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18/12/1897 Zweites Blatt
 
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1807

Nr. 2S7 Zweites Blatt.

Samstag den 18. Deeember

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Amts- und Anzeigeblntt für drn Ureis Gieren.

Hralisöeikage: Gießener Kamilienökätter. !

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an den Schänktisch, ergriff das dort liegende große Aufschnitt-

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Don Anzeigen zu der Nachmittag« für den folgende« Lag erscheinenden Nummer dir Barm. 10 Uhr.

Alle Lnnoncen-Bureaux de« In- und Lullande« nehm« Anzeigen für drnGießener Anzeiger" mtyy*.

tiaimge M- geliebter Vater

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Das neue Cabinet in Italien.

Die italienische Mintsterkrtfi» hat fich die-mal länger hingezogen, als man anfänglich zu vermuthen berechtigt war. ES sah so einfach auS. Rudini übernahm wieder die CabtnetS- bildung, merzte nur einige ihm undrqaeme Collegen auS und übergab Zanardelli, dem Führer der äußersten Linken, um besten Partei für fich zu gewinnen, ein Portefeuille. Wir haben schon früher ausführlich dargelegt, weshalb der Krtegs- mtnister Pelloux und der Minister der öffentlichen Arbeiten, Prtnetti, dem Cabinet Valet sagen mußten, und haben auch bereits erwähnt, daß Rudini diese Gelegenheit gern beim Schopf ergriff, um daS Ministerium zu regenertren. Aber der Marquis stieß doch auf größere Schwierigkeiten, da er wohl zu offen gezeigt hatte, wie viel ihm an der Gewinnung ZanardelliS gelegen war, deffen Begehrlichkeit nun ins Un» gemessene gereizt wurde. Zanardelli, von dem man erzählt, daß er bet der bekannten Kamwerabstimmung, in welcher Krieg-Minister Pelloux jene Schlappe erlitt, infolge deren er seine Demtsfiou gab, als Kammerpräsident absichtlich versäumt habe, die Abgeordneten aus den Couloirs herbeirufen zu lafien, stellte zur Bedingung seines Eintritts ins Cabinet, sein Vertrauensmann Bouardt müffe zum UoterstaatSsecretär tm Ministerium des Innern ernannt werden. Was er damit bezweckte, darüber herrschte in eingeweihten Kreisen kein Zweifel, er wollte Rudini, welcher neben dem Präsidium daS Portefeuille des Innern verwaltet, einen Aufpaffer an die Seite geben. Da dem der CabinetSchef natürlich widerstrebte, scheiterten die Ver­handlungen und die Combtuatton Rudini-Zaoardellt schien

Die Gießener JamtkienStLtter »erden dem Anzeiger »Ichentlich dreimal deigelegt.

schlafen ist.

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Furchtlos in die Augen, zur Besinnung den Schänktisch

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Eteß en er Anzeiger erscheint täglich, Mit Ausnahme de» Montag«.

endgütig aus der Welt geschafft zu sein. Für Rudini lag schon die Gefahr nahe, bet einer CabtnetSbiiduog gar nicht mehr in Frage zu kommen, die neben der Version, er werde dem Könige dar alte Ministerium, mit Ausnahme Pellonas und PrinettiS, wieder prä eatiren, auch die Möglichkeit einer LabinetSbilduug durch ViScooti-Benosta oder Sonntno er» wogen wurde. Da im letzten Augenblick besann sich Zarua« dellt eines vefferen, nachdem er sich überzeugt hatte, daß Rudini sich auf die Aufpafferschaft BonardiS unter keinen Umständen etulaffen werde- er verzichtete auf die Er­füllung feines Wunsches und übernahm das Justrzporte- feuille. Der bisherige Kammerpräsident ist nämlich ein recht ehrgeiziger Herr und befürchtete, wenn ein Anderer, als Rudini, die CabinetSbildung übernehme, er bei der Berthetlung der Mtnisterfitze überhaupt nicht in Frage komme. An Stelle des KriegSmiuisterS Pelloux ist der General Sau Margauo ins Cabinet eingetre.'en und für den Arbeitsminister Prtnetti der Bankier Pavovc llt, welcher seit 1874 dem Par­lament angehört und daselbst die Handelsverträge mit Oester­reich und Deutschland eifrig verthetdigte. Pevoncellt ist einer der größten Weivproducenten Italiens und gehört der Rechten an, überhaupt wird in der Farbe des CabtnetS durch den Eintritt ZanardelliS nicht viel geändert. Daß die auSwür- tige Politik Italiens nicht umschlägt, dafür ist durch den Dreibundvertrag gesorgt, abgesehen davon, daß Visconti- Bevosta nach wie vor Letter der auswärtigen Angelegen­heiten bleibt.

Die inuerpoltttsche Situation ist dem neuen Cabinet

einer heftigen Bewegung daS Messer nach der Ecke, tu welche fich seine Frau zurückgezogen hatte, und verließ dann den Kampfplatz. In der Thür drehte er fich noch einmal uw.

Glaube nicht, daß Dir daS geschenkt ist!" ries er drohend- daun zog er fich zurück in die Hinteren Räumlich- kctteu, während die Frau die durch dieses kleine Intermezzo uaterbrochene Arbeit deS G!L-erfpüleuS wieder aufuahm, nachdem fie voch daS große Aufschuittweffer, daS ihr nach ihres Gatten wohlmeinender Abficht den Tod hatte bringen sollen, auS der Ecke ausgelefeu und wieder an seinen gehörigen Platz gelegt hatte.

Es war ein recht erregter Auftritt gewesen und die Sache hatte einigermaßen gefährlich auSgesehen, aber fie warS nicht, wenigstens hätte fie keiner dafür grhalte-, der mit den Gepflogeuheiteu der schwarz-weißea Ehepaares bekannt war. Mindestens eia Dutzend mal der Tage» stauden die beiden Sheagtren wie zum Kampfe auf Leben und Tod be­reit einander gegeuüber, schleuderten fich die scheußlichsten Verwünschungen an den Kopf- aber trotz aller Drohungen hatte noch keines da- andere ermordet. Au dem guten, ehrlichen Willen dazu mochte e» ja bei beiden tm Momente der Erregung nicht fehlen, aber die Ueberzeugung hatte Jeder, daß der Andere fich nicht so ohne Weiteres gutwillig würde abstechen laffen, und ein Kampf, bet dem man selbst etwas riSkirte, vor dem schreckten beide Parteien zurück. SrwtffeaSbiffe über eine Mordthat dem Andern gegenüber hätte nach übereinstimmender Aussage beider Galten keiner empsunden.

Zehn Jahre waren Achmed und seine Frau verheirathet und genau so lauge dauerte daS gegenseitige Bedrohen mit Mordplänen aller Art. Schon beim HochzeitSdtner hatten fie ihre künftige Stellung zu einander klargestellt, indem er ihr da» Deffertmeffercheu in daS falsche Herz zu stoßen und fie ihm da» Weinglas an feinen dicken dummen Schädel zu zerschellen drohte.

Kinder, warum habt Ihr Such eigentlich geheirathet?- fragte einmal ein verständiger Alter, der Zeuge eine» ehe- ltchen DiSputS im Haufe Achmeds, des Afrikaners, ge­worden war.

Warum? «ei ihm war Liebe der Grund gewesen, wie er selbst verficherte - allerdings wohl nicht jenes ideale, Himmelentstammeode und zum Himmel erhebende Lustgefühl tu der Meuschenbrust, mit dem schon seit undenklichen Zetten entsetzlich viel Unfug getrieben wird, sondern ein mehr aus die Sinne als aus da» Herz wirkende» begehrliches ver­langen, da» Im Genuß erlischt, um Im Augenblick daraus wieder ewporzuflammen, heißer, wilder al» zuvor. Auch eine Liebe, so sagt mau, aber sicherlich nicht die Liebe.

und sest blickte fie dem rasenden Schwarzen und e» war, als würde er durch den Blick gebracht. Wenigsten» sprang er nicht über und stieß nicht zu, er schleuderte nur mit

Sie hatte keinerlei Liebe in die Ehe mir Achmed ge­trieben. Sie war noch sehr jung, erst sechzehn Jahre, al» der Schwarze bei ihr als Freier auftrat, sehr jung und sehr unglücklich, denn ein flotter Studio, der ihr den Kopf verdreht, hatte fich auf und davon gemach», al» er merkte, daß in ihr sentimentale Ehegedaoken aufrauchteu. Da erschien mit einem Male der Schwarze. Achmed war damals eine respectable Persönlichkeit: Leibjäger eines Fürsten, und benahm fich bei seinen Besuchen bei der Mutter sehr gefitter. Die Mutter, eine einfache Frau, der Achmeds Stellung nicht weniger imponirte als feine Hautfarbe, harte der exotifche Freier sehr bald für fich gewonnen. Aber auch die Tochter, fo sehr fie Anfangs über die wunderliche Idee, einen Schwarzen heiraihe« zu sollen, gelacht hatte, begann fich verhältnißmäßig rasch an den Gedanken, eine Ntggerfrau zu werden, zu gewöhnen. Da» Ungewöhnliche, Abenteuerliche übte seinen Reiz auf da» kaum dem KindeSalter entwachsene Mädchen, dazu kam die erlittene Herzenstäuschung und der feste Glaube, doch nie wieder Jemanden so lieben zu können wie den entlaufenen Studio. Die alberne Mutter redete kräftig zu und so wurde die Tochter, gerade al» fie fiebenzehn Jahre zählte, die Frau Achmed», de» fürstlichen Leibjägers.

Bon dem Tage an begann für Beide die Hölle auf Erden, wie fie nicht aufhörten einander zu versichern. Schon am Hochzeitstage hatte der Crawall begonnen, aus irgend einer geringfügigen Ursache, und seitdem noch nicht aufgehört. Zwar so lange Achmed in fürstlichen Diensten gestanden, hatte seine öftere Abwesenheit die immerwährende Fehde wenigstens doch von Zeit zu Zeit unterbrochen. Nun war er aber einer Palastintrigue, zum Opfer gefallen und seine» Dienste» entlassen worden. Da hatte er seine paar Spar- groscheu zusammengeraffr und einenfeinen Bterkeller" ein­gerichtet, und nun ging der Teufel los, denn nun konnten die Eheleute einander nicht mehr au» dem Wege gehen. Zudem haperte e» bald mit der Bewirthschaftung de» Bier­keller». Zwar die Frau war fleißig und sparsam und schuftete, wa» fie konnte, aber Achmed, der Afrikaner, von Rarur faul und in seiner vorigen Stellung an Arbeiten nicht gewöhnt, spielte den freien Mann, trank von seinen seinen Bieren, so viel er vertragen konnte, und noch darüber, und verlor Abends im jeu, was er des Tage» über eingenommen hatte. Natürlich waren auf diese Weise die Spargroschen bald zu Ende, e» entstanden Verlegenheiten, Lieferungen blieben au», Gäste kamen nicht mehr wieder, theilS weil die Biere in dem feinen Bterkeller immer weniger fein wurden, theUS weil fie die Mord- und TodtschlagSscenen zwischen den Eheleuten nicht mehr anhören und sehen wollten. So kam die Wirthschaft von Tag zu Tag immer mehr herunter, und Kenner der Berhältniffe prophezeiten bereit» den Tag, an welchem der Afrikaner und seine Frau vom HauSwirth an die Lust gesetzt werden würden, wenn sie fich bi» dahin nicht gegeuseitig doch einmal todtgeschlagen haben würden.

(Fortsetzung folgt.)

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Jn der Stadt, turegulirnua Mivurde.

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nicht allzu günstig. Als Rud'ni nach dem Sturze CriSpt» in'S Amt trat, versprach er umfaffende Reformen tm Innern, m t denen er auch fein Bestreben begründete, die Colonial- Politik aufzugrben, einen ehrlichen Frieden mit dem Negu» Menelik zu schließen und alle wettergehenden Wünsche der Italiener bezüglich der AuSSehuung ihres Einflusses in Afrika unersüllt zu laffen. DaS Gros de» Volke» war in dieser Beziehung mit Rudini einverstanden, aber eS gab viele an­gesehene und einflußreiche Kreise, welche enttäuscht waren. Soll doch Rudini große Anstrengungen haben machen müffen, um selbst den König zum Entsagen aus eine groß angelegte Politik in Afrika zu bewegen. Nun hat aber Rudini mit der Einführung von Reformen im Innern des Landes immer noch gezögert freilich mehr aus Mangel an den finan­ziellen Mitteln, es ist deshalb erklärlich, daß gewtffe Kreise, die bisher treu zur Regierung gehalten haben, un­geduldig werden und zur Oppofition Übergehen. Zweifel, ob das neue Cabinet fich lange wird halten können, find deshalb sehr berechtigt. Die nächste Zeit wird bereits lehren, welche Lebensdauer wir ihm prognosttciren können, da die Kammer, welche in den nächsten Tagen wieder zusammen­tritt, gleich zeigen wird, was die jetzige Regierung von ihr zu erwarten hat. (XX)

Sitzung der Stadtverordneten

am 16. December 1897.

Anwesend: Herr Oberbürgermeister Gnauth, Herren Bei­geordneten Georgi, Grüneberg und Wolff, von Seiten der

en Piwen die v..Drutkerei kheji»).

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vierteltährig« AVonnementsprei» t 2 Mark 20 Psg. mit Bringerloha.

Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pf-.

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meffer und holte zum Stoße aus.

Daun bin ich Dich los!"

Gießener Anzeiger

Kenerat-Anzeiger.

Feuilleton.

Schwarz-Weiß.

Don E. Reinhold

(Nachdruck verboten.)

ES war gegen zehn Uhr Morgens, da stolperte die steile Treppe herauf, die, wie ein Über dem Eingänge an­gebrachte» Schild anzeigte, in denfeinen Bierkeller vom Afrikaner Achmed" führte, ein In einen dunkelblauen Havelock gehüllte» windige» Kerlchen. Die merkwürdige Hast de» nach oben Stürzenden, fein Angeln mit den Armen nach einem festen Stützpunkt, der eilige Griff an den die Balance verlierenden Cyltnderhut waren genügende Judicien, daß die Aufgang»geschwind,gleit des nach der Oberwelt Strebenden durch eine fremde Kraft regnlirt worden war. Er blickte fich auch nicht um nach der Stätte, die er eben verlaffen, derGestolperte", sondern, glücklich angelangt auf der vom winterlichen Schnee bedeckten Straße, setzte er fich in Hunde- trab und verschwand bald nm die nächste Ecke.

Unten aber, in Achmeds, de» Afrikaners, feinem Bier- keller, spielte sich eine stürmische Ehestandsseene ab. Er, ein Vollblut-Nigger im besten ManneSalter, kräftig und muskulös, stand in der Mitte des Zimmer», wuthbebend mit wildrollenden Augen und vorgeneigtem Oberkörper, wie eine gereizte Bestie, die im Begriff ist, fich auf ihr Opfer zu stürzen- fie, des Schwarzen Eheweib, aber selbst nicht der äthiopischen, sondern der kaukasischen Raffe angehörig, eine große und schlanke, recht hübsche und noch ziemlich junge Person, stand hinter dem Schänktisch, weiß wie eine Kalk­wand, aber ruhig und stolz, und 'maß ihren wie toll fich ge- berdendeu Gatten mit haß- und verachtUk'gSvollen Blicken.

Elendes Weib I brüllte der Schwarze,treffe ich Dich noch einmal, wie Du den Kerl, den erbärmlichen, hier fütterst, ich schlage Dich tobt oder ich werfe Dich auf die Straße, wo Du hingehörst."

Ein verächtliche» Zucken mit den Schultern war die ein- zige Antwort der Gattm.

Denkst Du," fuhr Achmed fort, noch rasender gemacht durch seine- Weibe» respektlose Haltung,Du kannst hier mit Deinem Liebsten verpraffen, wa» ich erwerbe?"

Ein schrille», höhnische- Lachen unterbrach ihn.

Wa» Du erwirbst?" kreischte dir Frau.Wer war gestern wieder finulo» betrunken? Wer hat die ganze Tage- kaffe wieder verspielt in der Nacht? «ein Psennig war heute früh mehr darin, und da willst Du von Erwerben reden? wer rührt überhaupt die Hände hier in der Wirthschast und hält noch etwa» Ordnung? Etwa Du, Du schwarze» Faulthier?"

Tin Brüllen wie von einem gereizten Stier kam au» Achmed» Munde. Die nicht ganz unbegründeten Vorwürfe und die Anspielung auf seine Hautfarbe steigerten seine Wuth bi- zur Tollheit- einen Augenblick irrten seine Blicke hier hin, da hin, al- suche er etwas, dann sprang er mit einem Satz

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