Ausgabe 
18.12.1897 Erstes Blatt
 
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Frirdrichlrrth, 16. December. Um 78/4 Uhr Abenb» ist Seine Majestät eer Kaiser in Begleitung Sr. Kgl. Hoheit deS Prinzen Adalbert mittels Sonderzuge» hier eingetroffen. Graf Rantzau begrüßte Se. Majestät den Kaiser RaweuS de» Fürsten BtSmarck, da diesem sein Gesundheitszustand nicht erlaubte, persönlich -um Empfange Seiner Majestät am Bahnhose zu erscheinen. Unter den Hurrahrufeu de» Publi- kum» begaben sich sodann Seine Majestät der Kaiser und Seine Königliche Hoheit Prinz Adalbert, beide in Marine» uniform, in Begleitung de» Gefolges nach dem Schlöffe. Fackeltragende Bahnbedienstete und Feuerwehrmänner bildeten läng- des Weges Spalier. Die Abfahrt Sr. Majestät de» Kaiser» wird voraußfichtlich um 8 Uhr 30 Min. erfolgen.

Kiel, 16. Deeember. Die 1. Panzerdivision unter dem Tommando deS Viceadmirals Thomsen ist heute Nach» mittag durch den Kaiser-Wilhelm Laual nach Wilhelmshaven in Tee gegangen.

Rendsburg, 16. Dcbr. Generaloberst Gras W all der» fee ist hier eingetroffen. Die Landungsstelle und die große Canalbrücke find mit Fahnen und Guirlauden geschmückt. Da» Wetter ist herrlich. Eine große Menschenmenge ist versammelt.

Rendsburg, 15. Drcember. Gegen 5 Uhr verließ Seine Majestät der Kaiser den KreuzerDeutschland" nach Herz» lichster Verabschiedung von Seiner Königlichen Hoheit dem Prinzen Heinrich. Zum Empfange Sr. Majestät war auch Oberpräfident v. Köller anwesend. Die Garnison hatte nahe der Landungsbrücke Parade »Aufstellung genommen. Um 5 Uhr pasfirte der KreuzerDeutschland" die Stadt. Bald darauf setzte fich der kaiserliche Sonderzug in Bewegung.

Konstantinopel, 16. December. Die Verhandlungen mit der Ottomanbank wegen eines Vorschuffe» find bisher ergebnislos gewesen. Um dem dringenden GeldbedÜrsniß abzuhelfen, find gestern 100,000 Pfund aus dem in der Ottomanbank deponirten, durch Subscription für die Armee gebildeten Kriegsfond» entnommen worden.

Depefch« M Bure« .Herold."

Berlin, 16. December. Der Kaiser wird auf der Rückreise von Rendsburg dem Fürsten Bismarck einen Besuch abstatten. Wie derLocalanzeiger" an» Friedrichs» ruhe meldet, wurde der Kaiser heute Abend um 6% Uhr dort erwartet.

Berlin, 16. December. Die Kaiserin, welche seit mehreren Tagen stark erkältet war, befindet fich auf dem Wege der Befferung.

Berlin, 16. December. Wie an» Kiel gemeldet wird, erfolgte die Dnrchschlensung der KreuzerGefion" und Deutschland" in Holtenau ohne Zwischenfall. Die drei ältesten Prinzen beobachteten den Vorgang von der Commando» brücke derDeutschland" au». Prinz Heinrich stand mit dem SchtffSstab auf der großen LommandobrÜcke. Der Kaiser blieb unter Deck.

Berlin, 23. December. Wie dieNordd. Allgem. Ztg." erfährt, ist von einer Belästigung deutscher Offiziere in Porte»au»Prinee, welche von einem Ball zu ihren Schiffen zurückkehrten, an maßgebender Stelle nicht» bekannt.

Berlin, 16. December. DerNordd. Allgem. Ztg." zufolge begibt fich der ReichSbankpräfident Dr. Koch morgen nach Düsseldorf, um dort da» neu errichtete Geschäftsgebäude der Reichsbankstelle zu eröffnen. Am 20. d. Mt». wird auch in Ruhrort und Mülheim an der Ruhr die Befichtignng der Reichsbanknebenstellen stattfinden. Bei dieser Gelegenheit wird fich der ReichSbankpräfident über die Finanzverhältniffe de» Ruhrgebiet» eingehend iuformiren.

Berlin, 16. December. Da» Gerücht, Prinz Adolf von Schaumburg-Lippe sei für den Gouverneurposteu von Kreta auSersehen, ist unbegründet.

Frankfurt a. M-, 16. December. DerFranks. Ztg." wird an» Konstantinopel telegraphirt: Der König von Griechenland beschloß, da die Pforte und die Mächte fich in Bezug auf die Verschiebung der Ratification de» Friedens» vertrage» ablehnend verhalten, nachzugeben.

Saarbrücken, 16. Drcember. Die Nationalliberalen und Freifinnigen im Kreise Saarbrücken stellten gemeinsam al» Gegoer de» Stumm'schen Kandidaten den Landgericht»rath Rulemann aus Braunschweig zum Reich»tag»candidaten auf.

Kiel, 16. Decrmber. Der Kaiser erhielt gestern vom kardinal Dr. Kopp ein Telegramm, in welchem derselbe anläßlich der Abreise de» Prinzen Heinrich nach China zum Schutze des Kreuzes die innigsten Segenswünsche sendet. Auch vom Erzbischof von StablewSki traf ein ähnliche» Telegramm ein. Der Kaiser hat an beide geistlichen Würdenträger Aut» wort-Telegramme gesandt.

Kiel, 16. Decrmber. Gestern Abend um 6 Uhr fand im Schlöffe ein Diner zu etwa 60 Gedecken statt, an welchem außer dem Kaiser noch Prinz und Prinzesfin Heinrich, Prinz Adalbert, der Eomrnandant derGefion", die Stäbe derGefion", derDeutschland" und der Corn- Mandanten der Übrigen Schiffe, da- kaiserliche Gefolge und die Spitzen der Marinebehörden beiwohnten. Gestern Abend 10 Uhr begab fich der Kaiser auf dieGefion", um dort zu Übernachten.

Rom, 16. December. Officielle Nachrichten besagen, daß da» Parlament zum 20. December zusammenberufen werden wird.

Barna. 16. December. Nach au» besonderer Konstan» tinopcler Quelle stammenden Meldungen bestätigt e» fich, daß auf den Sultan ein von den Jungtürken angeftiftete» Attentat versucht wurde. Der Attentäter, Oberst Mehmed Bey, ist mir noch drei höheren Palastbramten verhaftet worden.

Athen, 16. December. Die Kammer trat heute zu­sammen, um den FriedeuSvertrag zu bestätigen.

Revyork, 16. Deeember. Boa der Insel Atlanta kommt die Nachricht, Präfident Mac Kinley habe da» KanonenbootDemokrat" und ein andere» Schiff dorthin gesandt, um fich Über die Lage auf der Insel zu orientiren.

tzavannah, 16. December. Ein Führer der Auf­ständischen wurde in dem Augenblick, al» er mit einem Dampfer Havauuah verlaffen wollte, verhaftet.

Berlin, 17. December. Der zweite Bundesstaat, deffeu Zustimmung der Militär - Strafproceß » Entwurf nicht gefunden hat, soll Renß ä. L. sein.

Berlin, 17. December. Theodor Mommsen hat, wie da»Berl. Tagebl." erfährt, den ihm zum 80. Geburt»- tage angebotenen Excellenztitel abgelehnt.

Kiel, 17. December. Die Prinzessin Heinrich, welche am Lanalufer den PanzerkreuzerDeutschland" in der Equipage biß LevenSau begleitete, reiste Abends 9 Uhr ab, um ihren Gemahl Abend» in Brunnsbüttel zu Überraschen.

Kiel, 17. December. Mit dem Bau deS der «rupp'schen Germaniawerft in Auftrag gegebenen Panzerschiffe» erster KlaffeErsatz König Wilhelm", eine» Schwesterschiffes der in WilhelmSbaven im Bau befindlichen Panzerschiffe Kaiser Friedrich HI." undKaiser WilhelmII." ist begonnen worden. Da» Schiff soll in 34 Monaten fertiggestellt werden und wird mit vollem Panzer vom Stapel laufen.

Rendsburg, 17. December. Der KreuzerDeutsch­land" kam 4 Uhr Nachmittags in Sicht und hielt 4>/, Uhr vor der Brücke. Auf der CommandobrÜcke stand Prinz Heinrich. Nachdem der Kaiser gelandet, setzte'dieDeutsch­land" ihre Fahrt fort. Der Kaiser bestieg nach Begrüßung der anwesenden Herren, unter denen fich Oberpräfident v. Köller und Generaloberst Graf Waldersee befanden, den zur Fahrt nach FriedrichSrnh bereitstehenden Sonderzug.

Konstantinopel, 17. December. Der Sultan hat gestern den FriedeuSvertrag unterzeichnet.

WB. Paris, 17. December. Der Dichter Alphonse Daudet ist gestern Abend 8 Uhr beim Diner im Familien­kreise plötzlich gestorben.

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Gießen, den 17. December.

* Ans dem BerwaltnugSdienst. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben AllergnSdigst geruht, das juristische Mitglied und Vortragenden Rath bei dem Ministerium der Finanzen und deffeo Abteilungen, Oberfinanzrath Ernst Braun zum Kreisrath de» Kreise» Lauterbach, mit Wirkung vom 1. Januar 1898 an, zu ernennen.

Wechfelstempelsteuer. Im OberpostdirectiouH- bezirke Darmstadt gingen an Wechselstempelsteuer im November d. I. 13975.50 Mk. ein, mit den Vormonaten de» laufenden Etatjahres zusammen 112456.60 Mk. oder 6899.10 Mk. mehr al» im entsprechenden Zeiträume von 1896/97.

3h bet Sitzung der medicinischen Gesellschaft am 14. d. Mt». berichteten die Herren Geh. Med.-Rath Professor Dr. Gaffkh und Privatdocent Dr. Sticker über ihre Reise nach Indien, sowie über den Stand der Pest- und Lepra- Forschung.

Für Weihnachtsreifende. Auf die Bekanntmachung in vorliegender Nummer, bett. Abfertigung von Personen- SonderzÜgen an den Weihnachtsfeiertagen, machen wir hiermit aufmerksam.

Stadttheater. Samstag den 18. December wird al» Klassiker VorstellungOthello" von Shakespeare auf« geführt, zu welcher für Schüler BilletS zu ermäßigten Preisen auSgegeben werden. Sonntag den 19. December gaftirt der erste Komiker de» Kölner Stadttheaters, Herr Hans Partz, al»Babs" inCharleyS Tante".

Knnstalllftellnng. Don den gegenwärtig in der Kunst» auSstellung im Thurmhaus am Brand zur Ansicht gebrachten Gemälden, welche in ihrer Mehrheit wieder viel SehrnS- werthe» und für den Kunstfreund Jntereffante» bieten, fei in Nachfolgendem ein kurzer Auszug gestattet. Unter zahlreichen werthvollen Landschaftsbildern, welche alle anzu­führen die Leser ermüden würde, bietet die Ausstellung u. A. eine Mondlandschaft" von Donzetti Barth a. Ostsee, welche sicher jeden Kuustsrennd entzücken wird, ferner ein prachtvolles Ge» mälde von Gebhardt-München:Parthie auSjdem Borderriß", eineRegenstimmung" von Hoffmann-Frankfurt a. M., Motiv au» den römischen Bädern bei Trier" von v. Ernst» Düffeldorf und viele Andere. Auch drei von dem verstorbenen Gießener Künstler Achenbach auSgesührte Gemälde verdienen besonder» hervorgehoben zu werden:Schloßhof in Ober­lahnstein", eines der schönsten Bilder der gegenwärtigen Serie,Motiv au» der Schweiz",Winterlandschast". Al» ein Kunstwerk darf da» von Marie Laux Prag ausgestellte Gemälde:An der Quelle" bezeichnet werden. Die vor» trefflich gelungene Ausführung, welche schon viel bewundert wurde, zeigt sich namentlich in der naturgetreuen Wieder­gabe de» Gefieder» der beiden Vögel, während auch die Üb­rigen Detail» die hohe Begabung der Künstlerin nicht ver- miffen lassen. Nicht minder ausdrucksvoll und in der Aus­führung von gleich hoher Vollendung find mehrere von Rieper- München ausgestellte Gemälde, wovon namentlich einStudien­kopf" undBei der Toilette" hervorzuheden find, ebenso ein Gemälde von Stammel-Düsseldorf:Rheinwein". Ein historische» Interesse beanspruchende» werthvolle» Gemälde hat Delf Hamburg ausgestellt:Episode au» der Schlacht bei MarS-la Tour". Wem wäre der in den Annalen der Geschichte unerreicht dastehende TodeSriU der Brigade Bredow (Halberstädter Kürassiere und 16. Ulanen) nicht bekannt, wo die wackeren Altmärker der Uebermacht der herandrängenden Franzosen nicht mehr zu widerstehen vermochten, und tn Er­mangelung weiterer HülsStruppen bft Reiterei durch eine Attacke den Feind zum Weichen zu bringen beordert wurden. Welche imense Opfer dieser TodeSritt gefordert, aber auch welche Entscheidung durch denselben herbeigeführt wurde, dürfte bekannt genug fein. Selbst die verbissensten Fran­zosen, welche Augenzeugen dieses Ritte» waren, konnten nur mit ungeschminkter Bewunderung hiervon erzählen. Da» Ge­

mälde wurde nach einer demselben schriftlich beigefügten per­sönlichen Mittheilnng de» franzöfischen General» Henry an Oderstlieutenaut Graf von Schmettow bearbeitet:Ich rettete mich", erzählte er,mit genauer Noth, al» die Re'termaffe dicht an meinem Adjutanten vorübersauste und meine Batterie» Mannschaft zertrat, aber e» war ein so große» militärische» Schauspiel, daß ich wich trotz der Gefahr nicht enthalten konnte, meine Bewunderung anS»u<prechen. Im Zurückjagen rief ich meinem Adjutanten zu:Regardez I Quelle attaque magnifique*. Wir verfehlen nicht, auf diese» Gemälde hin­zuweisen. Einen in läsfiger Haltung hingestreckten Franen- förper in Leben»größe zeigt da» von Ring München ausge­stellte Gemälde:Ruhe nach dem Bade". Ddlfelbe ist von hohem künstlerischem Werthe. Unter der Bezeichnung Trost im Herzeleid", stellt von Engelhardt München ein sehr ansprechende» Bild an», während Hannstetter-München seinem GemäldeErlkönig" baß bekannte Göthe'sche Gedicht gleichen Namen» za Grunbe gelegt hat. Der Raum gestattet un» nicht, aus weitere Kunstwerke näher einzugehen, wir wollen aber nicht unterlassen, ben Besuch der Ausstellung angclegent- lichst zu empfehlen.

Wetterbericht. Ueber der ganzen Osthälfte de» Erb- theil» ist der Luftdruck gestiegen, und hat fich da» Barometer» Max mum weiter westwärts ausgedehnt. Der Westen und Nordwesten Europa» gehören jedoch fortgesetzt einem tiefen Depressionsgebiete an. Ueber Central Europa war unter dem Einfluß de» hohen Druckes das Wetter am Morgen ruhig, und abgesehen von Morgennebeln vielenori» heiter. Auf unserem Gebiete lagen die Morgentemperaturen etwa» tiefer al» gestern. Voraussichtliche Witterung: Im Allgemeinen heiter und unter TagS ziemlich mild. Morgens und Abend» Nebel.

X. Darmstadt, 16. December. In der heutigen Stadt» verordneteu-Sitzung wurde ein neuer Entwurf eine» Statut» berathen, da» die Wasserabgabe aus dem städtischeu Wasserwerk regelt, und angenommen; nur eine Bestimmung wurde noch in der Schwebe gelassen, wonach nämltch beim Uebergang von Grundeigenthum, das mit Wasser versorgt wird, der neue Besitzer für den rückständigen Wasserzin» de» früheren Besitzer» der Stadt gegenüber haftbar ist.

WormS, 15. December. DieW. Z." schreibt: Heute unternimmt Herr Professor Heidenhain bie 50. Operation mit Eröffnung der Bauchhöhle. Wenn schon in der kurzen Zeit seines Hiersein» so viele dieser schweren Krankheiten vorkamen, so muß man doch avuehmen, daß derartige Er­krankungen der Bauchhöhle wesentlich zunehmen. Die Ursache davon ist unzweifelhaft da» Cor fett. Also weg mit diesem Marterwerkzeug!

Schwurgericht.

W. Gießen, 16. December.

(Schluß.)

Verhandlung gegen Schmitz und Genossen wegen Zwei­kampf». Der Bertheidiger de» Angeklagten Schmitz, Rechts­anwalt Dr. Gutfleisch, erklärte, e» sei der Thatbestand de» § 206 d. Str. G. gegeben; könne nicht seine Auf­gabe sein zu bestreiten, daß sein Client seinen Gegner im Zweikampf getödtet habe. Darin sei er mit dem Vertreter der Staatsbehörde einig, daß nämlich da» Duell ncch dem Gesetz verboten ist und auch verboten sein soll. Nicht ganz so könne er sich abfiaden mit dem Hinweis, daß Derjenige, der fich schwer in seiner Ehre gekränkt fühle, an da» Gericht verwiesen werde, wo fein Gegner mit einer geringen Geld­strafe belegt werde. E» sei ja zwar bei den Gerichten in letzter Zeit Wandel geschaffen, und er freue sich, baß dem so sei, aber das Verfahren dauere zu lange. Der Bertheidiger erörtert bann bie Grünbe, welche bei der Strafzumessung später für ben Gerichtshof zu toürbigen find, um seinem Clienten eine milde Bestrafung zu Theil werden zu lassen. Rechtsanwalt Justizrath Hirschhorn, der Bertheidiger der Angeklagten Gebhardt und Baa», erörtert im Allgemeinen den Begriff der Beihülfe. Die That der Mitglieder be» Ehrengerichtshofes fei keines Falle» eine Beihülfe zu dem Duell, und wenn da» Reichsgericht die» dreist al» festgestellt erachtet habe, und der Staatsanwalt derselben Meinuag sei, so gäbe e» doch eine Menge Juristen, die gegenteiliger An­sicht seien. Die sechs dieserhalb Angeklagten, wenn dieselben wirklich bk* Ehrenrichter waren, waS ja bestritten und nicht erwiesen sei, hatten keine Macht, den Zweikampf zu hin­dern. Der Bertheidiger ist Überzeugt, die Herren Ge­schworenen werden nicht anders urtheilen, al» ihre College« von damals. Rechtsanwalt Metz, der Bertheidiger der Angeklagten Rude und Brettel, erörterte die Gründe, warum die sechs Angeklagten vom Rechte der AutkunftSrnheilung Gebrauch gemacht haben. Er richtete an bie Geschworenen bie Bitte, bie sechs, der Gehülfenschaft Angeklagten nicht schulbig zu sprechen, damit der SiaatSanwalt für die Folge mit solchen Anklagen nicht wieder komme. RrchiSanwalt Schimmelpfeng, Bertheidiger deS Angeklagten Koch, ver­breitet fich über daS CorpS Studententhnm int Allgemeinen, er nennt bie Studenten, dir dem Corp» angehören, die Garde der Studentenschaft, deren Vertreter auf allen deutschen Hoch­schulen zu finden seien, er erörtert bie Verhältnisse, aus benen heraus die tn Rede stehende Frage, ob fich die Mitglieder eine» studentischen Ehrengericht» im vorliegenden Fall ftrafbar gemacht, zu beurteilen ist, und kommt zu dem Schluß, daß sein Client, ebenso wie seine fünf Genossen, nicht schuldig feien. Rcchtauwalt Grünewald, der vetthe diger der Angeklagten Langermann und Stammler, erklärt, eS fehle an jeglichem Beweis, daß fein Client Langermann Mitglied de» Ehrengericht» gewesen. Die Geschworenen müßten aber auch ben Angeklagten Stammler freisprechen, ber bie Heran»- forberung zwar überbracht, ber aber versichert, er habe ei« ganze» Jahr während seiner Dienstzeit sich redlich bemüht, die Gegner zu versöhnen, ber aufrichtig bebauerte, bei bem Duell nicht anwesenb gewesen zu sein, unb der glaubt, e» wäre bann nicht zum Aeußerften gekommen.