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Mittwoch den 18 August
Mr. 192 Zweites Blatt.
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* Berlin, 16. August. Für den Verkauf von Post« rverthze 1 chen werden Automaten aufgestellt, zwar zunächst nicht tu den Schalter-Vorräumen der Postämter, sondern auf den Bahnhöfen. Die Eisevbahndtrection Berlin har der Gesellschaft für automatischen Verkauf die Ermächtigung er- theilt, auf sämmtlichen ihr unterstellten Bahnhöfen Automaten für den Verkauf von AnsichtS-Postkarten mit Marke aufzu- 'stellen. Die Marke ist vorläufig aufgeklebt, wird aber später von der Retchsdruckeret aufgedruckt sein. Auf den in Betracht kommenden etwa 120 Stationen werden im Ganzen ungefähr 200 solcher Apparate aufgestellt werden. Die Automaten spenden für je 10 Pfg. eine Karte auS einer Sammlung jon etwa 80 verschiedenen Anfichten auS Berlin und seiner Umgebung, sowie einen Bleistift. Bet jedem Apparat wird mit der Auswahl der abgebildeten Sehenswürdigkeiten auf die Umgebung de- Bahnhofes Rückficht genommen, wie die Apparate überhaupt stet- wechselnde Anfichten enthalten sollen. Zwei der Automaten sind schon auf dem Anhalter Bahnhof in Thätigkett- die Aufstellung weiterer Apparate auf den Hauptbahnhöfen Berlin- erfolgt demnächst. Damit wird der Sammeleifer der Sammelbrüder mächtig gefördert werden. Wenn erst jeder Au-flügler und Reisende mit einem Taschenstempel (etwa: „Gruß Fritze Meyer") versehen ist, so kann et, ohne den Bahnsteig zu verlaffen und einen Bleistift (Federn braucht er ja schon lange nicht mehr) in die Hand zu nehmen, Reiseberichte in unbeschränkter Zahl verschicken.
Dresden, 13. August. Der Freiberger Silber- Bergbau ist durch das große Uawrtter, bei welchem iämmtliche Schächte der Himmelfahrt-Grube, des größten sächsischen Bergwerke-, und andere Schächte ersoffen, schwer geschädigt worden. Die Bergleute müffen feiern, erhalten aber vorerst noch ihren Lohn.
* Für deutsche Ligarreufabrikauteu, die die von ihnen aus Havaunatabak verfertigten Cigarren nach England au-führen, dürfte folgender Fall eine- holländischen Fabrikanten von Jntereffe sein und gegebenenfalls zur Warnung gereichen. In der City of London Court klagen die Herren
Feuilleton.
Geflügelte Boten.
Von Curt Sickel.
(Nachdruck verboten.)
Mit Spannung harren die Gebildeten aller Cultur« Tanber auf Nachrichten über da- Schicksal deS kühnen Mannes, welcher sich vor wenigen Wochen aus einer im hohen Norden gelegenen Insel mittelst Luftballons tn die Regionen des ÄetherS emporgeschwungen hat, um einen neuen Versuch zur Entdeckung deS Nordpols zu unternehmen. Wird die wagehalsige Expedition gelingen oder nicht? WaS wird daS LooS der todeSmuthigeu Theilurhmer sein? Werden sie glücklich zurückkommen oder ihren kecken Versuch mit dem Leben bezahlen? Diese Fragen schweben seit dem Aufstieg des Ballons auf Aller Lippen. Schon einmal schien eß, als müsse man da- Unternehmen als gescheitert betrachten, doch erwies sich die betreffende UnglückSboifchaft zum Glück als ebensowenig zuverlässig wie die zuerst durch eine aufgefaogene Brieftaube erhaltene. Audrse hat, wie bekannt sein dürfte, um von dem Verlaufe seiner abenteuerlichen Fahrt Nachricht in sein Vaterland gelangen zu laffen, eine Anzahl Brieftauben mit sich genommen- eS stellte sich indeß bald heraus, daß die Ueberbringerin der angeblichen Kunde nicht zu den von ihm benutzten gehörte, auch steht e- noch sehr dahin, ob überhaupt eine der von ihm abgelaffenen nach bewohnten Gegenden gelangt, da der Flug der Brieftauben ersten- zahlreichen Gefahren und Hinderniffru ausgesetzt ist, und zweiten- im fraglichen Falle muthmaßlich so ungeheure Entfernungen zu durchmessen find, daß man sich über daß Ausbleiben der Taubenposteu füglich nicht wundern könnte. Denn wie die Art der Benutzung und Belastung der Brieftaube bestimmten Regeln unterworfen ist, so hat auch ihre Ausdauer ihre genau bemeffeueu Grenzen. Vielleicht dürfte es aogefichtS der Actualität, welche die Brief- taubeupost durch den Fall Andrse zur Zeit wieder einmal erlangt hat, von Interesse sein, über die Eigeuthümlichkeiteu deS intelligenten Vogels, seiner Zucht und Verwendung, sowie die Bedeutung der Brteftaubeupost für Verkehr und Krieg etwas Näheres zu vernehmen.
Die Verwendung der Tauben zur Briefbeförderuug ist durchaus keine Errungenschaft der Neuzeit. Die Chinesen, welche Steinkohlen, Compaß und Schießpulver vor allen
R. M. Cubtson u. Co, Cigarrenhäadler, gegen einen Tabak- Händler tn Bromley eine Summe von 3 L. 8 sh 9 d wegen gelieferter Cigarren ein. Der Beklagte sagte, daß er dem Reisenden de- Klägers einen Auftrag auf Havannacigarreu gegeben habe- nachdem er die empfangenen Cigarren seinen Kunden geliefert habe, seien sie ihm von diesen zurückgeschickt worden, weil unten an jedem Kistchen die Worte „Made in Holland“ gestanden hätten, waS offenbar ein Betrug sei. Der Richter wies denn auch den Kläger ab und verurtheilte ihn noch obendrein in die GerichtSkoften. Nach englischer RechtSanschauung find also die aus Havaunatabak in einem anderen Lande verfertigten Cigarren keine Havannacigarreu- nur den aus der Havanna selbst eingesührten kommt die Bezeichnung „Havannactgarren" rechten- zu.
Fiume, 14. August. In der Ortschaft Zlob in schlug der Blitz während des KindergotteSdiensteS tn die dortige Kirche ein, wobei eine Person getödtet wurde. Mehrere der Ktrcheubesucher trugen Verletzungen davon. Ein zweiter Blitzstrahl spaltete den Kirchthurm, welcher einstürzte. Glück« licher Weise war die Kirche kurz vorher von allen Besuchern verlaffen worden.
* Die Wahrscheinlichkeiten über den Ausgang der Andree- fchen Ballonfahrt find von einem sehr erfahrenen Fachmanne, Hauptmann Moedebeck, tn folgender Weise abgeschätzt worden: „Es liegt die Wahrscheinlichkeit von 1 pCt. vor, daß Andree bet genügender Windstärke und zutreffender Wind- richtung über den Nordpol oder über Franz-Josephs-Land nach Sibirien gelangt und vor Erreichung deS Festlandes niederfinkt, sich aber mittelst Boot und Schlitten rettet. Eine Wahrscheinlichkeit von 49 PCt. hat bei schwachem Winde und zu langsamem VorwärtSkommen folgenden Ausgang: ein Niedergehen nach 5 mal 24 Stunden oder früher und ein Zurückkehren nach der dänischen Insel mittelst Boot und Schlitten. Die letzten 50 pCt. Wahrscheinlichkeit sprechen für ein Umkommen im Eismeere durch Ertrinken oder durch Verhungern auf treibender Scholle". DaS find natürlich unbestimmte Schätzungen, die aber, weil von kundiger Seite kommend, Beachtung verdienen. Dagegen werden von unkundiger Sette bereit- in einigen Blättern Darstellungen
des Unterganges der Expedition Andree au-gemalt, die sich auf die unbestimmten Aussagen des Kapitäns Lehmann über die angeblich gesehene treibende Maffe im Weißen Meere gründen und wobei ein Luftwirbel zu Hilfe genommen wird, der von Nord-Grönland her ostwärts wandert. Solche Phan- tasten haben gar keine Berechtigung. Ob die von Archangel auSgegaogeue neueste Nachricht, Andree sei muthmaßlich an der Murmansktschen Küste, der Halbinsel Kola, verunglückt, Grund hat oder nicht, läßt fich zur Zeit nicht beurtheilen.
* Wie fich Newyork und Chicago mit immer höheren Häusern zu überbieten suchen, und jede der beiden Städte darnach trachtet, das höchste Gebäude zu besitzen, so will Newyork diesem edlen Wettlauf um den höchsten „Sky- Skraper“ oder „Himmelskratzer" dadurch zu seinen Gunsten die Spitze abbrechen, daß man daselbst nunmehr einen Thurm zu errichten gedenkt, gegen den der Eiffelthurm ein Zwerg sein dürfte, indem die Höhe des geplanten Bauwerkes etwa 700 Meter betragen soll. Der Thurm soll zwölfsetttg aus- geführt werden, eine Grundfläche von 100 Meter Durchmesser einnehmen und natürlich ganz in Eisen construirt, die Außenflächen aber mit Cementplatten verkleidet werden. Als ganz neue Idee dürfte daS Vorhaben erscheinen, außen ring- um den Thurm in Schraubenlinien eine kleine electrische Bahn nach oben steigen zu lassen, deren abgewickelte Länge gegen vier Kilometer ausmachen würde. — Vorläufig suchen die Jntereffenten der Anlage jedoch nach einem geeigneten Felsengrund, im Urbrtgen auch nach den nöthigen Capitalisten, so daß eS mit der auf drei Jahre berechneten Ausführung wohl noch gute Weile haben dürfte. (Mitgetheilt vom Internationalen Patentbureau Carl Fr. Reichelt, Berlin NW. 6.)
* Paffende Gelegenheit. A.: „Heute geht aber auch alles schief. Diesen Morgen crepirte mein Canartenvogel, dann verliere ich zwei Mark und nun zerbreche ich auch noch meinen Regenschirm!" — B.: „Weißt Du waS, da pumpst Du mir zwanzig Mark — jetzt geht eS in einem htn!^
• Moderne Anzeige. Durch die Geburt einer strammen Radlerin wurden gestern hocherfreut RadlinSki, Meister- schaftSfahrer der Welt, und Frau RadlinSki, geb. Schraube, Vorsitzende des Radfahrclubs „Blitz".
anderen Nationen gekannt und benutzt haben sollen, werden auch hier als Pioniere genannt, doch fehlen hierüber genauere Mittheilungeu. Dagegen steht fest, daß die alten Aegypter fich vielfach der Brieftauben bedienten, um von Schiffen auS ihre Rückkehr oder wichtige Reiseerlebntffe zu melden. Auch die Griechen und Römer stellten die Taube in den Dienst des Verkehrs, so meldete TaurostheneS seinen Triumph in Olympia seinem in Aegina befindlichen Vater auf einem Stückchen Purpur, das er einer Brieftaube an den Fuß befestigte. Dies dürste kaum das einzige Beispiel ihrer Ver- werthung zu demselben Zwecke sein, und auch die Römer ahmten eS nach, indem sie durch Tauben die Namen der Sieger in den Gladiatorenkämpfeu ihren Freunden und Ver- wandten übermittelten. DectuS Brutus vermittelte vom Kriegsschauplätze auS seinen Verkehr mit den Sonsulu durch Taubenpost, auch bet der Belagerung von Mutina 44 v. Chr. fanden die Brieftauben Verwendung, ja, von Diocletian wird 250 Jahre später erzählt, er habe eine regelmäßige Brief- taubenpoft eingerichtet. Im Mittelalter finden wir die Brieftaubeuzucht weit verbreitet im Orient. Der Khalif von Bagdad, Nurr-ed-dtn, richtete eine Taubenpost ein, die fich bis zur Zerstörung von Bagdad erhielt. AIS die Kreuzfahrer Jerusalem belagerten, fingen sie eine für die Be- lagerten bestimmte Brieftaube mit der Botschaft auf, daß ein großes Entsatzherr zu ihrer Unterstützung nahe, eine Entdeckung, welche die Belagerer veranlaßte, zum sofortigen Sturme zu schreiten und Jerusalem etvzunehmen. Im Nil- laude wurden überall besondere Thürme für die Zwecke der Taubenpoft errichtet. Im Abendlande schien man fich weniger für ihre guten Dienste erwärmen zu können, wenn ihre Verwendung auch bet einzelnen Belagerungen (z. B. in Hartem in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhundert-) erwähnt wird. Ueberhaupt verschwand die Einrichtung seit ihrer Blüthe an Orient mehr und mehr auS dem Verkehr, doch wohl nicht so vollständig, daß nicht vereinzelt immer wieder findige Köpfe fich den Ortssinn der Taube zu Nutze gemacht hatten. So Nathan Rothschild tn London zur Unterstützung seiner Spkculationen, indem er sich auf diese Weise schnelle und geheime Kunde von dem Ausfall der Schlachten Napoleons I. verschaffte. In anderen Fällen dienten sie zur Uebermittelung gezogener Lotterieuummeru, ja sogar zur Ermöglichung rasst« uirter Betrügereien, als ein Taubeobefitzer in Paris darauf verfiel, einem Brüsseler Freunde durch Tauben die heraus- gekommenen Gewinnnummern der Lotterie zu melden, worauf
dieser rasch die ihm übersandten Nummern belegte und so mit seinem Correspondenteu bedeutende Summen etustrich. Allerdings ging der Krug auch hier nur so lauge zu Waffer, bis er zerbrach, und die schlauen Betrüger endeten im Zuchthause.
Liebhaber von Brieftauben gab eß auch in unserem Jahrhundert allenthalben, vor allem in Belgien, wo die Wettfliegen der Brieftauben zu den beliebtesten VolkSbeluftig- uogen gehören und wo auch eine besondere Brieftaubenart seit Langem gezüchtet wird. DaS allgemeine Jntereffe lenkte jedoch erst die mit großem Ersolge von den Parisern während der Belagerung der Hauptstadt im letzten Kriege in Betrieb gesetzte Briestaubenpost auf die Zucht und Verwerthuug deS nützlichen Vogels. Parts war durch die Deutschen von aller Welt abgeschnttten - wie sollte man Nachrichten erhalten, wie versenden, da die Luftballons ihrer Unlevkbarkeit wegen fich als unzureichend für diesen Zweck erwiesen? Da zeigte sich die Brteftaubenpnst als einziger Ausweg, denn daß kleine und dabet in bedeutender Höhe dahinfliegende Thier mußte in den meisten Fällen den Forscherblicken deß Feindeß entgehen, während ein Ballon fich überall verirrt. Die Ein- richtung ward getroffen und bewährte fich vorzüglich. Wie wir einem Speeialwerke über den Krieg 1870/71, der von der Union in Stuttgart herausgegebenen Jllustrirten Kriegsgeschichte, entnehmen, wurden alle auS der Provinz abge« sandten Telegramme in TourS gesammelt, daun mit Boch- druckerletteru in Gestalt einer gewöhnlichen ZeitungSseite gesetzt, der Abzug davon wurde alsdann auf photographischem Wege verkleinert und diese Photographien wurden durch Brieftauben nach Paris gesandt, dort sofort photographisch vergrößert und dann an die Adreffaten befördert. Der Preis für das Wort betrug einen halben Francs. Am 11. November 1870 traf die erste Nummer dieses photographisch-telegraphischen Journals in Paris ein, welches auf einer Quadratfläche von nur 12 Centimeter 226 Depeschen enthielt. Eine einzige Taube konnte drei bi- vier tollet Blättchen besörderv, die mittels Seidenfaden der Länge oaq um eine Schwanzfeder gebunden wurden. Die Vergrößerung und Umsetzung geschah dabei innerhalb weniger S un . Im Ganzen wurden 363 Brieftauben in Luftballon- vo« Pari- hiuauSgebracht, von denen jedoch nur 57 mit ruuv 100,000 Depeschen wieder dorthin zurückkehrteu.
Seitdem bemächtigte sich nicht nur die private Li b- Haberei tn Amerika und Europa der Brieftaubenzucht tu a


