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16.1.1897 Erstes Blatt
 
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Samstag den 16. Januar

Nr. 13

Vierteljähriger

Kenerat-Wnzeiger.

clrnts- imfc Anzeigeblatt für den ICreis Grsfzen.

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Die Gießener Iamitienbkälter werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal bcigelegt.

Der

Hleßener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Erstes Blatt.

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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr.

Gratisbeilage: Gießener Kamitienölätter.

Alle Annoncen-Bureaux des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Hmilfcfcer Theil.

Bekanntmachung, betreffend die Maul« und Klauenseuche zu Eberstadt und Ober-Hörgern.

Nachdem die Maul« und Klauenseuche zu Eberftadt und Ober«Hörgern erloschen ist, werden die angeordneteu Sperrmaßregeln hiermit ausgehoben.

Gießen, den 15. Januar 1897.

Großherzogliches KreiSamt Gießen.

v. Gagern.

Versucher Aeichsretzg.

152. Pleuarfitzuug. Donnerstag den 14 Januar 1897.

Die Berathung des Etats des Reichsamts des Innern, Oehallstttet Staalssecretär, wird fortgesetzt.

Abg. Reiß Haus (Soc.) verlangt staatliches Eingreifen zu Gunsten der Arbeiter und Arbeiterinnen der Confectionstndustrie, die ein wahres Sclaoendasetn bei Hungerlöhnen führten. Der Strike im Vorjahre habe einen Nutzen höchstens insofern gebracht, als er für den Augenblick ein noch weiteres Herabdrücken der Löhne ver­hindert habe. Es bedürfe einer Controle der Werkstätten wegen der nicht Selten von ihnen ausgehenden Verbreitung von Jnfeclions- krankhetten, so Influenza. Besonders bedenklich sei in sanitärer Hinsicht die Heimarbeit. In England mache der Staat bet keinem Arbeitgeber Bestellungen, der Arbeit in die Wohnungen mttgebe. Bet uns sollte ebenso vorgegangen werden. Mitschuldig an den Ver- hLltnissen in der Branche sei die ungesunde Concurrenz. So habe ein KlosterZum guten Hirten" in München einen Laden, in dem e8 im Kloster verfertigte Waare verkaufen lasse. Einer ganz besonderen Untersuchung von Reichs wegen bedürfe das Mitarbeiten der Kinder in der Hausindustrie, und zwar von Kindern bis zu fünf Jahren ^^Äbg. Werner (Ref.-P): Der Staat als größter Arbeitgeber sei in erster Linie dazu verpflichtet, seine Arbeiter im Lohn aus­kömmlich zu stellen. Beschneiden solle man vor Allem die Concurrenz der Znchthausarbett. Redner sragt, was die Regierung gegen die Umgehung des Börsengesetzes durch die Börsen-Jnterefsenten thun ÖDlIe 360. Schönlank(Soc.) beschwert sich über angeblich consequente Beeinträchtiguna des Coalitionsrechts der Arbeiter in Sachsen. Der Abgeordnete Hoffmann habe dort nicht einmal seinen Wählern Bericht über seine Thältgkctt im Reichstage erstatten können.

Sächs. Geh. Rath Fischbach erwiderte, die vom Vorredner erwähnten Fälle seien ihm nicht bekannt, er werde spater daraus 1UtÜdabam®raf Stolberg (cons.) führt das große Elend der Industriearbeiter in den Städten hauptsächlich zurück auf den^ über­großen Zuzug der Arbeiter vom platten Lande nach den Städten. Hiergegen sollten die Socialdemokraten ihren Einfluß geltend "°^Äbg. Molkenbuhr (Soc.) erhebt Beschwerde darüber, daß bei dem gegenwärtigen Ausstande in Hamburg die Unternehmer die von ihnen herangeholten Strtkebrecher nicht nur im Zollauskandshafen angesiedelt hätten, sondern auch daselbst mit zollfreien Nahrungs­mitteln verpflegten. Neuerdings seien ja nun die Unternehmer ge­zwungen worden, die Verköstigung der Arbeiter nur mit verzollter Waare erfolgen zu lassen, aber eine Nachverzollung der bis dahin verbrauchten Waare sei unterblieben. Es sei ein Bruch des Zoll- anschluhvertrags und zwar lediglich zu dem Zwecke, die Rheder bei ihrer Lohndrückerei zu unterstützen. , . _

Schatzsecretär Gras Pofadowsky: Das Wohnen in den Ge­bäuden bezw Schuppen des Freihafengebiets habe der Hamburger Senat verboten. Gegen das Wohnen der Arbeiter aus den Schiffen, auf dem Wasser, habe dagegen der Senat Einspruch nicht erhoben, ebensowenig der Reichscommissar, da es durch den Zollanfchlußvertrag nicht untersagt sei. Die Bestimmungen desselben hätten nur den Zweck der Zollsicherhett und diese sei gerade dann eine größere, wenn die aus dem Jnlande herangezogcnen Arbeiter nicht zwischen Zoll­inland und Zollausland hin und her verkehrten, sondern wenn ihr ganzer Verkehr sich dauernd innerhalb des Freihafens bewege. Hiernach seien die Vorwürfe des Vorredners gegen den Senat un­berechtigt. Es handle sich hier um ein vorübergehendes Wohnen der Leute auf dem Waffer, würde es sich um einen dauernden Zustand handeln, dann würde natürlich der Zollanschlußvertrag einer Er- gänzu^^dürfen.^r p stellt fest, daß die Dividenden der

Hamburger Rbederei von 1886/95 nur 23 Millionen Mark betragen hätten und abzüglich der inzwischen erlittenenBetriebsverluste rtbucire sich diese Summe sogar auf nur 14'/« Millionen, das mache auf 561 Millionen Capital nur 2,53pCt. Dazu komm-, daß seit den günstigsten Jahren 1889/90 eine dauernde erhebliche Abwärtsbewegung in den Erträgen eingetreten sei. Das sollten die Strikenden bedenken. Trete erst wieder ein Aufschwung der Rhederei ein, so würden auch die Heuer wieder steigern. Redner spricht dann noch die Hoffnung aus, daß der Frieden zwischen den Rhedern und> ben *&$**&* nicht mehr lange auf sich warten lassen werde. Die Seeleute hätten sich ja auch bereits von den Strikenden getrennt.

Abg. Hüpeden (fracttonslos) tritt gegenüber dem Abg. o. Stumm für die Arbeiter-Organisation ein. Er selbst sei v. Stumm den Soctaldemokraten zugewiesen worden, den Kindern der Holle. (Heiterkeit.) Aber mit dem bloßen Dreinschlagen mit dem Hammer (Heiterkeit) könne man Niemanden moralisch tobt machen.

Abg. Frhr. v. Stumm stellt abermals in Abrede, daß er die Arbeiter-Organisationen, die er allerdings nicht wünsche, auch zu­gleich verwünsche. Nach den gestrigen und heutigen Ausführungen Hüpedens könne er denselben nicht mehr ernst nehmen-

Abg. Brühne (Soc.) verlangt Ausdehnung des Unterfiützungs.

wohnfitzgesetzeS auf Elsaß-Lothringen und die anderen süddeutschen Staaten.

Staatssecretär o. Bötticher kann eine dahingehende Vorlage hinsichtlich Elfaß Lothringens nicht in Aussicht stellen. Die elsaß- lothringische Regierung habe übrigens behufs Abstellung einzelner M ßstände neuerdings einen Vertrag mit Baden abgeschlossen und andere solche Spec«alverträge in Aussicht genommen.

Bayerischer Bevollmächtigter v. Herrmann lehnt das Ver­langen Brühnes bezüglich der anderen süddeutschen Staaten ab unter Hinweis auf deren Referverechte.

Auch die Abgg. Höffel (S. P.) als Elfäffer und Barth (fr. Vp.) als Bayer widersprechen dem Wunsch Brühnes, ebenso dessen Fractionsgenosse Grillenberger (ebenfalls Bayer).

Abg. Hitze (Ctr.) tritt dem Vorwurf ReißhauS entgegen, daß katholische Schwestern den Confectionsarbeiterinnen Concurrenz machten. Daß Schwestern, die zu ihrer Lebensaufgabe die Fürsorge für Arme und Kranke und für die Opfer sittlicher Verführung ge­macht haben, diese letzteren in ihren Häusern auch mit ConsectionS- arbett beschäftigten, darin werde doch auch Reibhaus nichts ftnben.

Nachbem noch v. Kardorfs ett art, das Bayerische Heimaths- recht dem Unterstützungswohnsttzgesetz vorzuziehen, wird endlich Titel Gchalt des StaatssecretSrs genehmigt.

Bei einem weiteren Titel erklärt auf eine Anfrage Staats­secretär v.Bötticher, ob der Fischereivel trag mit Holland zu erneuern bezw. wie er etwa abzuändern sei, darüber schwebten noch die Ver­handlungen. Weiter et klärt der Staatssecretär, der Entwurf betr. Revision des Alters- und Jnvaliditätsgesetzes fei fertiggestellt und jetzt im Ausschuß des Bundesraths, der sich in etwa 14 Tagen im Plenum damit beschäftigen werde. Ein En'wurf, bezw. Novelle zur Seemannsordnung sei von der technifchen Deputation fertiggestellt und den intereffirten Staaten zugegangen. Wann er an den Reichs­tag komme, lasse sich noch nicht sagen, jedenfalls werde die Sache mit Dampf betrieben werden.

Bei den Seeämtern bemängelt

Abg. Jebfen (nl.) daß bei uns in Deutschland die Entziehung des Schiffspatents stets eine solche für immer fei.

Der Etat wird bis einschließlich Capitel Normal-Aichungs- Commisston erledigt.

Morgen 1 Uhr Fortsetzung-

Schluß 5Vi Uhr.

Deutsche- Reich.

Berlin, 14. Januar.Wann wird der Hafenarbeiter« strike sein Ende nehmen?" so fragt man sich jetzt all­gemein in Hamburg mit besorgten Mienen, denn mit jedem Tage wird klarer, daß eine CrisiS heranschleicht. Nach den Informationen, die derFranks. Ztg." zugehen, muß der Schaden, den der Strike bisher verursacht hat, auf 50 Mlll. Mk. beziffert werden. Daß dies keine lieber» treibung ist, ergiebt sich, wenn man Folgendes bedenkt: Seit Anfang November erleiden Güter im Werthe von etwa 500 Mrll. Mk. eine Verspätung der Ablieferung von 3 biß 4 Wochen, das ergibt einen Zinsenverluft von 5 Millionen Mark- die Kosten, welche durch die längere Lagerung bedingt sind, vertheuern die Waare um mindestens ebensoviel- die Transportkosten haben sich häufig verdoppelt und die Con« janctur Verluste betragen bet vielen Artikeln 510 Procent. Alles zusammengenommen läßt jene Summe gewiß nicht zu hoch erscheinen.

Wslffk telegraphisches SorrissonbeNz-BrireaN.

Berlin, 14.Januar. Zur Feier der 100. Wieder­kehr des Geburtstages Kaiser Wilhelm I. durch den Kyffhäuser«Verband deS Vereins deutscher Studenten in Berlin fand gestern eine Begrüßung der auswärtigen Vereine deutscher Studenten und der befreundeten Verbindungen, so­wie der ausländischen deutschen Studentenschaft statt. Heute Vormittag wurde ein Kranz am Sarge des Kaisers im Mausoleum zu Charlottenburg niedergelegt. Alsdann be­wegte sich der festliche Wagenzug nach dem Kreuzberg, wo der Vorsitzende des Kyffhäuser-VerbandeS, Peisker, eine kurze Ansprache hielt. Abends findet in der Philharmonie ein großer Festcommers statt, zu dem Admiral v. Knorr, Staats­secretär v. Hollmann, sowie die Generäle v. Schlteffen, Pleffen, Mischkc und Andere ihr Erscheinen zugesagt haben. Candidat PetSker bringt das Hoch auf den Kaiser aus, die Festrede hält Redacteur Eichler.

Berlin, 14. Januar. DieNordd. Allgem. Ztg." em­pfiehlt unter Hinweis auf die neuerdings erschwerte Ein­wanderung unerwünschter Personen in taS Transvaal« land den deutschen Auswanderern, sich mit Pässen zu versehen, welche von dem consularischen Vertreter Transvaals zu visiren sind und in denen der Besitz genügender Subsistenz­mittel zu bescheinigen ist. DaS Blatt empfiehlt ferner, daß die Auswanderer sich sofort nach ihrer Ankunft bet dem deutschen Consulate in Prätoria melden.

Halle a. d. E, 13. Januar. Die hiesige freie Ver­einigung der Getreide Händler beschloß in der heutigen Generalversammlung, sämmtliche Notirungen einzustellen.

Thorn, 14. Januar. Die hiesige Handelskammer ver­öffentlichte bisher dreimal wöchentlich Notirungen von Thorner Getreidepreisen. Die Richtigkeit der Not rungeu wurde von landwirthschastlichen Vereinen wieder­holt angegriffen. Die Handelskammer beschloß infolgedeffen, die Norirungen nicht mehr zu veröffentlichen.

Zürich, 14. Januar. DaS Bezirksgericht hat den früheren Candtdaten v. Wächter von der Anklage wegen Vergehens gegen die Sittlichkeit freigesprochen.

Genf, 14. Januar. In der letzten Nacht ist das fünf Stock hohe, alleinstehende Requisitenhaus des Stadt- theaterS mit feinem ganzen Inhalte vollständig nieder« gebrannt. Der Schaden ist bedeutend.

Innsbruck, 14. Januar. Eine in Jenbach unter dem Vorsitze des hiesigen StaatSbahn-DirectorS gestern abge- haltene Versammlung vereinbarte ein Hauptprogramm für eine in Station Jenbach einmündende Zillerthalbahn. Der CouceffionSwerber ist Dr-yfuS. Der Bau beginnt voraussichtlich in diesem Frühjahre.

Triest, 14. Januar. Der LlohddawpserImperator" in Suez erhielt, weil der au Bord vorgekommene Krankheits­fall kein Pestfall war, freie Fahrt und hat die Fahrt nach Triest fortgesetzt.

Paris, 14. Januar. DerMatin" erklärt für un« richtig, daß Präsident Faure betreffs der Gründung einer AlterSversorgungßkasse die Initiative ergriffen habe. Der Präsident der Republik bringe zwar der Frage daß größte Jntereffe entgegen, doch könne eine derartige Grün­dung, welche etwa 4 Milliarden beanspruche, nicht auß der Privatinitiative hervorgehen.

Amsterdam, 14. Januar. Wie auß Haag gemeldet wirb, h2brn gestern Abend einige Individuen vor der Wvh« nung des spanischen Gesandten die Marseillaise gesungen und Kundgebungen zu Gunsten der Anarchisten ver« austaltet. Die Polizei hat die Untersuchung der Angelegen­heit, der jedoch wenig Bedeutung beigelegt werde, in die Hand genommen. '

Depeschen des BureauHerold".

Berlin, 14. Januar. Se. Majestät der Kaiser hörte heute Vormittag den Vortrag des Kriegsministers v. Goßler. Hieran anschließend arbeitete der Kaiser mit dem General v. Hahnke. Nachmittags um 3 Uhr ließ sich der Kaiser im Weißen Saale des Königlichen Schlosses die in diesem Jahre in die Armee eintretenden Cadetten vorstellen.

Berlin, 14. Januar. Der Gesetzentwurf über die Ab­änderung der JnvaliditätS« und AlterSver- , ich er ung hat, wie verlautet, in den Ausschüssen des Bundes- rathS mannigfache Abänderungen erfahren.

Berlin, 14. Januar. Das Centrum hat im Reichs­tage einen Antrag eingebracht auf Erlaß einer lex Hcintze nach den früheren dem Reichstage vorgelegten Bestimmungen mit der Verschärfung, daß unsittliche Darstellungen tu den Theatern auch in den Bereich dieses Gesetzes fallen sollen.

Berlin, 14. Januar. DaS Abgeordnetenhaus erledigte heute das Schuldentilgungsgesetz in zweiter Lesung und nahm die Resolution der Commission betreffend Scheidung der Eisenbahnen von den allgemeinen Staatsfinanzen debatteloß an. Auch die Novelle zum Fortbildungsschulgesetz für West« preuhen und Posen gelangte in zweiter Lesung zur Annahme. Nächste Sitzung SamStag 11 Uhr. Dritte Lesung deS Lehrer« Besoldungsgesetzes. _

Berlin, 14. Januar. Wie dieNordd. Allgem. Ztg." hört, waren bis vor einigen Tagen nur etwa 50000 Mark der vierprocentigen ConsolS zur Auszahlung an­gemeldet. Die für diese Anmeldung festgesetzte Dreiwöchent­liche Frist läuft am 20. d. M. ab.

Berlin, 14. Januar. In der Budget-Commission des Reichstages wurde heute die Berathung des Etats der Post- und Telegraphen-Verwaltung fortgesetzt. Dw Petitionen wegen Erhöhung der Gewichtsgrenze für einfache Briefe wurden der Regierung zur Erwägung, die Petirionen wegen Ermäßigung der Telephongebühren als Material über­wiesen. Ein Antrag Lingens (Ctr.), welcher die Be­schränkung deS PacketverkehrS am Sonntag empfiehlt, wurde angenommen. . ,,

Berlin, 14. Januar. Wegen Anstiftung zu dem Ueberfall auf den Kaufmann Brock wurde heute die Verkäuferin Martha Krause verhaftet.

Berlin, 14. Januar. DerPost wird von zuver­lässiger Seite aus Kopenhagen gemeldet, daß der dänische GesandtschaftSposten in Parts, welcher durch den Tod dcS Grasen Molike Zvitse'.d erledigt ist, demnächst mit