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1807
Smmtag deu 14. November
Nr. 268
Erstes Blatt
2lints- und Anzeigeblutt für den Ttveis Gieszen.
] Hratisöeikage: chießener Jamitienbkätter.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für bei folgenben Tag erscheinenben Nummer bi» Norm. 10 Uhr.
Alle Annoncen-Bureaux beS In- unb Auslände- neh«» Anzeigen für ben „Gießener Anzeiger- artgefi
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Die Gießener
Jlamiliendtäller Verben dem Anzeiger Vöchenllich dreimal beiflelegL
Der
-tttzener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des Montag-.
Gießener Anzeiger
Keneral-Anzeiger.
Amtlicher Theil.
Gefunden: 2 Brillen, 3 Brachen, 2 Bücher, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Taschenmesser, 1 Halstuch, 2 Hand- schuhe, 4 Rollen Zwirn, 1 weißes Taschentuch, 1 Päckchen weißes Garn und 1 Henkelkorbdeckel.
Gießen, den 13. November 1897. Großherzogliches Polizeiamt Gießen, v. Bechtold.
Wolff» telegr-phffchev Correspondmz-Buremr.
Berlin, 12. November. Nach der Meldung eines Bericht« 'erstatterS ist zur Hilfeleistung bet der Vorbereitung für die Erneuerung der Handelsverträge vom ReichSamt des Innern tu der Abthetluug, die dem Geh Rath Wermuth untersteht, ein besonderes wtrthschaftltcheS Bureau eingerichtet. In dasselbe find die Assessoren v. Groß und Martin berufen.
Görlitz, 12. November. Die Erbprtuzesftu von 'S achten« Meiningen und die Prinzessin Feodora von Sachs en'Metutogen trafen heute Mittag hier ein, am nach einer Befichtigung des Görlttzer UeberschwemmuugS« gebiete« einer tm Ständehaus stattfindenden Berathung des Vaterländischen FrauenveretnS zur Abwehr deS NothstaudeS unter den Ueberschwemmten beizuwohnen.
Braunschweig, 12. November. Wie weiter verlautet, weist daS bereits gemeldete Rescript deS Herzoglichen Staats» Ministeriums die Vorstände der Behörden an, den Beamten zu eröffnen, daß da» Ministerium die Zugehörigkeit derselben, insbesondere auch der Geistlichen und Lehrer, sowie der Kirchen- und Schuldtener zu den vaterländischen (weifischeo) Vereinigungen als mit ihren allgemeinen Dienstpflichten un« vereinbar erachtet.
Hamburg, 12. November. Das 25jährige Jubi« läum des Bestehens der Hamburger Berufsfeuerwehr wurde heute feierlich begangen. Gin Comtts Hamburger Bürger stiftete einen UmerstützungSfond von 18,000 Mk.
Falkenstetu i. V., 12. November. Gestern wurden während deS ganzen Tages heftige Erdstöße verspürt.
Porttct, 12. November. Der Abfluß der Lava auS dem Vesuv nimmt merklich ab, ebenso die Thättgkcit deS Kraters, bloS der AscheauSbruch dauert noch fort, wenn auch nur in geringem Maße.
Part», 12. November. Die RegimentSwusik des russischen PreobrascheuS kt « Regiments ist heute Vormittag hier etngetroffcu und von dem am Bahahose zahlreich versammelten Publikum lebhaft begrüßt worden. DaS Mufikcorp« ist in der Pep.n öre-Kaserue untergebracht.
Depesche« bei Bureau »Herold *
Berlin, 12. November. Wie der „Retchßcmzeiger" meldet, hat der Kaiser die von der Akademie der Wissenschaften vollzogene Wahl des Königs von Schweden zum Ehreumttgltede der Akademie bestätigt.
Berlin, 12. November. Die „Nordd. Allgem. Ztg." bestätigt, daß Tewftk Pascha zum -ürktschen Botschafter am hiefigeu Hofe an Stelle Galtb Boys ausersehen ist.
Berltu, 12. November. Der Elfer-AuSschuß der Äonservativeu wird höchst wahrscheinlich Mitte December zusammentreten.
Berlin, 12. November. AuS Danzig wird gemeldet: Die an deu Unterrichts- und Ftnauzwinister wegen Errichtung rtner technischen Hochschule gesandte Deputation hat rin befriedigendes Ergebntß gehabt. Die Begründung einer Anstalt in der nächsten Zett ist sicher zu erwarten.
Berlin, 12. November. Die „Berl. Reuest. Nachr." erfahren authentisch, daß die ungünsttgen Gerüchte über daS Befinden deS Fürsten Bismarck unbegründet feien. Zu den GefichtSfchmerzen, an denen der Fürst neuerdings Utdet, traten, wie das Blatt weiter meldet, in den letzten Tagen Erscheinungen von Podagra, die ihn schon vor etner Reihe von Jahren beiwgesucht haben. Wie wenig daS Befinden des Fürsten trotzdem tm Großen und Ganzen besorgntß- erregend erscheint, erhellt auS dem Umstand, daß der Fürst regelmäßig an deu Mahlzeiten theilntmmt. Bon einer Berufung der Familie nach FriedrichSruh ist in keiner Weise d»le Rede.
verli», 12. November. BtaatSsecretär PodbielSki hat der Börse heute einen Besuch abgestattet und die dortigen Gturtchtungen der Post in Augenschein genommen.
RüdeSheim, 12. November. Der Postgehtlfe Karl Wollstädter vom hiesigen Postamt ist nach Unterschlagung
von vier Geldbriefeu mit 6176 Mark Werthangade flüchtig geworden.
veuthe», 12. November. Bet einem gestern Nachmittag in dem Holzschacht der Lythranda Grube bei Antonienhütte au-gebrochenen Brande find fieben Arbeiter umS Leben gekommen. DaS Feuer wurde spät Abends gelöscht.
Wien, 12. November. In der heutigen Sitzung deS Abgeordnetenhauses hielt Badent eine längere Rede, in welcher er fich dagegen verwahrte, daß man immer von angeklagten Ministern spreche. Dieser Ausdruck sei ganz unzutreffend- ebenso sei die Auficht irrig, daß er oder die Regierung im Begriff ständen, zu verschwinden. Die Re« gterung werde alle auf die gesetzliche Regelung der Sprachenfrage bezugnehmenden Anträge kräftig fördern und wenn fich deren Erledigung hiuausziehen sollte, auS eigener Initiative Alles aufbieten, um einen modua vivendi herzustellen. Die Regierung verkenne die Bedeutung der deutschen Nationalität nicht, müffe aber auch allen uichtdeutschen Nationalitäten gerecht werden.
Wien, 12. November. ES gilt nunmehr als sicher, daß die slawischen Studenten vor dem Parlament für die Sprachen'Berorduuugen demonstriren werden. Den coalirten Slaven werden fich die elertcalen Verbindungen anschließen. Die deutschen Studenten, so heißt es, werden fich deu ihnen angethanen Tort nicht gefallen lassen und dretnhauen. Falls die Polizei die heutige Demonstration nicht verhindern kann, ist eine große Holzerei zu gewärtigen. Der Demonstration der deutschen Studenten fiel der Polizeipräfideut Steiskal zum Opfer, der demnächst gehen soll.
Debrezin, 12. November. Ein von Budapest abgelassener Personenzug stieß vor dem hefigen Bahnhofe mit einem Güterzuge zusammen. Drei Waggons des Letzteren und ein Waggon des PersoneuzugeS wurden zertrümmert. Sechs Reisende erlitten mehr oder minder schwere Verletzungen.
Warschau, 12. November. Die Joh anngrube bei Dombrowa ist ein gestürzt. Bisher find acht Tobte herauf« befördert. Viele Bergleute werden noch vermißt.
Beirut, 12. November. Der Director und Inspektor der Ottomanischen Bank wurde gestern auf öffentlicher Straße angegriffen unb durch drei Dolchstiche verwundet. Die Verletzungen find nicht lebensgefährlich. Als Motiv der That wird Rache angegeben. Die Urheber sollen drei Muselmänner sein.
Berlin, 13. November. Der Kaiser traf gestern in Königs Hütte ein, wo er die Hüttenwerke besichtigte. Von König-Hütte begab fich der Kaiser nach Pleß.
Berlin, 13. November. Wie das „Kl. Journ." meldet, hat ein 18jährtger Zimmergeselle in Friedrichshagen nach vorauSgegangenem Streite seine 32jährige verheirathete Schwester erschlagen.
Berlin, 13. November. Der „Boss. Ztg." wird aus Budapest telegraphirt: Der gestrigen Rede BadeniS ebenso wie der Kundgebung des FremdenblatteS über die Stellung BadeniS wird keine besondere Bedeutung betgelegt. ES ist bekannt, daß Badent seit Wochen hinter den Eouliffen bemüht ist, mit den Deutschen eine Verständigung anzubahneu, in dem Sinne, daß diese in neue AuSgleichSverhandlungeu eintreten und inzwischen das Provisorium pasfiren laffen. Da jedoch die Deutschen darauf nicht etngehen, dürfte für Badent nichts übrig bleiben als der Rücktritt, der trotz aller Dementi kaum mehr die Frage von Wochen, sondern wahrscheinlich nur von Tagen sein wird.
CoceUs rrnd prootasieO&o
Gießen, 13. November 1897.
•• Parlamentarisches. Der Zusammentritt der zweiten Kammer ist nunmehr auf Anfang December festgesetzt.
•* DaS ZahreSsest des Oberhesfischen Vereins für innere Misfion ist tn der nun schon fett Jahren gewohnten Weise am Mittwoch, den 10. November, und am Donnerstag, den 11. November, dahier gefeiert worden, und recht schön verlaufen. Der Besuch von auSwärtS war trotz der vorgerückten Jahreszeit sehr stark. So war schon bet der mehr vertraulichen Versammlung am Mittwoch Nachmittag der Saal der Herberge zur Heimath gradezu überfüllt. Allerdings war ja auch die Frage, die dort verhandelt wurde, „Stand und Pflege der Sittlichkeit auf dem Lande", von ganz ungemeinem, praktischem Jntereffe. DaS Referat deS Herrn Pfarrers Weimar aus Münzenberg brachte auch ein reiches Material aus Amts- und Lebenserfahrung zur Beurtheilung der Frage herbei. Mit tiefem Ernst wurde auf die Schäden htugewteseu, an denen das sittliche Leben auch deS Landvolkes krankt. In
der recht lebhaften DtScusfion, die fich daran schloß, wurde allerdings von verschiedenen Setten betont, daß dte Schilde- rungen der Referat« nicht für alle Gegenden und alle One gleichmäßig zuträsen. Trotzdem wurde allgemein anerkannt, daß fich überall sehr bedenkliche Erscheinungen auf diesem Gebiete zeigen, daß sehr bedenkliche Anschauungen und Sitten um sich greifen, und daß es uöthig sei, dem gegenüber den Ernst des Gotteswortes und der Zucht geltend zu machen, und namentlich dte Jugend vor bösen Verführungen zu be- wahren, auch tu deu Eltern das Gefühl ihrer Verantwortung, und den Muth gegenüber den Zuchtlosigkeiten der Jugend zu stärken. Als Mittel dazu wurden u. a. dte Sammlung der confirmirten Jugend tm Pfarrhause und besondere Predigten für Väter und Mütter genannt. — Recht erhebend und feierlich war der Feftgottesdienst tn der JohanueSktrche. Sein schönster Schmuck war dte zahlreich versammelte Gemeinde, zu der der Feftprediger, Herr Pfarrer D. Hacken- schmtdt aus Straßburg, in schlichter, aber zu Herzen gehenden Weise über Jes. 51, 1 redete. Er rief ihr zu: „Gemeinde der inneren Mission, schaut auf dte Väter der inneren Mission und lernt von ihnen", und wies an deren Beispiel als dte ursprünglich treibenden Kräfte der inneren Misfion auf: 1. das lebendige HetlSoerlangen, 2. daS Bewußtsein der christlichen Solidarität, 3. daS Erwachen einer herzlichen Liebe zum Volk, 4. den unerschütterlichen Opttm »- muß des Glaubens. — Recht gut besucht war auch dte Abendversammlung in SteinS Garten. Eingerahmt von Gesängen deS KtrchengesangveretnS, von denen besonders daS Zwingltsche Reformationslied Erwähnung finden mag, wurden uns da eine Reihe trefflicher Ansprachen geboten- von Herrn Professor D. Stamm Über dte Bedeutung deS 10. Novembers, von Herrn Pfarrer D. Hackenfchmtdt Über alte Beziehungen der inneren Misfion Deutschlands zum Elsaß, von Herrn Pfarrer Waldeck über „Herrschaften und Dienstboten", und von dem Waldenserpfarrer, Herrn Dr. Giovanni Grillt auS Ankona. Letzterer, der, obwohl mit fremdem Accent und manchen fremdarttgen Wendungen, doch ganz fließend deutsch sprach, erzählte von deu Kämpfen und Nöthen der alten Waldensergemetnde, wie die Waldenser schon Jahrhunderte vor der Reformation daS Evangelium den Völkern in ihrer Muttersprache verkündigt und dafür Verfolgung, Verbannung und Leiden aller Art erduldet hätten, unb wie sie nun, nachdem ihnen durch König Albert im Jahre 1848 freie Religionsübung zugestanden worden war, fich der Verbreitung deS Evangeliums unter ihren italienischen Landsleuten widmeten. Er warf dabei scharfe Streiflichter auf den italienischen KatholiciSmuS und feinen tiefen Verfall- Dte Worte des Redners, voll südländischen FeuerS und begeisterter Gluth der Ueberzeugung, rissen dte Zuhörer zu lebhafter Begeisterung hin, dte thren Ausdruck u. A. auch tn einer alsbald ins Werk gesetzten Trllrrsammlung fand. Sie ergab den schönen Betrag von 75 Mk. — Die Jahresversammlung am Donnerstag im Confirmandensaal der JohannrSkirche begann mit einem Morgenandacht, die Herr Pfarrer Walz aus Lang-GönS hielt. Nach einer kurzen Berichterstattung seitens deS Schriftführers, Pfarrer Schlosser, und einer Begrüßung der Versammlung fettens deS SecretärS des CentralauSschusseS für innere Misfion in Berlin, Herrn Pastor Fritsch, erstattete Herr Professor D. Stamm sein Referat über daS Thema „Die innere Mission und die Gebildeten", während Herr Prälat D. Habicht au« Darmstadt den Borfitz übernahm. Dem Referat lagen folgende Leitsätze zu Grund: 1. Die Angehörigen der gebildeten Klaffe im evangelischen Deutschland stehn deu Bestrebungen, welche man unter dem Namen der inneren Misfion zusammenzufaffen pflegt, meistens gleichgültig oder ablehnend gegenüber. 2. Diese Haltung übt auf die Rettungswerke christlicher Barmherzigkeit einen hemmenden Einfluß auß. 3. Die Stellung, welche die Mehrzahl der Gebildeten der inneren Misfion gegenüber einuimmt, hat in den letzten Jahrzehnten schon eine merkbare Aeudernug zum Besseren erfahren, unb es steht zu hoffen, daß dies auch in der Zukunft der Fall sein wird. 4. Da« Mittel, baß nach dieser Richtung hin am förderlichsten wirkt, find tüchtige Leistungen auf Seiten der inneren Mission. 5. Außerdem empfiehlt eß sich, daß die christlichen Rettungswerke den Gebildeten mehr zur Kenntniß gebracht werden als seither. 6. Auch sollten die Vertreter der inneren Mission mehr darauf ausgehu, dte Nothstände, welche fich innerhalb der gebildeten Klassen zeigen, ernstlich zu bekämpfen. Der Redner suchte mit seinen klaren, anschaulichen, aus der lebendigen Erfahrung unb ber Geschichte geschöpften Ausführungen bie Thatsache zu begründen unb zu ergründen, daß der inneren Mission auch selbst bei sonst wohlgesinnten Leuten so selten ein wirklich wärmeres, über die Leistung eines Beitrages und ge-


