Ausgabe 
18.7.1897 Drittes Blatt
 
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den Ausgaben selbst aufkommen. Eine unter ärztlicher Leitung stehende, fürs erste etwa 50 Betten umfassende Heilanstalt erfordert, wenn sie den Grundsätzen der Hygiene entsprechen soll, an Baukosten zum Mindesten 300000 Mk. Schon ist eine nicht unerhebliche Summe aufgebracht, und weitere Geld­mittel find in Aussicht gestellt. Der Ausschuß erläßt jetzt einen Aufruf mit der Bitte, die gute Sache thatkräftig zu unterstützen.

Mißverstanden.Herr Commerzienrath, ich preise mich glücklich, in Ihrer Tochter meine zukünftige Frau gefunden zu haben!"Glaub's, bei einem Finderlohn von zweimal- hunderttausend Mark!"

Versammlung berechtigt zu der angenehmen Hoffnung, daß auch diesmal wieder recht viele VeretnSmitglieder, sowie auch Freunde der Bienenzucht, die noch nicht Mitglieder sind, hier zusammenschwärmen" werden.

Ve»«rßchtes.

* Es hat sich ein Ausschuß gebildet, der durch Grün­dung einer deutschen Heilstätte in DavoS minder bemittelten deutschen Lungenkranken die Möglichkeit bieten will, ihr Leiden erfolgreich zu bekämpfen. Bet ehemaligen Kurgästen, die in Davos Genesung gefunden haben, ist der Gedanke zuerst entstanden. In DavoS selbst fehlt eS nicht an Männern, die, mit dem Kurort und seinen Verhältniffen vertraut, die Errichtung einer Heilstätte für minder Bemittelte auf sich genommen haben. Sorgfältige Prüfung der Verhältnisse er- gab, daß die Aufgabe nur dann zu lösen sei, wenn sie auf das mit aller Sicherheit Erreichbare beschränkt werde. Bei den Kosten, die Führung und Leitung einer Heilanstalt er­fordern, scheint die Voraussetzung nothwendig, daß die auf- zunehmenden Patienten wenigstens für einen Thetl der laufen­

Lich, 15. Juli. Im Ergreifen der Spitzbuben hat man hier eine glücklichere Hand als tu der Nachbarftadt Laubach. Der Thäter des von hier bereits gemeldeten Ein« bruchsdiebstahlö ist ermittelt. Ein Frankfurter Bürschchen hatte mit seinen Genossen einen vächtlichen Abstecher hierher gemacht. Die näheren Umstände deS Diebstahls ließen keinen Zweifel, daß derselbe von einem mit den häuslichen Ver­hältnissen Vertrauten geschehen war. Der Verdacht des Bestohlenen fiel auf einen Frankfurter Waisenknaben, der früher drei Jahre lang Lehrling bet ihm war. Unser Schuh­machermeister reiste sofort nach Frankfurt und macht mit Hilfe der Polizei den Aufenthalt deS Verdächtigen aus,- tu einem WirthShauS hatte er sich mit drei jugendlichen Genossen etnlogirt und letzthin durch große GeldauSgabeu sich ver- dächtigt. Vollständig überrumpelt, gesteht er sofort, mit einem Abendzug nachGarbenteich" mit seinem Eollegen gefahren und nach vollbrachter That in der Nacht von Ltch nach Butzbach zurückgegangen zu sein. Der Dieb, dessen Entdeckung schnelles, energisches Handeln deS Bestohlenen herbeigeführt, wurde sofort in Haft genommen.

Laubach, 14. Juli. Durch Brandwunden schwer verletzt wurde gestern ein fünfjähriges Mädchen in das Joh. Friedrichsttft gebracht. Die Verunglückte war von aus­wärts hier in Pflege gegeben und war mit anderen Kindern in einem Nachbarhause beschäftigt, ein Herdfeuer anzuzünden. - Plötzlich ergriffen jedoch die Flammen das Kleid deS Kindes, | so daß eS an Brust und Gesicht schwer verletzt wurde. Ob­schon dasselbe bic heftigsten Schmerzen aushalten muß, soll Hoffnung auf Wiederherstellung bestehen. Da tu Folge der verschiedenen Feldarbeiten viele Erwachsene eben im Felde beschäftigt find, überläßt man die Kinder oft sich selbst. Man sollte der Beaufsichtigung derselben, falls man sie nicht tu die Kletnkinderschule schickt, größere Sorgfalt zuwenden.

O Reiskirchen, 15. Juli. Interessenten diene zur Nach­richt, daß die hiesige Haltestelle für den ViehtranSp ort- Verkehr eröffnet ist. Ein längst gehegter Wunsch ist dadurch erfüllt und einem wirklichen Bedürfnisse abgeholfen worden.

Lumda, 15. Juli. Beim HerauSschletfen von Holz aus dem Walde wurde heute der hiesige Landwirth MauS durch fein ausschlagendes junges Pferd schwer verletzt.

Denkmal

für die hochselige Großherzogin Alice.

Dem Aufrufe folgend, welcher im Lande ergangen ist, um der unvergeßlichen

Großherzogin Alice

seitens der hessischen Frauen und Jungfrauen ein würdiges Denkmal zu errichten, sind die Unterzeichneten behufs Samm­lung von Beiträgen in Stadt und Kreis Gießen zusammen­getreten.

Es kommt in erster Linie nicht auf die Höhe der Bei- träge, vielmehr darauf an, daß sich recht Viele an dem Werke betheiligen und dadurch ihre Liebe und Dankbarkeit an die edle Fürstin bethätigen, welche in richtiger Erkenntniß des Berufes der Frauen und der Bedürfnisse unserer Zeit, die ihren Namen tragenden Vereine, für Frauen Bildung und Erwerb, sowie für Krankenpflege ins Leben gerufen hat. Bei- träge aus den Landgemeinden des Kreises bittet man an unseren Schatzmeister, Herrn Commerziencath Heichelheim, gelangen zu lassen, in der Stadt Gießen wird eine Sammel­liste circuliren.

Freifrau von Gageru, Frau Commerzienrath Gail, Frau Oberbürgermeister Gaauth, Frau Major Goldmauu, Frau Commerzienrath Heichelheim, Frau Oberamtsrichter Laugermaun. Frau Geheimrath Onckeu, Freifrau von Ricou. Frau Geheim­

rath Streng. Frau Bankier Wafferschleben.

Aufruf.

Die Erneuerung unserer Stadtkirche geht ihrer Vollendung im Rohbau entgegen. Nun handelt es sich um

CHerotu* unt TCsmft

Die »Wahrheit" Halbmonatschrift ,ur Vorbildung in die Fragen und Aufgaben des Menschenlebens. (Fr. Frommanns Verlag in Stuttgart, vierteljährlich Mk. 1.80), Heft 42. In einem Aufsatz Paulus und der Römerstaat" sucht Karl Jenlsch an dem Beispiel des Apostels Paulus und dessen Schicksalen in seiner Berührung mit römischen Gerichtshöfen und Verwaltungsbehörden nachzuweisen, daß ein Vergleich der römischen Verwaltung und Rechtspflege mit unserer heutigen nicht zu Ungunsten jener ausfalle. Seine An­sichten und seine Stellung in der Frage nach der Aesthetik des Tragischen legt A. Heubaum in einer kurzen, aber präcisen Abhand­lungHeber das Tragische" dar unter Zugrundelegung des Werkes Aestbetik des Tragischen" von I. Volkeit. Aus sociale Kernfragen von E. von Hartmann sind eine Anzahl wichtiger, das sociale Leben betreffender Aphorismen unter dem TitelLesefrüchte" in dem Heft enthalten. In einem ArtikelDie Doppelnatur der Kinderseele" tbeilt uns A. Paffow aus dem Werke des englischen Psychologen, Professor Sully, Studie of Childhood kurz dessen Ausführungen darüber mit, wie das Kind gleichzeitig Naturwe'en und Culturwesen sei und wie diese Doppelnatur in dem kindlichen Treiben auf ver­schiedenerlei Weise zu Tage trete.

die Ausschmückung im Innern und Aeußeren, der Wände, der Fenster und um das Gestühl. Wollen wir darin auch nicht der Pracht der JohanneSktrche nacheifern, so soll doch Alles würdig und behaglich hergerichtet werden. ES find uns dafür auch schon im Stillen eine Reihe größerer und kleinerer Stiftungen zur Verfügung gestellt worden. Da wir aber angesichts der ungeahnt hohen Kosten, die uns aus der schlechten Beschaffenheit des Mauerwerks und sonst unerwark't erwachsen find, unser Budget nicht weiter belasten dürfen, so reichen diese Mittel auch für einen bescheidenen Schmuck der Kirche noch nicht aus. Wir richten daher an Alle, die für unsere alte Stadtkirche Jntereffe haben und deren find, wie wir wissen, in allen Gemeinden unserer Stadt sehr viele die herzliche und dringende Bitte, uns mit weiteren Gaben je nach Kräften zu unterstützen. Die Geistlichen der vier Gemeinden und sämmtliche Mitglieder de« Kirchenvor- standeS sind zur Entgegennahme von Gaben bereit.

Gießen, den 17. Juli 1897.

Im Auftrage des evang. GefammikirchenvorstandeS: Gg. Schlosser, Pfarrer.

Für die Hagelbeschädigteu irr Heilbrorrrr re.

sind ferner bei unS eingegangen: Don Frau E. K. 2X, L. Ä. 3x, Wortmann 3 X, A. W. 3 X, Frau E. Hensel 6 X, M. S. 3 X, N. N. 3 X, W. F. S. 10 X, L. H. 2 X, Frau Steuerrath Schuster 6 X. H. St. 5 X, 21. 2B. 3 X Zusammen 49 X Jnsgesammt 60 X

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der dem Wtude entgegengesetzten Seite offenhalten können. Hierbei wird man sich natürlich möglichst in Güte mit seinen Mitreisenden zu einigen suchen. Aber jenen verbiffenen Luft- feinden, welche alle Anderen mit ihrem Eigensinn tyranniffren wollen und ihres eingebildeten Krankseins wegen den Andern schwere GesundheitSschädtgungen zusügen, denen kann man nicht mit Güte begegnen oder sie gar durch VernunftSgründe überzeugen. Da muß man einfach auf sein gutes Recht pochen. Wird Jemand bet der Hitze im Wagen ohnmächtig, dann rufen Alle: Fenster auf! weil Jeder die Heil- und GesundheitSkraft der frischen Luft kennt. Wenn man aber nur ein viertel oder halb ohnmächtig ist, d. h. sich erschlafft, ermattet,halb todt" fühlt, dann trauen sich Viele nicht, diese Naturheilkraft anzuwendeo, weil irgend ein arroganter Mensch das Wohl und Wehe seines eigenen Ich höher stellt als das aller anderen Reisenden zusammen. Wem also seine Gesundheit lieb ist, sorge im Bahnwagen durch theilweise» Oeffnen der Fenster stets für frische Luft- er hat daS Recht dazu. Für eine gute Ventilation find übrigens Durchgangs- wagen geeigneter als Coupöwagen und auch sonst tu gesund« heitlicher Hinsicht vorzuziehen, da sie dem Reisenden während der Fahrt gelegentliche» Stehen und Gehen ermöglichen. Ueberhaupt ist Bewegung bei größeren Reisen sehr nützlich. Daher steige man auf Stationen mit längerem Aufenthalte aus, strecke die Glieder und bringe durch Stampfen und Gehen den Blutkreislauf, namentlich in den Beinen, wieder in schnelleren Fluß. Sehr zu empfehlen ist nach Beendigung der Fahrt kalte« Ueberspülen des ganzen Körpers oder ein Bad, welches man jetzt löblicherwetfe sogar auf einigen Bahn- hbfen, z. B. in Frankfurt a. M., haben kann. Aeltere und schwächliche Personen sollen ote Tag und Nacht hintereinander reisen, sondern nach einer knappen TageSfahrt stets wieder eine Nacht ruhen.

Wochrnbriefe ans der Nrsiden,.

(Ottginalbertcht de«Gießener Anzeigers").

Z. Darmstadt. 16. Juli.

Au» dem Kuufllebeu. Neue Sommerfrische. Vou der Hochschule. BerschiedeueS.

EinSensattonSstück" daS war daS Ereiguiß deS sommerlichen TheaterlebeoS der letzten Woche. Die Saal-

baubühve hatte sich zur E-muthigung zum Theaterbesuch die ModecomödieTrilby" verschrieben, die, nach dem amert- konischen Schauerroman gleichen Namens bearbeitet, zur Zeit die Rund- über die Bühnen macht und in Berlin allabend­lich zwei große Theater bis auf den letzten Platz füllt. Mit ernster Kunst hat das Stück wenig zu thun, es wirkt nerven­erregend und unerquicklich im höchsten Grade.Trilby" ist ein junges Mädchen, die unter den hypnotischen Einfluß des abenteuerlichen Musikers Svengalt geräth, von diesem wie durch Zauberkraft zur bedeutenden Sängerinbhpnotifirt" wird, ihre Kunst aber sofort verliert, als der Einfluß ihres Herrn" aufhört. Da sich die Direction die schon im letzten Briefe erwähnten Gäste aus Wiesbaden, Frl. Lauge und Herrn Schreiner vom dortigen Hoftheater, verpflichtet hatte, so konnte das gruselige Stück mit der nöthigen Wirk- samkeit in Scene gehen. Es fand Beifall und volle Häuser, hat also seinen Hauptzweck erfüllt. Weniger glücklich war die Vorstellung von FuldasDie wilde Jagd" mit den genannten Gästen. Hier schadete denn doch die Erinnerung an die Vorstellung des Stückes im Hoftheoter dem Saalbau. ensemble sehr, zumal kein glücklicher Stern über der ganzen Vorstellung waltete. Derhältnißmäßig viel Erfolg haben bis jetzt die Gartenaufführungen von beliebten Operetten ge­habt, die nun regelmäßig veranstaltet werden sollen. Dem Sommerfest der vorigen Woche schloß sich am SamStag noch daS derHumanitaS" an, das fröhlich verlief und fünft, lerische wie gesellige Unterhaltung in reichstem Maße bot. Indessen Hot eben jede künstlerische Veranstaltung natur­gemäß unter dem mangelnden Juterefse deS Publikums zu leiden, das selbstverständlich Ausflüge in die prachtvolle Um­gebung der Residenz vorzieht.

Den zahlreichen schon vorhandenen AuSflugSpunkten hat sich nun am letzten Sonntag ein neuer und besonders schöner im nahen Beerbachthale hinzugesellt. ES ist dieVilla Burgwald", eine Sommerfrische großen Stiles, die der Bürgermeister Schneider etwa eine Stunde von dem Städt- chen Niederramstadt, wo er seines Amtes als Gemeinde- oberhaupt waltet, errichtet hat. Das in Schweizer Bauart aufgesührte Haus ist mit allem Comfort auSgestattet, hat Fremdenzimmer und große Veranden und ist schon am Tage der Eröffnung daS Wanderziel für viele Hunderte unserer Ausflügler gewesen. Die Umgebung ist wunderschön und bietet prächtige Fernblicke, und bei der stets mehr um sich

greifenden Mode, im Sommer wenigstens für eine oder zwei Wochen daS Land aufzusuchen, dürfte eS dem neuen Unter* nehmen an Zuspruch nicht fehlen.

An unserer Hochschule feiert mau zur Zeit eifrig Stif- tungSfeste. Den CorpsRhenania" undHaffia" ist nun in dieser Woche die BurschenschaftGermania" ge- folgt, deren Fest nicht minder glanzvoll und fröhlich verlief, als die Feiern der genannten Corporationen. In etwa vierzehn Tagen ist Semesterschluß.

Für die Sportsfreunde unter den Gießener Lesern dürfte das Ergebniß interessant sein, das am vergangenen Sonntag der hiesige B cycleclub mit seiner Dauerfahrt Darm- stadtCoblenz gelegentlich der vom Gau 9 ausgeschriebenen Concurrenz erzielte. ES war dabei verlangt, daß jede mit concurrirenbe Corporation in geschlossener Gruppe abfahre und in gleicher Form baß Ziel pasfirte. Den Darmstädter« gelang eS nun, die ganze 125 Kilometer lange Strecke in der kurzen Zeit von 8 Stunden zu bewältigen. Sie er* rangen sich für diese schöne Leistung den zweiten Preis, während der erste nach Frankfurt an den dortigen Bichcle- club kam. Im Ganzen beteiligten sich 14 Vereine an der Tourenfahrt, für die drei Preise ausgesetzt waren. DerSport* wurde in der Nacht von Samstag auf Sonntag ausgemacht. Eine andere große Aufgabe steht den einheimischen Radfahrern für den Congreß der Allgemeinen Radfahrerunton in München bevor. Auch hierfür ist eine Concurrenz ausgeschrieben, dabei muß die ganze Strecke DarmstadtMünchen, die 438 Kilometer betragt, in 30 Stunden Fahrzeit zurückgelegt werden. Zwei eifrige Sportgenoffen, ein Darmstädter Ehe­paar, haben sich der Mühe der Fabrt bereits unterzogen und radeln augenblicklich frisch und fröhlich auf Bayerns Haupt- fiadt los. Ein anderes VereinSereigniß fei heute noch mit- geteilt. ES besteht in der jüngst in der Versammlung deS Odenwaldclub mitgetheilten Thatsache, daß die Section Darm­stadt in den letzten Tagen wiederum um 50 Mitglieder ver- größert woeden ist.

Bei Hofe war es seither infolge der Abwesenheit bei Großherzoglichen PaareS, baS in England zur Theilnahme I an den Jubiläumsfestlichkeiten weilte, still. Doch am heutigen Freitag wird daS Fürstenpaar zurück erwartet, eS wird feinen Aufenthalt zunächst wieder im schönen Jagdschloß WolfS- garten nehmen und dort wohl noch längere Zeit verweilen.

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