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13.4.1897 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

Dienstag dm 13. Lipri,

1897

Gießener Anzeiger

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Alle Annoncen-Lureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger- entgegen.

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CocaUs rrnd provinzielles.

Gieße», den 12. April.

Bon der technische» Hochschule Darmstadt. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben «llergnädtgst geruht, dm Privatdozenten an der Technischen Hochschule, Professor Dr. Friedrich Gräfe, zum außerordentlichen Professor für das Fach der höheren Mathematik an dieser Hochschule, dm characterisirten außerordentlichen Professor Dr. Georg Schef­fers zum außerordentlichen Professor für das Fach der dar- stellenden Geometrie, den Electro-Jngenieur Adolf Senge l in Darmstadt zum Lehrer für electrotechnische Constructionen an der Technischen Hochschule zu ernennen.

** Gesellschaft für Erd- uud Bölkerkuude. Zu dem Bor- trage des Herrn Dr. Kolb, Montag den 12. April, Abend» 8 Uhr ist im kleinen Saale desEinhorn" eine recht reich­haltige Sammlung von Waffen, GebrauchSgegensiäudeu und Schmucksachen der Massai und der übrigen Stämme am Kenia sowie eine Samlung von Thterschädelo und Gehörnen, Fellen rc. ausgestellt wordeu.

Acht'UhrLadeuschluß. Die PetitionScommisfion deS Reichstags beantragt beim Plenum des Reichstags, eine Petition, betreffend den obligatorischen Ladenschluß um

Mecklenburg-Schwerin ist gestern Abend 8 Uhr 40 Min. la Cannes an Herzlahmung verschieden. Großherzog Friedrich Franz HI. hat ein Alter von 46 Jahren erreicht. Er hinterläßt drei Kinder und zwar zwei Töchter im Alter von 17 und 10 Jahren und einen Sohn, den Erbgroßherzog, im Alter von 15 Jahren.

Schwerin i. Mecklb., 11. April. Die Beisetzung des Großherzogs Friedrich Franz III. findet in Ludwigslust im Mausoleum der im Jahre 1803 verstorbenen Erbgroßherzogin Helene Paulowna statt.

Schwert» i. Mecklb-, 11. April. Herzog Johann lllbrecht hat die Regentschaft für den minderjährigen Thronerben Großherzog Friedrich Franz IV. übernommen.

Schwerin i. Mecklb-, 11. April. Wie imRegierungs­blatt" veröffentlicht wird, ist die Landestrauer auf sechs Wochen festgesetzt- Schauspiele und Tanzmusik find bis zu dem Tage nach der Beisetzung verboten. Die Truppen find heute Mittag auf den Großherzog Friedrich Franz IV. ltlld den Regenten Herzog Johann Albrecht vereidigt worden.

Paris, 11. April. Einer Meldung desPetit TempS" »US Athen zufolge fanden nach dort vorliegenden Nach- lichten von zuständiger Seite an mehreren Grenzpunkteu Scharmützel statt. Die türkischen Truppen wurden überall

MrlffS telegravhifcheS Correspond«s-Bnr«m.

Schwerin, 11. April. Der Großherzog

griechischen Posten gestern Bormittag um 11 Uhr auf. Die Artillerie und die Eozoneu sollen hervorragend an dem Ge­sichte theilgenommen haben. Nach einer Depesche auS Ultimo vom 10. dS., Abends 6 Uhr, sand in der Umgegend lon Kandia ein Gefecht statt. InRetimo herrscht Ruhe,- daselbst befinden sich 1200 Mann russischer Truppen. Morgen -findet eine Unterredung zwischen dem russischen Consul und Hin Aufständischen statt.

Schluß deS Zuges bildeten Abordnungen der Firmen Siemens und Halske, Mix und Genest. Auf dem Kirchhofe angekomme», konnten nur einige der Theilnehmer an dem Leichenzuge der Beisetzung beiwohnen, die Zahl der ersteren war zu groß. Nachdem der Geistliche am Grabe das Gebet gesprochen, wurde der Sarg in die Gruft gesenkt. Der ganze Weg, dm der Leichenzug pasfirte, war von einer großen Menschenmenge eingesäumt.

Fravkfnrt t. R., 11. April. Die ehemalige Soubrette und jetzige komische Alte der hiesigen Bühne, Fräulein Sophie König hat unter dem Titel:Der Roman einer Soubrette" einLebensbild" geschrieben, welches gestern Abend an unserer Bühne zum ersten Male gegeben wurde. Man weiß nicht, ob man mehr die Ueberhebung des Fräulein König, mit welcher sie dem Publikum eine derartige Selbst­beweihräucherung bot oder die bedauerlich große Nachsicht der Theaterleitung ein derartiges Machwerk anzunehweo, beklagen soll. Hoffentlich findet das Beispiel der Dame, ihren Roman auf die Bühne zu bringen, keine Nachahmung.

Wien, 11. April. Durch die Vorgänge an der thessa­lischen Grenze ist, wie daSFremdenblatt" constatirt, die Situation eine sehr ernste geworden. Zu gleicher Zeit versichert daS genannte Blatt, daß der Kriegsbrand, wenn ein solcher wirklich ausbrechen sollte, auf die Türkei und Griechenland beschränkt werden würde. Es würde dafür gesorgt werden, daß er nicht weiter um sich greife.

Berlin, 12. April. Dem Kaiser wurde daS Ableben des Großherzogs von Mecklenburg durch die Groß­herzogin Anastasia mitgetheilt. Der Monarch empfing bereits Morgens um 7y8 Uhr den mecklenburgischen Gesandten und erließ sofort die Befehle wegen der Hoftrauer.

Wien, 12. April. Die kaiserliche Bestätigung Dr. Luegers als Bürgermeister steht unmittelbar be­vor. Dieselbe wird zu Ostern erfolgen.

Rom, 12. April. Der hiesige griechische Gesandte über­reichte gestern auf der Consulta ein Memorandum über die Ereigniffe der letzten Tage au der griechisch-türkischen Grenze.

Paris, 12. April. DerTempS" veröffentlicht ein Athener Telegramm, welches besagt, die Erregung der Gemüther in Griechenland läßt jede friedliche Lösung der gegenwärtigen Schwierigkeiten als unmöglich erscheinen. Die Blokade der griechischen Küste würde daS Signal zu dm offictellen Feindseligkeiten geben. Die Demission Delhannis soll bevorstehe/z.

Cannes, 12. April. Großherzog von Mecklenburg starb schmerzlos,- der Tod trat infolge AufbrechenS eines Pulsadergeschwürs ein. Die Großherzogin uud die Sinder find anwesend.

Koustautiuopel, 12. April. Die Pforte erklärt bestimmt, daß bet den Kämpfen au der Grenze griechische reguläre Truppen angegriffen haben.

Konstantinopel, 12. April. Es verlautet, der Sultan werde nur mit der größten Mühe von der Kriegserklärung ab geh alten. Der Sultan wollte gestern absolut dem griechischen Gesandten die Pässe auShändigeu. Die Ber- treter Serbiens und Montenegros reichten bet der Pforte dte Erklärung ein, wonach ihre Staaten bet einem Kriegsfall die Neutralität wahren. Als Belohnung dafür soll das Patriarchat von Ipek wieder errichtet werden.

Konstantiuopel, 11. April. Meldung des Wiener Tele^r.- Corresp. Bureaus. Eine hier verbreitete Flugschrift be­schreibt die Grausamkeiten der Christen gegen die Mohamedaner auf Kreta und fordert zur Rache auf. Berichte au- der Provinz schildern übereinstimmend die zu Besorgnissen Anlaß gebende Stimmung der Mohamedaner, besonders in Albanien. Auch in Konstantinopel ist infolge BekauntwerdenS der Ereigniffe auf Kreta und der heraus- fordernden Haltung der Griechen eine Erregung der Türken bemerkbar. In Valona plünderte eine neu formtrte Ab- theilung der BaschtbozukS die Läden der Waffenhändler. Auch an anderen Orten werden Ausschreitungen befürchtet. In Janina find 10,000 Gewehre und dte Ausrüstung für neu zu formtreude Baschtbozuk-Abtheilungen etngetroffeu.

Depeschen des BureauHerold."

Berlin, 11. April. Der Kaiser wohnte gestern Abend einem Diner beim sächsischen Gesandten Grafen Hohentha bei und verweilte daselbst etwa vier Stunden.

Berlin, 11. April. Dte Beisetzung deS verstorbenen StaatssecretärS Dr. v. Stephan hat heute Nach­mittag iy2 Uhr tu überaus feierlicher Weife stattgefunden. Der Lichthof des neuen Reichspostamts war in großartiger Weise mit schwarzem Tuch, Flor, Kränzen und Kandelabern decorirt. Ueber dem Katafalk befand fich eine trauernde weibliche Gestalt, die den Kopf in schmerzlicher Wehmuth auf dte Brust senkte. Dte Pfeiler, welche die Gallerte stützen, waren mit Fahnen aller derjenigen Staaten geschmückt, die dem Weltpostverein beigetreteu find. Morgens gegen 8»/2 Uhr wurde der Sarg aus dem Arbeitszimmer deS Heimgegangenen nach der Rotunde des Lichthofes getragen und daselbst auf- gebahrt. Zu Häupten des Sarges lagen die Kränze deS KatserpaareS, des Königs von Sachsen, deS Prtnzregenten von Bayern, des Reichskanzlers Fürsten Hohenlohe, der Städte Hamburg, Bremen und Frankfurt a. M. Dte Blumen- spenden der Familie wurden auf dem Sargdeckel plactrt. Zu Füßen des Sarges und auf den Stufen zu demselben wurden gleichfalls Kränze und Blumen-ArrangementS nieder­gelegt. Dte Ordenötttel lagen auf Tabouretten zu beiden Seiten des Sarges. Kostbar waren dte Spenden, dte vom Fürsten von Bulgarien, vom König von Serbien, vom König von Rumänien und der Firma Krupp in Effen eingegangen waren. Bor Beginn der Trauerfeier füllte sich der Lichthof mit den zur Feier geladenen Personen. Es wurden u. A. bemerkt: Reichskanzler Fürst Hohenlohe, dte Minister Thielen, Boffe, v. Bötticher, Brefeld, v. Miquel, Hammerstein, StaatS- secretär Marschall, der sächsische Gesandte Graf Hohenthal, der bayerische Gesandte Graf Lerchenfeld, Oberbürgermeister Zelle, StadtverordneteN'Borsteher Dr. Langerhans, Polizei- Präsident von Windheim, Prinz Arenberg, Geheimrath Lucanus, Profeffor Bergmann usw. In der Rotunde nahmen dte etn- geladenen Personen Platz, tn der ersten Etage dte hohen Postbeamten mit ihren Damen, tn der zweiten Etage die Unterbeamten, die Angehörigen des Verstorbenen links vom Sarge. Um 12 Uhr 40 Min. traf das Kaiserpaar im Licht­hofe des Postgebäudes ein. Sofort nach seinem Eintreffen ging dte Kaiserin auf dte Wtttwe des Verstorbenen zu und reichte derselben die Hand, desgleichen auch den Töchtern- der Kaiser, der ebenfalls fich zur Frau v. Stephan begab, richtete Trostesworte an dieselbe. Dte Kaiserin war in tiefer Trauer erschienen, der Kaiser in der Uniform des 1. Garde- Regiments zu Fuß. Nachdem daS Katserpaar rechts vom Sarge Platz genommen, begann die Feier mit Gesang. Hierauf sprach Ober'Confiftorialrath Dr. Dryander daS Gebet. Der Leichenrede, in welcher der Verstorbene wiederholt als treuer, kluger Haushalter bezeichnet uud in der dte großen Verdtenste deS Heimgegangenen beleuchtet wurden, hielt gleichfalls Dr. Drhander. Nach Schluß derselben er­tönte wiederum feierlicher Gesang und Dr. Drhander sprach daS Schlußgebet. Nachdem das Kaiserpaar fich von der Wittwe, von den Töchtern uud dem Schwiegersohn des Ver­storbenen, Hauptmann von Napolskt verabschiedet hatte, ent­fernte es fich, und begab fich in daS Schloß zurück. Unter- deffen hatte fich in der Leipziger Straße der Zug formtet. Mehr als 7000 Postbeamte hatten fich tn der Wtlhelmstraße aufgestellt und marschtrten dem Letchenzuge voran. Den Zug eröffnete dte Mufikcapelle der Postillone, den Zug begleiteten weiter Deputationen von Post- und Telegraphen-Beamten aus der Provinz, Uvterbeamte des Reichspostamts mit Palm- wedeln, die Träger der Orden deS Verstorbenen, dann folgte der Leichenwagen, der, tn prachtvoller Wetse mit Kränzen und Blumenarrangement geschmückt, von vier schwarzbehäogten Pferden gezogen wurde. Es folgten drei Wagen mit Kränzen, sodann die Galawagen deS Kaisers uud der Kaiserin, dte Wagen der Angehörtgeu nud der Wagen deS Getstltchen, de»

jurückgeschlagen, angeblich infolge der Ueberlegenheit griechischen Artillerie. Die türkischen Vorposten werden im Griechen cernirt.

Athen, 11. April. Gutem Vernehmen nach hörte Feuer an der Gre nze zwischen den türkischen und

Anrtlicher Tbeil.

Bekanntmachung.

Betr.: Maul- uud Klauenseuche zu Großen-Buseck.

_ . ^Nachdem in mehreren Gehöften der Gemeinde Großen- Buseck die Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt worden ist, wird dies mit dem Anfügen zur öffentlichen Kenntviß ge- bracht, daß Gemarkungssperre angeordnet worden ist.

Gießen, 12. April 1897.

Großherzogliches KreiSamt Gießen. ___________________ v. Gag ern.

Arr-Urnd.

Die Frage des Oberbefehls Über die fravzofifche Armee wurde wieder einmal in der französischen Kammer besprochen. ES kam dabet zu einem Zusammenstöße zwischen den Anhängern des neuen wtffenschaftltchen Geistes und des alten CommtStroupierthums im Heere. Da de Treveneuc nochmals darauf bestand, daß etn großer Generalftab nach deutschem Muster dte Oberleitung bekomme, erwiderte de Montfort:Ich bin etn Mann der Vergangenheit, an deren Trtumpfen und Niederlagen ich einen Thetl habe. Ich habe eine Anzahl junger Offiziere aus der neuen Kriegs­akademie an der Arbeit gesehen. Vorträge halten sie mit Eifer und Gewandtheit, aber im Gelände haben sie weder Festigkeit noch rasche Entschließung. Le Herisse, Baron de Marcay, Graf de Mun, alle drei Mitglieder deS HeeresauSschusses, dessen Berichterstatter de Montfort ist, ersuchen ihn, zu erklären, daß er nicht im Namen deS Aus­schusses, sondern im eigenen spricht. De Montfort:Für weine Worte bin ich allein verantwortlich. Man wundert fich manchmal, daß die Offiziere mit Generalstabspatent bet der Truppe nicht besonders angesehen find. Wie kann daS anders sein, wenn Vorgesetzte und Kameraden wahrnehmen, daß diese Offiziere im VortragSsaale ungleich besser find als im Gelände!" Cavaignac bekämpft dte Vorlage, weil fie eine kleine Gruppe von Generälen dem Kriegsmintfter und Parlament entziehen uud mit dtctatorischer Gewalt aus rüsten wolle.Nehmen Sie fich in Acht!" ruft er,Sie werden bald die Sclaven und Opfer dieser Generale sein." ES hat nach Allem den Anschein, als lasse man dte Armee nicht in allen Kreisen Frankreichs in einen Krieg ziehen, wenn etn solcher einmal nothwendig werden sollte.