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13.6.1897 Zweites Blatt
 
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1897

Nr. 136 Zweites Blatt. Sonntag den 13. Juni

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Oietzener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS

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Die Gießener M««ttienvtälter werden dem Anzeiger «vöchentlich dreimal beigelegt.

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Locales und provinzielles.

Sieben, de« 12. Juni 1897.

* Turuerifches. (Verspätet eingesandt.) Auf Pfingsten hat der hiesige Männer-Turnverein unter Leitung seines rührigen ersten Turnwarrs Frech bet guter Betheiligung auch von Seiten der älteren Mitglieder eine zwei­tägige Rheinturnfahrt unternommen, die, vom Wetter begünstigt, aufs Schönste verlaufen ist. In RüdeSheim, bis wohin am ersten Feiertag früh die Bahn benutzt wurde, wurden die Theilnehmer von dem früheren Mitgliede dieses Vereins, Herrn Reallehrer Schmuck in Bingen dem Gauvertreter des Gaues Rheinhessen und ersten Sprecher des Turnvereins Bingen begrüßt. Unter seiner Führung ging er nach dem Ntederwalddenkmal, AßmanuShausen, an Schloß Rheiustein vorbei durch das Morgenbachtha! nach dem SchwetzerhauS und von da nach Bingen, dem Ausgangs­punkte der ersten TageSreise. Abends veranstaltete der Turn­verein Bingen zu Ehren der Gießener Turner einen recht schön verlaufenen Commers mit Musik. Mit großer Freude begrüßt wurde die Zusage der Bingener Turner, bet ihrer bemnächstigen Lahnthal-Turufahrt auch unserer Vaterstadt einen Besuch abzustatten. Schon um 5 Uhr am folgenden Morgen mußte die schöne Stadt Bingen verlaffen werden, wo die Fahrttheilnehmer überaus herzlich ausgenommen worden waren. DaS Dampfboot brachte dieselben in abwdchselungS- reicher Fahrt nach Capellen. ES wurde da» reizende Schloß Stolzenfels besichtigt und dann nach Coblenz, von da über Ghrenbreitstein nach dem Wallfahrtsorte Arenberg und von hier nach Bad Ems gegangen, von wo das Dampfroß die Turnerschaar wieder hierher brachte. Gewiß wird allen Thetlnehmeru diese Tnrnfahrt, die sie an viele schöne Orte unseres lieben Vaterlandes führte, noch recht lange in an­genehmer Erinnerung bleiben. Gut Heil!

lieber die Erträge aus Mieden Steuern und die in Aussicht genommene weitereReform der directen Steuern" hat sich Finanzminister Weber in seinem, in letzter Sitzung der Zweiten Kammer erstatteten Vortrag wie folgt aus­gesprochen :WaS die Erträge ausDirecten Steuern" an- langt, so hätte wohl vermuthet werden können, daß die in­folge des vom Beginn des Jahres 1896/97 wirksam ge­wordenen neuen Einkommensteuergesetzes und der hiermit etn- geführten EinkommenSdeclarationSpflrcht heroorgerufene stärkere Steigung der Einkommensteuercapitalieu in 1896/97 gegen 1895/96, die hauptsächlich das abnorme Plus des Steuer­

ertrages in jenem Jahre von 514,000 Mk. veranlaßte, einen Theil des Zugangs an directen Steuern, der sonst in den nächsten Jahren zu erwarten gewesen wäre, vorweggenommen hätte- die späte Ausstellung deS Hauptvoranschlag- ermög­lichte es indeffen noch, die Ergebnifie der Steuerregulirung für 1897/98 in Betracht zu ziehen und da diese bei Be­rücksichtigung deS Steuerabgangö der Hessischen Ludwig-- Eisenbahn wegen Verstaatlichung derselben ein PluS an Steuer gegen 1896/97 von 270,000 Mk. ergab, so glaubte man auch jetzt wieder, wie bisher geschehen, bei der Veran­schlagung deS Aufkommens aus directen Steuern mit einem Jahreszugang von 200,000 Mk. rechnen zu können. Aus­gehend von den RegulierungSergebniffen pro 1897/98, ge­langte man so auf einen Anschlag von 10,360,000 Mk. für ein Jahr der Finanzperiode gegen bisher 660,000 Mk. mehr. Eine Erhöhung der AuSschlagscoöffictenten braucht auch diesmal nicht vorgesehen zu werden. ES wird für Sie von Jnteresie sein, wenn ich Ihnen bet dieser Gelegen­heit mittheile, daß die verfloffene Finanzperiode, ungeachtet int letzten Jahr derselben das neue Einkommensteuergesetz mit seiner verstärkten Progression und der neuetngeführten De- clarationSpfltcht in Wirkung getreten ist, nur einen Mehr­ertrag an Einkommensteuer von 117,254 Mk. gegenüber dem noch auf das alte Gesetz gebauten Anschlag im vorigen Budget geliefert hat. ES waren nach letzterem erwartet worden im ersten Jahr der Finanzperiode 9,500,000 Mk., im zweiten 9,700,000 Mk., im dritten 9,900,000 Mk., zusammen 29,100,000 Mk. Das erste Jahr blieb aber um etwa 60,000 Mk., daS zweite um etwa 70,000 Mk. hinter der Erwartung zurück, während das letzte Jahr, zugleich daS erste des neuen Gesetzes, mit 10,145,000 Mk. Steuer um rund 245,000 Mk. über den veranschlagt gewesenen Satz htnausgivg und gegen dos Vorjahr die schon vorhin erwähnte Steigerung von ruud 514,000 Mk. Steuer aufwieS, von welchem Betrag übrigens, nach den früheren Erfahrungen, nur etwa 300,000 Mk. auf Rechnung der Declaration und Progression zu setzsn sein würde. WaS die in Aussicht genommene weitere Reform der directen Steuern betrifft, so darf ich wohl hier auf die Darlegungen verweisen, welche Ihnen neulich erst in diesem Hause gegeben worden find. Die Mittheilung der zugesagten Denkschrift über diese An­gelegenheit wird thunlichft bald an Sie erfolgen und alsdann eine Commission zur Vorberathung der Steuerreform alsbald eingeladen werden."

Regierung und Arbeitsnachweis. DaS Großh. Heffische

Ministerium des Innern hat in den Voranschlag für die neue Finauzperiode zum ersten Male einen Betrag von 2000 Mk. daS Jahr zur Förderung des Arbeitsnachweises eingestellt. In der diesem Ausgabeposten beigegebenen Be­gründung heißt eS:Auf eine zweckmäßige Ausgestaltung des Arbeitsnachweises, insbesondere einer größeren Ceutralifiruog desselben wird zur Zeit alleuthalbeu mit Recht ein besonderes Gewicht gelegt. In den größeren Städten der Großherzog- thumS find bereits größere, ceutralisirte Arbeitsnachweis' anstalten entstanden, zum Theil von Vereinen ausgehend, wie in Darmstadt, zum Theil städtische Arbeitsämter, wie in Offenbach, Worms und Gießen und neuerdings auch in Mainz. Um den Wirkungskreis dieser Arbeitsnachweisavstalteu zu erweitern, besteht die Absicht, einen telephonischen Verkehr derselben untereinander, sowie mit einer gemeinschaftlichen Centrale einzurichten. Durch die hierdurch gegebene Mög­lichkeit eines fortwährende« Nachrichten-Austausches über Arbeits-Angebot und -Nachfrage wird die Gelegenheit zur Arbeitsvermittelung naturgemäß bedeutend vermehrt und da­mit sowohl den Jatereffen der Arbeitgeber als Arbeitnehmer Rechnung getragen. Zu dem gleichen Zweck ist die periodische Aufstellung von Nachweisen über die bei den verschiedenen ArbeitsnachweiSaustalten vorhandenen Arbeitsangebote i«S Auge gefaßt. Diesen Nachweisungen, welche durch Druck ver­vielfältigt werden sollen, würde thunlichste Verbreitung in den größeren Gemeinden deS Landes zu geben sein. Der in das Staatsbudget eingestellte Betrag soll zur Bestreitung der Kosten des telephonischen Verkehr- der Arbeitsnachweis­anstalten dienen. Durch Ueberuahme dieser Kosten auf die Staat-kaffe (nach dem Vorgang Württembergs) hofft man die ins Auge gefaßte Centralifirung des Arbeit-nachweifes zu fördern und auf eine wirksame Durchführung der geplanten Organisation hinwirken zu können."

Ruppertenrod, 10. Juni. Eine angenehme P fing st- freu de wurde einigen hiesigen Familien zu Theil durch die Auszahlung einer amerikanischen Erbschaft. Beträgt die ElbschastSsumme auch etwa nur 1000 Dollar, so genügt sie doch, da sie eine anfänglich unerwartete war, die Erbe« zu beglücken. Mehr als das Doppelte der zur Vertheilung ge­langten Summe ist in Amerika als Kosten draufgegaugen Wie die Amerikaner dabei zu schneiden verstehen, geht daraus hervor, daß z. B. ein Zeuge für seine Vernehmung 90 Dollar erhielt.

(§) Babenhausen, 10. Juni. Den heute hier abgehal-

Feuilleton.

Märkte und Messen.*)

Von Ludwig Hempel.

(Nachdruck verboten.)

Wer von unS hat noch eine Ahnung davon, was unseren Bätern und Großvätern die Leipziger Mrffe gewesen ist! WaS der Jahrmarkt für eine einzige Stadt, war die Leip­ziger Messe für Deutschland, ja, man darf wohl sagen für ganz Europa. Unstreitig bildet sie noch jetzt eine bedeutungs­volle Institution, aber ihre Blüthezeit ist doch dah'u. Messen und Märkte haben ihre wichtige Rolle in der BoikSwirthschaft auSgespielt, sie sind von der Entwickelung überholt worden oder wir befinden unS doch in der Periode dieses Ueber- gangeS. Ehemals waren sie dagegen von unendlicher Be­deutung für den Handel, zur Zeit, als die modernen Com­munications mittel Leu Verkehr noch nicht so leicht machten als jetzt. Wie find fie zu dieser Bedeutung gelangt? Wie sind sie überhaupt entstanden? Wir wollen versuchen, diese Fragen zu beantworten.

Ihre Geschichte hängt eng zusammen mit der Ent­wickelung deS Handels im Allgemeinen. Als die Menschen ausschließlich Naturalwirthschaft trieben, kannte man einen Güteraustausch, der über die Grenzen gegenseitiger Gefällig- Seit und Unterstützung hinaus ging, noch nicht. Erst die zunehmende Verbreitung und Vergesellschaftung der Menschen machte den gegrnseitigeu Austausch der Erzeugnisse zur Noth- Wendigkeit und legte damit den Grund zum Handel, als dem gewerbsmäßigen Ein- und Verkauf von Gütern zum Zwecke der Erzielung eineß Gewinnes. So lange freilich die Menschen eines einheitlichen Tauschmittels ermangelten, waren der Entwickelung des Handels enge Grenzen gesetzt, man bedurfte beim Ein- und Verkauf der Güter eines Werth- wefferS, der die mühsame Abschätzung der Verkauf-gegenstände überflüssig wachte. Im Gelde fand man da» gesuchte Tausch­

) MU Bezug auf das In diesem Jahre stattfindende 400jährige Jubiläum der Leipziger Messe. D. Red.

mittel. Natürlich find unter Geld ursprünglich nicht Münzen im modernen Sinne zu verstehen. Man bediente sich viel­leicht anfangs gewisser Naturalien, wie Muscheln oder ähn­licher Gegenstände. Die Nothwendigkeit indessen, ein Tausch- mittel von leicht schätzbarem Werthe, möglichster Theilbarkeit und großer Haltbarkeit zu verwenden, führte schon frühzeitig zur Benutzung der Metalle. Wann dies geschehen ist, wissen wir nicht, jedenfalls schon in sehr frühen Culturperioden. Tatsächlich läßt sich bereits in den frühesten Zetten asiatischer Cultur die Verwendung des Geldes als BermittelungSglied Nachweisen.

In der Natur der Sache lag eS, daß sich der Außen­handel vor dem Binnenhandel entwickelte. Einmal bot die See ein bequemeres Verkehrsmittel, während auf dem flachen Lande Straßen und Wege zu wünschen übrig ließen und obendrein von Raubrittern unsicher gemacht wurden, zum andern besaßen die au- dem Auslande eiugeführten Maaren einen höheren Werth. Kein Wunder, daß die Küstenländer vor allen anderen zu Macht und Reichthum gelangten, und in ihnen wiederum die Hafenstädte, in denen die Rheder und Handelsherren wohnten. In ihnen vereinigten sich erklär­licherweise alle Reichthümer und Lvxnsgegenstände der Welt, auch dienten fie naturgemäß zum Stapelplatz der erbeuteten oder erhandelten Waaren, bildeten deßhalb den Anziehungs­punkt für tausende Kauf- und Schaulustige und gestalteten sich zu natürlichen Handels« und Verkehr-centrale«. In solchen Städten bedurfte es nicht der Einrichtung besonderer Messen oder Märkte, in ihnen wurde gewissermaßen dauernd Messe abgehalten. Käufer und Schaulustige drängten sich heran, Waaren wurden ausgestellt, besichtigt, eingehandelt und verkauft.

Anders im Biunenlavde. Hier hemmten, wie gesagt, lange Zeit die mangelnden CommunieationSmittel die Ent­faltung deS Handels. Allmälig aber bildete er fich auch hier aus den Verhältnissen selbst heraus. Die Handelsunternehmer bedurften der Consumenten im Binnenland, fie hatten ihre Abnehmer in den Städten- so entstand der Zwischenhandel. Die Zwischenhändler brauchten ihrerseits Mittel und Wege,

um einen gleichmäßigen und allgemeinen Absatz herbeizuführe». Die Gelegenheiten ergaben fich bald von selbst. Bei fest­lichen Anlässen strömten große Mengen Volkes au- der weiteren Umgegend zusammen, oft kamen z. B. zu Kirche«« feiern Andächttge aus weiter Ferne herbei. Diese Menschen- massen wollten beköstigt fein. Händler sammelten sich an Ort und Stelle, um fie mit den nothwendigsteu Bedürfnissen zu versorgen. Bald hielt man auch Waaren anderer Art feil. Taschenspieler, Schaubudenbefitzer fanden fich ein. Gast- wirthe errichteten ihre Zelte der Markt war fettig. Dieselben jährlichen Gelegenheiten riefen dieselben Erschein­ungen wach, so entstand der regelmäßige Jahrmarkt.

Wie erklärlich, kamen unter den Käufern und Ber- käufern, unter den Einheimischen und Schaulustigen mancher­lei Zwistigkeiten vor, daher sahen die Behörden fich genöthigt, besondere Reglements zu erlassen, um Ordnung in bal ChaoS zu bringen. Das Volk gewöhnte fich bald daran, seine Bedürfnisse auf den Märkten zu decken, besonder- für daS Landpublikum boten fie die einzige Möglichkeit, fich mit den nothwendigen Bedarfsartikeln zu versehen. Da fie der Commune Nutzen brachten, stattete man fie in der Folge mit allen möglichen Privilegien au-, auch besaßen fie noch in späteren Zeiten, wo in Städten und Ortschaften selbst schon Gelegenheit zur Deckung der Bedürfnisse gegeben war, deßhalb Bedeutung, weil fie in der Künstlerischen Periode die einzige Concurrenzinstitution der zuuftmäßig organisirten Handwerker und Gewerbetreibenden darstellten. Auf den Jahrmärkten konnte daS Volk billiger kaufen als in den Läden und Gewölben der städtischen Industriellen, eine Chance, die selbstverständlich fleißig benutzt wurde. Allmäh­lich entstanden, dem fich steigernden oder herauSbildendm Bedarfe folgend, die regelmäßigen Wochenmärkte, sowie eine Anzahl Spectalmärkte, wie Woll-, Vieh-, Zwiebelmärkte u. s. w., also für Producte, die sich entweder nicht lange halten und deßhalb rasch an den Mann gebracht werden müssen, oder die «ur zu ganz bestimmten Zeiten verfügbar sind. (Schluß folgt.)