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15/10/1897 Erstes Blatt
 
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segoeudeS Antlitz auf Dich. Diesen Segenswunsch send ich für Dich empor.

Und also ruf ich Dich nun und nenne zuerst Dich bei Kanten.

Kaiser Friedrich!

Der schwankenden, wechfelndeu Woge gehörest Du nun on, aber Über Dir walte «immer schwankend noch wechselnd der Segen Gottes.

Fahre hin!

* Andernach, 13. Oktober. Ja dem benachbarten Kruft schüttete ein Mädchen beim Feueranzündea Petroleum in die Glueh, die Kanne rxplodirte und baß Mädchen ver­brannte. Die vom Felde heimkehrenden Eltern fanden die verkohlte Leiche ihres Kindes.

Iabilaen. In dem Kirchdorf Dinker bei Soest trifft der gewiß sehr seltene Fall zu, daß fich seit 200 Jahren das Amt des GemetndelehrerS, des Küsters und Organisten von dem Bater auf den Sohn vererbt hat. Die Lehrerfamilir Dahlhof ist während der 200jährigen Wirksamkeit ganz eng mit der Gemeinde verwachsen und ihr lieb und werth geworden. Der jetzige Inhaber der Stelle, Friedrich Dahl- Hof, feierte kürzlich sein 25 jähriges Dieostjubtlaum, das von der ganzen Gemeinde festlich begangen wurde.

* Dromberg, 13. Oktober. Das Schwurgericht der« nrtheilte heute den Arbeiter Monka aus Ltschkowo zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe. Monka hatte am 30. Juni KachtS ein Etnwohnerhaus in Ltschkowo vorsätzlich ange- jzündet. Da» HauS brannte nieder und acht Personen kamen in den Flammen um.

* Leipzig, 12. Oktober. Heute Abend wurde hier ein "Raubmord an einer 76jährigen Dame verübt- der 23jährtge Mörder ist entflohen.

* Der Zu, nach der Großstadt. Wie groß trotz der eindringlichsten Warnungen dennoch der Zuzug junger Mädchen vach Berlin ist, welche dort als Dienstmädchen Stellung Suchen wollen, dürfte die Thatsache beweisen, daß fich in Einem am SamStag von Dtrschau ankommenden Zuge nicht weniger als 105 solcher stellungsuchenden Mädchen befanden.

* Aufsatz einer Zehnjährigen über das Baby. Offenbar nach dem Muster des berühmten Polackenaufsatzes über den »Katz" ist nachstehender Aufsatz einer Zehnjährigen ge> urbeitet, der sich in folgender ungemein belehrender Weise über die BabteS verbreitet:Die Babies find die kleinsten Menschen, die es giebt. Bet uns giebt eS immer eins und »venu das anfangt zu laufen, kommt ein anderes und dann ist das das Baby. In unserer Straße sind sehr viele BabteS. In jede» HauS eins und jetzt der Sonn scheint kommen alle auf die Straß und da sieht man erst, wie viel da sind. In rnanchen Babywagen fitzen zwei BabteS, eins mit dem Kopp hin, das andere mit dem Kopp her diese heißt inan Zwillinge und sehen so ähnlich, daß wenn man lins fieht, meint man eS ist das andere. Die Babies find sehr lieb und gut wenn fie schlafen. Wenn man fie aber wascht oder fie bei der Nacht aufwecken, dann schreien fie und man muß mit ihnen hin und hergehen und fie schilt« rein und zu ihnen fingen. Wenn man fie aber nicht schreien läßt, dann schreien fie noch mehr. Jedes war einmal ein Baby. Großpapa auch, er hat aber damals nicht so auS- Aeseheu wie jetzt: Keine Haare hat er schon gehabt, aber weißen Bart nicht, so sagt meine Mama, die ihn damals ßchon gekannt hat. Die BabteS haben keine Zähne und nichts anders im Mund wie den Daum. Woher die BabteS kommen,

weiß man nicht ganz sicher. Einer sagt, der Storch bringt fie und der andere sagt die Frau Müllern.

Wie man ein Vermögen von 12 Millionen Dollars in 25 Jahren durchbringen kann, hat Parker Corning in New-Aork vor der zuständigen Behörde erzählt, um klar zu machen, daß daS von seinem Bater EraSmuS Corning hinterlaffene Vermögen nicht 81000 Dollars betrage. Der Gründer deS Hauses und Vater von EraSmuS Corning hatte im Cisengeschäft ein großes Vermögen zusammengebrawt, allein der Sohn, der zu Anfang der fiebziger Jahre zwölf Millionen Dollars erbte, brachte davon in fünf Jahren drei Millionen Dollars durch. Er gab Feste, wie man fie noch nicht gesehen batte, hielt einen großen Rennstall, schaffte sich eine Collection Orchideen an, die allein eine Million Dollar kostete, und gab auch viel Geld für Politik auS. Bei seiner zweiten Hetrath vermachte er seiner Frau eine Million Dollar und verschleuderte immer mehr Geld, so daß er am 29. August d. I verdältntßmäßig atm starb.

Schrffsirachr*tchten.

Der PostdampferKensington" derRed Star Linie" in Antwerpen ist laut Telegramm am 11. Oktober wohlbehalten in Newyork angekommen.

Norddeutscher Lloyd, in Gießen vertreten durch die Agenten Carl Laos und I. M. Schulhof.

Bremen, 13. Oktober. (Per transatlantischen Telegraph.! Der Postdampfer München, Capt. W. Kuhlmann, vom Norddeutscher Lloyd in Bremen, ist gestern 5 Uhr Nachmittags wohlbehalten in Baltimore angekommen.

Bremen, 13. Oktober. sPer transatlantischen Telegraph! Der Postdampfer Ellen Rtckmers, Capt. R Heintze, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern 10 Uhr Vormittags wohlbehalten ir. Baltimore angekommen.

Citeraitu? unb Aunsr.

Theodor Storms sLmmttiche Werke, Neue Ausgabe, erschienen nunmehr im Verlage von George Westermann, Braun­schweig und stellen die gesammten zu einem Körper vereinigten Dichtungen in acht Bänden dar. Den Bänden werden acht Illu­strationen, und zwar vier Portraits deS Dichters in verschiedenen Lebensaltern und vier Ansichten seiner Heimstätten, beigegeben, so daß jeder Band eine Illustration enthalten wird. Die Neue Ausgabe, die trotz ihres billigen Preises in würdiger Weise auSgestattet ist, soll zunächst in Lieferungen crfcheinen, um jedem Freund deS Dichters die Anschaffung zu erleichtern. Die Verlagshandlung hofft, daß der billige Preis und die bequeme Art deS Bezuges dieser Neuen Aus­gabe die weiteste Verbrettung verschaffen und die Zahl Derjenigen vermehren werden, die in Theodor Storm einen lieben Hausfreund verehren. Dann wird sich erfüllen, was Prof. Dr, Erich Schmidt in Berlin, der dem Dichter in jahrelanger Freundschaft nahe ge­standen hat, in dem Nachruf, den er nach Storms Tode veröffent­lichte, ausspricht:In seinen Werken bleibt Storm lebendig, lebendig auch für die Kommenden, die lesen werden, was er Liebes, Gutes, Großes vor Zeiten geschrieben bat."

Als Vorbote deS neuen Jahres und zugleich als ein dank­bares, wohlfeiles Weihnachtsgeschenk hat sich der Daheim-Kalende* auf das Jahr 1898 (Verlag von Velhagen & Klasing in Biele­feld und Leipzig) wiederum eingestellt, ein vornehm ausgefiatteter, indaltreicher und schön illustrirter Kalender. Neben dem, was ein Kalender bringen muß, bietet der Daheim Kalender in sorgfältigster Auswahl nur Gediegenes zur Unterhaltung, Anregung und Be­lehrung. Eine anmuthige, hübsch illustrtrie Familiengeschichte hat H. DenartusDie meteorologische Station" überschrieben, B. Schulze« Schmidt ist mit einer köstlichen Sommerferien-NovelletteMonas Liebesgeschichte" vertreten, die O. Gerlach frisch illustrirt bat. Ein treffliches Lebensbild d's Präsidenten der Südafrikanischen Republik, Paul Krüger, von A. Merenski, ein kleines Handbuch der deutschen Colonien, eine mit trefflichen Porträts verseheneTodtenschau", ein eigenerFrauen Kalender" mit Handarbeiten, praktischen Abhand­

lungen und Hauspoefie, schöne Holzschnitt- und Farbendruckbildcr vervollständigen den Inhalt des vornehmen Kalender«, der sich in seinem freundlichen, soliden Einbande auch äußerlich vorthetlha't einführt.

Universität»»Nachrichten.

Breslau, 13. Oktober. Der Direktor deS physiologische» Instituts an der hiesigen Universität, Geheimer Medicinalrath Pro- feffor Rudolf Heidenhain ist gestorben.

voiresmrull in der Synagoge

Samstag den 16. Oktober 1897.

Borabend 5» Uhr, Morgen« 8» Uhr, Nachmittags 4 Uh, SabbathauSgang 615 Uhr.

Verkehr, Catifc* tinO VoUswinyschaff

13 Oktober. Fruchtmarkt. Roth er Wetze,

X 16,83, weißer Weizen X 00.00, Korn X 11.39, Gerste X JO 18, Haier x 6.67.

Mlht dn blinde Infall rntfdjeiöet bei der »Lotterie der VII. Anteruatiorrale« KvnA,««S« stellung Mönchen", sondern eS entfällt auf Grund des überaus günstigen Gewinnplanes auf je 10 forttaufende LooSnummer« mindestens 1 Treffer (garantirt) Die Lotterie enthält 20,000 Treffer auf 200,000 Loose ä 1 Mark, darunter große Haupt gewinne, im Wertbe von 15,000 Mk., 10 000 Mk«, 5000 Mk«, 8000 Mk., 2000 Mk«, 1800 Mk , 1500 Mk. ie. Loose sind zu haben in allen größeren Loosgeschäften. DaS unter­zeichnete Bureau versendet a) gegen Einsendung von 10 Mark 10 fortlaufende ^LooSnummer« mit mindestens 1 Treffer (garantirt), b) gegen Einsendung von 20 Mark 21 fort laufende LooSnummern (l FreilooS) mit mindestens 2 Treffer« (garantirt), c) einzelne Loose gege« Gtnsend««g von ä 1 Mark.

8^ Ziehuna am 15. November 1897.

Für Francozusendung (bis zu 10 Loosen in Deutschland 10 Pfennig Ausland 20 Pfennig) Porto erbeten. Wird die LooS, Sendung ,Si«geschrieben" gewünscht, so sind fernere 20 Pfennig für francirte Zusendung der Ziehungsliste sofort nach der Ziehung weitere 20 Pfennig beizufügen.

Ausführlicher Prospekt mit Gewinnplan auf Wunsch gratis und franko.

DaS Lotteriebureo« der VII. Jäter«. «uustauSflevurrg München, im KSaigl. GlaSpalast. 9316

LebenSverstcherungS - Gesellschaft r« Leipzig, auf Gegenseitigkeit gegründet 1830 (alte Leipziger). Es sind vom 1. Januar bis Ende September 1897 4669 Versicherungen über 37345000 Mk. beantragt worden, 1 673 250 Mk. mehr als im gleichen Zeiträume des Vorjahres. Als gestorben wurden in derselben Zeit angemeldet 620 Mitglieder, die mit 4 367 150 Mk. versichert waren. Der Ver­sicherungsbestand stellte sich Ende September 1897 aus 68 489 Personen mit 504 Millionen Mark Versicherungssumme, das Vermögen auf 155 Millionen Mark. Für fällig gewordene Versicherungs­summen sind bis jetzt ausgezahlt 105 Millionen Mark, als Divi­denden an die Versicherten gewährt 52 Millionen Mark; Dioidenden- reserven in Höhe von 24 Millionen Mark liegen zur weiteren Vertheilung an die Versicherten bereit. Bei der alten Leipziger Gesell­schaft, die eine reine Gegenseitigkeitsanstalt ist, fließen alle Ueberschüsse den Versicherten wieder zu. Die Dividende der letzteren beträgt für die länger als fünf Jahre bestehenden Versicherungen im laufenden Jahre 42pCt. der ordentlichen Jahresprämie und bei abgekürzten Ver­sicherungen außerdem V/8p6t der Summe der gezahlten Zusatz­prämien.

^yers Konversations - Lexikon

(auch in Umtausch gegen älter« Werke) sowie alle andern Bücher i<?< liefert gegen Teilzahlungen von monatl. 3 M. an H. 0. Sperling, Buchhandlung, Stuttgart VII.

Bekanntmachung.

In Gemäßheit des Art. 23 des Volksschulgesetzes bringen wir hier­durch zur allgemeinen Kenntniß, daß die

Fortbildungsschule

Montag den 18. October l. I., im Stadtkuabeufchulhause beginnt und von da an wöchentlich zweimal abgehalten wird.

Zum Besuche derselben find alle Knaben verpflichtet, welche während der letzten drei Jahre aus der Volksschule entlassen wurden und sich hier aufhalten.

Der Unterricht findet von 3 bis 5 Uhr Nachmittags, bezw. 5 bis

7 Uhr Abends, statt.

Es haben sich einzufinden:

Montag den 18. October, Nachmittags 3 Uhr: Alle schulpflichtigen Kaufleute, soweit dieselben nicht die kaufmännische Fachschule besuchen, Schreiber, Schriftsetzer, Buchbinder, Geometer, Photographen, Graveure, Lithographen, Friseure, Sattler, Schneider, Kellner, Ausläufer, Gärtner, Bäcker.

Montag den 18. Oktober, Nachmittags 5 Uhr: Alle schulpflichtigen Maurer, Steinhauer, Zimmerleute, Dachdecker, Spengler, Schlosser, Schreiner, Glaser, Weißbinder, Lackirer, Tapezirer, Mechaniker und alle sonstigen Baukandwerker.

Dienstag den 19. Oktober, Nachmittags 5 Uhr: Alle übrigen Schulpflichtigen.

Unter Hinweis auf Art. 25 des Volksschulgesetz-s, wonach Lehr- Herren, Dienstherren und Arbeitgeber ihren Lehrlingen, Dienern und Ar­beitern die zum Besuche der Fortbildungsschule nöthige Zett bei Meldung polizeilicher Strafen einzuräumen haben, ersuchen wir die Genannten, so- wie die beteiligten Eltern, Vormünder ic., den Schulpflichtigen von vor­stehender Bekanntmachung rechtzeitig Kenntniß geben zu wollen.

Gießen, den 12. October 1897. 9560

Für den Schulvorstand:

Gnauth, Hahn, Fuhr,

Oberbürg--rmeister.___Oberlehrer._______________

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Samstag, den 23. d. Nls., Bormittags ll'/r Uhr, öffentlich verdungen werden.

Arbeitsbeschreibung und Bedin­gungen liegen auf unserem Bureau, Zimmer Nr. 7, während der Dienst­stunden zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck sind bis zum genannten Termin einzureichen.

Zuschlagsfrist 14 Tage.

Gießen, den 12. October 1897.

Das Stadtbauamt:

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