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14.10.1897 Erstes Blatt
 
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Nr. 24t Erstes Blatt Donnerstag den 14. Octol.cz 189g

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Feuilleton.

ihm

heute

Eindringlinge.

.Dürfen wir nicht durch die Thür, steigen wir durchs Feaster, hinein wollen wir schon kommen," schrie der »ndere.

Riemer fand e« unter solchen Umständen für geratheo, bele gereizte» Feinde etnzulafseu. Er führte fie in ein Zimmer, setzte ihnen Speise vor und Wein, so viel fle wollten. Aber die Männer gaben sich damit oicht zufrieden.

Der Hausherr schläft."

So weckt ihn er muß hierher wir müssen mit reden."

Fehler, auf ziemlich rücksichtslose Weise gegen die kacholischen Gesellschaften vorzugehen und sich dadurch die Feindschaft der Clerikaleu zuzuzieheu, die er gleich Anarchisten überwachen ließ und die strengsten Maßnahmen gegen dieselben in An- Wendung brachte. Er hätte bedenken müffen, daßldteS in dem durch und durch katholischen Laude große Erregung Hervorrufen würde und im Jutereffe der Beruhigung der Gemüther beffer unterblieben wäre. Im Uebrigen hat Rudini gar kein Hehl daraus gemacht, daß er um jeden Preis mit Zanardelli Zu­sammengehen wolle und nur mit Rücksicht auf diesen die Rundschreiben gegen die Agitationen der clertcalen Partei erlaffen habe, womit er zugtbt, daß eigentlich gar kein triftiger Grund für die strengeren Verfügungen Vorgelegen hat.

Ob daS Labinet in seiner jetzigen Zusammensetzung sich lauge wird halten können, ist sehr fraglich. Jedoch ist 's möglich, daß vor der Kammereröffnung die Krise nicht zum vollen Durchbruch kommt- dann aber dürfte sicherlich etoe Reconstruction deS CabiuetS vorgenommen werden, weil die Uneinigkeit der Minister gegenüber der Kammer nicht fort- bestehen kann. Im Großen und Ganzen hat daS Ausland kein großes Jvtereffe daran, ob Rudini fällt oder sich halten kann, da die auswärtige Politik Italiens fest vorgezeichuet ist und seine eigenen Interessen ein Festhalten am Dreibünde bedingen. Mag auch die eine Regierung etwas mehr mit Frankreich liebäugeln als die andere, uns kann das nicht allzu sehr tangtren, da wir wissen, daß Italien eine Groß- machtpolttik nur verfolgen kann in Verbindung mit den beiden VertragSmächteu. (xx)

Wo ist der Hausherr? Wir wollen ihn sprechen!" riefen fte gebieterisch.

Goethe in Lodrogesshr.

Historische Reminiscenz von Friedrich Thieme.

(Fortsetzung.)

Goethe, nunmehr überzeugt, daß mau den Marschall , nicht mehr zu erwarten brauche, hüllte sich in seinen Prophetenmantel", das weite Nachtgewand, daS er zu traaen pflegte. Eben wollte er sich zur Ruhe begeben, da dotmerten heftige Kolbenschläge an die Thür. Riemer öffnete bestürzt. Zwei französische TiraillenrS standen draußen und begehrten Emlaß.

Hier können Sie nicht herein," bedeutete ste der Secre- xjjr, ,"da- ist das Hauptquartier des Marschalls, auch liegen bereits sechzehn Husaren im Quartier."

Geht zum Leusel! Wir wollen effeu und schlafen! WaS kümmert uns der Marschall," polterte der eine der

Der geängstigte Secretär eilte hinaus, um dem Dichter das Anliegen der halbtrunkeuen Gesellen zu offenbaren. Goethe erklärte sich sofort bereit, eS zu erfüllen. Wenige Augenblicke später stand er den Soldaten, in seinem weiten Prophetenmantel, aufgerichtet zur vollen Höhe seiner statt­lichen Gestalt, mit dem impouirenden Juptterkopf und fie an- schaueud mit seinem gewaltigen überlegenen Blicke gegenüber.

Hier bin ich. WaS steht den Herren zu Diensten?"

Die Tirailleure fuhren betroffen zurück. Die iwpontrende Erscheinung verblüffte fie. Sie stammelten einige ent- schuldigende Worte.

Sie sollen mit uns avftoßeo, haha!

Sehr gern, meine Herren!"

Goethe setzte sich einen Augenblick zu ihm», trauk mit ihueu, fröhlich stießen fie an.

Verzeihen Sie die Störung, mein Herr," entschuldigte fich der eine der Franzosen.Wir wollten nur das Ver­gnüge» Ihrer Gesellschaft genieße»."

Goethe verabschiedete fich und zog fich vou Neuem in fei» Schlafgemach zurück. Die Gesellen fuhren fort zu zeche»,

Wolff« telegraphische« Correspondmz-Buremr.

Madrid, 12. October. Mar.chall Primo de Rivera wird den Oberbesehl auf de» Philippinen behalte», um dort eine Armee aus den Inselbewohner» zu bilde».

Madrid, 12.October. I» den verschtedeue» Gefechte» tu der letzten Zeit find auf den Philippinen 287 Auf­ständische und 35 Spanier getödtet worden.

Depesche» de« Bure«,Herold."

«erli», 12. October. Der Kaiser empfing gestern in Hubertusstock den commandtrendeu Admiral v. Knorr, den StaatSsecretär de« RetchSmarineamtS, Lontreadmiral Tirpttz, sowie den Chef de« Civilcabinet«, vr. v. LucanuS, und den Chef des MarinecabinetS, Freiherrn v. Senden- Bibran, zum Bortrage. Heute nahm der Kaiser die Vor- träge des KriegSmintsterS v. G oßler, des Chefs des Militär- cabinetS, o. Hahuke, und des Chefs des CtvtlcabtnetS, v. LucanuS, entgegen.

Berlin, 12. October. Der Kaiser hat anläßlich der Jubelfeier des DtakoniffenhauseSBethanien" diesem 20 000 Mark Überweisen lasse».

Berlin, 12. Oktober. Entgegen anderweitigen Meld­ungen erfährt diePost", daß sowohl über daS Datum der Eröffnung des Reichstages wie des Landtages bisher noch keine Entscheidung getroffen ist.

Berlin, 12. October. DiePost" kann im Widerspruch mit einer jüngst durch zahlreiche Blätter gegangenen Nachricht melden, er sei begründete Hoffnung vorhanden, daß daS

Zur Lage in Italien.

Beunruhigende Nachrichten kommen vou der apenuiut- scheu Halbinsel und svectell aus Rom, wo die von der Regie« ruug durchgesührte Steuererhöhung und die größere Strenge bei der Einziehung der Einkommensteuer blutige Demon« strationeu hervorgerusen haben. Schoo längere Zett gährte e« unter den Industriellen und Kaufleuten, weil diese die neue Steuerveranlagung zu drückend fanden und in derselben einen Rui» der Geschäft«- und Handelswelt Italiens er­blickte». E« erscheint immerhin auffällig, daß der Minister- präfident Rudini fich erst «ach der imposanten Kuadgebung der Bürger Roms bewogen sühlte, eine Prüfung der An­gelegenheit zuzusagen, da ihm die Verhältnisse doch längst hätten bekannt sein müffen, und wenn er die Hoffnung auS- gesprochen hat, iu der Lage sein zu können, eine Ermäßigung der Steuer zu gewähren, so muß demgegenüber betont werden, daß die Regierung einen so hohen Steuersatz gar nicht hätte zur Etnsührung bringen dürfen. Die Leidenschaften des italie­nischen Volkes zu erregen, ist ein sehr gefährliche« Expert- ruent, wa« Rudini an den Eretguiffen deS letzten Montag wieder zur Genüge erfahren konnte, wenn auch die Haupt­schuld daran, daß die Kravalle vorkamen, lediglich scaudal- lustigem Gesindel zuzuschreiben ist. Jedenfalls dürsten die Vorgänge dazu beitragen, der schon seit einigen Wochen be­stehenden ionerpolitischen KrifiS größere Schärfe zu geben.

Wie erinnerlich, hatte Rudini, als er das Erbe CrtspiS antrat, die Kammer aufgelöst, um die Volksstimmung gegen­über dem neue» Cabinet kennen zu lernen, dem bekanntlich auch die crisptfeiodlichen Gruppen Giolitti und Zanardelli ihre Unterstützung angedethen laffen wollten. Rudini erhielt Lamal« eine nicht unerhebliche Majorität, waS ja auch bei dem Hochdruck, mit dem die RegierungSorgane in die Wahl- vgitatton etogriffeu, nicht weiter verwunderlich war. Jedoch machten die oben genannten Parteigruppen im Laufe der Zeit Anspruch darauf, daß ihnen innerhalb der Regierung ein breiterer Spielraum eingeräumt werde, während auch innerhalb de« Ministeriums Uneinigkeiten auSbrachen, welche ein gedeihliches Arbeiten unmöglich machten und bei jeder wichtigen Frage die Entscheidung verzögerten. Schon bei der Berathung über die erythräische Provinz war daS Labinet Rudini in großer Gefahr, als der Mtnisterpräfident zum Gouverneur der Colonien den Senator Bonfadini ernannte, welcher die Ausgaben für Erythrea stets hartnäckig bekämpft und sich auch sonst durch seine scharfe Polemik gegen den Dreibund, gegen die militärischen Ausgaben u. f. w. viele Feinde erworben hatte. König Humbert hat bekanntlich btt Bestätigung dieser Ernennung verweigert.

Da Rudtui überzeugt war, ohne Zanardelli keine ge­nügende Regierungsmehrheit zu haben, ließ er bei diesem sowohl wie bei Giolitti gelegentlich der Erledigung des Justizministeriums durch den Tod CoftaS aufragen, ob er unter ihrer Mitwirkung da« Cabinet umbtlden solle. Beide gaben aber eine ausweichende Antwort, insbesondere Zauar- dellt erklärte, ohne eine vollständige Aeuderung der Politik nicht daran zu denken, in die Regierung zu treten. Er «achte hauptsächlich Rudini den Borwurf, gegenüber den Agitationen der clertcalen Partei nicht energisch genug vor- gegangen zu sein. Da beging der Consetlpräsident den

Abgeordnetenhaus »och während seiner letzten Sesfio« fich in seinem Neubau wird versammeln köunen.

verliu, 12. October. Die Feier de« 50jährige» Jubiläums der Firma Siemens & Halske ge­staltete fich äußerst würdevoll und erhebend. Heute vor- mittag 10 Uhr fand die Beglückwünschung der Angestellten der Firma und der auswärtigen Delegirten statt, wobei u. A. von den Arbeitern des Berliner und Wieoer Werkes der Firma und sämmtlichen Beamten ein Porträt von Werner v. Siemens überreicht wurde. Der Senior des Hauses, Herr Carl v. Siemens, dankte bewegt und theilte eine Urkunde mit, in welcher den sämmtlichen Arbeitern und Beamten eine Million gestiftet wird, deren Zinsen in noch zu vereinbarender Weise verwendet werden solle». Ansprache folgte nun auf Ansprache, zahlreiche Glückwunschtelegramme au« aller Herren Länder liefen ein.

Köln, 12. October. DenRheinisch-westfälischen polit. Nachr." zufolge soll die nationalliberale Fraktion für die nächste LandtagSsesfion eiuen Antrag auf Aufhebung der preußischen Gefaudtschaft beim päpstlichen Stuhl vorberetten, als Antwort auf die Aeußerungen in der Kanifius-Encyclica gegen das evangelische Bekenntniß. Dle Köln. Ztg." meint hierzu, der Antrag habe wohl nur den Werth einer Demonstration und einer Warnung.

Wilhelmshaven, 12. October. DaS Kanonenboot Hyäne" ist nach neunjähriger Abwesenheit gestern au« Kamerun wohlbehalten hier etngetroffe».

Leipzig, 12. October. Heute verhandelte daS Reichs­gericht über die Berufung des Abgeordnete» Liebknecht gegen daS Erkenutniß der Strafkammer zu BreSlau, welche ihn am 15. November 1895 wegen Majestät«- beleidtguug zu vier Monaten Gefängniß verurthetlt hatte. Die Beleidigung war bekanntlich iu der Rede gefunden wordeo, mit welcher Liebknecht den Breslauer Parteitag eröffnete. Die Revision Liebknechts wurde heute mit der Begründung verworfen, daß die Feststellung des Landgericht« Breslau ohne Rechtswirkung fei.

Budapest, 12. September. Bet der im Mat nächsten Jahres stattfindendeu Jahresversammlung der ungarischen Akademie der Wiffenschaften wird Kaiser Wilhelm zum Ehrenmitglied der Akademie ernannt werden.

Lemberg, 12. Oktober. Wie derCzaS" meldet, hat der Zar dem Grafen Badeni gelegentlich deffen Verwundung im Duell mit dem Abgeordneten Wolff seine Sympathie auS- gedrückt.

Rom, 12.October. Die Aufregung in der Stadt über die gestrigen Vorgänge ist ungeheuer. Wieviel Ber- wundete es in der Volksmenge gab, läßt fich kaum feststelleu. Alle Zugänge zum Ministerium bleiben vorläufig besetzt.

Rom, 12. October. Mtnisterpräfident Rudini hat der Commission der Kaufleute geantwortet, daß er eine Commisfiou zur Prüfung der Beschwerden etnsetzen werde und hoffe, eine Ermäßigung der Steuer gewähren zu können. Heute werden der Mtnisterpräfident und Finanzmtutster mit dem Bürger­meister von Rom, dem Präfideuten der Handelskammer und dem Präsidenten des Verein» der Kaufleute eine Confereuz abhalten, um zu prüfen, was im Jntereffe der Steuerzahler geschehen kann.

»yw» sie lärmten und polterten immer lauter. Zuletzt verlangte» fie ein Bett.

Wir haben keins übrig, die vorhandene» find für den Herrn Marschall und sein Gefolge bestimmt," fertigte Riemer fie ab.

Wir müffen haben et» Bett."

Die sechzehn Husaren schlasen ja auch auf dem Fuß­boden"

Ist ganz egal. Wir sein müde, wir habe» gefochten in der Schlacht. Ein französischer Soldat ist kein Hund wir müffen haben ein Bett."

Zornig stürmten fie die Treppe hinauf, zu nehmen, «a« mau ihnen verweigert. So geriethen fie in das Schlaf­zimmer de« Hausherr». Mit gezogene» Säbel» drangen sie auf ihn ein, der fie ersuchte, fich ruhig zu verhalten. A« einem Haar hing da« Leben des großen Manne«. Da stürzte Christiane herbei, bleich, aber entschloffen. Sie wollte ihr Leben daran wagen, da« de« geliebten Mannes, de« Vaters ihre« August, zu reiten.

Zurück!" herrschte fie die Betrunkenen an, fich zwtstve» diese und den Dichter wersend. Mit sester Hand zog fie ihn zurück, laut nach Hilfe rufend.

(Schluß folgt.)