Ausgabe 
17.10.1897 Drittes Blatt
 
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cklekliche Anzahl Millionen oorftrecfen will. Dir «ollen hoffen, daß die Herrschaften fich nicht die Finger verbrennen. Mehr tu den Vordergrund getreten ist wieder die Kreta- frage, welche eine baldige definitive Regelung erheischt, da die Zustände auf der Insel etueu bedrohlichen Charakter an- genommen haben. Der Sultan hat verschiedene Vorschläge gemacht, welche jetzt von den Mächten erörtert «erden. __(xx)

_ CoceUs tuet prooht$ictUs»

Gieße», den 14. October.

** Wetterbericht. Im Westen der britischen Insel ist eine tiefe Depresfion, welche einen sackförmigen Ausläufer über den Canal nach Frankreich entsendet. Der Hauptsache nach wird dieselbe zwar über die Nordsee gegen Seandinavieu ziehen, doch scheint sich ihre südlichste Abzweigung ostwärts nach Central Europa hin zu bewegen. Hoher Druck lagert über der Südosthälfte des ErdtheileS. Derselbe bewirkt im Zusammenhang mit dem von Nordwesten vorrückeuden Gebiet niederen Druckes zunächst noch allgemein heiteres und mildes Wetter. Voraussichtliche Witterung: Vorerst noch heiter und mild, daun zunächst im Westen neuerliche Zunahme der Bewölkung.

F. TuS de» Kreise Friedberg, 15. October. Der Ver­kehr auf unseren neuen Wetterauer Vahultnieu übertrifft alle Erwartungen, nicht etwa daß nach dem Sprich- worte: neue Besen kehren gut, die Leute aus Neugierde einmal mitfahren und dann wegbletben, wonach dann bald Ebbe in dem Verkehr eintreten müßte, sondern gerade um­gekehrt: Der Verkehr wächst sichtbar von Tag zu Tag. Die Vogelsberger Geschäftsleute, die nach Frankfurt handeln, reisen jetzt alle durch die Wetterau, weil sie 30 Kilometer näher haben, als über Gelnhausen. Tagtäglich werden die Güterzüge häufiger und länger, denn Kartoffeln, Zuckerrüben, Kohleu, Hölzer und sonstige Erzeugniffe füllen die Waggons. In Beienheim, dem VereiniguugSpunkte der Wetterauer Linien hat fich iu den 15 Tagen seit die Bahnen eröffnet sind, eine solche Maffe von Arbeit angehäuft, daß der Bahnhofvorsteher einen Assistenten erhält, weil der Vorsteher kaum im Staude war, wegen Arbeitsüberlastung seine Mahlzeiten etuzunehmeu. An Stationen, bet denen man anoahm, daß täglich im gün­stigsten Falle 25 bis 30 Fahrkarten ausgegeben werden würden, sind deren 60, 70, 80 und mehr Karten verlangt worden und die Nachfrage steigt langsam aber stetig weiter. Wiederholt kamen unliebsame Verwechslungen mit Reichels­heim im Odenwalde und Reichelsheim in der Wetterau vor, doch das wird fich schnell beffern. Ein wahres Mißgeschick aber ist der Wetterau mit Beförderung der Briefe, Werth- seadungen, Packete und Zeitungen entstanden, seit die Abend- post von Friedberg über Reichelsheim nach Echzell weggefallen ist. Wir kommen jetzt 18 bis 20 Stunden hintendrein und die Unzufriedenheit ist groß. Hoffentlich giebt es bald Ab­hülfe, denn die jetzigen Zustände, schlechter als vor dem 1. October l. Jrs., sind eine arge Verschlimmbesserung.

A Mainz, 15. October. Eine angenehme Folge haben die jüngsten zahlreichen Eisenbahuunfälle für das Weichen- personal der Nassauischen Bahn gehabt, indem von heute die Dienstzeit von 12 auf 10 Stunden pro Tag reducirt ist. Hoffentlich kommt diese Dteostverkürzung auf allen Staatsbahn- Haien zur Einführung.

Carl Hermann,

Mitglied des Stadttheaters in Frankfurt a. M.

In wenigen Tagen wird Carl Hermann vom Frank­furter Stadttheater uns den Genuß bereiten, seine Metster-

Fenilleton.

Der Humor der Spitzbube«.

In der Geschichte der Verbrechen spielen Witz und Humor neben manchmal sehr origineller Erfindung eine Rolle.

Zur Zeit der letzten Pariser Ausstellung flortrte natürlich das Hotelwesen und das Ztwmervermtethen wie noch nie­der alte Besitzer eines entlegenen und dem baldigen Abbruche eotgegensehendeu Hauses jenseits der Seine wunderte fich denn auch nicht, als ein paar Gentlemen ihm das Anerbieten «achten, ihnen das leere Gebäude zu vermiethen. Sie leisteten eine Anzahlung auf den niedrigen Mtethprets, möblirten die Stuben gleichfallsauf Miethe" und tmprovtfirten derart einen Gasthof, der alsHotel Continental" durch Inserate warm empfohlen wurde und wegen der wohlfeilen Preise auffallend hervorstach. Kaum war die Einrichtung vollendet, so mußte einer der Unternehmer, der gleichzeitig den Portier vertrat, die Annahme neuer Passagiere verweigern, dasHotel Continental" warbesetzt". Aber auch die Glücklichen, die hier ein Unterkommen gefunden hatten, sahen fich schon am dritten Tage veranlaßt, dem gastlichen Hause unter Ver­wünschungen und Anrufung der vielbeschäftigten Polizei mit Sack und Pack den Rücken zu kehren, nachdem ihnen, wie Paul v. Schönthan imN. W. T." plaudert, zu Ohren gekommen war, daß die genialen Unternehmer, die Direktor, Kellner, Portier rc. selber darstellten, plötzlich verschwunden waren, leider mit den Werthgegenstäuden und größeren Baar- beträgen, für die die Directionkeine Verantwortung" über­nehmen wollte, wenn fie nicht übrigens der allgemein üblichen Weisung gemäß im Bureau des Hotels abgegeben wurden. Unter den besonderen Verhältniffen glaubten die Paffagiere diese sonst vielfach außer Acht gelaffene Vorsicht doch beachten zu müssen und so wußten fie die Rechnung im Hotel Continental" theurer bezahlen, als hätten fie die Fürsten-AppartementS imGrand Hotel" bewohnt.

Ein mehrfach variirter Soup, der in dieser Form in Wien vor Jahren auSgeführt wurde, besteht in Folgendem: Ein würdig auSseheuder Herr erscheint bei einem Juwelier und wählt dort eine Reihe werthvoller Gegenstände, die er

kunst wieder zu bewundern. Hermann ist in den Mauern GteßenS ein gern gesehener, stets willkommener Gast. Mit der Vergegenwärtigung seiner bedeutsamen Erscheinung drängt sich Jeglichem, der ihn auf unserer heimischen Bühne gesehen bat, eine Fülle von Erinnerungen und Eindrücken aus, wie sie nur die Vielgestaltigkeit reifsten künstlerischen KöanenS hinterläßt. Die zahlreichen Verehrer des geschätzten Meisters dürfte es interesfiren, mit ein paar Strichen Hermanns Lebensbild gezeichnet zu sehen.

Man ist versucht, daS Leben de» CharacterdarstellerS Earl Hermann ein Drama zu neunen. Es ist eine ernsthafte Geschichte, die von schweren Sorgen, von bitterer Noth, von quälender Verzweiflung erzählt, aber auch von der lieber» Windung zahlloser Schwierigkeiten durch Geduld, Muth und Thatkraft. ES ist eine erfreuliche Geschichte, die einen Mann zeigt, der fich sein Geschick selbst mit fester Hand ge­zimmert hat.

Zn KeSmark in Ungarn wurde der Künstler in einer unruhigen Zeit, am 27. Februar 1849, geboren. Der Name seiner Eltern war GrünvalSkh- als aber der Sohu gegen ihren Willen später fich entschloß, seiner Neigung zur Bühne Folge zu leisten, ließ er den Vateruameu fallen und behielt seine beiden Vornamen als künstlerischen nom de guerre. Die Eltern hatten ihn zum Archtteckeu bestimmt- ein Kindhett»- etndruck war es, der das Geschick btfl Sohne- in eine andere Bahn lenkte, jener Eindruck, den mau iu verwandter Weise in Goethe-Wilhelm Meister" verwerthet findet: im 6. Jahre sah Hermann ein wandernde- Automatentheater, und der hier­von ausgehende Anstoß verstärkte fich später zum Entschlüsse, al» der dreizehnjährige Knabe in Kaschau zum ersten Male ein wirkliche- Theater sah. Bis dahin hatte er iu aller Ruhe das Gymnasium zu Leutschau und die Ober-Realschule zu Kaschau besucht- im Alter von vierzehn Jahren aber traf ihn der harte Schlag, daß seine Eltern verarmten, und nun galt eS Privatstunden zu geben, um das liebe Leben zu fristen und die Fortsetzung der Studien zu ermöglichen. Nachdem er nun die Kaschauer Ober-Realschule mit Auszeichnung absolvirt hatte, ging er nach Wien, wo ihn die schwersten Jahre seines Leben» erwarteten. Noch lag er am Poly­technikum und der Uutverfität den Studien des Architekten- Berufes ob, aber schon war er daran gegangen, fich unter fremdem Namen für die Bühnenlaufbahn au-bildeu zu lassen, und bei so getheilter Arbeit und Neigung war e- zudem er- forderlich, Privatstuuden zur nothdürfttgen Beschaffung der Subsistenzmittel zu geben. ES war eine Zett, in der Her- mann oft der Verzweiflung nahe war, denn, tagelang nur von Wasser lebend, sah er der Gefahr deS Verhungern- un­ausgesetzt in- Auge. Ein Commilitone, der jetzt noch in Wien lebende k. k. Rath Guido Müller, half ihm schließlich über die schlimmsten Nahrungssorgen hinweg- trotzdem war die Situation noch immer nicht weniger al» erfreulich:Der Hunger und die Liebe" zur Kunst waren, frei nach Schiller, die Triebfedern seiner Existenz, aber fie vertrugen fich schlecht mit einander. Denn entschloß er sich, gegen Erlegung von 35 kr. die Galerie de- Burgtheaters zu ersteigen, so war an ein Nachtmahl nicht zu denken- entschied er sich für ein Nachtmahl, so war ihm das Theater-Paradies verschlossen.

Aber auf der anderen Seite standen noch weitere schwere Kümmernisse. Auf die Verwendung de» jetzigen Hofrath» Beer, der Hermann» Lehrer am Polytechntcum war, hatte fich Joseph Lewinsky allerdings bereit erklärt, dem jungen Menschen den ersten dramatischen Unterricht unentgeltlich zu ertheilen, aber er verhehlte ihm auch nicht seinen schweren Zweifel in Betreff seiner künstlerischen Zukunft. Der Grund war Hermanns unglücklicher ungarisch deutscher Dialekt, mit dem er viel zu kämpfen hatte- leichter vermochte er die

im Namen de- wohlbekannten Pfarrer» des Bezirks etnkauft, ohne fie zu bezahlen. Er bittet, die Sachen mit der Rechnung gleich nachzusenden. Der Juwelier packt die Kostbarkeiten ein und, um ganz sicher zu gehen, betraut er seine eigene Frau mit der Ablieferung und dem Jneaffo. Der würdige Herr führt die Frau ins Pfarrgebäude, fie steigen die Treppe hinauf, im Vorzimmer bietet er ihr Platz an und begibt fich mit den Schmuck-Etuis, die er ihr jetzt abuimmt, in des Pfarrer- Zimmer. Nach ganz kurzer Zeit die Juweliers- frau hat nebenan lebhaft sprechen gehört kommt der Fremde wieder zurück ohne Schmuck EtutS.Hochwürden ist mit Allem zufrieden, er läßt bitten!" sagt er. Die Frau erhebt sich, zieht die Rechnung hervor und folgt dem mildenHereinrus" deS GotteSmanneö. Und al» fie ihm gegeoüberfteht, steht er fie mit einem gütigen Blick au und beginnt:Ihre Ehe ist nicht glücklich, Frau ** (er nennt ihren Namen), Sie wollen fich von Ihrem Mann loSsageo, obwohl Sie drei unmündige Kinder besitzen haben Sie denn einen solchen Schritt bedacht?"

Die also Angeredete riß Mund und Augen auf. WaaaS?" ries fie endlich.Wer hat denn Hochwürden daS gesagt?"

Ihr Mann, der eben bet mir war, mit der Bitte, ich möchte Ihnen zureden."

Mein Mann? Der kann fich ja au- dem Geschäft nicht fortrühren, und überhaupt, ich bin baff wir und uuS trennen ja, warum denn?"

Der Pfarrer zuckt die Achseln, erhebt fich und öffnet die Thür, indem er in» Vorzimmer hinauSruft:Also Herr X., bitte, kommen Sie?"

Herr X., der Pseudo-Juwelier, der dem Pfarrer die Rolle de» unglücklichen Gatten vorspielte, hatte fich, bi» die Comödie fich ausklärte, mit den Goldwaareu natürlich au» dem Staube gemacht.

Die nobelsten Gauner find e» nicht, die ihren Opfern Diamanten und Perlenabknöpfen" aber unter Umständen verrathen sie sehr viel Erfindung-getst. In der Pariser Oper, al- noch die Königin der Mode und Kaiserin der Franzosen die Vorstellungen durch ihre Anwesenheit ver­herrlichte, erschien eine- Abend- in Zwischenakt ein Herr

Dürftigkeit und Eckigkeit seine» Wesen» zu verbessern, und darin half ihm auch die Anstellung al» unbesoldeter Statist am Burgtheater, die er Lewiu-kh verdankte. Von großer Wichtigkeit war eS dann für ihn, daß er auf der neubegrün­deten Theaterakademie von Franz Kürschner regelmäßigen Unterricht fand, und seine Entwicklung so in geordnetere Bahnen einlenken konnte.

Sein erstes Engagement als Darsteller erster Character- rollen führte ihn nach Graz, wo er denPerin" neben Clara Ziegler al»Donna Diana" gab. ES folgten lange und wechselvolle Wanderjahre- Salzburg, Ulm, Dortmund, Mainz, Magdeburg (Sommertheater), wieder Mainz, Land», berg a. W., Cöln waren die Städte seine» Wirken»- die Signatur seines Leben» war ein rastlose» Streben nach weiterer Entwicklung, ein brennender Ehrgeiz, eine unab­lässige Arbeit an fich selbst. In diesen Wanderjahren erwarb sich Hermann einen großen Theil leine» Repertoire, dessen HauptrollenMephisto",Buttler",Shylock",Rarciß", Franz Moor",Schmock",AutolykuS",Bansen",Rabbi Stchel",Harpagon",Tartuffe",Jago",Marinelli". Perin" find. Was ihn in mancherNoth und Fahr" auf- recht erhielt, war da» Vorbild verehrter Menschen, u. fl. Felix SchwetghoferS und seiner vortrefflichen Frau, besonder» aber die eigene Gemahlin, Anna Ernst, Tochter deS damaligen Kölner, jetzt Aachener Theaterdirecior» M. Ernst, die er 1876 heimführte, und die ihm Belrath und Leitstern ge­worden ist. Viele- von dem, was er geworden und erreicht, dankt er der treuen Genossin seine» Lebens.

Da» Jahr 1878 führte Hermann au» dem immerhin unsicheren Meere de» wandernden SchansptelerlebenS auf den festen Boden einer sicheren künstlerischen Existenz, und e» war Frankfurt a. M., daS, wie so viele andere, Io fich auch diesen Künstler zu sichern verstand. Damals berief ihn Dito Devrient in da» neuerbaute Stadttheater, und fett 1879 unter der Intendanz Emil Claars fand Hermann auch Gelegen­heit, fich in ersten Rollen zu bethä igen. Seit dieser Zeit bat er fich in Frankfurt so völlig eingebürgert, daß er schöne Engagementsanträge aus Wiesbaden, Stuttgart, Berlin uf». ablehnte und nur durch zeitweilige Gastspiele z. B. in Aachen, Creseld, Mainz, Köln, Baden-Baden, Würzburg sein Können auch vor anderem Publikum ertoic». Er bekleidet in Frankfurt die wichtige uud verantwortliche Stellung eine» Lehrer» Der Deklamation und Mimik am Dr. Hoch schen Couservatorium, und glücklich in seiner Familie und seinem Schaffen, umgeben von tüchtigen Menschen, ausgezeichnet durch die lebhafte Anerkennung von Männern wie Wilden­bruch, Paul Heyse, Echegaray, Giacosa, darf er mit Genug- thuung auf ein Leben znrückblickcn, das vor vielen eine Illustration ist zu dem alten hoffnung-vollen Worte:Durch Nacht zum Licht".

Hermann gehört zu der Minderzahl erlesener Schau- spieler, die mit unermüdlich erneutem Studium an ihre Auf­gaben herantreten. Die Charaktere, die er auf der Bühne lebensvoll gestaltet, wachsen unmittelbar ans seiner schau­spielerischen Begabung heran» und überraschen durch den grüblerischen Ernst, mit dem sie den geheimsten Absichten de» Dichters nachspüren. Der alte, ewig junge Moliöre wird Meister Hermann nächste Woche Gelegenheit geben, sich in der vollen Kraft seiner schöpferischen Kunst zu zeigen. C» steht un» daher ein äußerst anregender und interessanter Theaterabend bevor.______________________________________

Kunst-Ausstellung,sff6nuertm nähme des SamStagS, von 11 bi» 1 Uhr, am Mittwoch auch noch von 3 bis 5 Uhr. ttonntag» urrnntrrdro-err von 11 H» 8 Uhr. Eintrittspreis für Nichtmitglieder an Werktagen 50 Pfg., an Sonntagen 20 Pfg.

mit einigen Orden am Frack in der Loge einer vornehmen Pariserin, die unweit der Hofloge saß.Madame, Ihre Majestät hat Ihre Brosche bemerkt, fie ist entzückt davon und bittet, sie da» prächtige Kleinod besser besehen zu lassen . . ."

Die aus» Angenehmste Ueberraschte besann fich keinen Augenblick, nestelte die Brillantbrosche sofort und so rasch, wie e» nur möglich war, los und überreichte da» Kleinod dem artigen Höfling, der unter verbindlichen Verbeugungen damit verschwand, um fich nie wieder blicken zu lassen.

Französische und englische Gauner haben den Coup später in allen erdenklichen Spielarten auSgeführt, die Spekulation auf die Eitelkeit schöner Schmucktragerinnen hat immer die befriedigendsten Resultate zur Folge gehabt.

Ziemlich geschickt operirte in Hamburg derBusennadel- Barbier", der notorisch jahrelang den feinen Kunden nachdem er fie rafftet hatte, mit der Serviette auch die sicher erfaßte Cravattennadel abuahm, und da» Alle» mit den flinken und schwungvollen Bewegungen de» dienstfertigen Figaro.

Sogar die Kleptomanie muß als Borwand herhalten. Erst vor Kurzem erschien irgendwo, in einer sehr großen Stadt ein junger Elegant in einen Gold- und Silberwaare» geschäst, um Dem anwesenden Herrn die Mittheilung zu machen, daß er in einer Stunde mit seiner Tante kommen werde, um Einkäufe zu machen, und er bitte wenn sich die Dame er nannte einen gräflichen Namen von stadt­bekanntem Klang verleiten lassen sollte, etwa» zur Seite zu practiciren, fie ruhig gewähren zu lassen. Die Gräfin leide nämlich an Kleptomanie Stehlsucht und er, der Neffe, der da» mit einer gewissen Schüchternheit eingestand, verpflichtete fich, Alles, was fie etwa verschwinden lassen würde, baldmöglichst zurückzudringen. Zur bezeichneten Stunde fuhr die Gräfin vor, kaufte ein kleine» Armband und stahl wie ein Stabe. Der Neffe blickte wehmüthig drein, der Ge­schäftsinhaber zahlte mit voller Ruhe die Gegenstände, die dieGräfin" in den Falten ihrer Seidenrobe verschwinden ließ, und et wartet heute nach aus die Wiedererstattung.

Die würdige Gräfin war eine Gaunerin, die nicht an» krankhafter Neigung, sondern einfach professionell stahl. Aber der Streich war geschickt eingefädelt.