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Zweites Blatt
Donnerstag de« ^4 Januar
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Kenerat-Anzeiger
Iliitte* und Anzeincdlutt für den Äveis Gieren
Hratisöeitage: Gießener Kamikienbkätter.
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kerngesunde Familie!
Darmft. Ztg.
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igenen Familie wett tn sind anzulegen.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de, folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.
Die Gießener
A>amikieuvtälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
24. Januar e., ^8 Uhr:
Umilicber Tbeil
Der
Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.
-o- Altenstadt, 11. Januar. In der letzten Woche verunglückte eine Mtlchkutsche der hiesigen GenosienschaftS- molkerei, welche an jedem Morgen die Mikch aus den Nach« barorten Rommelhausen und Oberau abzuholen hat. Die Lenkerin des Fuhrwerks hatte von dem dortigen Gutspächter ein Pferd geliehen. Kaum hatte dieses, welches sich wohl den knochigen Fäusten seiner Besitzer fügt, aber an die zarte Hand einer Dome nicht gewöhnt ist, den Ort verlafien, so jagte eS auch schon in voller Carrtöre dahin. An der Stelle vor dem Walde, wo die Straße in einem fast rechten Winkel umbiegt, fiel die Kutsche um, die Milchkannen flogen auf die Chaussee und in den angrenzenden Graben, das Mädchen aber besaß Geistesgegenwart genug und sprang auf der entgegengesetzten Seite von dem Bocke herunter. Durch das Umfallen hatte sich die Scheere von dem Wagen getrennt, und das Pferd eilte wieder seiner Behausung zu. Die Kutscherin, welche zwar an demselben Tage mit etwas Ber spatung ihre Fahrt fortsetzte, hatte sich durch den Sprung doch solche Verletzungen am Fuße zugezogen, daß sie seither
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das Fuhrwerk dem eigentlichen Unternehmer desselben über- lasten mußte. Außerdem find auS mangelhaft verschlossenen Kannen etrra 40 Liter Milch ausgelaufen.
n. Nieder Florstadt, 10. Januar. Welch großer Segen diePfennigsparkafsen, wenn richtig geleitet, sein können, das erkennt man hier immer mehr. Seit etwa 14 Jahren besteht hier eine solche Kaffe, die bet einer wöchentlichen Einlage des einzelnen Mitgliedes von 5 bis 95 Pfg. bereits ein Gesammtgurhaben von 13,088 Mk. 67 Pfg. hat. Dabei werden aber fast in jedem Monat Beträge zurückerhoben. Am meisten geschieht dies im Herbst zu Martini, wenn so mancherlei Zahlungen zu leisten find. Mancher der 327 (Sin- leger hat sich durch ein kleines wöchentliches Opfer schon Beitreibungskosten gespart, weil er in Zeiten der Bedrängniß ein verfügbares Sümmchen zur Hand hatte. Die zurückerhobene Summe erreichte im abgelaufenen Jahr die Höhe von rund 3000 Mk.
n. Staden, 10. Januar. Gelegentlich der Regulirung eines kleinen Brandschadens ergab sich die Nothwendigkeit einer neuen Abschätzung für viele Gebäude. Der Ge- meinderath stellte darum den Antrag auf Erneuerung deS BrandkatasterS, welches kürzlich vollendet wurde. Hand in Hand hiermit ging auch eine Aenderung der Numerirnng, indem man die Gebäude nicht mehr durch den ganzen Ort, sondern nur straßenweise mit fortlaufenden Nummern versah.
Lindhei«, 7. Januar. Bei der Eröffnung deS ersten CursuS unserer landwirthschaftltchen HauSh altungS- fchule, die durch den Vorsitzenden des Euratorinms, den Großh. KceiSrath Herrn Geh. RegterungSrarh Kl ietfch von Büdingen geschah, wurden 22 neue Schülerinnen ausgenommen, davon sind 12 auS Oberheffen, 2 aus Starkenburg, 2 aus Rheinhessen, die übrigen auS den angrenzenden preußischen Provinzen. Die Zahl der Anmeldungen war größer,- die nicht Aufgenommenen haben sich sofort für den zweiten Cursus, der im Juli 1897 beginnt, angemeldet. Die Zahl der Aufzunehmenden wird um deswillen beschränkt, weil die Anstalt bei zu großer Frequenz nicht in vollem Umfange den an sie gestellten Forderungen nachkommen kann.
ErbeS VndeShei«, 8. Januar. In seltener geistiger und kö iperlicher Rüstigkeit leben hier drei Brüder, die zusammen da»namhafte Alter von 232 Jahren repräsentiren. ?Es sind dies die Herren Landwirth Jakob Lahr (81 Jahre alt), Privatier Heinrich Lahr (78 Jahre alt) und Landwirth Georg Lahr (73 Jahre alt). Die Schwester der Greise starb vor men'gen Tagen in einem Alter von 83 Jahren. Gewiß eine
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j Zeitalter, um wieder einmal die ewig junge, nie alternde Natur zu bewundern. Wir machten nämlich am Nachmittag einen Ausflug auf einem der vielen Vergnügungsdampfer nach dem Städtchen Skodsburg, das sehr schön und romantisch gelegen ist. Dann durchzogen wir herrliche Waldungen und Wiesen, um zuletzt in den königlichen Thiergarten zu gelangen. Hier hatten wie die Ehre, von einem 150 Stück starken Rudel Rehen angegafft zu werden, die ruhig auf der Wiese lagerten, die aber, sobald wir ihnen nähertraten, scheu zurücktraten und von bannen zogen, um nach und nach, wie sich die Entfernung zwischen ihnen und uns wieder vermehrte, in kleinen Trupps zu ihren Lagerplätzen zurückzukehern. — Mitten im Thiergarten befindet fich die Eremitage, ein beliebter Sommeraufenthalt des Königs. Von da ging der Weg nach Klampenburg In dtefm Städtchen ist im Sommer ein immerwährender Jahrmarkt. Da wimmelt es von Kopenhagenern, die fich hier einen freien Nachmittag gönnen. Lustige Weisen wurden von einer Dorscapelle aufgefpielt und Alt und Jung drehte fich im Reigen. Ich wagte eS, eine junge Blondine zum Walzer aufzufordern, welcher mir sofort gewährt wurde, denn die Däninnen sind bekanntlich leidenschoft- liche und sehr gute Tän-krinnen. Unsere terpsichorische Hebung war natürlich von keiner Unterhaltung gewürzt, da ich meine Partnerin für stockdänisch hielt. Als ich Abends im Eisenbahnzuge saß, bemerkte ich in meinem vis-A-vis meine schöne Tänzerin, neben der eine ältliche Dame saß. Ich blickte zum Fenster hinan», um die schönen Gärten und herrlichen Felder zu bewundern. Da hörte ich, wie die jüngere zu der alten Dame in leisem Tone sagte: „Mit dem Manne da, der auS dem Fenster hinausfieht, hab' ich auch eine Tour gemacht." ES traf mich wie ein Blitz, aber ich schwieg still. Nun mochte sie mich für einen Dänen halten. Eine besondere Anziehungskraft besitzt Klampenburg mit seinen vielen Badeanstalten. Wir bezahlten 50 Oere für das Privilegium, ein gute» Seebad zu nehmen. Badeanzüge find ein unbekannter LvxuS.
Als wir am späten Abend zu unserem schwimmenden
Bekanntmachung,
die Nachsuchung der Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst auf Grund von Schulzeugnissen betreffend.
Diejenigen jungen Leute, welche auf Grund ihrer Schulzeugnisse die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst nachsuchen wollen, werden hierdurch auf die nachfolgenden, bei Anbringung der Gesuche zu beachtenden Vorschriften mit dem Anfügen aufmerksam gemacht, daß hiernach unvollständige Gesuche ohne Weiteres zurückgegeben werden.
1) Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfungs- Commission nur dann einzureichen, wenn der sich Meldende im Großherzogthum gestellungspflichtig ist, d. h. seinen dauernden Aufenthaltsort hat.
2) Die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst kann nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr und muß spätestens bis zum 1. Februar des Jahres nachgesucht werden, in welchem das 20. Lebensjahr vollendet wird.
Der Nachweis der Berechtigung zum einjährigen Dienst ist bei Verlust des Anrechts spätestens bis zum 1. April desselben Jahre» zu erbringen. (Wenn z. B. mit Rücksicht auf da» Lebens- alter die Einreichung des Gesuchs nicht weiter hinausgeschoben, das vorschriftsmäßige Schulzeugniß aber erst am Schluffe des Schuljahres ausgestellt werden kann.) In solchen Fällen ist in dem Gesuch anzugeben, daß das Schulzeugniß bis 1. April nachfolgen werde.
3) Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben sein und ist hierzu ein Bogen in Actenformat (nicht Briefpapier) zu verwenden. Auch ist die nähere Adresse anzugeben.
4) Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen:
a) Geburtszeugniß;
d) Einwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über Bereitwilligkeit, den Freiwilligen während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten, sowie die Kosten für Wohnung und Unterhalt zu übernehmen. Die Fähigkeit hierzu ist obrigkeitlich zu bescheinigen;
«) ein Unbescholtenheitszeugniß, welches für Zöglinge von höheren Schulen (Gymnasien, Real-
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Vorstand eingeladene @ä;. nilie einführen.
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Der Vorstand.
gymnasien, Ober-Realschulen, Progymnasten, Realschulen, Realprogymnasien, höheren Bürgerschulen und sonstigen militärberechtigten Anstalten) durch den Director der Anstalt, für alle übrigen jungen Leute durch die Polizei-Obrigkeit oder ihre vorgesetzte Dienstbehörde auszustellen ist;
d) das Schulzeugniß.
Sodann wird noch besonders bemerkt:
Zu pos. b: daß in dem Einwilligungs-Attest die Unterschrift des Vaters oder Vormundes beglaubigt sein muß.
Zu pos. d: daß die Schulzeugnisse, mit Ausnahme der Reifezeugniffe für die Universität und die derselben gleichgestellten Hochschulen und Reifezeugniffe für die Prima der Gymnasien, Realgymnasien und Ober-Realschulen, sämmllich nach Muster 18 zur Wehr-Ordnung vom 22. November 1888 — Reg.-Bl. Nr. 27 von 1894 — ausgestellt sein müssen.
Im Uebrigen wird auf die Bestimmungen der §§ 88, 89, 90, 93 und 94 der angeführten Wehr-Ordnung verwiesen.
Großh. Prüfungs - Commission für Einjährig-Freiwillige zu Darmstadt.
Der Vorsitzende: Dr. Kayser.
Hotel znrückkehrten, wobei wir das Börsengebäude pasfirten, grinsten mich die bekannten Drachenköpfe ganz eklich an, und mir kam ein Grauen, al» ich die verschlungenen Leiber der Seeungeheuer betrachtete, die fich zu einem spitzen Thurm in die Höhe trieben. Ich habe das immer als eine treffende Sathre auf dieses Institut gefunden.
WaS unseren Gastgeber, den Dänen, im Allgemeinen betrifft, so hat unS der kurze Verkehr mit ihm die Idee ge- geben, daß er intelligent und sehr freundlich ist. In den Schulen wird Deutsch gelehrt, nicht aus besonderer Liebe dazu, sondern weil es al» nützlich scheint, die Sprache seine» mächtigen Nachbars zu erlernen. Etwas reservirt kam er mir gegen den TlSke vor, denn er hat den Verlust der zwei schönen Steine in der Krone Dänemark» noch immer nicht verschmerzt.
Hier fällt mir eine kleine komische Episode bei, die diese» Hangen und Bangen um Schleswig - Holstein vortrefflich illustriren mag. Der Berliner Müller hatte einmal auf dem Schiffe mit einem jungen dänischen Backfischchen, das nach Bergen zu Verwandten reifte, eine besonders durch die Mimik unterstützte Unterhaltung. Die Dame schwärmte natürlich für Kopenhagen, Müller für Berlin. Endlich ward fie böse. „D, ich lieb nicht Prenß, daS iß so bö»," war ber CulminationSpunkt ihres vollen Herzens. — „Na, na," meinte Müller, „wenn so ein schöner Jardelentnant käme, würben Sie fich am Enbe doch bewegen kaffen, ihn zu hei- rathen." — „O ja," gab bie Dänin zur Antwort, „wenn Schleswig Holstein geben toieber an un»." — „Liebes Fräulein," sprach lächelnd Müller, „daS ist doch etwas viel verlangt. Würden Sie fich nicht mit einer der beiden Provinzen zufrieden geben?" — „Nun ja," lautete die Antwort, „machen Sie an Kaiser, er geb Schleswig an un», ich Leutnant nehme." — „Gut, mein liebes Fräulein," sprach lachend Müller, „ich werde mit dem Kaiser darüber sprechen, sowie ich nach Berlin zurückkehre."
(Fortsetzung folgt.)
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Feuilleton.
Eine Spazierfahrt nach Norwegen
Reiseerlebnisse von Joseph Kahn. Ranstadt (Oberheffen).
(3. Fortsetzung.)
Auf unserem heutigen Progcamm stand neben einem Ausflüge auf» Land der Besuch des nordischen Museums. Nordske Oldsaga befinden fich in einem sehr alten und einfachen Gebäude, dessen AeußereS Niemanden zu dem Gedanken verleiten würde, daß so kostbare Schätze in seinem Innern aufbewahrt find. Für die scandinavischeCulturgefchichte find fie ober von unschätzbarem Werthe. 40,000 Gegenstände find in 19 Sälen aufgehäuft und chronologisch in fünf Haupt- Abteilungen geordnet, wie folgt: 1. Abtheilung, Saal 1 bis 3, Gegenstände aus der Urzeit, der sogenannten Steinperiode, und birgt in 50 Schränken eine große Auswahl ton HauS> und ArbeitSgeräthschaften, Waffen und Schmuck- gegenständen, welche au» Kiesel, Feuerstein, Thierknochen und Geweihen gefertigt sind; 2. Abtheilung: Broncezeitalter, 40 Schränke. Darunter ist von besonderer Bedeutung eine broncene Krone von Tondering. 3. Abtheilung: Eisenperiode. 38 Schränke. Mehrere Gegenstände sind mit Runenschrift versehen. 4. Abtheilung: Mittelalter bis zum 16. Jahrhundert, und 5. Abtheilung: eine Münz- und Medaillen- sawmlung. Die wenigen Stunden unter diesem Ueberbletbsel einer vergangenen Periode genügten wenigstens, uns einen Begriff zu geben von der Ausdauer und Fertigkeit der Urbewohner dieses Landes. Viele» von dem, wa» ich sah, zeigt von ungeheurer Geschicklichkeit und eS ist wirklich zu bewundern, wie man ohne die Werkzeuge der modernen Zeit ble kostbaren Sachen Herstellen konnte. Auch einige sehr primitive Särge find ausgestellt. Sie find ans Baumstämmen gehauen mit den Reliquien der Todten darin. In einem berselben lagen noch die Haare, die schwarz waren und denen eine» Indianers glichen.
Ich trennte mich endlich von den Mementos verschollener


