Ausgabe 
15.4.1897 Zweites Blatt
 
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Feuilleton.

BsterMbrr.

Bon E. Greiner.

(Nachdruck »erbst«.)

Nun hatte auch droben auf dem Thüringer Walde der Frühling seinen Einzug gehalten. Nicht in linde«, leisem Wehen war er gekommen, sondern wie ein kecker, rnnth- williger Knabe war er plötzlich daher gestürmt und halte nach hartem Kampfe den grämlichen Winter in die Flucht geschlagen. Nun läuteten Schneeglöckchen da- Siegesfest ein, de« alles, was lebte und athmete, froh eutgegenjubelte.

Wie der schäumende Waldbach, seiner Eisesfeffel ledig, tm tollen Laufe thalabwartS schoß und im Borbeirennen die schläferigen Mühlräder wach drehte! Nun klapperten fie Tag und Nacht lustig ihre alte traute Weise,- Müller und Knappen waren rüstig an der Arbeit, und die alte gelähmte Großmutter plauderte wieder mit den Mahlgästen von ver­gangenen Zeiten, wo fie als junge Müllerin an der Seite des unvergeffenenSeligen" rührig für Zweie geschafft und alles in der Welt so viel schöner und beffer gewesen war als jetzt. Ja, wenn nur das Bärbchen, ihr schmuckes Enkelkind, wieder froh hätte dreinschauev mögen,- aber die ging einher, als ob für fie allein der Frühling nicht gekommen wäre, der doch alle Anderen so froh und glücklich machte! Und daran war wie die alte Frau meinte einzig und allein die neue Eisenbahn schuld, welche der Staat zur Hebung der Laude-industrie bauen ließ. Wie anders stände wohl heute alles, hätte nicht tm vergangenen Sommer der dunkelbärtige Herr Ingenieur fein Quartier in der Sorbttzmühle auf- geschlagen! Was war natürlicher, als daß jener fich alsbald in die hübsche HauStocher verliebte- das Bärbchen aber hätte kein junges Mädchen sein wüffen, wenn die zarten Aufmerk­samkeiten deS neuen Hausgenoffen nicht ihrer Eitelkeit hätte schmeicheln sollen. Gewiß, nur die liebe Eitelkeit, und nichts anderes, war es gewesen, denn im Grunde ihres Herzens war fie doch allein dem jungen Jäger gut. Aber was ver­steht solch ein Nimrod von unschuldigen Mädchentändeleien! Eine leichtfertige Kokette, die ihr falsches Spiel mit ihm ge­trieben, hatte er in seinem unverständigen Zorn daS Bärbchen gescholten, und dieses, von der unverdienten Kränkung in die

tiefste Seele getroffen, hatte dem Zorne Zorn, dem Trotze Trotz entgegengesetzt, bis das Unheil größer und größer ge­worden war. Mit welche« Rechte wollte auch Einer, dessen verlobte Braut sie doch noch nicht war, ihr Vorwürfe und Vorschriften machen? Bald genug freilich hatte ihr verletztes Selbstgefühl fich beruhigt, und fie gemeint, nun werde er komme« und ihr abbttten, mußte er doch längst etngeseheu haben, baß er ohne jeden Grund auf den fremden Baumeister eifersüchtig gewesen war. Aber die Zeit verstrich und er kam nicht. Thörichter Groll! Aber lag nicht eben darin ein Beweis für die Größe seiner Liebe? Wohlan, mochte er trotzen und fernbletben, bis sein Herz ihn schließlich um so stürmischer zu ihr trieb. Doch el war anders gekommen. Roderich Berger war im Herbst an daS eine Stunde ent­fernte Oberndorfer,Forftamt versetzt worden und eines Tages drang das Gerücht in die Sorbttzmühle, der alte Oberförster habe fich den schmucken neuen Assistenten zum künftigen Schwiegersohn erkoren.

Bärbchen hatte bei der Nachricht weder aufgeschrieen, noch war fie ohnmächtig geworden, nur ihr frohes Lachen war seitdem verstummt und die rosigen Wangen waren er­blaßt, und was der besorgte Vater auch aufgeboten, um sein einziges Kind wieder frisch und fröhlich zu sehen, es war nutzlos gewesen.

Der Gram frißt ihr das Herz ab," klagte die alte Großmutter,ach, die Eisenbahn, die verwünschte Eisenbahn!"

Nun war da- Mädchen aus der Pension tn der Residenz seit einigen Tagen wieder daheim. Sie hatte dorr während des Winters Concerte und Theater besucht und manche moderne Handfertigkeit gelernt, doch nicht so wieder daS Lachen, und die Wangen waren noch bleicher und schmaler geworden, so daß die Pension-Vorsteherin beim ersten Frühlingswehen be­sorgt zur Rückkehr in die heimischen Wälder und Berge ge­trieben. Und nun saß Bärbchen tn der noch kahlen Laube deS väterlichen Garrens, den feinen Kopf in die Hand ge- stützt, und lauschte den Glockenklängen der nahen Dorfkirche, die soeben daS morgende Fest einläuten. Ostern, wonniges Auferstehen!

Eine finstere Falte bildete sich zwischen deS Mädchens Augenbrauen: weßhalb Ostern und nicht lieber Todtenfest? Für fie stand ja doch daS Glück nicht wieder auf, sondern alles war tobt und verloren, verloren durch eigene Schuld.

Wenn es doch Heuer gar keinen Frühling geben wollte, den« mit den Blürhen, die er trieb, würde der Geliebte eine Andere schmücken. Ach, sterben können, sterben und von den Glocken in die letzte Rnh gesungen werdend

Hat daS Fräuleinchen etwa- nach Oberndorf zu be­stellen? Bin just auf dem Wege zur Frau Oberförsters, die zu morgen etwas GrüneS haben will."

ES war die alteKräntergustel", welche die ganze U«. gegend mit Grünzeug versorgte, daS fie drinnen in Erfurt holte, und die soeben bei Kaffee und einem Stück frischen Osterkucheu daS Klagelied der alten Müllerin mit ange­hört hatte.

Bärbchen war bei der unvermntheten Anrede der Händ. lerin erschreckt aufgefahren.

Danke, wüßte aber nicht, an wen ich in Oberndorf etwas zu bestellen hätte," gab fie, über und über erröthend, kurz zur Antwort.

Die Alte, statt mit dem erhaltenen Bescheid sich zufrieden zu geben, kreuzte die knochigen Hände über ihren Haselstoj.

Nun, könnt mirS beinah denken- deS SorbitzmülleiS einziges Kind gibt keinem ein gutes Wort, der mit seinen jungen Augen nicht sehen will, waS ich mit meinen alten sehe. HatS auch nicht nöthig, laufen genug junge Männ r in der Welt umher, und ists nicht derGrüne", so ist >| eben ein anderer. Aber zuvor muß das Uhrwerk immer wieder im Tact sein, und dazu wär' just die rechte Zeit: am heiligen Ostermorgen ein Herz in einen Baumstamm geritzt, darein einmal der Blitz gefahren, und wenn dann, nachdem die liebe Ostersonne ihre drei Freudensprüng' ge­wacht, ihr erster Strahl darauf fällt, ist daS eigene Heiz wieder heil und gesund, als ob's nie zuvor krank gewest,, und mit allem Jammer ist'S vorbei. Warum auch fich nm Einen grämen, der am End darüber lachen thut! Müßt jun solchen Baum," fuhr die Sprecherin mit geheiwnißvollem Augenblinzeln fort,drüben auf der rechten Seite trnrnrr dem Bache nach, 's ist eine Eicke, die da- Wetter einst gespalten, aber deßhalb steht der knorrige Kauz doL noch fest, als ob der liebe Herrgott ihn für die Ewigkeit geschaffen hätt'."

(Schluß folgt.)

Bekanntmachung.

Die Marktlauben Nr. 9, 10 und 11 sind noch frei und könnm für das Rechnungsjahr 1897/98 zum Preise von 42 Mk. abgegeben werden. Reflectanten wollen sich an die unterzeichnete Behörde wenden. Soweit dieselben unvermiethet bleiben sollten, können sie auch für einzelne Wochen gegen eine Miethe von 1 Mk. pro Woche abgegeben werden. Desfallsige Gesuche sind bei dem Hausverwalter Riebel im Thurmhaus am Brand vorzubringen, welcher auch mit der Erhebung der betr. Miethen beauftragt ist.

Gießen, den 12. April 1897.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

Gnauth. 3718

Erweiterung des Wasserwerks Alten-Meck.

Die Arbeiten und Lieferungen zur Erweiterung des Wasserwerks Alten-Buseck bei Gießen und zwar:

1. die Lieferung von 1700 m gußeisernen Muffenröhren von 60 bis 80 mm l. W. und ca. 2000 kg bearbeiteten und unbearbeiteten Formstücken;

2. das Verlegen obiger Röhren, nebst Versetzen der Schieber, Hydranten, Lauf-. Ventil- und Pumpbrimnen, sowie jHer- stellung der Zweigleitungen,

3. die Lieferung der Schieber, Ueberflurhydtanten, Ventil-, Lauf- und Pumpbrunnen;

4. die Arbeiten und Lieferungen zur Herstellung der Quellen­fassung, sowie zweier Cysternen sollen in 4 Loosen getrennt oder im Ganzen öffentlich vergeben werden.

Es wird freigestellt, ein Angebot auf eines der 4 Loose oder auf die 4 Loose zusammen einzureichen.

Die Zeichnungen liegen am 27. und 28. April d. I. bei der unter- zeichneten Bürgermeisterei, außer dieser Zeit in den Geschäftsräumen des Regierungsbaumeisters Schm ick in Frankfurt a. M., Liebigstraße 37, während der üblichen Geschäftsstunden m Jedermanns Einsicht auf, wo auch noch etwa erwünschte nähere Erläuterungen gern ertheilt werden.

Die allgemeinen und die besonderen Bedingungen, sowie der Ver­dingungsanschlag sind vom 24. d. Mts. ab gegen Einsendung von 2 Mk. für ein Looe von dem Regierungsbaumeister Schmick zu beziehen.

Angebote sind unter Verwendung des vorschriftsmäßigen Ver- dingungsanschlageö bis zum

8. Mai d. I., Mittags 1 Uhr, versiegelt, portofrei und mit entsprechender Aufschrift versehen bei der unterzeichneten Stelle einzusenden, woselbst die Offerten zur angegebenen Zeit in Gegenwart etwa erschienener Submittenten geöffnet werden.

Die Zuschlagsfrist beträgt 3 Wochen.

Alten-Buseck b. Gießen, den 12.,April 1897.

Großh. Bürgermeisterei Alten-Buseck.

Körber. 3722

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Fantasie- und Luxusmöbeln, sowie Folstermöbeln aller Art.

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zu Ehringshausen.

Die Erd-, Maurer-, Steinhauer-, Asphaltirungs-, Zimmer-, Dachdecker­und Klempnerarbeiten, nebst Lieferung der hierzu erforderlichen Materialien, sowie der schmiedeeisernen Decken- träger sollen öffentlich verdungen -werden. Die Verdingungsunterlagen können im Geschäftszimmer des unter­zeichneten Kreisbaumeisters eingesehen und die Verdingungsanschläge gegen Erstattung der Abschreibegebühren daselbst bezogen werden.

Eröffnung der eingegangenen An­gebote ebendaselbst am Mtttwoch den 28. April 1897, Vor­mittags 11 Uhr.

Zuschlagsfrist 3 .Wochen.

Wetzlar, den 12. April 1897.

Der Kgl. Kreisbauinspector: Jaensch.

Der Kreisbaumeifter:

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Versteigerungen.

Holzversteigerung am Mittwoch den 21. April, von Vormittags 9 Uhr ab, bei Wirth Lauz zu Wißmar. 58 fm Eichenstämme, 50 rm Eichennutzholz (24 m lang), 80 Stück Eichen­stangen, 12 fm Fichtenstämme, 266 Stück Fichtenstangen, 123 rm Eichen-, 330 rm Buchen-, 10 rm Nadelholz- Scheit u. -Knüppel, 1160 rm Reiser, 111 rm Stöcke. Das für Schreiner, Glaser und Küfer geeignete Nutzholz liegt in den Districten Kennelsheck und Berghausen, Gde.-Wald Wißmar. Nutzholz kommt zuerst zum Ausgebot.

Krofdorf, den 12. April 1897. Der Bürgermeister:

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