Ausgabe 
19.1.1897 Zweites Blatt
 
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Rr. 15 Zweites Blatt. Dienstag de» iS Januar 1807

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Amtliche» Lheil.

Gießen, den 16. Januar 1897.

Betreffend: Die Ausführung der allgemeinen Bauordnung; hier: die Gebühren der Bezirks-Bauaufseher und Sachverständigen für Prüfung genehmi- gungspfltchtiger Bauten.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen en die Grotzh. Bürgermeistereien der Land­gemeinden des Kreises.

Diejenigen von Ihnen, die mit der Einsendung der Der- zetchnifse rubr. Betreffs für das 4. Quartal 1896 noch im Rückstände sind, erinnern wir an die Vorlage derselben binnen drei Tagen.

v. Gagern.

Bekanntmachung,

betreffend: das Ersatz-Geschäft für 1897.

Mit Bezug auf die Bestimmungen der Deutschen Wehr- Ordnung werden alle im Jahre 1877 geborenen Militär­pflichtigen, sowie die in früheren Jahren geborenen, welche sich noch nicht zur Musterung gestellt haben, oder welche hin» sichtlich ihrer Verpflichtung zum Eintritt oder ihrer Befreiung vom Militärdienste noch keine definitive Entscheidung erhalten, und entweder im Kreise Gießen ihren dauernden Aufenthalt haben, oder in demselben als Studenten, Gymnasiasten und Zöglinge anderer Lehranstalten, oder als Haus- und Wirth- schaftsbeamte, Handlungsdiener, Lehrlinge, Handwerksgesellen, Lrhrburschen, Dienstboten, Fabrikarbeiter oder in ähnlicher Eigenschaft sich aufhalten, hiermit aufgesordert, sich behufs Eintragung ihrer Namen in die Stammrolle in der Zeit vom 10. bis zum 25. Januar l. Js. bei der Bürgermeisterei ihres Wohnortes, beziehungsweise ihres Aufenthaltsortes, zu melden und dabei, wenn fie an diesem Orte nicht geboren sind, ihren Geburtsschein, welcher uuumehr bei dem betreffenden Standesamt z« erwirken ist, und wenn sie fich bereits bet einer früheren Musterung gestellt haben, ihren Loosungs-Schein vorzulegen.

Zugleich wird darauf aufmerksam gemacht, daß Die­jenigen, welche die Anmeldung unterlaffen, zu gewärtigen haben, daß fie mit einer Strafe bis zu 30 Mark oder mit Haft bis zu drei Tagen belegt, von der Thetlnahme an der Loosung auSgeschloffen und ihrer etwaigen Ansprüche auf Zurückstellung rc. verlustig erklärt werden.

Bezüglich derjenigen Militärpflichtigen, welche zur Zeit

abwesend find, sind deren Eltern, Vormünder, Lehr-, Brod- und Fabrikherrn zu diesen Anmeldungen verpflichtet.

Die Großherzoglichrn Bürgermeistereien deS Kreises werden beauftragt, Vorstehendes in ihren Gemeinden noch besonders auf ortsübliche Weise bekannt machen zu laffen.

Gießen, den 2. Januar 1897.

Der Civilvorfitzende

der Großherzoglichen Ersatz Commission Gießen.

I. V.: Dr. Wüst.

Deutsches Reich.

Berlin, 16. Januar. Der Kaiser wird heute Nach­mittag den Profeffor Oncken aus Gießen und Abends vor dem Diner den Grafen GoluchowSky empfangen. Letzterer nimmt auch an dem Abends beim Katferpaar stattfivdenden Diner Theil.

Berlin, 16. Januar. Der österreichisch-ungarische Minister deS Aeußern, Graf GoluchowSky, traf heute Bormittag kurz nach 11 Uhr hier ein und wurde am Bahnhof von dem österreichisch-ungarischen Botschafter und mehreren Herren der Botschaft empfangen.

Berlin, 16. Januar. Morgen Abend findet zu Ehren deS Grafen GoluchowSky auf der österreichischen Bot­schaft eine große Festlichkeit statt. ES ist nicht ausgeschloffen, daß der Kaiser dazu erscheinen wird, doch ist Bestimmtes darüber noch nicht bekannt.

Berlin, 16. Januar. DaS Abgeordnetenhaus hat heute daS LehrerbesolduugSgesetz in dritter Lesung end­gültig angenommen und zwar zum Theil nach den Beschlüffen zweiter Lesung, zum Theil mit einigen Abänderungen. Nächste Sitzung Montag. Etat und Richterbesoldungsgesetz.

Berlin, 16. Januar. Der Präsident des Abgeordneten­hauses, v. Köller, ist in der Nacht erkrankt. Er kann infolge deffen der Einladung zu dem morgigen Ordensfeste nicht Folge leisten.

Berlin, 16. Januar. Wie derVolkszeitung" zufolge mit Bestimmtheit verlautet, werden in der nächsten Woche beim Etat deS ReichS-JustizamtS die ZeugnißzwangS- sach en der letzten Zett, insbesondere gegen dieFrankfurter Zeitung" zur Sprache gebracht werden.

Berlin, 15. Januar. Die Commission zur Prüfung der Organisation der hiesigen Crimtnalpolizei trat heute Vor­mittag um 10 Uhr unter dem Vorfitz des Polizetpräfidenteu von Windheim im Dienstgebäude deS PolizeipräfidiumS zu einer ersten Berathung zusammen. Ueber den Verlauf derselben verlautet noch nichts- jedenfalls werden in einigen 1 Tagen noch weitere Sitzungen folgen.

BreSlau, 16. Januar. DemBreSl. Gen.-Anz." wird aus Oppeln gemeldet: Die.beiden Mörder, die Arbeiter Jana und Sklazfch aus Albrechtsdorf bei RoSberg in Oberschlefien, welche am 7. December zwei Kutscher auf dem Wege von Rosenberg nach AlbrechtSdorf ermordeten, wurden gestern vom Schwurgericht abgeurtheilt. Sklazsch wurde zu 15 Jahren Zuchthaus, Jana zweimal zum Tode und außerdem zu fünf Jahren Gefängniß verurtheilt.

Hamburg, 16. Januar. Der Arbeitgeber-Verband hat dem Einigungsversuch zwar soeben zugestimmt, verspricht fich jedoch nichts davon. Vier Mitglieder des Arbeitgeber- Verbandes treten heute Nachmittag mit einer fiebengliedrtgen Commission Zwecks EintgungSversuchS zusammen. DaS EtuigungSbevürfniß ist auf beiden Seiten sehr groß.

Hamburg, 16. Januar. Am Montag finden vier große Arbeiter-Versammlungen statt, in denen die bedeutendsten Arbeiterführer Deutschlands als Redner auftreten werden. Die Calamttät im Hafen ist schlimmer als je. DaS Elbfahrwaffer ist nur für flachgehende kleine Dampfer pasfirbar. Infolge deS herrschenden Nebels kamen mehrere Zusammenstöße von Schiffen vor.

AttsUr»d.

Wien, 16. Januar. Fürst Max Egon, Fürst zu Fürstenberg, har fich ungeachtet der Uebernahme seines Majorats im Großherzogthum Baden eutschloffen, Oesterreich» zu bleiben. Er will jedoch als deutscher StavdeSherr einen Theil des Jahres in Deutschland verbringen.

Wien, 16.Januar. Der Bombeuattentäter Fock wurde zum Tode verurtheilt, während die mitangeklagte Pauline Basch fretgesprochen wurde.

Paris, 16. Januar. Ein kletnerPanama-Scaudal ist gestern sim Pariser Gemeioderath enthüllt worden. Bet dem Vergeben von öffentlichen Bauten haben Municipalbeawte nämlich seit Jahren einige Unternehmer gegen schweres Geld bevorzugt, indem fie denselben die Kostenanschläge ihrer Eon- currenz übermittelten. Außerdem ist die Stadt durch diese Beamten um mehrere Millionen geschädigt worden. ES wurde sofort eine strenge Untersuchung angeordnet.

Madrid, 16. Januar. In Nord spant en fanden an 21 Stellen Erdrutsche statt. Der Eisenbahnverkehr ist fast gänzlich gestört.

Bombay, 16. Januar. Die Pest ist noch immer tu der Zunahme begriffen. Die Leichen werden jetzt ununterbrochen Tag und Nacht verbrannt. Seit dem Ausbruch der Pest sind in Bombay 23 650 Menschen gestorben.

Feuilleton.

Sine Spazierfahrt nach Norwegen.

Retseerlebnisse von Joseph Kahn, Ranstadt (Oberhefsen).

(7. Fortsetzung.)

Endlich löste mich ein deutsches Lied, daS aus dem Gasthofe drang, aus dem Banne, und als ich die Schanke betrat, waren alle meine Reifecollegen schon um einen Tisch versammelt und ließen fich daS Oel und den Lachs vor­trefflich schmecken. Daß natürlicherweise der Gesang dabei nicht fehlte, daS habe ich ja schon erwähnt, sogar mit Clavter- begleitung, die Herr Lehrer Müller besorgte. Auch einige Norweger waren zugegen, die mit ihrem Beifalle gar nicht geizten. Auch fie fangen einige ihrer Nationallieder, von welchen besonders eins in Melodie und Worten mich sehr ansprach. Ich laffe eS hier folgen, d. h. nur die erste Strophe:

Un nog a skol for dei min ven

Un for the norske piger

Un har du an, so skol for dem Og skam for dem som ewiger. Un ekam for dem som elsker twang Og batet piger, vin or song Un nog a skol for dei min ven Og for de norske piger.

Und hier ist die Uebersitzung:

Und noch ein Prost Dir, meiner Frau, Und auch dem nordischen Mädchen, Und hast Du eins, so trink ihr Prost Du Und Scham für den, der schweigt.

Und Scham für den, der den Zwang liebt Und haßt Mädchen, Wein und Gesang, Und noch ein Prost Dir, meiner Frau, Und auch dem nordischen Mädchen.

Unsere nordischen Nachbarn fingen schöner, ihre Töne sind klarer wie die unserigen. So unter Gesang und Ge­spräch verlebten wir einige schöne Stunden. ES war schon

2 Uhr früh Morgens, als wir wieder zu unseren Cojen | zurückkehrten. Dabei war es so Helle wie am Tage. Voll­ständiges Tageslicht und doch diese Nachtruhe, diese Stille, wohin wir blicken ein ungewöhnliches Gefühl erregt dieser Contrast. Zwei Damen begegneten mir und dem Doctor. Sie grüßten uns mit ihrem singendenGood aften und fragten unS, wo wir hinwollten. Als fie uns anhörten, daß wir TiSke waren, sagten fie lachend und schmeichelnd:Jag like tiske man miger ten min hjerte, te are so waker.® Halb zog fie ihn, halb sank er hin, und ward nicht mehr geseh'a.

Für den nächsten Tag war ein Ausflug nach Bosswangen geplant. Dieses ist eine kleine Stadt, die wegen ihrer hoch­romantischen Umgebung, ihren vielen Parks und stolzen VtllaS bekannt ist. Unser Führer, der uns schon so oft von den Naturschönheiten Norwegens erzählt hatte, wurde voll­ständig gerechtfertigt durch daS, was wir an dem betreffenden Vormittage alle sahen und bewundern konnten. Eine Local­bahn brachte und in einer Stunde an Ott und Stelle. Wir spazierten eine Weile in den herrlichen Anlagen herum, die der amerikanische Consul dem Fremden öffnet. Hier bieten fich dem Auge Partien, die selbst einen Stoiker in Entzücken versetzen können, viel mehr Leute wie wir, die wie die Lerchen jubilirten und so geräuschvoll wie möglich ihre Empfindungen den Lüften preisgaben.

Vor uns die grünen Walder und tosende Wafferfälle, dahinten hohe Berge mit ewigem Schnee bedeckt und am Abhange mit dem grellsten Grün bewachsen. Herrliche An­lagen, von im Schweizerstile gebauten VtllaS bedeckt, da­zwischen fich kleine Bäche durchschlängen. Auf einmal stehen wir vor einem ganz eigeuthümlicheu Gebäude, daS, aus Holz aufgesührt, schwarz angestrtchen ist und oben auf dem Dache einige Drachenköpfe zur Verzierung Hal. DaS ist eine so- genannte Stavekirk, aus dem 8.-9. Jahrhundert, die der I Consul angekauft hat und hterhersetzen hat laffen. Ganz in

der Nähe des Bahnhofes befindet sich die stolze Villa deS deutschen ConsulS Mohr, wo unser Kaiser vor einigen Tagen eingekehrt war und zu Mittag gespeist hatte. Hier hatten wir auch Gelegenheit, agriculturistische Studien zv machen. Wir sahen nämlich, wie die Bauern ihr spärliches Heu be­kommen. Am Abhange des BrrgeS liegt ein kleiner Flecken Wiese. Ein Drahtseil ist da oben befestigt, daS schräg heruntergespannt ist und welches unten auf einer Leier herum- läuft. Das Futter wird oben an dem Seile befestigt und dann heruurergeleiert. Da die Sonne nicht sehr verschwende­risch mit ihren Strahlen ist, werden Hecken durch Stangen errichtet, tote wenn man z. B. eine Reihe sich gegenüber- stehender Bohnenstangen oben zusammenbtudet, dann quer darüber einzelne Reihen von Latten befestigt und dazwischen wird das Heu gestopft und aufgehangen. Das Ganze sieht aus, als sei es eine lange Mauer, die von MooS rund herum bewachsen ist. Die Kühe, die wir sahen, sind ungewöhnlich klein und sehen sehr abgemagert auS. Wir trafen einige ganz unverhofft im Gebüsche an, die sofort, nachdem fie fich von uns bemerkt sahen, eine andere Richtung einschlugen. Auch die Pferde find sehr klein, die Größe von unseren PouieS, aber sehr folgsam und gelehrig. Die Häuser der Bauern, sowie ihre Scheunen und Ställe find sämmtlich aus Holz gebaut und machen einen sehr ärmlichen Eindruck. Viele Landleute machen fich den Verkehr, der durch die Touristen in- Leben gerufen worden ist, dadurch zu Nutzen, daß fie erfrischende Getränke verabreichen. So kann man überall kleine Tafeln angenagelt seheu, woraufLemonade oy Melk, oy Flöde" oderOst" steht. DaS Innere der Häuser ent­spricht dem äußeren Anblick. Sie find aufs Nothdürftigste auögeftattet. Tische und Stühle zeigen ei« sehr primitive- Aussehen, höchstwahrscheinlich find fie sämmtlich selbstverfertigt.

(Fortsetzung folgt.)