Stadtverordnete« die Herren Brück, EmmeliuS, Faber, Flett, Habenicht, Haubach, Heichelheim, Hehl'genstaedt, Homberger, Jughardt, Keller, Kirch, Köber, Loo-, Schwall, Dr. Thaer und Wallenfels.
Nach Eröffnung der Sitzung machte Herr Oberbürgermeister Gnauth Mittheilung über die Ergebnisse der am 1. December stattgehabten Viehzählung. Davachwaren tu der Gemeinde Gießen vorhanden 667 Pferde gegen 544 im Jahre 1892, 515 Stück Riudoteh (438), 440 Schweine (499), 63 Schafe (18). — Den bei dem Zählgeschäft mttbeschäftigten vier Schutzmännern wurde je eine Remuneration von 10 Mk. bewilligt.
Die Rechnung der Stadt Gießen für 1896/97 wird bezüglich derjenigen Posten, welche gegen den Voranschlag um mehr wie 300 Mk. differtren, vom Vorfitzeudeu erläutert. Der im Druck befindliche ausführliche Verwaltung»- bericht soll der Versammlung demuächst vorgelegt werden. Herr Oberbürgermeister Gnauth knüpfte au sein Referat die mit Beifall aufgenommene Bemerkung, daß der Rechnungsabschluß und seine Einwirkung auf die Rechnung für 1897/98 erwarten lasten, daß das nächste Budget ohne Erhöhung des Steuer Eoöff cieuteu abgeschlossen werden kann.
Der Bericht über die Rechnung de» Stadterweite- ruugsfonds für die Zett vom 1. Äugust 1895 bis zum 31. März 1897 wetst ebenfalls etn günstiges Ergebviß auf. Da» Vermögen desselben beziffert fich auf 276095.97 Mk., wovon nach Abzug einer Eapitalichuld voo 200 000 Mk. ein Ueberschuß von 76095.97 Mk. fich erglebt.
Zu einigen Verträgen au» der Etnzelvermiethuog der tm ehemaligen BourgeoiS'schen Hause hinter der Kirche, wie im ehemaligen Belloff'scheu Hause in der Sonneustraße befindlichen Wohnungen wird die von der Oberrechnuugskammer cingeforderte Genehmigung der Stadtverordneten Versammlung nachträglich ertheilt und auf Antrag deS Herrn Beigeordneten Grüneb.erg beschlossen, die Bürgermeisterei zur selbstständigen Bermtethung für die Folge zu ermächtigen.
Zur Bermtethung von Wohnungen und Verpachtung von Gelände tu der ehemals v. Rabenau'schen Besitzung wird nachträglich Genehmigung ertheilt.
Die Gesuche von Heinrich Knoch (Goethestraße 54) und Werg er Wwe. (Dammstraße 39) um Erlaubniß zum WirthschaftSbetrteb und von Karl Eichmanu (Ederstraße 1) um Erlaubniß zum Verkauf von Branntwein über die Straße werden durch Bejahung der Bedürfnißfrage erledigt.
Herr Beigeordneter Wolff stellt den ihm bei der Abstimmung über den Die hMarktplatz am 2. d. Mt». unter- laufeuen Jrrthum betr. Feststellung deS Stimmenverhältnisse» richtig und coustatirt, daß (wie auch in den Zeitungen berichtet wurde) die Annahme de» Antrages mit 15 gegen 13 Stimmen erfolgte. — H<rr Stadtverordneter EmmeliuS
erklärt, verhindert gewesen zu sein, an fraglicher Versammlung theilzauehwen- um Mißverständnissen vorzubeugen, bitte er, eine (schriftlich auSgefertigte) Erklärung zu den Acten zu nehmen de» Inhalt», daß er tm Hinblick auf das jeder Ber- kehrSerleichterung eutgegenstehende, von den Nachfolgern sicher verurtheilt werdende, unrentable und den Steuerzahlern eine Zinfenlast von 6000 Mk. jährlich auferlegeude Projekt der Verlegung des Biehmarktes hinter da» Schlachthaus nicht zuge- stimmt haben würde. — Auch Herr Heichelheim erklärt, er würde gegen das Project gestimmt haben, wenn ihn dringende Geschäfte nicht geoöthigt hätten, vor der Abstimmung die Sitzung zu verlassen. — Herr Oberbürgermeister Guauth bemerkt, daß der Beschluß rechtSgtltig fei; die Abstimmung würde nach der Erklärung dersbeiden vorgenannten Herren allerdings ander» ausgefallen sein, wenn diese nicht verhindert gewesen wären.
Ce<aUs m*6 pvootajica«.
Gießen, 17. December 1897.
•• Die Zahl der WeihaachtSurlauber wird in diese« Jahre außerordentlich groß fein, da von höchster Stelle au» der Befehl ergangen ist, daß Urlaub auf Antrag in weitestgehendem Maße, soweit di:S ohne Beschränkung bei voth« wendigen Dienstes zulässig fei, ertheilt werden soll. Die Urlaubszeit ist aus 8—21 Tage bemessen.
Wie muß «au eine Petroleumlampe aulloscheu? Gewiß hat schon jede der geehrten Leserinnen nach AuSlöschuvg einer Petroleumlampe mit dem Qualme und dem mehr weniger recht unangenehmen Geruch derselben Bekanntschaft gemacht. Doch ist dieser nur dort zu spüren, wo man eine Lampe von oben oder von der Sette auslöscht. Diejenigen, welche ihre Lampe soweit heruvterschrauben, daß dieselbe all- mählich von selbst erlischt, werden ihr Geruchsorgan nicht beleidigen. Während die erste Art und Weise deS AuSlöschenS auch manchmal noch zu einer Explosion führe« kann, ist die letzte Art vollständig gefahrlos und somit allein anzuwenden. In dem Maße wie wir die Dochtfläche von dem oberen Rande des Brenners entfernen, wird die Temperatur deS Dochte» und de» in demselben verdampfenden Petroleum» erniedrigt. Die Folge davon ist, daß die Menge der gebildeten Dämpfe abuimmt und die Flamme allmählich kleiner wirb. Dieser Vorgang führt wieder zu einer Abnahme der Temperatur der oberen Brenner, und Dochttheile und einer damit Hand in Hand gehenden Abnahme der Bildung von Petroleumdämpfen. Da» Verlöschen der Flamme geschieht in dem Augenblicke, in welchem die Dämpfe nicht mehr auSreichen, die Flamme zu erhalten Eine Exp'oston ist vollständig aus- geschloffen, wenn die Lampe sauber gehalten. Wird wirb bte
Flamme auSgeblafeu, so steigen erhitzte Petroleumdämpfe auf, welche die allmählich erftetbenbe Flamme selbst verzehrt.
n. Staden, 16. Drcember. Heute morgen 7 Uhr 20 Minuten flog ein Meteor in der ungefähren Höhe von 20 Meter in der Richtung von Ost nach West mit zischende« Geräusch über der letzten Hofraithe am Nordende unsere» Städtchen» hin. ES fiel in dem Wiesengrund an der Nidda nieder. DaS Meteor, da» von vielen beobachtet wurde, hatte walzenrunde Gestalt, war mit de« nachziehenden Hellen Schweif etwa ®/4 Meter lang und 15 öentimeter dick. Der vordere Ttzeil zeigte stahlblaue Färbung. ES wurde bi» jetzt noch nicht aufgefundeu, dürfte nach bei seiner großen Geschwindigkeit tief in dem aufgeweichten Wiesenboden der- funken sein.
* Die «bliche Parade der Depeschenstmge« sand kürzlich etwa nicht in Berlin, sondern in London vor dem englischen Genrralpostmrister Herzog von Norfolk stakt. Zu dieser Parade, die im Exercierschuppeo de» 2. Schützenregimeot» abgehalten und vom Eomwandeur de» genannten Regiment» befehligt wurde, waren außer dem Herzog noch verschiedene höhere Postbeamte erschienen, die fich lobend über die Hebungen und Bewegungen der Depescheojuogen aussprachen. Und so waS ist angeblich in Old-England, wo so wenig Vorliebe für Militär vorhanden, üblich?!
• Die Heilung der Fistelstimme. Man schreibt au» Pari»: In der letzten Sitzung der Pariser Academie de Medecine hielt Dr. Eugen Krau» einen beifällig aufgenommenen Vortrag über eine neue Theorie nnb eine neue Behandlung der Fistelstimme. Mau erklärte dieie sonderbare Stimme bisher durch MuSkelkräwpfe de» Kehlkopfe» oder durch unsichere Bewegungen und Spannungen der Stimmbänder und behandelte auf Grund dieser vagen Theorien bald mit Electricität, bald mit Massage, bald innerlich, ohne mit diesen Methoden irgend welche nennenSwerihe Erfolge zu erzielen. Dr. Krau» bringt eine neue Erklärung, der zufolge die Fistelstimme auf Grund eine» räumlichen Mißverhältnisse» zwischen der Länge der Kehlkopfknorpel und der Länge der Stimmbänder zu Stande kommt. Diese» Mißverhältniß habe zur Folge, daß die Slimmbänder in einem Zustande dauernder Ueberspaunuog erhalten werden, und bte» sei bte Ursache der Fistelstimme. Dr. Krau» hat auf Grunb seiner Theorie eine neue Behandlungsmethode erdacht, deren Endziel darin besteht, jene» räumliche Mlßver- hältniß zum Schwinden zu bringen. Mittelst eine» Apparate» wird der Kehlkopf in wenigen schmerzlosen Sitzungen ta der nöthigen Weise modificirt und der Erfolg soll geradezu überraschend fein.
Kleinkinder-Bewahranftalt.
Am nächsten Sonntag, den 19. December, soll die Chrift- befcheeruug unserer Anstalt gehalten werden.
Nachmittags 4 Uhr findet zunächst in der Johanneskirche bet brennenden Christbäumen eine kirchliche Feier statt, die zugleich als Gemeindegottesdienst gehalten wird. Nach Schluß desselben werden in der Kleinkinderschule, auch im Lichte des ChriftbaumS, den Kindern ihre Gaben bescheert werden.
Zu der kirchlichen Feier in der Johanneskirche laden wir die ganze Gemeinde freundlichst ein. Zu der Bescheerung in der Anstalt selbst können wir, außer den Angehörigen der Kinder, wegen des beschränkten Raumes leider Niemanden einladen.
Alle, die uns für die Christbescheerung unserer Anstalt noch Gaben zugedacht haben, bitten wir, dieselben bis Ende dieser Woche an eine der Borstandsdamen gelangen zu lassen.
Gießen, den 15. December 1897.
Der Vorstand der Kleinkinder-Bewahranftalt.
Dr. Naumann.
Zu der mit unserer am 27. December im Cafo Leib stattfinden, den Weihnachtsfeier verbundenen Berloofung werden die Gaben am nächsten Touutag, den 19. December, Nachmittags zwischen 3 und 6 Uhr, im Vorstandszimmer der Herberge zur Heimath mb gegengenommen. Dieselben können entweder im Baarbetrage von 50 Pfg. ober in einem gleichwerthigen Gegenstand bestehen, der unverpackt überreicht werden muß.
H360 Der Vorstand.
Versteigerungen.
g Empfehlungen. |
Samstag brn 15. Januar 1898
Nachmittag» 2% Uhr
sollen auf dem hiesigen OrtSgertcht bte den Pete» Worch «Helenten in Gießen gehörigen Immobilien:
Flur 25 Nr. ?4M/ioo — 291 qm Hofraithe an der Chaussee auf der Warte, Flirr 26 Nr. 74« loe - 362 qm Grab- garten daselbst
öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, S. December 1897.
Großherzogliches OrtSgertcht Gieße». ____________I. S.: Bogt. 11013
Famstag den 18. Secbr. 1897, von Vormittag» 10 Uhr an, läßt Herr Goldarbeiter Huhn zu Gießen in seinem laben vahnhofstr. 14 wegen Geschäft», aufgabe leine gesummten Gold-, Silber-, versilberte, Granat- und sonstige Waaren, als:
Brachen, Ohrringe, IHalS- unb Uhrketten, Collier», Medaillons, Arm- bänber u. f. w.
öffentlich gegen Baarzahlung versteigern. Versteigerung bestimmt.
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