Nr. 91 DrMes Blatt. Sonntag den 1«. April
1997
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Amtlicher Lheil.
Bekanntmachung,
betreffend: Maul- und Klauenseuche.
Nachdem in den Schafherden zu Ettingshausen und Hausen die Maul» und Klauenseuche amtlich festgestellt worden ist, wird dies mir dem Anfügeu zur öffentlichen Kenntuiß gebracht, daß Gemarkungssperre augeordnet worden ist.
Gießen, den 17. April 1897.
Großherzoglicher KreiSamt Gießen.
v. Gagern.
Bekanntmachung.
Durch Verfügung des Großherzoglichen Ministeriums des Innern vom 13. April 1897 ist die Abhaltung deS zu Laubach für den 20. l. MtS. vorgesehenen Biehmarktes untersagt worden.
Schotten, den 14. April 1897.
GroßherzoglicheS KreiSamt Schotten. Schönfeld.
Bekanntmachung.
Infolge Verfügung Großherzoglichen Ministerium» de» Innern vom 13. l. MtS. ist die Abhaltung deS für den 26. April l. IS. geplanten ViehmarkteS zu Ulrichstein unter der Bedingung genehmigt, daß nur Thiere au» unverseuchten Orten der Kreise Schotten, Alsfeld, Büdingen, Friedberg, Gießen und Lauterbach, Thiere vou Händlern aber nur dann, wenn fie mindestens fiebea Tage in unverseuchten Orten fraglicher Kreise in feucheufreiem Zustande zugebracht haben, aufgetrieben werden dürfen.
Schotten, den 14. April 1897.
GroßherzoglicheS KreiSamt Schotten. Schönfeld.
Bekanntmachung,
betreffend: die Abhaltung vou Biehmärkteu zu Homberg a. d. O.
Großh. Ministerium de» Innern hat die Abhaltung des auf den 21. l. MtS. fälligen ViehmarkteS zu Homberg a. d. O. unter folgenden Bedingungen gestattet:
1. Für Auf- und Abtrieb deS Viehes ist den Anträgen des Kreisveterinäramtes gemäß je eine bestimmte Stelle zu schaffen, welche allein benutzt werden darf.
2. Auf den Markt dürfen nur Thiere au» unverseuchten Orten der Kreise Alsfeld, Schotten, Lauterbach, Gießen, Büdingen und Friedberg, Thiere von Händlern aber nur daun, wenn fie mindestens 7 Tage in unverseuchten Orten der fraglichen Kreise in
Feuilleton.
Wochenbriefe au« der Residenz.
(Originalbericht deS „Gießener Anzeigers").
Z. Darmstadt, 15. April.
Vom Bennen bei Hessischen ReitervereiuS. — Bow Großherzog licheu Hoftheater. — Charwoche.
Wenig vom Wetter begünstigt war daS diesjährige FrühjahrS-Rennen, das der Hessische Reiterverein am letzten Samstag auf der Bahn am Weiterftädter Exercier- Platz, etwa Dreiviertel-Stunden von hier abhielt. Die Veranstaltungen des Vereins erfreuten fich sonst eine- größeren Zuspruch» aus allen Kreisen der Stadt, da die Rennen gewöhnlich Sonntags abgehalten wurden und namentlich die sogen. „Bauern-Rennen", bei denen Gebrauchspferde am Start erschienen, begreiflicherweise eine große Attraction au»- übten. Für letzten SamStag hatten nur Offiziere genannt und die Zuschauer recrutirten fich ebenso fast nur au» den höchsten Kreisen. Auch Se. Kgl. Hoheit der Großherzog beehrte da» Fest mit seiner Anwesenheit. ES fanden im Ganzen vier Rennen statt, in denen erste Sieger blieben: im ersten Lr. v. SchmelzingS (Drag.-Regt. 23) „Ragoyo", im zweiten Lt. Frhr. v. Gemmingens (Drag.-Regt. 23) „Magner", im dritten Lt. Frhr. v. MaffenbachS (Drag.-Regt. 24) „Morphia", im vierten Lt. Frhr. v. Gemmingens (Drag.-Regt. 23) „PendenniS". Letzteres ist ein Pferd von großartigen Anlagen, daS in der kommenden Saison noch manchen Sieg erringen dlrfte. Den Siegern wurde die hohe Sbre zu |
jeuchenfretem Zustande gestanden haben, abgetrieben werden.
3. Aus preußischen Orten, die nicht über 10 Kilometer von Homberg entfernt liegen, dürfen gleichfalls Thiere zugelaffen werden, wenn über dieselben glaubhafte UrsprungSzeuguiffe vorgelegt werden, daß fie in jenen Orten dauernd gestanden haben. Thiere von Händlern find jedoch auch in diesem Falle unr unter der ad 2 erwähnten Bedingung zuzukaffen.
Den Großh. Bürgermeistern wird die gewissenhafte Befolgung der bestehenden Vorschriften bei Ausstellung der UrsprungSzeuguiffe noch ganz besonders zur Pflicht gemacht.
Alsfeld, den 14. April 1897.
GroßherzoglicheS KreiSamt Alsfeld.
Dr. Melior.
Gefundene Gegenstände: 2 Portemonnaies mit Inhalt, 1 Brille mit Futteral, 1 Scheere, 2 verschiedene Handschuhe, 1 Kinderkappe, 1 Taschentuch, 1 Gummibällchen, 1 Fahrradnummer und 1 HundehalSbaud.
Gießen, den 17. April 1897.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
v. Bechtold.
Deutsches Reich.
Berlin, 15. April. In einer intereffanten Steuersache ist, der „Post" zufolge, soeben die erstinstanzliche Entscheidung ergangen. Der Berliner Magistrat hat für 1896/97 zum ersten Male den FtScu» mit dem Gewinn aus deu LooSverkäufen der Berliner Collecten zur Gemeinde- Einkommensteuer herangezogen. Dabei ist das Reineinkommen auf 1000000 Mark angenommen- der gesammte Gewinn aus der preußischen Klassenlotterie ist im letzten StaatShauShaltSetat auf 10000000 Mark angegeben. Gegen die Veranlagung wendete fich der FiScuS nach fruchtlosem Einspruch mit der Klage. Er bemängelte nicht die Höhe deS angenommenen Gewinne», wohl aber bestritt er die Steuerpflicht überhaupt, da der Lotteriebetrieb, als zu den Hoheit», rechten de» Staates gehörend, nicht gewerblicher Natur sei. Dem gegenüber wachte der Beklagte geltend, daß das für Private bestehende Coocurrenzverbot es nicht ausschließe, deu staatlichen Lotteriebetrieb al» einen gewerblichen anzusehen. AuS den parlamentarischen Verhandlungen gehe hervor, daß jener Betrieb im finanziellen Jntereffe de» Staates ein- gerichtet und beibehalten sei. Auch das Verbot des Spielen» in auswärtigen Lotterien deute darauf hin, daß der FiScu» mit der Klaffenlotterie Gewinuabficht verfolge. Endlich spreche auch gegen die Annahme eines staatlichen Hoheit», recht» der Umstand, daß der ReichSfiScu» von der preußi chen Lotterie eine Stempelabgabe erhebe. Der Bezirksausschuß wie» die Klage ab.
Berlin, 15. April. Die „Nat.-Ztg." ersährt von com- petenter Seite, die Annahme sei nicht richtig, daß bei dem
Theil, au» der Hand de» Großherzog» sehr werthvolle Ehren- preise entgegennehmen zu dürfen.
Noch vor Thorschluß hatte die Hoftheater-Directiou einen hervorragenden Sänger zu einem allerdings nur sehr kurzen Gastspiel verpflichtet: Herr Kammersänger Theodor Reichmann au» Wien sührte die Titelpartien in Richard Wagners „Holländer" und Mozarts „Don Juan" durch — zwei ganz verschiedenartige Rollen, die auch sehr verschieden von dem Künstler bewältigt wurden. Der „Holländer" gab dem Sänger Gelegenheit, seine geradezu grandiöse Gesang»- und Darstellungskunst, die ihm wie kaum einem seiner jetzt lebenden Collegen in gleich hohem Maße eigen ist, im hellsten Lichte zu zeigen. Sein „Holländer" war in allen Details eine durch und durch fein ausgearbeitete, in ihrer Gesammt- heil geradezu fascinirende Figur, der rückhaltlosen Beifall zu spenden das enthufiasmirte Publikum nicht müde wurde. Ander» war es mit dem „Don Juan". Zwar glänzte der Gast auch hier durch seine prachtvollen Mittel, auch hier zeigte seine Darstellung hervorragend schöne Momente, aber in ihrer Gesammtheit gesehen, fehlte der Parthie jenes leicht- flüssige, prickelnde Etwa», ohne da» der „Don Juan" nun einmal nicht wirksam gedacht werden kann. Rrichwann» Individualität weist ihn auf andere Pfade, für Rollen wie diese ist er zu schwer. Auch unser Ensemble, da» in der Holländer-Aufführung einen vorzüglichen Beweis seiner Leistungsfähigkeit gegeben halte, befriedigte in der Mozart'schen Op?r nicht, vielleicht daß die gekünstelte Art, wie der Haupt darsteller seine Rolle gab, auch ihm die freie Bewegung nahm.
Die Charwoche sieht die Pforten de» Hoftheater» geschloffen, die Specialitätenbühnen feiern und in den Concert-
Proleste Deutschland» gegen die differentielle Behandlung im neuen amerikanischen Zolltarife Repressalien angedroht seien.
Wielbaden, 15. April. Die Nationalliberalen stellten für die RetchSlag».Ersatzwahl den Stadtrath Bartling al-Candidaten auf. Derselbe nahm die Candidatur an.
Ausland.
Wien, 15. April. Die „Nene freie Presse" meldet an» Athen: Da» Verhalten der Engländer und Russen auf Kreta beginnt hier Beunruhigung Hervorzurusen. Dieselben scheinen fich auf ein dauernde» verbleiben ans Kreta vorzudereite«. Da» Benehmen gegenüber der einheimischen Bevölkerung habe fich völlig geändert. Die Türken würden bei jeder Gelegenheit brüskirt, deu Christen aber werbe nach Möglichkeit Vorschub geleistet. Auch würden dieselben mit reichlichen Geldmitteln versehen. Da» Bombardement Seiten» der russischen und englischen Kriegsschiffe habe gänzlich aufgehört. Die beiden Mächte 'scheinen weitgehende Pläne zu verfolgen, die mit der Pacifieiruug Kreta» wenig zu thun haben. Der Glaube an die.Uneigennützigkeit der englischen Politik sei völlig geschwunden.
Wien, 15. April. Nach hier vorliegenden zuverlässigen Meldungen aus London bestehen trotz der englischen Ableugnungen englisch - portugiesische Abmachungen betreffend die Delagoa-Bay. Die kriegerischen Operationen Englands gegen Transvaal sollen unmittelbar bevorsteheu.
Pari», 15. April. Die von Hanotaux zugeficherte Betheiligung Frankreichs an einer eventuellen ZwangSmaß- regel gegen Griechenland wird andauernd von der Opposition heftig getadelt. Rochefort schließt einen bezüglichen Leitartikel mit folgender Bemerkung: DaS Vaterland ist entschieden in guten Händen - wenn efl nicht verrathen wird, wie in Metz und Sedan, bann wird e» in Kanea ver- unehrt.
Pari», 15. April. Der englisch-socialistische Agitator Tom Man hat von den französischen Dockarbeitern dieAuf- fordervng erhalten, nach Pari» zu Kommen und Vortrag zu halten Über die Organisation der englischen Dockarbeiter und Über die verhältniffe während deS Hamburger Strike».
London, 15. April. „Morning Post" meldet au» Larissa: Bei Eröffnung der Feindseligkeiten würden die Griechen von Elaffona aus loSmarschiren.
Athen, 15. April. ES verlautet, daß ein neue», zahlreiches Freiwilligen-CorpS bet Kaladaka über die Grenze gegangen ist.
Algier, 15. April. Der Zustand de» russischen Thronfolgers hat fich bedeutend verbeffert. Der Großfürst wird bis Ende diese» Monat» in Algier verweilen.
| sälen ist Ruhe. Indessen man vermißt die Abwechselung, die durch fie in dem sonst um diese Zeit recht ruhigen Leben der Refidenz erzeugt wird, nicht sehr viel, denn schon regt fich draußen überall der Frühling mächtig, alles grünt und namentlich die herrlichen Anlagen in und um die Stadt zeigen Dank der frühzeitigen Fürsorge der neu errichteten Stadt- gärtnerei ein prächtiges Aussehen. Die einzigen öffentlichen Veranstaltungen der Charwoche find die PaffionScoucerte, d-ren mehrere großen Stile» stattfinden. Der katholische Kirchengesangverein hielt am Palmsonntag und letzten Dienstag zwei außerordentlich zahlreich besuchte Aufführungen de» Passions-Oratorium» des Fuldaer Domcapttular» Fidelis Müller. DaS Werk behandelt daS Leiden Christi, der Text ist der heiligen Schrift entlehnt, die Mufik im streng kirch- lichen Genre geschrieben. Trotz der Einfachheit, in der da« Ganze gehalten ist, übt eö eine tiefe Wirkung au», die noch erhöht wurde durch acht lebende Bilder, die da» Leiden Christi darstellen. Da» Arrangement der mit verschwenderischer Pracht anSgestatteten lebenden Bilder hatte der bekannte Düsseldorfer Maler H. W. Schmitz übernommen, die vorkommenden Personen wurden von Damen und Herren der hiesigen Gesellschaft gegeben. Ebenso veranstaltete der Kirchen- gesangverein der evangelischen Martin»kirche eine CharfreitagS- feier und der Kirchengesangverein der evangelischen JohanneS- gemeinde eine Wiedergabe des H. von Herzogeliberg'scheu Paflionsoratorium» unter Mitwirkung bewährter Kunstkräfte. Der Mufikverein endlich feierte den Charfreitag durch die Aufführung der MathäuSpaffton von Joh. Geb. Bach, also PaffionSconcerte in Fülle?


