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EEes Blatt. Mittwoch dm 17 Februar__________________
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w Deutsche» Reichstag.
176. Sitzung. Montag tze« 15. Februar 1897.
Die Berathung des MtlilLretats wird fortgesetzt.
Lbg. Bebel (Soc.): Für die Behauptung deS KrieaSministerS betr. einer Zunahme der Verbrechen und Vergehen in Der Armee im Zusammenhänge mit der Ausbreitung der Socioldemokratte fehlt jeder Beweis. Wenn überhaupt die Verbrechen zugenommen, so liegt bas an den ganzen socialen Verhältnissen, der Schwierigkeit deS Erwerbs, der Unmöglichkeit für die mit Arbeit überlasteten Arbeiter, sich mit der Erziehung ihrer Kinder zu beschäftigen. Wo die Soctaldemokratte am meisten verbreitet ist, ist die Moral die gesündeste. WaS mürben die Nattonalliberalen sagen, wenn ich behaupten wollte, die große Zahl der schweren Körperverletzungen im linksrheinischen Bayern rühre daher, daß dort die Nattonalliberalen ihre meisten Anhänger haben, oder wenn ich ähnliches Bezügliches deS EentrumS und des übrigen Bayern sagen wollte! Den Grafen Noon, der die Socialdemokraten am liebsten vom Reichstage auS- Ichlteßen möchte, erinnere ich daran, daß sein Gewaltherr Fürst riiSmarck das allgemeine Wahlrecht einführte, weil er sonst für das S'ieich nicht einmal in Norddeutschland, geschweige denn in Süd- beutschland Sympathien gesunden hätte. Redner verbreitet sich dann über zwei Seibstmordsälle, welche er auf Mißhandlungen zurücksührt, und üoer die Aeußerungen des Hauptmannes eines hanseatischen Regiments, der von den Soctaldemokraten als Lumpen gesprochen und htnzu- gesügt habe: sollte einer von den Kerlen unter Euch sein, so hoffe ich, daß Ihr denselben Abscheu vor ihm haben werdet wie ich! In einer JnftructionSstunde sei ein Rekrut gefragt worden, waS er thue, wenn er höre, wie ein Civtlist eine MajcstätSbeleidtgung begehe? Ruf die Antwort, er zeige den Mann an, sei ihm gesagt worden: was? nein, Du ziehst die Plempe und schlägst ihm den Schädel ein! Wetter unterzieht Redner das Urtheil im Falle Brüsewitz und speciell die Begtündung der mildernden Umstände einer höchst abfälligen Kritik.
Sächsischer Bevollmächtigter Graf Vitzthum v. Eckstädt widerspricht den Beh uptungen Bebels mit Bezug aus die sächsische Armee. Die Soldaten würden hier nur gewarnt, soctaldemokrattsche Gesinnung zu bethätigen. Mit den von Bebel erwähnten Fällen in der sächsischen Armee verhalte eS sich anders, rote Redner des Näheren darthut.
Kriegsminister v. Goßler weist an den Ziffern der Bestrafungen in einzelnen Arrneecoips nach, daß die Ausbildung der Soldaten vielfach große Schwierigkeiten habe. Bebel führe die angeblich schlechte Bchandlung in der Armee auf das Junkerthum zurück; 60 bis 70 pCt. der Offiziere seien aber bürgerliche. Das Material über die verschiedenen von Bebel erwähnten Selbstmordsälle würde geprüft werden, wenn Bebel die von ihm verlesenen Briefe zur Verfügung stelle. Auch bezüglich des Hauptmanns in Altona müsse er Bebel anheimgeben, ihm die Zeugen, die Beschimpfungen gehört hoben wollen, anzugeben. Den Fall Brüsewitz möge man doch endlich in Ruhe lassen. Au8 der Begründung des Urtheils ergebe sich jedenfalls, daß Anlaß zu mildernden Umständen Vorgelegen habe, lieber die Frage der Politik in der Armee wolle er sich nicht noch einmal auslassen. Soctaldemokrattsche Poltttk werde jedenfalls in der Armee nicht geduldet werden, und zwar weil die Socialdemokratie nicht auf btm Boden der ReichSgesitzgebung stehe.
Abg. Graf Roon (conf) erwidert Bebel, er wünsche allerdings, die Socialdemokraten nicht mehr im Reichstage zu sehen. Heber das Wahlrecht wolle er nicht reden, aber als Conservativer, als Freund der Autorität, im Gegensatz zur Majorität, könne er das b stehende Reichswahlrecht doch nicht schön nennen. Sicherlich hätten die Junker wehr dazu beigetragen, Preußen groß zu machen, als das allgemeine Wahlrecht. Solche Reden, wie sie hier gegen die
Feuilleton.
Von einer Nordlandsahrt.
»nS einem Vortrag, gehalten in der Februar-Hauptversammlung der Section Gießen des D. u. Oester. A.-V.
(Schluß.)
6. Der Seiraugerfjord.
18. August. Eine herrliche, wenn auch etwas lange Fahrt heute. Heller, warmer Sonnenschein liegt auf Bergen und See und macht den Aufenthalt aus Deck in der erfrischenden Luft zu einem wahren Genuß. Ich gehe saft richt vom Deck herunter und verbringe den Tag lesend, schreibend, auf und ab promenirend oder in angenehmer, au« regender Unterhaltung mit den Reisegenoffen. Um 11 Uhr früh Überholen wir eine Flotte Walfischsänger, auS fünf kleinen schmucken Dampfern bestehend, kenntlich an dem ganz vorne auf Deck befindlichen Harpunengeschütz. Ueberhaupt ist die See nunmehr wieder sehr belebt, eine große Anzahl Dampfer und Segelschiffe begegnen uns, die wir mit Tücher- winken begrüßen.
Wir fahren nun feit gestern Morgen 11 Uhr ununterbrochen und wahrscheinlich noch biS spät in die Nacht, bis vir unser nächste- Ziel Merok im Geirangerfjord erreichen werden. Wir müffen von Digermulen bis dahin dolle 6 Breitegrade herunterfahren- der Breitegrad umfaßt 15 dentsche Meilen = 112 Kilometer, und da wir in der Stunde doch nur etwa 12 Seemeilen — 22 Kilometer wachen, so brauchen wir thatsächltch für den Breitegrad über 5 Stunden Fahrzeit. Das Wetter ist ganz herrlich, sonst
Armee gehalten würden, würden nicht eher aufhören, als bis die Redner zeugeneidlich vernommen würden, um ihre Gewährsleute zu nennen.
Abg. Frhr. v. Stumm (Rp.) stellt aus socialdemokratischen Aeußerungen fest, daß die Soctaldemokratte den Meineid zulaffe, wenn auch nicht gerade verherrliche, und wendet fich bann gegen Stöcker, der im preuß. Abg.-Haufe ihn in der Angelegenheit Leckert- Lützow fortgesetzt zu verleumden fortfahre. Die Behauptung, daß er sich durch Lecken Zeitungsausschnitte gegen Stöcker habe sammeln lassen, sei eine neue Verleumdung.
Abg. Bebel: So scharf wie Graf Roon habe fich noch kein Eonfervatlver als Gegner des allgemeinen Stimmrechts bekannt. Dann sollte eS aber Graf Roon auch für unter feiner Würde halten, sich wählen zu lassen, und sich hierher zu stellen. Hoffentlich werden es die Wähler des Grafen Roon das nächste Mal für unter ihrer Würde halten, ihn wieder zu wählen.
Abg. Ulrich (Soc.) bezeichnet das Cantinenwesen als ein Unwesen, welches die kleinen Gewerbetreibenden schwer schädige, und beschwert sich dann darüber, wie die Militärärzte ihren Beruf auffaßten. Ein Rekrut habe ein Attest beigebracht, daß er an Gallenstein leide, trotzdem sei er gezogen worden und nicht lange darauf im Lazareth gestorben. Aus seinen Briefen gehe hervor, daß er wegen der ihm gewordenen Behandlung Dienst lhat, so lange, biß er nicht mehr konnte.
Kriegsminister v. Goßler sagt Untersuchung deS Falles zu.
DaS Gehalt deS preuß. Kriegsministers wird bewilligt.
Bei dem Eapiiel Melitär-Geistlichkeit wünscht Abg. Dr. Singen« ((Str.) würdige Vorbereitung der Vereidigung, consesstonelle Scheidung der Rekruten bet der Vereidigung, weitere Ausdehnung der SonntaqSheiltgung mit Rückficht auf die kath. Soldaten rc.
Minister v. Goßler tbeilt mit, daß der Entwurf einer neuen Militärkirchenordnung in Ausarbeitung fei. Hinsichtlich der Ernennung vom kath. Militär Oberpfarrer, sowie wegen der Verhei- rathungsordnung, wobei es sich hauptsächlich um das Versprechen vor der Ahe, wie die Kinder erzogen werden sollen, handelt, sei in Verhandlungen mit der Curie eingetreten, eine Antwort stehe aber noch aus.
Bei Capltel Militär-Justizverwaltung beschwert
Abg. Kunert (Soc.) fich über einige Fälle von zu hoher Bestrafung von Soldaten. Im Gegensatz dazu sei in der Regel die Strafe für Offiziere eine sehr milde. Er wird vom Präsidenten zur Ordnung gerufen, weil er einen O'fizier mit Namensnennung schwerer sittlicher Vergehen bezichtigt habe, ohne dafür einen Beweis zu erbringen.
Generalauditeur Ittenbach verwahrt die Militärjustiz gegen den Vorwurf der Partcilichkelt.
Capltel Militärjustiz wird jetzt genehmigt, worauf Vertagung eintritt.
Morgen 12 Uhr Fortsetzung.
Schluß 5Vi Uhr.
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Wolffß telegraphisches Cor respondenz-Bsrrau.
Berlin, 15. Februar. Der Kaiser fuhr Nachmittags 2Vr Ut)r bet der italienischen Botschaft vor.
Berlin, 15. Februar. Der „Kreuzzeitung" zufolge tritt am 4. März der Syuodalrath auf Einladung deS Oberkirchenraths zu einer Sitzung zusammen.
Berliu, 15. Februar. Die Blättermeldung, die zur Zeit Billigen Bestimmungen über den Eintritt in die verschiedenen Laufbahnen in der deutschen Kriegs
würde die Fahrt uns allen doch wohl sehr lauge werden. Außerdem haben wir nunmehr eine Verspätung von circa 24 Stunden, die wir leider an den noch io Aussicht stehenden schönen Parthien absparen müffen. Um 11 Uhr NachtS erreichen wir die Einfahrt in den Nordfjord bei Aalesund. Die Nacht ist nun feit den letzten 14 Tagen schon erheblich länger und auch dunkler geworden und da daS Fahrwaffer an dieser Stelle der vielen Klippen wegen sehr unsicher ist, so veranlassen die Lootsen, daß wir Anker werfen und liegen bleiben, bis der neue Tag beginnt.
Mittwoch den 19. August, um 3 Uhr früh, weckt mich daS starke Geräusch des Ankers, der aufgewunden wird, und wir fetzen uns in Bewegung und fahren in den Nordfjord ein. Ich schlafe noch bis 5 Uhr und gehe dann auf Deck. Inzwischen find wir in den prachtvollen Sünelvsjord gekommen, den wir in etwa anderthalb Stunden durchfahren, um sodann in den Geirangerfjord einzubiegen, bis jetzt der großartigste, den wir gesehen haben. Stell steigen links und rechts der engen Fahrstraße die Felsen in die Höhe, während unzählige Wasserfälle herniederrieseln. Der schönste Theil des Fjords ist unstreitig kurz vor seinem Ende an der Stelle, wo auf der einen Seite die groteske Felsbildung der sogenannten Teufelskanzel fich erhebt, während auf der anderen Seite von hohem Berge die fieben Schwestern, sieben dicht nebeneinander bcfindliche Wasserfälle, niedergehen. Bor uns erblicken wir Merok und den großartigen Griranger Bergkeffel, welcher die Fortsetzung der gewaltigen GebirgS- natur des Fjords bildet. Bon hier führt eine prachtvoll angelegte Kunststraße den Thalschluß aufwärts. Dieselbe überwindet in einer nur 6 Kilometer in der Luftlinie be* tragenden Entfernung die Höhe von 1000 Meter und steigt in unzähligen Windungen und Kehren an der steilen Berg
marine würden gegenwärtig durch die obersten Marine- behörden einer Revision zum Zwecke einer Reorganisation unterworfen, entbehrt dem „Reichsanzeiger" zufolge in ihrer allgemeinen Fassung jeder Unterlage. Die Marinrverwaltung beabsichtige, die Int Jahre 1888 erlassenen, durch Souder- Vorschriften thetlweise überholten organisatorischen Bestimmungen für die kaiserliche Marine neu zu bearbeiten, aber nur die zur Zeit giltigen Verordnungen würden aufgenommen. Einschneidende Abänderungen seien keineswegs beabsichtigt.
Berlin, 15. Februar. DaS unterm 8. d. M. erlassene Einfuhrverbot zur Abwehr der Peftgefahr ist mit dem Tage feiner Verkünd guug in Kraft getreten und trifft daher alle nach diesem Tage, d. i. der 9. Februar, eintreffenden Waarensendungen. Für die zur Zeit deS allgemeinen Bekanntwerdens der Sperrmaßnahmen bereits als schwimmende Ladungen unterwegs befiadlichen Sendungen erschien eS jedoch angezeigt, den Einlaß, soweit gesnndheitS- polizetliche Bedenken nicht eotgegeostehen, zu ermöglichen. Der Reichskanzler hat deßhalb auf Grund der ihm etuge- räumten Befugntß zu AuSnahmebewilligungen genehmigt, daß alle Herkünfte der von dem Einfuhrverbote betroffenen Art, welche nachweislich noch vor dem 12. Februar den Abgangshafen verlaffen haben, ohne Weiteres zur Einfuhr zugelaffen werden. Ausgenommen von dieser Vergünstigung bleiben die Herkünfte, welche aus den durch die Pest bereits befallenen Häfen von Bombay, Kurachee, Hongkong, (Santon, Swatau, Amoh, Macao und der Insel Formosa stammen oder wegen sonstiger Umstande besonders verdächtig erscheinen. Hebet die ausnahmsweise Zulassung von Herkünfteu dieser Art hat fich der Reichskanzler die Entscheidung im Eivzelfalle Vorbehalten.
Berlin, 15. Februar. Der Senioren-Eonvent des RetchStag.es beschloß, jeder Partei anhrimzugeben, einen ihrer Initiativanträge auSzuwählen. Diese sollen dann nacheinander zur Berathung gebracht weiden.
Berlin, 15. Februar. Die Präsidenten deS Reichstages und des Abgeordnetenhauses werden dem Reichskanzlerpaar die Glückwünsche der Parlamente anläßlich ihrer goldenen Hochzeit persönlich überbringen.
Leipzig, 15. Februar. Die kürzlich hier gegründete» Vereine von Arbeitern der preußischen und sächsischen Staatsbahnen find heute, wie das „Leipz. Tagebl." meldet, aufgelöst worden, weil fie entgegen den Bestimmungen des VeretnsgefetzeS miteinander in Verbindung getreten sind.
Leipzig, 15. Februar. Auf dem Platze der Sächsisch- Thüringischen Industrie Ausstellung find bei zwölf Unternehmern inSgefammt 320 Zimmerleute in den Ausstand getreten.
Wien, 15. Februar. Aus Santa wird gemeldet: Die Christen begannen gestern um 4 Uhr die Vorbereitungen
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wand empor. Wir wandern den intereffanteften Theil der Straße aufwärts bis auf 400 Meter Höhe zu der Stelle, wo die Chauffee in einer Schleife unter fich selbst durchgeführt ist. Die Straße bietet, an dem in gewaltige» CaScaden abstürzenden Gebirgsbache aufwärts führend, herrliche Blicke und kann getrost jeder Kunststraße der Schweiz und Throls, was wildromantischen Character und große landschaftliche Schönheit anlangt, an die Seite gestellt werden. Schade, daß man durch die eingetretene große Verspätung dies nun alles im Fluge genießen muß, denn kurz nach 10 Uhr, nach nur drei Stunden Zeit, fährt unsere „@t. Sunniva" wieder weiter, den Geirangerfjord zurück und durch den Sunelvfjord bis nach Hellesylt, wo uns wieder eine prachtvolle Landtour durch das schöne Nebbethal aufwärts und daS wilde NorangSdal abwärts bis Oie winkt. Unser Dampfer wird uns daselbst abholen. Das NorangSdal bietet besonders in seinem letzten abfallenden Theil wunderbar schöne und erhabene GeblrgSbilder- manchmal wird die Straße so eng und die Berge so steil und hoch, daß selbst die Mittagssonne nicht mehr hineinscheint. Ueberall liegen bis herunter zu Thal die noch sehr bedeutenden Schneereste der im Frühjahre ntedergegangenen Lawinen. Kurz vor Oie, an dem Hof Skhlstad, erweitert fich da-Thal zu einem von hohen, steilen, schneebedeckten Bergen umgebenen Kessel, der wohl als der schönste Punkt der ganzen Tour gelten darf. Um 4 Uhr find wir in Oie angelangt, müffen aber noch etwa zwei Stunden auf die Ankunft der „©unnttoa" warten, welche Zeit wir in dem großen Union-Hotel in munterster Stimmung verbringen.


