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Nr. 188
Erstes Blatt
Kreüag den 13. August
Gießener Anzeiger
Kenerat-Mnzeiger.
Vierteljähriger AöonnemeutspreiL r 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg.
Die Gießener AauritienSkälter werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt.
Der
-tetzeuer Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme drS MontagS.
Redaction, Expedition und Druckerei: f
Kchutstraße Ar.7.
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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.
Gratisbeilage: Gießener Jamitienölätter.
Alle Annoncen-Bureaux dcS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger* mtgeg«.
Bekanntmachung,
betreffend: Schießübungen.
Mit Bezugnahme auf unsere Bekanntmachung vom 9. l. SWt«. (Anzeiger Nr. 186) bringen wir hiermit zur öffent- lichen Kenntniß, daß das darin erwähnte Schießen des In« fanterie-RegimentS „Kaiser Wilhelm" am 16. l. Mts. aus- fällt, dagegen am 12., 13., 14., 18. und 19. l. Mts. auf den Höhen östlich von Mainzlar geschoffen wird.
Gießen, den 12. August 1897.
Großherzoqliches Kreisamt Gießen.
I. V.: Dr. Wagner.
Gießen, den 12 August 1897.
Betr.: Wie oben.
Das Grobherzogliche Kreisamt Gietzeu an die Großh. Bürgermeistereien Alteu-Buseck, Beuern, Climbach, Danbringen, Mainzlar und Treis a. d. Lda.
Die vorstehende Bekanntmachung wollen Sie in orts» üblicher Weise zur öffentlichen Kenntntß bringen.
I. V.: Dr. Wagner.
Gießen, den 9. August 1897. Die
Hrotzh. Kreis-Schutcom«Won Meßen
an die Schulvorstände des Kreises.
Nachstehende Mtnisterial.Berfügung theilen wir Ihnen zur Kenntnißnahme mit.
I. V.: Dr. Wagner.
Darmstadt, den 4. August 1897.
vetr.: Der Geschäftsmann. Ein Rathgeber bei den schriftlichen Arbeiten des Handwerkers und Kleingewerbetreibenden. Zum Selbstunterricht, sowie zum Ge- brauch in Fortbrldungsschulen bearbeitet und her- auSgegeben von I. Wewer, Rector. Dritte verbesserte Auflage. Dülmen i. W. 1896.
Das Großh. Ministerium des Innern Abteilung für Schulangelegenheiten
an die Großherzoglichen Kreisfchulcommisstoueu.
Wir machen Sie auf das rubr. Werk unter drm Anfügen aufmerksam, daß der Verfasser seine Aufgabe, für den
Geschäftsmann ein Hilfsmittel bei Anfertigung der schriftlichen Arbeiten zu schaffen, gut gelöst hat. Alle in Betracht kommenden Verhältniffe find berücksichtigt, die Beispiele gut gewählt und die Erläuterungen trotz der gebotenen Kürze klar, allgemein verständlich. Das Buch wird den Lehrern der Fortbildungsschule bet ihrer Vorbereitung gute Dienste leisten. Auch als Prämtum kann es zweckmäßig verwendet werden.
I. V.: Usinger.
de Beauclair.
Deutsche» Reich»
Darmstadt, 11. August. Seine Königliche Hoheit der Großherzog find gestern Abend in Begleitung deS Cabi- netSrathS Römheld in erwünschtem Wohlsein von Bayreuth nach Jagdschloß Wolfsgarten zurückgrkehrt. Seine Königliche Hoheit werden Freitag den 13. d. M. im Großherzoglichen Schlöffe Audienzen ertheilen, sowie Meldungen und Vorträge enrgegenvehmen.
Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Berlin, 11. August. Der „Reichsanzeiger" meldet: Graf Posadowskh ist mit der Stellvertretung des Reichs- kanzlers in der Leitung der Retchsbank und Freiherr v. Thielmann mit der Stellvertretung des Reichskanzlers in den Finanzangelegenheiten des Reiches beauftragt worden.
Haag, 11. August. Um Mitternacht wurden 15 Personen, welche fich vor der spanischen Gesandtschaft versammelt und dort anarchistische Rufe ausgestoßen hatten, verhaftet und der Polizeibehörde übergeben.
Paris, 11. August. Der „TempS" sagt in einer Besprechung der Trinksprüche der beiden Kaiser in Peterhof, dieselben hätten mit dem Austausch höfischer Artigkeit und Gala Beredtsamkeit gleichzeitig conservative Politik gemacht. „Man hat den eigenen Völkern und Europa kundgethan, daß sich nichts in der Welt geändert hat, nur daß es unter vielen anderen zwei Souveraine gibt, die guten Willens find, zwei gekrönte Friedensfreunde. DaS war es gerade, was das Publikum, welches nachdenkt, er» wartet hat. Es ist nicht schlecht, daß das Ereigniß seiner Erwartung so rasch und so vollkommen entsprochen hat."
Madrid, 11. August. Der Zug mit der Leiche Canovas del Castillos ist heute früh gegen 7 Uhr hier eingetroffen. Die Mitglieder der Regierung, die Be- Hörden, sowie Abordnungen sämmtlicher Körperschaften und
Ferrilleton.
Kie Telephonstation aus dem Zwetschenbaum.
Die „D. Verk.-Z." bring! von Albert Sabarly, einem früheren Schüler deS Garvier'schen Instituts in Friedrichsdorf lm Taunus, welchem Philipp Reis s. Z. als Lehrer angehört hat, eine Erinnerung an den Erfinder des Fernsprechers unter der Überschrift „Die Telephonftation auf dem Zwischen- bäum". Sabarly war von 1858 ab Schüler des Garnier- schen Instituts und verlebte viele freie Nachmittage im Reis- scheu Hause, dabei seinem verehrten Lehrer bet den physikalischen Experimenten hilfreiche Hand leistend. Wir lassen dem Der- saffer selbst das Wort:
Eines Tages brachte Reis von Frankfurt ein Modell mit — die Nacbbildung eines menschlichen Ohres in Holz geschnitzt, mit Trommelfell und Hämmerchen. Reis wollte practtsch versuchen, was ihn seil einiger Zeit unausgesetzt beschäftigte. Der Ton, das Wort, welche daS Gehörsyfttm des Menschen aufnehmen, sollte auch in dieses hölzerne Ohr bringen — aber dort nicht verhallen, sondern durch den galvanischen Strom auf eine Entfernung fortgetragen und an der Endstation reproducirt werden. Bon der Sprech- ftation (vom hölzernen Ohr resp. vom Hämmerchen) aus wurde die Leitung nach einem hinteren Zimmer geführt; hier befand fich der Hörapparat, welcher zur Verstärkung deS Tones auf einer Geige angebracht war, die als Resonanz- hoben diente. Die Lntung wurde geschloffen, die Batterie in Thätigkeit gesetzt und bann schärfte mir Reis ein, genau zu horchen und auf einer Tafel niederzuschreiben, waS ich vernehmen würde. Hotte ich trotz meiner Jugend mit Staunen die Telegraphie begriffen, so erschien eS mir geradezu wie ein Wunder, daß man den Ton der Stimme an der Hör- ftalion wieder hervorzaubern könne. Dies mag einen Begriff geben von der Erregung, die mich beherrschte, als ich im hinteren Zimmer, erwartungsvoll über die Geige gebeugt,
w——
auf das geringste Geräusch lauschte. Da plötzlich knattert eS — einige stoßarttge Töne — Rauschen — wieder Knattern — — — ReiS kommt zu mir: „Nun, hast Du waS gehört?" Enttäuscht meldete ich, daß ich nichts verstanden habe. Er ließ sich das Gehörte näher beschreiben und schien nicht so unzufrieden wie ich, da er doch feststellen konnte, daß der Schall bis zu mir gedrungen war und daß ich verschiedene Modulationen bestätigte. Einige Zeit verging, er brachte andere Modelle von Ohren mit, eS wurde fortwährend experimentirt. Da — eines Tages stürzte ich zur Thüre herein und meldete: „Ich habe was gehört, ich had's verstanden, Herr Reis." „Was hast Du gehört, zeig her." Auf meiner Tafel stand: a, e, da — es stimmte mit dem, waS Reis in daS Ohr gesprochen hatte. AufS Höchste befriedigt mit diesem Resultate, setzte er die Versuche fort. Weitere Verbesserungen ermöglichten eS, fast alle Vocale und viele Consonanten verständlich zu reproduciren. Daß ReiS Tag und Nacht über die Sache grübelte, war selbstverständlich. Immer wieder fuhr er nach Frankfurt zu Albert, dem Instrumentenmacher — immer wieder wurden Verbefferungen deS Apparates vorgenommen. Eines Tages sagte mir Reis nach beendigtem Unterricht im Institut: „Du kannst heute Mittag zu mir kommen. Ich werde Dir etwas Neues zeigen." Dabei zog er die Unterlippe weit über die Oberlippe herauf und in seinen Augen spiegelte sich ein gutmüthig schlaues, aber sehr bedeutungsvolles Lächeln — wer ReiS kannte, wird wissen, daß dies seine Miene war, wenn er etwas besonders Wichtiges, UeberraschendeS zu verkünden hatte. Meine Wiß- begierde ließ mich nur mit Ungeduld die Beendigung des Mittagsmahls abwarten und frühzeitig war ich bei Reis. Endlich ging eS hinunter in daS physikalische Gabinet. Ein LeitungSdraht wurde durch das Fenster — über den Hof — ein Hintergebäude — bis zum dahinterliegenden Garten gezogen; dies war eine beträchtliche Entfernung im Vergleich zu den bisherigen Versuchen. Die Endstation wurde auf dem Zwetschenbaum errichtet. Der ganze Nachmittag war über
eine ungeheure Menschenmenge hatten auf dem Bahnhöfe und in der Umgebung desselben sich eingefunden. Der Sarg wurde sodann von Truppen geleitet nach dem Hotel be» Verftorbenen übergeführt, wo eine schöne Capelle hergerichtet ist. Hier wurden Messen gelesen, nach deren Beendigung die Capelle dem Publikum offenstand. — Der Mörder CanovaS« ist nach Vergara übergeführt worden.
Madrid, 11. August. Die Regierung hat beschlossen, den Mörder deS Ministerpräsidenten CanovaS dem Militärgericht zur Aburtheilung zu überweisen.
Petersburg, 11. August. Die hiesigen Zeitungen besprechen die Erklärung Kaiser Wilhelms in Peterhof, zur Erhaltung deS europäischen Frieden» mit Rußland zusammengehen zu wollen. Die „Nowoje Wremja" verknüpft diese Erklärung mit der Dringlichkeit einer Einwirkung Europas auf die Türkei in der Frage der definitiven Regelung des Schicksals der Insel Kreta und in der Frage der inneren Reformen in der Türkei. Die „Birschewija Wjedomost." freuen fich, daß die erwähnte Erklärung deS deutschen Kaiser» durch eine Frieden»liebe bekundende Ansprache des Zaren hervorgerufen sei, und dankt dem mächtigen Nachbar bei Zaren von ganzem Herzen für seine so bedeutungsvolle Antwort. DaS Blatt wünscht endlich dem scheidenden Gaste eine lange Regierung zum Segen der gesummten ctvtlifirten Welt. Die „Nowosti" find fest davon überzeugt, daß der Aufenthalt des deutschen Kaiserpaares in der Residenz be» Zaren als Stützpunkt für die Weiterentwickelung der friedlichen Beziehungen zwischen Rußland, Deutschland und allen europäischen Staaten gelten werde.
Petersburg, 11. August. Ein Telegramm der „Nowoje Wremja" meldet aus WjaSma, Gouvernement Smolensk, daß gestern in dem Orte an drei verschiedenen Stellen Feuer auSgebrochen ist, wodurch 126 Häuser eingeäschert wurden. Abends brannte es noch an einer vierten Stelle. Die Bewohner find sehr erregt und vermuthen Brandstiftung. Der entstandene Schaden ist sehr beträchtlich. Der Gouverneur ist aus Smolesk in Wjasma eingetroffen.
Kronstadt, 11. August. Gegen 1 Uhr trafen da» deutsche und da» russifche Kais er paar an Bord de» PanzerschaffeS „Kön.g Wilhelm" ein, wo sie beim Prinzen Heinrich frühstückten. Dichte Menschenmuffen erfüllten die Kronstädter Quais. Bald nach 4 Uhr erkannte man an den Manöoern der Schiffsmannschaften, daß der Augenblick der Verabschiedung gekommen sei. Die Rhede bot ein prackr- volles Bild, die See war von leichter Brise bewegt. Um 48/t Uhr gab der Panzer „König Wilhelm" das Abfahrt», fignal, die deutschen Schiffen donnerten Abschiedsgrüße und
diese Vorbereitungen hingegangen. Nun saß ich oben auf drm Baum vor der Geige, auf welcher die Hörstation an- gebracht war. Ich horchte — horchte — und horchte — plötzlich ein Geräusch — aber was? vergeblich strengte ich mich an, zu verstehen — eß surrte — schnurrte — knatterte — ha, endlich „a" ganz deutlich, dann „e", wieder „a" usw. Als Reis kam und da» Gehörte mit seiner Tafel verglich, stimmte eß ganz genau — das war der erste glänzend gelungene Versuch — der zweifellose Beweis, daß der Apparat gestattete, in die Ferne zu sprechen. „Nun, was sagst Du dazu? Ist daS waS Neues?" rief er mir zu in menschlich reiner Freude an dem wunderbaren Erfolg. — Kein Stolz — keine Ueberhebung, vielmehr ein muthtge» Drängen: cS muß noch viel besser werden und eS wird noch besser, da» unterliegt gar keinem Zweifel — so ist mir der Moment im Gedächtniß. Sofort gingS wieder auf den Baum. Jch horchte und schrieb wieder: b, d, k und andere Consonantcn — da plötzlich versagte die Leitung — Surren, Hämmern, Schnurren — — nichts mehr zu verstehen: die Leitung war gestört, aber nicht durch Sturm und Wetter- wahrscheinlich hatte eine Katze baß Unglück angerichtet, dem jedoch bald wieder abgeholfen war. Weiter gingen die Versuche: fast alle Consonanten sowie Silben und Worte kamen deutlich, nur die Zischlaute, besonders daS f, waren unsicher zu verstehen. Mit diesem Resultate hielt Reis einen Vortrag im Freien Deutschen Hochstist zu Frankfurt a. M. Unendlich glücklich erzählte er mir, welche Sensation die Erfindung gemacht habe — man habe ihn wahrhaft gefeiert. Reis hatte niemals eine Hochschule besucht, aus eigener Kraft hatte er eine weltbeherrschende Erfindung gemacht — er blieb ein bescheidener Mann sein Leben lang, der es ganz natürlich zu finden schien, daß die Logik seiner Arbeiten zu dem Resultat führen mußte.
Herr Sabarly hat hiermit festgestellt, daß die erste Telephonstation thatsächlich aus dem Zwetschenbaum war.


