Ausgabe 
14.11.1897 Drittes Blatt
 
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ist, daß die hier geschilderte Vision zwischen zwei lebenden Personen ftattfand, die genau dasselbe erfahren, erlebt und gesehen haben und sich dieses Erlebniß wortgetreu schildern, während der Rittmeister, von dem Joseph Victor v. Scheffel erzählte, nur allein die Vifion bemerkte. In beiden Fällen aber ist es die Mutterliebe, die eine merkwürdige Rolle dabei spielt. Der Schreiber dieser Zeilen könnte ein Erleb- niß schildern, das ihm selbst und seinem Vater am Abend des Begräbnißtages seiner Mutter vorkam und das nicht minder merkwürdig ist, wie die beiden hier oben geschilderten Ereignisse, es mag aber unterbleiben. Von jener Stunde an bis heute hat ihn die Ansicht nicht verlaffen: Spiritismus, Geisterklopfen, Tischrücken, Hexen und Zauberei haben keinen Sinn! Aber zwischen Himmel und Erde kommen Dinge vor, für die der gewöhnliche Menschenverstand keine Erklärung zu geben vermag.

Cocolt» unt provittjUlU».

Gruoberg, 10. November. Hrute Nacht zwischen 11 und 12 Uhr brannte ein in der Heege dahier fitzender Stroh­haufen, 11 Fuder haltend, nieder. Dem Befitzer, JohS. «reuder X., ist hierdurch ein Schaden von etwa 200 Mk. erwachsen.

4~ Ober-Schmitten, 12. November. Der hiesige bejahrte Bürger Ehr. Konrad Uhl wachte gestern in dem Anwesen seines Sohnes durch Erhängen seinem Dasein ein Ende.

? Stumpertenrod, 12. November. Seit einigen Jahren kamen wiederholt Diebstähle in unserer Gemeinde vor. Sie waren thetls leichterer, theils schwerer Art, nicht selten aber fielen dem Dieb größere Geldbeträge in die Hände. Ein ähnlicher Diebstahl wurde vor kurzer Zett hier auSge- führt, als die bestohlene Familie fich auf dem Felde befand. Die Sache kam zur Anzeige und dem in Ulrichstein staiio- nirten Fußgendarm Steinig gelang es, den Dieb in Gestalt eines hiesigen 20 jährigen, wohlhabenden LaudwirthSsohneS zu ermitteln. Der Langfinger wurde verhaftet.

§ EluS dem nordwestlichen Vogelsberg, 12. November. Die Nachfrage nachdem Getreide ist zur Zett in unseren Ortschaften eine sehr starke. Fast in jeder Woche kommen Händler, welche Frucht aufkaufen. Besonders be­gehrt find Weizen und Gerste. Für ersteren zahlt man 19 Mk. und 19.50 bis 20 Mk. pro Doppelcentuer, für letztere 16 bis 17 Mk. Da» find gegen die vorjährigen Preise Unterschiede von 5 und 6 Mk. per Doppelcentuer. Für diese Preise zögern unsere Laodwirthe nicht, ihre Frucht- vorräthe abzusetzeu. Die verkaufte Frucht wird frei zur Bahnstation Mücke gebracht, von wo fie in Waggonladungev an daS Ziel ihrer Bestimmung geht. Dem Grünberger Ge- treidemarkt thut dieser Berkaus der Frucht in den Ortschaften einen erheblichen Abtrag. Infolge der Preissteigerungen des Getreides ist auch der Preis für daS Mehl bemerkeuswerth gestiegen. Der Doppelcentuer Weizenmehl, der seither 32 Mk. gekostet, gilt jetzt 36 Mk., Brotmehl ist von 20 auf 24 Mk. gestiegen. Bei dieser Verschiebung der GetreidepreiSverhält» «tffe, die trotz der niedrigen Getreidezölle, über die s. Z. so viel gezetert wurde, eingetreten ist, erzielt der Landwtrth durch die diesjährige gute Fruchternte bemerkenSwerthe Mehr­beträge, die ihm nach den seitherigen mageren Jahren sehr zu gönnen find.

Dermif

PieSdorf, 5. November. Im Schloßhofe hatten heute 103 Schüler der zweiten Bürgerschule zu Eis leb en mit den vom Kaiser geschenkten Hörnern und mit Trommeln und Querpfeifen unter Leitung des Lehrers Gottschalk in vier Gliedern Ausstellung genommen. Sichtlich erfreut begrüßte der Kaiser die jugendliche Schaar, entstieg dem Wagen und schritt unter den Klängen eines von den Knaben gespielten Marsches salutirend die Front entlang. Lehrer Gottschalk wurde vom Kaiser durch eine längere Ansprache ausgezeichnet. Zunächst drückte der Kaiser seine Freude aus, daß die Jungen»" tu so kurzer Zett sich au die jüngst übermittelten Instrumente gewöhnt hätten, fragte sodann nach der Be­schaffenheit der Hörner und ob diese dem Zweck entsprächen und fand die Leistungen der Schüler so vorzüglich, daß e», wie er meinte, schade sein würde, wenn dieJungens" das Blasen später einstellen würden. Dom kleinen Stabshornisten rühmte der Kaiser denvorzüglichen Tonansatz" und vom Tambourmajor äußerte er, daß der Junge fichjeden Augen- blick vor ein Regiment stellen köckue". Dem sehr kleinen Bläser Schwab strich der Kaiser mit den Worten:Na, kannst Du denn noch?" beide Wangen. Zum Lehrer dann wieder gewendet, verkündete der Kaiser, daß für die Schüler an ein pünktliches Erreichen des Zuge» nicht mehr zu denken sei, und daß deshalb, bevor die fünf von ihm zu stellenden Leiterwagen etnträfen, sür eine Bewirthung der Kinder mit Kaffee und Kuchen im W'rthshaufe zu PleSdorf gesorgt sei. Hier sollten dieJungens" fich nach deS Kaisers eigenen Worten satt effen,bi» sie platzten". Mit den belohnenden Worten:Sehr gut gemacht, ausgezeichnet, Jungen»" entließ der Kaiser die jugendliche Schaar, ihr nachsrhend, bis fie aus dem Parkthor entschwunden war. Auch die übrigen Herren sprachen fich über die Leistungen der kleinen Musikanten belobigend au». Der Mufikplan lautete:Hornmarsch (Al.xavdermarsch), KaiserltedHipp, hipp, hurrah!", Kreuz- rtttersansare, Paukenmarsch, PteSüorfer Marsch und Feh.- bell'ner Fanfare". CIRagb. Ztg.)

«tat lehrreiche Ueberficht über BottSheilstatte» für Schwindsüchtige giebt Prtvatdozent Dr. Gumprecht tn Jena tn denEorrespondenzblättern deS Allgemeinen ärzt. lichen Verein» für Thüringen". An der Spitze der Be wegung marschirt zur Zett noch England; e» hat bereit» 18 eigene Anstalten zur Behandlung von 7000 Schwindsüch- tigen, dagegen hak Amerika erst zwei, Frankreich eine unb Oesterreich auch eine aufzuweiseo. In Belgien ist die Be­wegung bisher blo» angeregt, die Schweiz tndeß wird in ab- sehbarer Zeit über etwa zehn Volk-Heilstätten verfügen.

Nächst England ist in Deutschland da» System am Meisten entwickelt. Es bestehen Heilanstalten, die auch Unbemittelten 8 J Gate kommen, zu Falkenstetn im Taunus, Nauenheim bet Soden, Ruppertshain, Malchow, Blankenfelde, Grabowsee und Gütergotz bei Berlin, Rehburg in Hannover, Albert-- berg bei ReiboldSgrÜn, Planegg und Harlesbarg bei München, WeiSker'sche» Krankenhrim in Görber-dorf, Schönberg am Schwarzwald. Die deutschen VerficherongSaustaltrn haben in 1896 von 1,103,444 Mk. mindesten» zwei Drittel bet Kuren für Lungenkranke aufgewandt und besitzen oder er- bauen Heilstätten zu Königsberge bei GoSlar, Sülzhein und Stiege im Harze, AndreaSdurg. Endlich verlautet schon jetzt von folgeuden Heilstätten: Altena tu W-ftfalen, Altona an der Elbe, Baden (der Großherzog erhielt zum 70. Geburts­tage 320,000 Mk. zur Errichtung von zwei Heilstätten), Danzig, Erfurt, Hagen, Halle, Hanau, Hannover, Raffel (wo etu unbekannter Wohltäter eine Vlertelmilliou stiftete), Leipzig, (Stadt- oder Ortskrankenkasse), Nürnberg (Hetl- ftättenverein, schon im Besitze von 170,000 Mk ), Olden­burg, Oppeln, Regensburg, Sächstsche Schweiz (Steinhäuser Heilstätte), Stettin, Stuttgart, Würzburg. In nicht allzu- langer Zeit wird also Deutschland in seiner Fürsorge für Schwindsüchtige einen bedeutenden Fortschritt ausweisen, und sicher ist da» schnelle WachSthum dieser Bewegung in dem durch die soziale Gesetzgebung geweckten Jotereffe für Volks- ge undheit zu suchen. Rechnet man dazu noch die guten Wirkungen der Genesungsheime, die BerufSgenoffenschaften und Krankenkasseu au vielen Orten schon errichtet Haden, so darf man sagen, daß Deutschland auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge in den letzten zehn Jahren ein gut Stück vorwärts gekommen ist.

* Die Lohnzahlung am 6am8tag verliert immer mehr an Boden, und andere Tage bürgern fich dafür ein. Sociale Commissionen (Creseld) und GewerbegertchtSauSschüffe (Dort­mund, Cassel) gehen mit der Empfehlung vor, und zahlreiche größere Betriebe tn Caffel, Harburg, Bielefeld, Erfurt, Stuttgart, Nürnberg, Halle rc. haben günstige Erfahrungen mit dieser Neuerung gemacht. Ihr Zweck ist: 1) Den Ar- beiterfrauen zu ermöglichen, die häuslichen Bedürfnisse bereits im Laufe des SamStagS, namentlich auf dem Wochenmarkte oder früher einznkaufen, so daß die Käuferinnen weder in den späten Abendstunden deS SamStagS in überfüllten Ge­schäften gegen höhere Preise mit häufig winderwerthigen Maaren vorlieb zu nehmen, noch am Sonntag Vormittag die Sonntagsruhe durch Einkäufe zu gefährden genöthigt find; 2) die am Samstag Abend tn ihre Hetrnath zurück- fahrenden Arbeiter mit ihren Einkäufen nicht auf die kurze Zeit zwischen Lohnzahlung unb Zugabfahrt zu beschränken, die fie verhindert, in ihrer Hast und bei der Ueberfüllung der Geschäfte eine zweckmäßige Auswahl zu treffen und fie leicht unlauteren Geschäften in die Arme treibt, die, ihrer Billigkeit wegen aufgesucht, die Eile der Käufer auSnützen, um minderwenhige Maaren an den Mann zu bringen,- 3) im gesundheitlichen Interesse der Geschäftsinhaber und ihres Personals einen zeitigeren Ladenschluß als bisher am Sams­tag Abend herbeiznführen,- 4) im fittlichen Interesse der Arbeiter diese zu verhindern, ihren Lohn, von dem meist eine Familie die ganze Woche über oder noch länger leben muß, in der dem freien Sonntage vorausgehenden Nacht oder an diesem selbst zu vertrinken ober zu verschwenden. Liegen zwischen der Lohnzahlung und dem Sonntag ein oder mehrere Tage, so werden manche Arbeiter, die von fich selbst diesen sittlichen Halt nicht haben, zuerst für die Bedürfnisse der Familie Sorge tragen unb bann auch wieder einen ruhigeren unb schöneren Sonntag erleben. Eben so wenig als bcr SamStag ist au» naheliegenbett Gründen der Montag zur Lohnzahlung zu e«psrh!en. Laut Auskunft des Oberdürger- meisteiS von Eisenach, wo neben den Maurer- und Zimmer- geschäften Farbenfabriken in Betracht kommen, find dort die Erfolge der Freitagslohnzahlung derartig günstige, daß deren Einführung im gesammten Großherzogthnm Sachsen Weimar- Eisenach erwogen wird.

Principielle» Unheil für Taudemsahrer. Kürzlich fuhren NachtS zwei Radfahrer auf einem Tandem durch eine Straße, hielten aber nicht, wie Vorschrift, die rechte Fahrseite ein. Aus erfolgte Anzeige wurden beide Radfahrer in eine Geld­strafe von je 6 Mk. genommen. Da jedoch da» Tandem nur einfache Steuerung hatte und der zweite Mann keinerlei Einfluß auf die Steuerung auSüben konnte, erhob er gegen den Strafbefehl Einspruch zum Amt-gericht mit dem Erfolge, baß seine Freisprechung aus bem oben erwähnten Grunbe erfolgte.

Rußlands Hanl- und Dorf-Industrie. Wohl In keinem Lande ist die Hau» - Industrie eine so entwickelte, vielseitige und blühende, wie in den Dörfern Rußlands, und dürften als Ursache hierfür wohl die großen Entfernungen der größeren Städte von einander zu suchen sein, wodurch die Landbevölkerung, zumal während deS langen und strengen Winters und bet dem Mangel an Eisenbahn - Verbindungen, mehr wie anderswo darauf angewiesen wird, viele Sachen selbst zu fertigen, die bei un» der Landbevölkerung in den Überall nahen Städten leichter erreichbar sind. Wenn viel­leicht nun auch jetzt die Nothwendigkeit, fich in diesem Sinne selbst zu helfen, nicht mehr so wie in früheren Jahrzehnten vorliegt, und durch Schaffung weiterer Eisenbahn-Linien immer mehr fchwinden wir», io haben fich die Dorf-Judustrieen in Rußland doch durch jahrhundertlange Gewohnheit und Vererbung nun so befestigt, daß fie schon lange nicht mehr allem nur bem ursprünglichen Zweck, ben eigenen Bedürf- Nissen zu genügen, Rechnung tragen, sondern in der That erhebliche Concurrenzen für die Großindustrie der rnsfiichen Fabrikstädte bilden, und in einigen Zweigen diese geradezu übertreffen, wa» leicht erklärlich erscheint, wenn man bedenkt, baß gewisse Rohmaterialien den Dorf Industriellen fast nichts tonen, daß die Landbevölkerung durch eine ungemeine Be- dürfnißlofigkeit gekennzeichnet ist, Kinder und Frauen sämmt- lich zur Thätigkeit mit herangezogen werden, und die Lange­weile der langen Winter und die dadurch verursachte Abge­

schiedenheit von der Welt diese nutzbringende Beschäftigung mehr al» eine Unterhaltung und einen Zeitvertreib erscheinen läßt. DieseKoostar" genannte Industrie umfaßt, nach einer Mittheilung vom Juternationalen Patentbureau Carl Fr. Reichelt, Berlin NW. 6 die Herstellung von Korbwaarev, Stroh Flechtarbeiten, Holzschnitzerei-Artikeln, Knöpfen, Wagner­arbeiten und einfache, billige Musik Instrumente - sehr aus­gedehnt beschäftigt sich die Koostar-Dorsindustrie auch mit der F achS-Spinnerei unb -Weberei, sowie im größten Um­fang mit der Herstellung ber auch bei unS beliebten natio­nalen roth unb blau becorirten Leinen-Maaren. Ferner ist bie Fabrikation beS fieber#, namentlich ber Juchten, gerabe- zu ein Monopol ber Dörfer, unb wirb die Zahl ber bie Gerberei betreibenben Landbewohner auf etwa 150000 ge- fctätzt. Auch bie Töpferei fehlt erklärlicherweise nicht bei biesem ländlichen Gewerbfleiße, weil bteser Artikel einen Bezug von weit her ja ganz ausschließt; bie Zahl ber Dorf­töpfereien wird auf 19000 geschätzt. Die Töpferei wird hierbei als ein ganz besonders gewinnbringende» Gewerbe angesehen, und sollen die im Gouvernement Nijchni Nowgo­rod fabrickten Produkte fich eine» besonderen Reuowmä:» erfreuen unb auch regen Export haben. Im Gouvernement Tula arbeiten die Dorf-Industriellen meist in Metall, unb die meisten russischen Theemaschinen, die Samowar», find die Producte der Dorf-Industriellen diese» Gouvernements, die nach Tula an Großhändler verkauft, und von diesen in ben Handel gebracht »erben; auch bie berühmten russischen schwarzen Lackwaaren, theilweise farbig bemalt, find meist bie Kunsterzeugniffe ber Koostar. Im Ganzen wirb die Zahl dieser HauS-Jndustriellen auf etwa sechs Millionen geschätzt, welche Zahl wohl zur Genüge klar legen dürfte, welche Wichtigkeit diese Klein-Industrie für den Staat und befftn ©lieber hat; wie schon oben bei ber Leber Industrie bemerkt, übertrifft hierbei bie Klein - Industrie die fabrikmäßige Her­stellung so sehr, daß die Koastar» jährlich etwa für 20 Mill., die Lederfabriken aber nur für etwa 16 Mill. Leder probu- ciren. Diese Zeilen bürften beweisen, daß der russische Bauer durchaus nicht daS ist, was wir von ihm zu glauben so häufig anzunehmen geneigt find, sondern die ihm im Winter verbleibende, mit ber Lanbwirthschaft nicht auSzu- süllenbe Zeit besser, wie vielleicht mancher deutsche Bauer auszunutzen versteht; wie sehr bem Bauerustanbe die Kennt- niß eines ober mehrerer Haubwerke neben seinem eigentlichen Beruf nützlich sein bürsten, geht auS ben gemachten Mitthei­lungen wohl klar hervor.

Alleinstehende Mädchen unb Kranen in Berlin. Die­jenigen Mäbchen unb Frauen, so schreibt bieBohemia", bie daraus angewiesen find, fich in Berlin selbstständig durchs Leben zu schlagen und einem anständigen Erwerbe nachzugehen, find Übel daran, übler wohl al» in irgend einer anderen Großstadt der Welt. Sie begegnen auf Schritt und Tritt dem größten Mißtrauen unb Uebelwollen. Ihr Leiben be­ginnt gewöhnlich, wenn sie ein möblirte» Zimmer miethen müssen. Entweber wird ihnen dann von vornherein mit höhnischer ober verächtlicher Miene erklärt, baß man an Damen überhaupt nicht vermiethet, ober sie müssen bernüthigenberi ober beleidigenben Fragen Rebe unb Antwort stehen. Sind sie bann gezwungen, ihre Mahlzeiten außerhalb ihrer Be­hausung einzunehmen, weil sie entweber bei ihrer Wirthin kein Essen erhalten können, ober weil ba» Geschäft, in bem sie angestellt find, allzuweit entfernt von ihrer Wohnung liegt, al» baß bie knappe Mittagspause zum Hi»- unb Rückwege auSreichte, bann steigert fich ihr Leiden. In vielen Berliner. Restaurationen, unb gerabe in ben besseren, wirb an allein, stehenbe Damen überhaupt nichts verabreicht, unb ba, wo sie gebulbet werben, fiub sie wieder allen möglichen Zudringlich'' ketten seitens der in erdrückender Mehrheit auftretenben unb daS Terrain vollftänbig beherrschenden Männer ausgesetzt. E» gibt allerbing» verschiedene Restaurationen, die ausschließ­lich für Damen bestimmt ober in denen einzelne Räume beit Damen Vorbehalten stob. Aber biese sinb noch so spärlich vertreten, baß sie kaum in Betracht kommen. Unb wo sollen biese allein* stehenden Damen, wenn fie nicht immer ihre vier kahlen Wände ansehen mögen, die freien Abendstunden und bie Sonntage zubringen? Einen anstänbigen Familienanschluß zu gewinnen, ist für fie in Berlin überau» schwer. Man kann sich daher- benten, mit welcher Befriebigung in biesen Kreisen ber soeben auftauchende Plan begrüßt wirb, einen großartigen Frauen­club zu grünben, ber ihnen tn jeher Beziehung ein gemäch­liche» unb angenehme» Heim bieten soll. Die Sache ist schon ziemlich wett gebtehen unb scheint gesichert zu sein. Im Mittelpunkt ber Stadt sollen große Localitäten gemiethet unb angemessen für diesen Zweck eingerichtet werben. Der Ge- banke hat sollten Anklang gesunben, baß ber Erfolg be» Unternehmen» unzweifelhaft erscheint. Ein ähnlicher Club besteht hier bereit» in bem segen»reich wirkenden Letteverein unb gedeiht bestens. Natürlich ist in einer so großen Stabt Raum für mehrere berartlge Veranstaltungen unb e» wirb wohl nicht mehr lange bauern, bi» jebe Berliner Stabtgegenb ihren eigenen Frauenclub haben wirb. Voraussetzung ihres gesunben GebeihenS ist, baß sich biese Unternehmen barauf beschränken, frei von allen Nebenabsichten ihren Mitgliebern einen möglichst angenehmen Aufenthalt mit geselligen Au» regungen und preiSwerther Verpflegung zu bieten.

Wie man spricht.Sie nehmen fich zu viel heran«", sagte ber Schutzmann zum Dieb, als er ber Dame ba» Porte­monnaie au» ber Tasche zog.

Verkehr, fxmfc» ««d V-Uswirthschaft-

Lede«»veiestchera«»» - Gesellschaft ju Leipzig, auf Gegenseitigkeit gegründet 1830 (alle Leipziger). ES sinb vom 1. Januar bi» Enbe Oct oder 1897 5231 Vnsicdcr ungen über 41 493 000 Mk. beantragt worden, 2 098 450 Mt. mehr al» im gleichen Zeiträume be» Vorjahre». Als gestorben wurden in derselben Zeit anaemelbet 680 Mitglieder, die mit 4 903 850 Mk. versichert waren. Der Ver- sicherungSbestand stellte fich Ende October 1897 auf 68 700 Personen mit 507 Millionen Mark Versicherungssumme, das. Vermögen auf 156 Millionen Mark.