Ausgabe 
13.2.1897 Erstes Blatt
 
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Depeschen deS Bureaufcerolb.*

Berlin, 11. Februar. Erzherzog Otto von Oester­reich legte heute Bormittag am Sarge Steifer Wilhelms I. einen kostbaren Kranz nieder und wohnte der Frühftückötafel in der öfterreichtscheu Botschaft bei. Abends ist Diner im Königlichen Schloß.

Berlin, 11. Februar. Wie verlautet, gedenkt der Kaiser an dem Festmahl des demnächst zusammeutretevden Brandenburgischen Provinziallandtage- theilzuuehmen.

Berlin, 11. Februar. DemBert. Tgbl." wird aus London gemeldet, daß der dortige deutsche Botschafter Graf Hatzfeldt derartig asthmatisch ist, daß er im Trag« stuhl die Treppen zum Foreigu Office hinaufbesördert werden muß.

Berlin, 11. Februar. Am SamStag Abend 9 Uhr findet beim StaatSsecretär Bötticher eine parlamen­tarische Abendunterhaltung statt, zu welcher Ein- ladungen au zahlreiche Abgeordnete ergangen find. Auch der Kaiser hat sein Erscheinen zugesagt.

Berlin, 11. Februar. DemVerl. Tgbl." wird auS Hamburg gemeldet: Die prompte Einsetzung der Senats. Commission zur Beschleunigung der Arbeiten der ge­wünschten Untersuchung der Beschwerden ist geeignet, den Führern der Arbeiter den Borwand zu Klagen zu nehmen. Die Enquete hat sofort begonnen. Die Situation im Hafen ist ruhig.

Wien, 11. Februar. Die Abreise de- Kaiser- Franz Josef nach Cap St. Martin ist aus den 11. d. MtS. fest­gesetzt. Die Gerüchte, daß diese Reise in Anbetracht der veränderten politischen Situation verschoben worden sei, ent­behren jedweder Begründung.

Budapest, 11. Februar. In Anina, Reschitza und Orovitza sind etwa 10000 Bergleute zum Strike bereit. Nach Reschitza ist Militär beordert.

Rom, 11. Februar. Der Coutre-Admiral Canevars hat Befehl erhalten, sich nach Neapel an Bord des Dampfers Sicilia zu begeben. Sämmtliche italienischen Schiffe, welche sich in den ficilianischen Gewäffern aufhalten, haben Befehl erhalten, sich beim ersten Signal nach Creta zu begeben.

Pari-, 11. Februar. DerMatin" fragt, welche Haltung die Großmächte angesichts der erneuten cretensischen Unruhen einnehmen wollen. E» thue Eile Roth und e- müßte ein sofortiger Beschluß herbeigeführt werden, da eS in drei Tagen zu spät sein würde, um einen blutigen Krieg zu vermeiden. Die Diplomatie habe sich infolge ihres wankel- müthigen BorgehenS in die Bajonnette gestellt. Jedenfalls halte es heute schwer, dem Sultan zu verbieten, Verstärkungs­truppen nach Creta zu senden.

Loudon, 11. Februar. Am 19. Februar soll ein großes Meeting zu Gunsten der Cretenser statlfiuden. Mehrere Abgeordnete werden als Redner auftreteu.

Loudon, 11. Februar.Daily Chronicle" schreibt: Frankreich und Rußland würden einem energischen Vor­gehen Griechenlands betreffs CretaS keine Hinderniffe in den Weg legen. Auch könnte Griechenland sicher fein, daß fein Vorgehen die vollständige Billigung Englands finde.

London, 11. Februar. Die englischen Blätter versichern, der griechischen Regierung sei von den Mächten ein Wink gegeben worden, jeden Conflict mit der Türkei zu vermeiden, wobei man dieser zu verstehen gegeben habe, daß der Zeitpunkt, wo Griechenland in den Besitz CretaS gelangen werde, demnächst kommen werde.

Konstantinopel, 11. Februar. Die Botschafter sind angesichts der veränderten Situation zu neuerlichen Brrath- ungen von den Mächten angewiesen, um von der Pforte schleunige Durchführung der Reformen auf Creta mit Ent­schiedenheit zu fordern.

Konstantinopel, 11. Februar. Die Pforte richtete an sämmtliche Vertreter der Großmächte nochmals die dringende Aufforderung, den Umtrieben Griechenlands sofort ein Ende zu setzen, widrigenfalls sie sich sowohl auf Creta al- auch an der griechischen Grenze mit eigenen Mitteln Ruhe schaffen würde.

Berlin, 12. Februar. Gestern Nachmittag hielt Staats- secretär v. Marschall dem Kaiser Vortrag über die Lage auf Creta.

Berlin, 12. Februar. In der gestrigen Stadtver- ordneten-Versammlung rief die MagtstratS-Vorlage, 120,000 Mk. zur Ausschmückung der Feststraße zur Feier des 100jährigen Geburtstages Kaiser Wilhelms I. zu be­willigen, eine längere Debatte hervor. Die Vorlage wurde mit großer Majqrttät an einen Ausschuß zur Vorberathung überwiesen. 21 Stadtverordnete der äußersten Linken gaben die Erklärung ab, daß sie de- Tages in Ehren gedenken wollten, aber glaubten, im Sinne des Verewigten zu handeln, wenn sie den Betrag von 120,000 Mk. der Kaiser Wilhelm- Augusta-Stiftung überwiesen.

Rom, 12. Februar. Admiral CanevarS hatte gestern Abend eine längere Unterredung mit dem König, worauf der Admiral nach Neapel abreiste, um den Befehl über daS morgen nach Creta abdampfende Geschwader zu übernehmen.

Athen, 12. Februar. Die griechische Bevölkerung hat Canea sämmtlich verlaffen. 3000 Flüchtlinge weilen auf Mykale- dieselben sollen durch den DampferAthene" nach demPiräu« gebracht werden. Die hervorragenden Cretenser wollen bei Canea zusammen kommen, nm Namen- deS König- eine provisorische Regierung zu wählen, welche den Kampf bi- zur Befreiung führen soll. In Retimo verhütete nur die Anwesenheit der Kriegsschiffe den AuSbruch neuer Ge- waltthätigkeiten. Die Türken halten alle Zugänge zum Hafen besetzt, so daß sich jetzt kein Grieche mehr auf die Schiffe retten kann. Die Türken verlangen die Freigabe der Ge­fangenen, während die Griechen als Vorbedingung der Frei­gabe die Entwaffnung des türkischen Pöbels fordern.

WB. Karlsruhe, 12. Februar. DieBadische Landes- zeitung" meldet: Bei der ReichStagS-Ersatz Stich­wahl in Donaueschingen erhielt Merz (narl.) 10,262, Schüler (Ctr.) 10 256 Stimmen. Merz ist somit gewählt.

CoceUs nnö protHnjfclle*-

Gießen, den 11. Februar 1897.

* Bon der Universität. Anläßlich der am 16 Februar, Vormittag- 11 Uhr, in der großen Aula stattfindenden Feier de- vierhundertjährigen Geburt-tage- Philipp Melanch- thon- haben Rector und Senat der LandeSuniverfitat Ein­ladungen mit folgendem Programm ergehen laffen: 1. Hille lujah, Chor a. d. Orat.Der Messias" von Händel. 2.Wer faßt wie groß du Schöpfer bist", Choral au- der Motette Lob und Ehre" von I. S. Bach. 3. Festrede des DecanS der theologischen Facultät. 4.Harre auf Gott", Schlußchor auS dem 42. Psalm von Felix Mendelssohn-Bartholdy. 5.Wir treten zu beten!" AltniederländischeS Volkslied.

* * Sitzung der Großherzogl. Handelskammer am 9. Fe­bruar 1897. Anwesend die Herren: Scheel, Balser, Gail, Heichelheim, Katz, Klinglpor, Keaatz und Wortmann. Die Kammer nahm zunächst Kenntntß von der WahlbestärigungS- Urkunde für die Herren Balser, Katz und Kraatz. Bei der hierauf vorgenommenen Wahl eines ersten und eine- zweiten Vorsitzenden wurden die Herren Commerzienrath Koch, bezw. Scheel wiedergewählt. Von Seiten de- Unteroerbandes für Hessen und Hessen Nassau deS Deutschen Verbände» für daS Kaufmännische Unterrichtswesen ist ein Gesuch um eine staatsseitige Unterstützung der Kaufmännischen Fortbildungsschulen im Großherzogthum Hessen an Großh. Ministerium deS Innern gerichtet werden. Die Kammer billigte ein zu demselben Zwecke an Großh. Mini­sterium zu richtendes Gesuch, in welchem besonders auf die vielfachen Unterstützungen deS Staate- an landwirthschaftliche und Gewerbeschulen (Handwerker-Fortbildungsschulen) hingc- wiesen wird. Die Kammer beschließt, dem Ersuchen einer hiesigen Firma stattzugeben und an geeigneter Stelle Schritte gegen den Antrag zu thun, in Zukunft bet der Beförder­ung von rohem Holzessig, statt wie bisher Special- tarif I, Specialtaris III in Anwendung zu bringen. In Betreff der Anwendung der Mar keuschutz gesetze in den ConsulargerichtSbezirken theilt daS Großh. Ministerium des Innern der Kammer mit, daß nach einer Erklärung der niederländischen Regierung auch niederländische Staatsange­hörige vor dem niederländischen Vertreter in Tanger zur Verantwortung gezogen werden können, wenn sie deutsche Marken unbefugt verwerthen, welche auf Grund der nieder­ländischen Gesetzgebung in den Niederlanden eingetragen find. Die Firma Bon file et Cie., 6 nie St. Gudule in Brüssel theilt mit, daß sie fich speciell mit der Vertretung deutscher Häuser auf der diesjährigen Weltausstellung befaßt. Auf Wunsch wird dieses zur Kenntniß etwaiger Jntereffenten gebracht. lieber die Verstaatlichung der Hessischen Ludwigsbahn wird der Kammer folgende- mitgetheilt: In Ausführung des StaatSvertragS zwischen Preußen und Hessen über die gemeinschaftliche Verwaltung deS beiderseiti­gen Elfenbahnbesitzes vom 23. Juni 1896 wird am 1. Februar eine Eifenbahndirection errichtet, mit dem Sitze in Mainz und d e r Firma: Köntgl. Preußische und Großh. Hesfische Eifenbahndirection. Dieser Behörde werden übertragen: a) für die Zeit bis zum 1. April 1897 Verwaltung und Betrieb der zum Hessischen Ludwigs- bahn-Unternehmen gehörenden Strecken- b) vom 1. April 1897 Verwaltung und Betrieb der ihr nach Allerhöchster Bestimmung zuzurechnenden, zur gegebenen Zeit bekannt zu machenden Strecken des zu einer Betriebs- und Finanzge- meinfchaft vereinigten Preußischen und Hessischen Etsenbahn- befitzeS. Mit der Uebernahme der Verwaltung des Hessischen Ludw gSetsenbahn Unternehmens durch die genannte StaatS- eisenbahndirectton tritt die derzeitige Privatbahn-Derwaltung außer Wirksamkeit. Die Schwarzwälder Handelskammer in Villingen benachrichtigt die Kammer von ihrer Consti- tuirung. DaS Vice-Consulat der Vereinigten Staaten von Brasilien zu Mainz fetzt die Kammer davon in Kenntntß, daß laut Verfügung der Brasilianischen Regierung vom 10. December v. I. für die Folge die Einkaufsrechnungen über solche Waaren, deren Verzollung in Brasilien, laut dem durch daS Gesetz Nr. 2261 vom 20. April 1896 festgestellten Zolltarif feit dem 1. Januar 1897 nach dem Werthe erfolgt, consu latsseitig beglaubigt werden müssen. Die Ge­bühr für die Beglaubigung einer Rechnung beträgt 5 Milr. zu 2,30 = Mk. 11,50. DaS Verzeichntß der in Betracht kommenden Waaren liegt jederzeit zur Einsichtnahme aus dem Bureau der Kammer offen- desgleichen eine Denkschrift über daS Commercial-Museum in Philadelphia. Diejenigen Firmeninhaber deS Bezirks, welche noch die Fragebogen für den Jahresbericht von 1896 auszufüllen gedenken, werden um umgehende Zusendung derselben gebeten. Der Kammer ist ein außerordentlich großes Verzeichmß von zwei- selhaftenFirmen in Amsterdam zugegangen. ES kann deshalb nur empfohlen werden, vor Anknüpfung von Ge­schäftsverbindungen im AuSlande stets genaue Information einzuholen.

Militärisches. DaS vom 1. April d. I. ab im Be- reiche der Hessischen Division neu zu bildende Infanterie- Regiment Nr. 168, Regiments Stab und 2. Ba­taillon in Offenbach, 1. Bataillon in Butzbach, erhält eine den übrigen Hessischen Infanterie-Regimentern entsprechende Uniform, insbesondere als Abzeichen rothe Schulterklappen mit der Regimentsnummer und rotbe Aermelpatten.

* Die Eilbahn ist heute geöffnet.

* Nietzsche-Vortrag. Wir machen auf diesen Vortrag (siehe Inserat) aufmerksam, dessen Thema nicht nur au fich hochiut ressant ist, sondern auch durch die hinzukommende Be­leuchtung unserer corrumpirten literarischen Zustände fesseln dürfte. Da Herr Dr. Bied enkapp anderwärts in Wort und Schrift auch die pädagogische Bedeutung Nietzsche'- hervor-

I gehoben hat, dürfte der Vortrag zumal auch für die Herren ' Lehrer zu empfehlen fein.

** Theater Verein, lieber das neueste Werk von Franz v. Schönthan, welche- uns die Wiesbadener Gäste am Montag den 15. d. M. bringen werden, geht uns nach­stehende Kritik zu: Franz v. SchönthanSDaS letzte Wort". EinTheaterstück" nennt Schönthan sein jüogste- Werk, und enthält in der That Alles, was man von einem wirklichen Theaterstück erwartet. Geist, Witz, spannende Handlung, feine Dialoge. Gehelmrath Philipp MantiuS, der bisher gewohnt gewesen, Alle» nach feinem Willen zu leiten, muß plötzlich an seinen eigenen Kindern die Erfahrung machen, daß eS auch noch einen anderen Willen außer dem seinigen gibt. Doch er will sich nicht beugen. Seine Tochter, die, dem Zuge deS Herzens folgend, ein Verlöbniß gegen feinen Willen eingeht, stößt er von fich, auch den Sohn, der für die Schwester sich verwenden will, weift er mit rücksichtsloser Härte zurück. Als er jedoch erfährt, daß fein Sohn im Begriff ist, für die Ehre der Familie' in einem Duell ein­zutreten, da bricht die alte Liebe zu ihm siegreich durch und reißt alle die künstlich aufgebauten Schranken in feinem Herzen nieder. Dem Sohne gelingt es bann, auch für die Schwester die ersehnte Verzeihung zu erhalten. In äußerst geschickter Weise hat der Dichter den Character de- Geheim- raths auch dadurch gezeichnet, daß er ihm in feinem Bruder, dem Musiker Bernhard MantiuS, einen warm empfindenden, alle Menschen mit echter, herzlicher Liebe umfassenden Mann gegenüber gestellt hat, und eben dieser Gegensatz zwischen den beiden Brüdern zieht fich durch da» ganze Stück wie ein rother Faden hindurch. Die Darstellung war in jeder Beziehung lobenswerth. Herr Dr. Rauch stattete seinen Geheimrath MantiuS mit all den Vorzügen feine» reichen Talentes au»- neben ihm stand besonder» im Mittelpunkte des Interesses Herr Jordan, der in dem Musiker MantiuS eine wahre Prachtleistung bot. Als rus­sische Baronin von Bajaloff entwickelte Frl. Schäffer große Lebendigkeit und natürliche Empfindung, wobei sie In Herrn Schwartze als Prlvatdocenten Johannes einen ebenbürtigen Partner fand. Großen Beifall errangen auch Frl. Rudolph als Elly MantiuS und Herr Bart ak als Alexander Jordan. Vortrefflich in Spiel und Maske war Herr Stiewe al» katzenbuckelnder Kanzleirath Gerlach. Frl. Wohl (Gertrud MantiuS) war wie immer trefflich am Platze. Auch die Regie deS Herrn Unger ließ nichts zu wünschen übrig.

** Unlauterer Wettbewerb. Wie wir in unserer gestrigen Nr. bereits mittheilten, kommen wir heute näher auf den VortragSaben d des Detaillisten Vereins über den un­lauteren Wettbewerb zurück. Der Vorsitzende, Herr E. Balser, ergriff kurz vor 9 Uhr daS Wort, indem er die zahlreich erschienenen Herren begrüßte, insbesondere die als Gäste ge- lodenen Herren Justizraty Dr. Reatz und Br. Gut fleisch. Sodann bemerkte Herr Balser, daß der Detaillistenverein, der erst einige Monate bestehe, mit Genngthuung auf feine Tätig­keit zurückblicken könne. Derselbe habe sich, wie bekannt, die Wahrnehmung der berechtigten Interessen der Detaillisten zum Ziele gesetzt und habe schon viele erfreuliche Erfolge zu verzeichnen, über welche er sich heute im Einzelnen nicht ver­breiten wolle. Ein Zweck deS Vereins fei auch, die Mit­glieder deS Vereins durch Vorträge mit den Gesetzen, welche für sie von besonderer Wichtigkeit feien, bekannt zu machen. Durch die Bereitwilligkeit de» Herrn Gerichtsaccesflsten Klarenaar sei der Verein heute in der Lage, sich mit bem ,/Gesetz zur Bekämpfung deS unlauteren Wettbewerbs", über welches noch vielfach unklare Vorstellungen herrschten, näher bekannt zu machen. Hierauf ertheilte der Vorsitzende dem Henn Klarenaar das Wort. Letzterer führte etwa folgende» aus: Jeder wisse, daß feit Gründung des deutschen Reiche» Handel und Gewerbe in vorher kaum geahnter Weise fich entwickelt habe. Mit dieser Entwickelung hätten aber die im geschäft­lichen und gewerblichen Verkehr zur Anwendung gelangenden Machenschaften, die darauf abzielen, Kundschaft anzulocken und den Mitbewerber zurückzudrängen, gleichen Schritt ge­halten. Die Bestrebungen, diese Machenschaften, welche man alsunlauteren Wettbewerb" bezeichne, durch gesetzgeberische Maßnahmen zu bekämpfen, würden kaum 4 Jahre zurück- reichen. Allerdings seien die diesbezüglichen Klagen schon Jahrzehnte alt, und vielfach habe man noch versucht, auf dem Wege der Selbsthülfe gegen dieses Unwesen Front zu machen. Der Erfolg sei aber meistens ein nur geringer ge­wesen, weil efi überall an gesetzlichen Handhaben gefehlt habe, namentlich aber deshalb, weil die größten Schreier im Reclame- wesen selbstverständlich auch die größten Aufwendungen ge­macht hätten und heutzutage viele Localblätter zur Erhaltung ihrer Existenz auf die Annoncen angewiesen feien. So fei es gekommen, daß die Verleger vieler auf die Geschäfts­annoncen angewiesenen Blätter Artikeln, welche da» unlautere GeschästSgebahren einzelner Kaufleute und Gewerbetreibende kennzeichnen sollten, die Aufnahme versagt hätten. Allerdings hätte schon vor Erlaß deS Gesetzes über den unlauteren Wettbewerb die Reichsgesetzgebung auf einzelnen bestimmten Gebieten eine gewisse Sicherung gegen Mißbrauch der Frei­heit des Wettbewerb» gewährt, indessen träfen diese gesetz­lichen Bestimmungen regelmäßig nur solche Ausschreitungen, wie sie eben auf den von den betreffenden Specialgesetzen ge­regelten Gebieten vorzukommen pflegten. Vielfach habe man auch versucht, dem unlauteren Wettbewerb unter Anwendung des Betrugsparagraphen de» RetchftrafSgesetzbuch» zu Leibe zu rücken, ober fast alle diese versuche seien daran gescheitert, daß daS eine ober andere ThatbestandSmerkmal dieses Delict» nicht erfüllt gewesen sei. UeberdieS aber habe ein Gesetz zur Bekämpfung deS unlauteren Wettbewerb» nicht so sehr den Schutz deS Publikums, als den des redlichen Concur- reuten im Auge. Die Anwendung des Betrug-Paragraphen setzt aber voraus, daß der Glfchädigte getäuscht worden sei, waS bei den durch den unlauteren Wettbewerb Geschädigten meistens gar nicht zutreffe. Bei dieser Rechtslage sei da» redliche Gewerbe in Deutschland schlechter gestellt gewesen, alS in den meisten Nachbarstaaten. Am vollkommensten werde

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