse pr. Pfund X 0,00-0,00, Ochsenfleisch pr. Pfd. 66-74 Kuh- und Rindfleisch pr. Pfd. 60-66 4, Schweinefleisch pr. Pfd. 56 biß 66 Schweine fleisch, gesalzen, pr. Pfd. 70 A, Kalbfleisch pr. Vfd. 50-54 A Hammelfleisch pr. Pfd. 50—65 H, Kartoffeln pr. 100 Kilo 4,50 5 00 JL, Weißkraut vr. Stück ' --00 Zwiebln vr. Centne .M. 8,03—9.00, Milck pr. Liter 16 L, Kirschen pr. Pfd. 50
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Frankfurter Börse vom 17. Mai 1897.
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Procem
4Vi Oefterr. Stlberrente
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3 Portugiesen
6 Mexicaner
4 Monopol-Griechen von 1887
86.95
104.20
22.90
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3 Oefterr. Staatsbahn v. 1885 92 00 4 Eisenb. Rentenb. Obl. 101.50
3 Jtal. staatsgar. Eisenb. 57.75 5 BuderuS Obl. IC2.80
3V, Frankftr.Hyp.Bk.unk.b.1906 101.00 3*/» Frkf. Hyp. Cred. V. unk. b. 1906 100.60 4 dto. unk. b. 1905 103.50
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