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17.8.1897 Erstes Blatt
 
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Nr. 191

Erstes Blatt

Dienstag den 17. August

1897

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Frankreich und Italien.

Im gegenwärtigen Augenblick, wo die Herausforderung des italienischen Prinzen, deS Grasen von Turin, an den Prinzen Heinrich von Orleans d,e Grmüther in Bewegung erhält, ist eS wohl angebracht, einmal das Verhältniß zw scheu Italien und Frankreich zu unterziehen. Hierzu ist um so >mehr Gand vorhanden, als der bekannte Grenzzwischenfall, die Beschießung eines an der Grenze belegenen italienischen ;3ond durch franzöfische Uebungstruppen zu einem Notenwechsel Veranlassung gegeben hatte. Selbstverständlich lag dasür, 'daß die französtschen Kugeln auf dem Nachbargebtet ein- geschlagen waren, keine böse Absicht vor, so daß die An- .gelegenheit schnell beigelegt werden konnte.

Bekanntlich sind die Beziehungen Frankreichs zu Italien 'seit dem Jahr 1870 nicht mehr so intim, wie sie zwischen zwei einer und derselben Race angehörigen Nationen eigent« 'ich vorherrschen sollten. Die Annection deS KirchstaatS seitens Italiens, dann besten Beitritt zum Dreibünde waren die Aniäste, welche die französischen Staatsmänner ver- aulaßlen, sich dem italienischen Volke gegenüber reservirt zu erhalten. Insbesondere unter dem Cabinet Crtspi ist es zu einer intimeren Annäherung niemals gekommen. Dieser ist eS auch, welcher erst kürzlich wieder in einer zu Milazzo auf Gtcilien gehaltenen Rede sich der augeublickllch in Italien herrschenden frankophilen Strömung entgegenstellte und aus dem reichen Schatze seiner Erinnerungen auSkramee, um den ^Franzosen einige Wahrheiten zu sagen und zu beweisen, daß Frankreich von jeher eine im Grunde genommen feindliche Haltung gegenüber Italien bewahrt habe und daß letzteres Leßhalv vor den französiichen Werbungen auf der Hut sein rnüffe. Man mag über Crtspi denken, wie man will, dar «Elne muß ihm selbst der Feind zugeslehen, daß er viel ge- Shan hat für die Größe seines Vaterlandes, und daß er die Verhältnisse kennt und zu durchschauen weiß wie nur irgend Jemand. Er hat viele Feinde tm Laude, das beweisen die «gegen ihn in und außer dem Parlamente erhobenen Anklagen, «t hat aber sein Bestes eingesetzt sür Italien und dasselbe ^urch schwere Zeiten hindurch zu Ansehen und Macht geführt. Daß Crispi infolge semer neuesten Auslastungen über Frank­reich heftigen Angriffen auSgesetzt ist, braucht nicht besonders erörtert zu werden, und auch die mintsterlellen Kreise sind darüber mißgestimmt, umsomehr, als die Königin Margaretha Crispi in den herzlichsten Worten ihren Dank für seine Kund- -gedungen ausgesprochen hat.

Dem jetzigen Cabinet Rudini, insbesondere dem Minister deS Aeußeren, Visconti Venosta, sagt man franzosenfreund, liche Tendenzen rach, denen man gern durch eine Regelung der Handelsbeziehungen zwischen beiden Ländern einen Aus­druck geben möchte. V'ele Anstrengungen sind bereits in dieser Beziehung gemacht worden, aber noch immer hat es Nicht gelingen wollen, dem jetzt herrschenden Tartfkriege durch einen Handelsvertrag ein Ende zu machen. Der größie Thetl -eS französischen Parlaments ist einem solchen Vertrag- ab- geneigt, abgesehen davon, daß der jetzige Cablnerschef Msline das Haupt der ultraprotectionistischen Partei in Frankreich -ist, dem zum größten Theile, da er noch Abgeordneter war, -der Abbruch der Handelsbeziehungen mit Italien zugeschrteben werden muß. Aber die Franzosen sino schlau und haben bis­her auf die Werbungen Italiens noch keine direct ablehnende Antwort gegeben. Jnfolgedesten und nur aus diesem Grunde ist auch daS letzte italtenisch-französisch-tunesische Uebereiu- kommen vollzogen worden, durch welches Italien seine wohl- verbrieften Rechte und die blühende italienische Colonte in Tunis aufgiebt, um die Herrschaft Frankreichs daselbst zu befestigen.

Auch sonst möchten die Franzosen Italien gerne am Gängelbande führen. Wie schon oben gesagt, ist es ihnen ein Dorn im Auge, daß der Nachbarstaat dem Dreibünde au- gehört und daß intime Freundschaft zwischen den Monarchen Deutschlands und Italiens besteht. Die bevorstehende Reise des italienischen KönigSpaareS zu den deutschen Herbst, manövern har denn auch den französischen Chauvinisten Be- Hemmungen verursacht und sie möchten dieselbe möglichst ver- hindern. Aber das wäre natürlich nur vergebliches Bemühen, da die Freundschaft König Humberts zu unserem Kaiser zu tcef gegründet ist, als daß sie am Mißbehagen der Franzosen scheitern könnte. Jedenfalls wird es kaum einmal auf unsere Beziehungen zu Italien einen Einfluß ausüben, wie sich deffen Verhältniß zu Frankreich gestalten wird. (xx)

Hentsche» Reich.

Berlin, 14. August. Für die Ueberschwemmten sind, wie Oberbürgermeister Zelle in der heutigen Sitzung

deS geschäftSführenden AusschuffeS des CentralcomitäS mit- theilte, bisher 205,000 Mk. bei der HauptstiftungSkaffe des Magistrats etngelaufen. Während der Sitzung selbst gingen noch ca. 6000 Mk. ein.

Berlin, 14. August. Wie aus Cassel gemeldet wird, beabsichtigt das Kaiserpaar sich am 18. ds. MtS. nach Senne bei Paderborn zu begeben, um dort Truppenübungen beizuwohuen.

Berlin, 14. August. DaS italienische KöntgS- paar wird auch an der Katserparade des 8. Armee- corpS bei Coblenz am 30. August Theil nehmen.

Cassel, 14. August. Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin trafen heute Nachmittag Uhr auf Bahn­hof Wilhelmshöhr ein. Auf dem Bahnhofe waren die beiden jüngsten kaiserlichen Kinder sowie der commandirende General deS 11. Arweecorps, General der Infanterie v. Wittich, zur Begrüßung erschienen. Die Majestäten begaben sich in offenem Wagen nach dem Schlöffe, auf dec Fahrt von der Bevölkerung jubelnd begrüßt.

Kölu, 14. August. Zu den verschiedentlicken Forde­rungen der Blätter, Maßregeln gegen die An ar chisten zu ergreifen und dem nächsten Landtage wiederum ein VereinS- unb Versammlungsgesetz vorzulegen, schreibt dieK. Z.", ein einigermaßen wirksames Mittel gegen die Anarchisten sei deren schärfste Ueberwachung, strengste Verfolgung der von ihnen begangenen Verbrechen und härteste Bestrafung. Mit einem Ausnahmegesetz in dem Sinne, daß unter anarchistischer Flagge begangene Vergehen und Verbrechen stetS mit den schärfsten Strafmaßen geahndet würden, wäre das genannte Blatt völlig einverstanden, und eS wünscht in dieser Hinsicht internationale Vereinbarungen und Auslieferungsverträge. Don allen schönen Straftheorien sei hier die AbschreckungS- theorie die einzig angebrachte.

Dresden, 14 August. Amtlich wird bekannt gemacht: Auf der Linie MügelnGeisingAltenberg wird der Ge- sammtverkehr von Mügeln bet Pirna bis Köttewitz am 15. d. wtedrr aufgenommen.

Karlsruhe, 14. August. Die Nachricht eines auswärtigen Blattes von dem ungünstigen Gesundheitszustand deS Großherzogs ist durchaus unbegründete Der Groß­herzog erfreut sich im Gegentheil einer langsamen, aber stetig fortschreitenden Besserung seines Befindens.

Anstand.

Budapest, 14. August. DaS Dorf Garany im Zemp- liuer Comital ist ntedergebrannt. 137 Wohnhäuser sind mit den Nebengebäuden in Asche gelegt.

Budapest, 14. August. Die Meldung der Hermann- | städterTribuna", wonach in Bistritz (Siebenbürgen) bet militärischen Uebungen von Soldaten deS gemeinsamen HeereS und Honoeds, die HonvcdS auf die Ersteren mit scharfen Patronen geschaffen haben sollten, entbehrt nach eingezogenen Erkundigungen jeder Grundlage. Es sind wohl belang- \ lose Verletzungen vorgekowmen, doch rühren dieselben von Sandkörnern her, welche, tote daS bei Manövern häufig vor­kommt, in ein Gewehr htnringeratheu waren. (!?)

Stavanger, 14 August. Einer weiteren Nachricht zu­folge theilte der Capitän deS soeben hier eingetroffenen DampfersLiudholmen" mit, daß der Luftschiffer Crrti gestern bet südöstlichem Winde in Arendal aufgeftiegen und es daher wahrscheinlich sei, daß eS dessen Ballon gewesen, welcher von demKong Halfdan" bei Hau gesund ge­sehen wurde.

Warschau, 15. August. DaS Gouvernement Lublin ist von einem furchtbaren Orkan heimgesucht worden, der außer­ordentlichen Schaden angerichtet hat. In Ostrowo find viele Häuser eingeftürzt, auch wurden Menschen getödtet und ver­letzt. Die telegraphische Verbindung zwischen Warschau und Odeffa ist gestört.

Kapstadt, 14. August. Ein Telegramm von Upington meldet, daß 90 Deutsche unter Lieutenant Helm einen Angriff auf verschanzte Aufrührer machten und dieselben zer­streuten. Gefallen: Lieutenant Altrock und zwei Retter, verwundet: vier Retter. Verlust der Aufrührer 20 Todte.

Wolff» telegraphisches Correspondenz-Bureau.

Paris, 15. August. DaS S äbeldue ll zwischen dem Grafen von Turin und dem Prinzen von Orleans bat heute früh 5 Uhr im BoiS des Marschaux bei Vaucreffou statt­gefunden. Dasselbe dauerte 26 Minuten und wurde in fünf Gängen ausgesochten. Der Prinz von Orleans erhielt zwei schwere Wunden, eine an der rechten Schulter, die andere an der rechten Seite des Unterleibes. Der Graf von Turin

wurde an der rechten Hand verwundet. Der Prinz von Orleans wurde io das Palais des Herzogs von Chartres überführt, wo er das Beit hütet. Leontieff leitete den Zwei­kampf, welcher mit Erbitterung durchgefochteu wurde.

Depeschen de» Bureau «Herold.*

Berlin, 15. August. Gestern fand vor der zweiten Strafkammer des hiesigen Landgerichts I eine Verhand­lung gegen fünf Anhänger der socialdemokratischen Partei statt, welche der Verbreitung verbotener Schriften bezw. der MajestätSbeletdigung beschuldigt waren. Dem ersten Angeklagten, Buchdrucker Franz Schulze, wurde zur Last gelegt, daß er von der bekannten, durch gerichtliches Urtheil verbotenen FlugschriftEm neues Wintermärchen" eine größere Auflage gedruckt und dadurch sich der Beihilfe zur Majestätsbeleidigung schuldig gemacht habe. Der Schank- wirth Wilhelm Erbe wurde beschuldigt, den Auftrag zum Druck einer neuen Auflage des LiederbuchesDer freie Sänger" ertheilt zu haben, welches zu Gewaltthätigkeilen anreizen soll. Der Hutmacher Richard Klose, der Parlier August Schneider und deffen Sohn sollen zu dem Ver­gehen ErbeS Beihilfe geleistet haben. Der Gerichtshof er­kannte nach langer Berathung, daß die DruckschriftE n neues Wintrrmärchen" keine Majestätsbeleidigung enthalte, dagegen seien in einzelnen Liedern des BuchesDer freie Sänger" Aufreizungen zu Gewaltthätigkeiten zu finden. Außer­dem seien alle Angeklagten, mit Ausnahme des Schneider sen.7 schuldig, durch unrichtige Angaben über Drucken und Verlegen auf den Schriften gegen das Preßgesetz verstoßen zu haben. Schneider sen. wurde freigesprochen, Schulze zu 1 Monat, Erbe zu 4 Monaten, Klose und Schneider jun. zu je 2 Wochen Gefängniß vtrurtheilt.

Berlin, 15. August. Durch Bekanntmachung imVor­wärts" wird der diesjährige socialdemokratische Parteitag auf Sonntag den 3. October nach Ham­burg einberufen. Von der zehn Punkte umfaffenden Tages­ordnung find bemerkeoSwerth ein Referat des Abg. Bebel über die bevorstehenden Reichstagswahlen und ein Referat des Abg. Auer über die Bethetligung an den preußischen Land- tagswahlen.

Madrid, 15. August. Das Kriegsgericht, welche» den Attentäter Angelillo aburtheilen wird, besteht auS einem Artillerie Oberftlieutenant als Vorfitzenden und sechs Artil­lerie Hauptleuten. Die Regierung wird durch einen Haupt- manu einer anderen Waffe vertreten. Alle Erklärungen des Angeklagten find genau protokollirt worden.

WB. Dresden, 16. August. Gestern Abend ist auf der Eibe ein Schraubendampfer untergegangen. Neuesten Nachrichten zufolge handelt eS sich um einen kleinen, fünfzig Personen fassenden Dampfer, welcher den Verkehr zwischen Altstadt und Neustadt vermittelt. Das Boot, anscheinend überladen, wurde durch den Wellenschlag eines großen Elb- dampsers umgeworfen. Die Anzahl der in den Fluß Ge­stürzten ist noch unbekannt. Bisher werden sieben Personen vermißt.________________________________________________

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Gießen, den 16. August.

Eisenbahn unglück. Der am SamStag Mittag 1 ühr 59 Min. auf der Fahrt nach Hamburg die hiesige Station pasfirende v-Zug 73 ist am Abend 8*/2 Uhr zwischen Celle und Eschede (Hannover) entgleist. Die Maschine flog mehrere Meter weit ins Gehölz. Die Wagen schoben sich ineinander und find saft sämmtlich zertrümmert. ES find mehrere Personen getödtet, sehr viele verwundet. Die Schwerverwundeten wurden nach Celle gebracht, die Leicht­verwundeten nach Uelzen. Von einem Augenzeugen werden folgende Einzelheiten berichtet: Vier Personen, wie es heißt auS Hamburg, wurden sofort getödtet, zwanzig Personen wurden schwer, eine noch größere Anzahl leicht verwundet. Von Celle und Uelzen wurden Aerzte durch Extrazüge zur ersten Hilfe gesandt. Soldaten mit Fackeln beleuchteten die Unglücksstätte. Die Verwundeten wurden reihenweise auf eine Wiese gelegt. Der Durchgangsverkehr wird mit Schwierigkeiten aufrechterhalten, alle Pasiagiere müffen um- steigen. Die Aufräumung-arbeiten dürften zwei bis drei Tage in Anspruch nehmen. Die königliche Eisenbahn- BetriebS-Jnspection Hannover gibt bekannt: Am 14. d. M. AbendS gegen 9 Uhr ist auf der Bahnstrecke LehrteHam­burg und zwar auf der freien Strecke in Km. 59,0 zwischen den Stationen Celle und Eschede der auS 7 Wagen be­stehende Zug 73 mit der Locomotive und 4 Wagen ent­gleist. Hierbei wurden drei Personen getödtet: 1. Ernst