Ausgabe 
16.5.1897 Drittes Blatt
 
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Nr. 1U Drittes Blatt.

Sonntag den 16. Mai

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Der u

>iefe«er Anzeiger erscheint täglich, witt Ausnahme des Montags.

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Amts- und Anzeigeblatt für den "Kreis Gietzen

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für bte

folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Lor». 10 llh».

chratisbeitage: Hießen er Kamikienötätter.

Alle Annoncen-Dureaux d«S In- und Auslandes nehm« Anzeigew für denGießener Anzeiger" mtgeg*.

Amtliche- Lyeil.

Bekanntmachung,

betreffend: die Maul- und Klauenseuche zu Allendorf a. d. Saha.

Die Maul- und Klauenseuche zu A l l e u d o r f a. d. Lahn ist erloschen. Die verfügten Sperrmaßregeln werden hiermit aufgehoben.

Gießen, den 14. Mat 1897.

Großhsrzogliche» Kreisamt Gießen.

__________________v. Sager»!____________

Bekanntmachung,

betreffend: die Abhaltung eines BiehmarkteS zu Homberg a. O.

Vroßh. Ministerium des Innern hat die Abhaltung de» auf den 19. l. MtS. fälligen BiehmarkteS zu Homberg »uter folgenden Bedingungen gestattet:

1. Für Auf- und Abtrieb des BieheS ist den Anträgen des KreiSveterinäramtrS gemäß je eine bestimmte Stelle zu schaffen, welche allein benutzt werden darf.

2. Auf den Markt dürfen nur Thiere aus unverfenchteu Orten der Kreise Alsfeld, Schotten, Lauterbach, Gießen, Büdingen und Friedberg, Thiere von Händlern aber nur daun, wenn sie mindestens 7 Tage in unverseuchten Orten der fraglichen Kreise in seuchenfretem Zustande gestanden haben, anfgetrieben werden.

8. AuS preußischen Orten, die nicht über 10 Kilometer von Homberg entfernt liegen, dürfen gleichfalls Thiere zugelaffen werden, wenn über dieselben glaub­hafte Ursprungszeuguiffe vorgelegt werden, daß fie In jenen Orten dauernd gestanden haben. Thiere von Händlern find jedoch auch in diesem Falle nur unter der ad 2 erwähnten Bedingung zuzulaffen.

Alsfeld, den 10. Mai 1897.

GroßherzogltcheS Kreisamt Alsfeld.

Dr. Melior.

Bekanntmachung, betreffend: die Abhaltung eines Bieh- und Krämermarktes zu Kirtorf.

Das Großherzogliche Ministerium de» Innern hat die Abhaltung eines Bieh- und KrämermarkteS zu Airtorf am 26. l. MtS. unter folgenden Bedingungen gestattet:

1. Für Auf und Abtrieb des BieheS ist den Anträgeu des Kreisveterinäramtes gemäß je eine bestimmte Stelle zu schaffen, welche allein benutzt werden darf.

2. Auf deu Markt dürfen nur Thiere aus unverseuchten Orten der Kreise Alsfeld, Schotten, Lauterbach, Gießen uud Büdingen, Thiere von Händlern aber nur dann, wenn fie mindestens fieben Tage in un­verseuchten Orten der fraglichen Kreise tu seucheu- freiem Zustande gestanden haben, anfgetrieben werden. AlSfeld, den 8. Mat 1897.

Großherzogliches SretSamt Alsfeld. Dr. Melior.

Sefneben: 1 Brosche, 1 Paar Handschuhe, 1 Regen­schirm, Postmarken, 1 Buch und 1 Sack mit Inhalt.

Gießen, deu 15. Mat 1897.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

v. Bechtold.

ArssUnsd.

Pari», 13. Mat. Die Blätter besprechen heute wiederum In längeren Artikeln die Spende Kaiser Wilhelm» an deu WohlthätigkeitS-Bazar. DerFigaro" sagt: daS hoch­herzige Benehmen des deutschen Kaiser» und daS Mitgefühl, welches er für die Catastrophe an deu Tag gelegt habe, er­regen allgemeine Aufmerksamkeit. Die einfältige Menge und eine Anzahl optimistisch Gesinnte haben sofort den Gedanken ausgesprochen, der Kaiser habe deu driugeuden Wunsch, die Pariser Weltausstellung im Jahre 1900 zu besuchen und wolle durch diese Spende seinen Besuch vorbereiten. Es ist möglich, so sagt daS Blatt, daß der Kaiser diesen Wunsch hegt. In diesem Falle haben wir die strengste Pflicht, dem Monarchen einen ehrenvollen Empfang zu bereiten. ES hieße aber die Person de» Kaisers in etgenthümlicher Weise ver­kleinern, wenn man annehmen wollte, daß der Plan zum AuSstfllungSbesuch dem Kaiser Anlaß zu der Spende gegeben habe, daS sei keineswegs der Fall und aus dieser Anschauung heraus «äfft man die Spende betrachten. DerMatiu" schreibt: DaS Geschenk des Kaisers habe deu Gedanken er­weckt, eS handle sich um eine Annäherung beider Nattoueu. DaS hieße aber deu Ereigniffeu bedeutend vorgreifen. Die Boulevardblätter, namentlichLibre Parole", begleiten die Spende mit unflätigen Artikeln.

Sitzung der Stabtoerorbndeit

am 14. Mai 1897.

Anwesend: Herr Oberbürgermeister Gnauth, die Herren Beigeordneten Georgi und Wolff, von Seiten der Stadtver­ordneten die Herren Brück, EmmeliuS, Faber, Flett, Dr. Gut­fletsch, Grünewald, Haubach, Helfrich, Heichelheim, Hehltgen-

staedt, Homberger, Jughardt, Keller, Kirch, Loos, LSber, Orbig, Petri, Dr. Ploch, Dr. Schäfer, Scheel, Schiele, Schmal, Dr. Thaer, Bogt und Wallenfels.

Auf der Tagesordnung standen zunächst drei Gesuche, bezüglich deren eS sich um ausnahmsweise uud widerrufliche Genehmigung vou GartenhauSbauteu handelt. Herr Jean Boeck will ein GarteuhäuSchen in seinem Garten an der Marburger- straße, Herr Theodor Brück eins tu setuem am Schtffen- berger Weg gelegenen Garten und Herr Laudgertchtsregistrator Jäger ein solches aus dem uebeu setuem Hause Ecke Goethe- und Lonystraße gelegenen städtischen Gelände errichten. Die Gesuche wurden befürwortet.

Herr Andrea» Euler, welchem die nachgesuchte Er- laubntß zum Bauen in der Steiustraße auf Grund des $ 16 des OrtSbaustatut» versagt worden war, hat ein neues Pro­jekt vorgelegt; da dasselbe indeß nur zu einem geringen Thetle eine Berbefferuug im Sinne des angezogeneu Para­graphen erfahren (Gesuchsteller will deu, deu Hof beengenden Anbau für die Treppe weglaffen und die Treppe tu da» Hau» verlegen), so erfolgt abermals Beanstandung des Gesuchs.

Nach Vorschlag deS Gaswerkes soll die Gasleitung in die Hosmannstraße eingeführt und in derselben drei Candelaber errichtet werden.

Die Pläne und generellen Voranschläge über die Her­stellung erhöhter Trottoirs und zwar Asphaltirnng am Markt und in der MäuSburg, sowie Pflasterung eines SieS- streifens auf dem nördlichen Bürgersteig de» Ltnd eupl atze» mtt gemustertem Mosaik werden genehmigt. Die Voranschlags- summe beträgt 5200 Mk.

Nach Bericht deS Stadtbauamtes haben wegen dringender anderweitiger Arbeiten die Vorarbeiten zur Wiederherstellung deS alten Schlosses am Kanzletberg noch nicht vor- genommen werden können, doch bedürfe zunächst der Heiden- thurm einer Erneuerung de» Dache», weil durch abfallende Schiefer Schaden iw botanischen Garten angertchtet würde - ebenso sollen die baufällig gewordenen Thetle de» gen. Ge­bäudes abgetragen werden. Dte Versammlung beschloß, enter Billigung des auf 1300 Mk. lautenden Voranschlag», de« Anträge de» Stadtbauamt» auch insofern stattzugeben, al» letzteres ermächtigt wird, die Arbeiten im Taglohn an ge­eignet erscheinende Meister zu übertragen.

Der Plan des Berschönerungsverein», auf der Hoch­warte ein AuSsichtSgerüst zu errichten, war vor einiger Zeit von der Stadtverordneten-Versammlung zurückgegeben worden mit der Erwägung, ob nicht an Stelle des Gerüst» ein AusfichtSthurw zu errichten fei. Es haben inzwischen wettere Erwägungen und Meffungeu stattgefunden, woraus aber her­vorgeht, daß zur Ermöglichung einer Aussicht nach allen

Wochenbriefe au« der Nrsiden).

(Originalbericht de»Gießener Anzeigers").

Z. Darmstadt, 14. Mai.

8m Radwettfahren. BrahmS Gedächtrnibfeierlichkeite». Bo« Hostheater.

Ein großer Kampf war zwischen den beiden bedeutendsten htefigen Radsportvereinen auSgebrochen, demRad fahr er,- Verein" und demBichcle-Club", ein Streit, bei dem beide Vereine nichts gewinnen und die sportliche Sache nur verlieren konnte, aber ein gewiffeS Jutereffe hatte der AuS- trag dieses Streites schließlich doch gehabt. Beide Vereine hatten für ihre Frühjahrsrennen nämlich den gleichen Termin bestimmt, vergangenen Sonntag, und während dte erstgenannte Bereintguug dte hervorragendsten Berufsfahrer des In- und Auslandes, August Lehr und Joseph Fischer an der Spitze, unter ihren Nennungen anzeigte, hatte der Bichcle-Elub, deffen nach den neuesten sportlichen Vorschriften erbaute Renn­bahn die Bewunderung aller Jutereffeoten erregte, efl ver- standen, die ersten Amateurfahrer, darunter dte Brüder Opel, Wilke u. a., für seine Veranstaltung zu gewinnen. Hätte baS bekannteMailüfterl" sich nur etwa» weniger ange­strengt, so wäre eS zu der originellen Kraftprobe gekommen, welcher von beiden Klaffen von Fahrern das größere In- tereffe des Publikums gehörte. Jndeffen, wie schon ange­deutet, machte der Himmel ein so unangenehmes Gesicht, daß der Btcycle Elub sein Rennen auSfalleu ließ, um eS vierzehn Tage später bei hoffentlich günstigerem Wetter abzuhalten. Der Radfahrer-Verein wagte e», trotz der schlechten Witte­rung, und e» gelang ihm. Die Bahn war nach dem Urtheil der Fachleute in bestem Zustande und die gefahrenen Tempi ließen nichts zu wünschen übrig. DaS größte Jntereffe bean­

spruchte das dritte für Berufsfahrer offene Rennen über 5000 Meter, in dem Aug. Lehr-Frankfurt die ebenfalls vorzüglich fahrenden Käs er-Basel und Fischer-München mit überlegenem Endspurt besiegte. Auch daS Mehrfitzer- Borgabefahren für Berufsfahrer über 3000 Meter war außerordentlich scharf und spannend. Käser und Müller- Basel fiegten hier über dte Paare Fischer-Herth und Theodor uud Earl Heß-Mannheim. Dte Rennen waren vorzügltch besucht, namentlich auch von auswärts- auch Se. Großh. Hoheit Prinz Wilhelm, der hohe Protektor des Vereins, zeichnete fie durch seine Anwesenheit aus. Der fest­gebende Verein darf stolz sein auf seine Veranstaltung, die, trotzdem in, wie die TageSblätter melden, juicht weniger als 12 deutschen Städten, darunter Sportsplätzen ersten Range-, am gleichen Tage ebenfalls Rennen stattfauden, so ausge­zeichnete Fahrer zusammenbrachte.

Wie tu vielen anderen Städten haben auch hier die Gedächtnißfeierltchketten für den verstorbenen Ton­meister Johannes Brahms noch einmal am Schluffe der Saison den Eoncertsäleo die Thore zu reichem Besuche ge­öffnet. Der Richard Wagner-Verein begann am ver­gangenen SamStag seinen dem Andenken deS genialen Todteu geweihten BeretnSabeud mit dem prächtigen Vortrag des 3. und 4. Satzes aus dem Clavierquartett io G-moll op. 25 durch die aus Musikern ersten Ranges bestehende Kammer- mufit-Bereinigung des hiesigenMozartvereinS". Fräulein M. Borchers vom hiesigen Hoftheater brachte dann drei Lieder in fein empfundener, künstlerisch vollendeter Wieder­gabe zu Gehör, endlich spiele Fräulein Frieda Hodapp, eine Schülerin deS Frankfurters James Kwaft, dte eminent schwierigen Llavier-Bariationeu tu A-moll über ein Thema von Paganini in ganz brillanter Weise, so daß daS Publikum mit seinem Beifall fast keine Grenze kannte. In dem zahl­reich besuchten Loncerte wirkten aaßer den Genannten noch

Hofsänger Bassermaun und eine Reihe hervorragender Dilettanten mit.

Mittlerweile bereitet auch derMustkverein" eine ähnliche Feier vor, deren mit erlesenem Geschmack auSge- wählteS Programm u. tu auch die Aufführung von Brahms' unvergänglichem ChorwerkRänie" (Gedicht von Schiller) in Aussicht stellt. Da auch zu diesem Eoncerte Kunstkräfte ersten Ranges, wie Fräulein Plüddemanu (BreSlau) und Dr. Felix KrauS (Wien) ihre Mitwirkung zugesagt haben, so wird eS sicherlich nicht hinter dem deS Richard Wagner- Verein» an künstlerischer Bedeutung zurückstehen.

DaS Großh. Hoftheater hat nun nach einer an künstlerischen und finanziellen Erfolgen reichen Saison seine Pforten geschloffen. Leider verlassen das Institut wir Ab­lauf dieser Spielzeit einige außerordentlich beliebte Mit- glieder, so die seitherige Primadonna Fräulein Henntz Borchers, die so ausgezeichnete Vertreterin namentlich Waguer'scher Frauengestalten. Die Abschiedsvorstellung der scheidenden Künstlerin (Tannhäuser"), welche zum Benefiz des Hoftheaterchors stattfand, gestaltete fich zu einem Herr- lichen Triumphe für fie, mit dem das den weiten Raum bi» auf den letzten Platz füllende, enthufiaSmirte Publikum der Gehenden die Gefühle tiefen Danke» und treuen Andenken» tu großartiger Weise kundgab.

In SmetanasDalibor" dürste der ebenfalls die seit­herige Wirkungsstätte verlassende Herr Hofsänger Basser- mann die gleichen Beweise der Liebe und Verehrung de» Darmstädter Publikums entgegennehmen. Auch er hat fich um die Annalen der Hosbühne eine ehrende Stelle erworben. Schließlich sei noch de» Auftretens der früheren hiesigen jugendlichen Sängerin Fräulein Egli vom Berliner Theater lobend gedacht, die in der Benefiz-Vorstellung für den Wittweu- und Waiseo-Fonds der Hofmnfik al»Santnzza" rauschenden Beifall ernten konnte.