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M. 266 Zweites Blatt. Freitag den 12. November
1807
Der ^iejentr -njei-er erscheint täglich, mit Ausnahme bei Montags.
Die Gießener
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Gießener Anzeiger
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Cotole» tmö prot>itt3Uae».
§ Alsfeld, 10. November. Dem meisterhaften Vortrag drS Großh. Oberschulraths, Herrn Dr. Eisenhuth, welchen derselbe gelegentlich der Hauptversammlung de» ThterschutzveretnS für das Großherz ogthum Hessen hier am verflossenen Mittwoch gehalten, entnehmen wir folgende interessante Punkte: Die älteste Quelle eine» ThterschutzeS btfiadet fich schon 600 Jahre v. Chr. in einem Gesetzbuch in China, in welchem eine Anleitung zum Thier- schütz gegeben wird. Den Geist dieser alten Verordnung scheinen die Chinesen bis auf den heutigen Tag zu erfüllen, indem ste unter allen Thieren nur die Esel züchtigen dürfen. Von de« Neujahrsfest in China, das zehn Tage dauert, find vier Tage den Menschen und sechs Tage den Thieren gewidmet. In Indien geht man mit dem Thierschutz so weit, daß man dort sogar Thierspitäler errichtet hat, in welchen alte Thiere gepflegt werden. Diese übertriebene Schonung der Thiere bet den Indiern nimmt auch die schädlichen Thiere in Schutz. Hierin liegt der Grund des Vorhandenseins so vieler reißenden Thiere im dortigen Lande. Bekannt ist der ThierencultuS bei den alten Aeghptern, ebenso die Stellung bei Juden- thumS und des JSlamS zur Thierwelt. Bei den Griechen und Römern finden fich viel mehr Thierquälereien als Schutz- maßregeln für die Thiere. Auch das Germaneuthum ist keineswegs frei von ersteren, allein wir finden bei ihm bereits eine Fütterung der Vögel um Weihnachten. Zu diesem Zwecke wurde auch eine Garbe draußen auf dem Felde gelassen, ein Brauch, der fich noch bi» heute in Schweden erhalten hat. Im Mittelalter sucht man vergebens nach einem Schutz der Thiere, u. A. glaubte man, es bringe Glück und Segen, wenn man Hunde einmauerte. Die Idee de» modernen Thier- schutzes ist ein Kind dieses Jahrhundert» und datirt vom Jahre 1822 aus- irren wir nicht, so ging diese erste Anlegung von England au». Der erste deutsche Staat, welcher die Anregung zu einem Thierschutz brachte, war Sachsen im Jahre 1837. Ihm folgte 1847 Hessen nach. Trotz dieser Anfänge eine» ThterschutzeS begann dessen wirklicher Aufschwung erst nach dem Kriege von 1870/71.
nn. Darmstadt, 10. November. Der von dem Gewerbe- Verein Darmstadt angeregte Gedanke der Gründung einer Sterbekasse für Handwerker und Gewerbetreibende hat erfreulicherweise in den Kreisen des Gewerbestandes bereits großen Anklang gefunden. Die Beitritts-Erklärungen sind über alles Erwarten zahlreich eingelaufen, sodaß da» Zustandekommen dieses gemeinnützigen Unternehmens, als ge- sichert angesehen werden kann. Sobald die Anmeldeliste abgeschlossen ist, wird die Organisation in Angriff genommen werden.
* Schutz für mißhandelte Kinder. Paul Nourisson hat über die englische National-Gesellschaft, den „Verein zum Schutze der Kinder gegen Mißhandlung", eine Studie ver
öffentlicht, in der er uns in den Betrieb de» Vereins ein- weiht. 1884 gegründet und seit 1895 mit den Rechten einer juristischen Person auSgestatiet, besitzt der Verein bereits 1600000 FrS. Jahreseinkünfte. Nach englischer Sitte hat er mehr als 1800 Versammlungen abgehalten und Millionen von Traktätchen vertheilt- zugleich hält er allerorten strenge Aufsicht und behauptet, eS gebe in ganz England keinen Fleck Erde, wo ein Kind schutzlos sei. Seine 137 Inspektoren bereisen das ganze Jahr hindurch das Land, zeichnen die Beschwerden auf, die da und dort laut werden, und erstatten ihre Berichte mit größter Gewiffenhaftigkett und Unparteilichkeit. Diese Berichte haben in den Augen der Behörden den Werth amtlicher Urkunden. Zuerst läßt der Verein an die Eltern, die ihre Kinder schlecht behandelt, eine Warnung ergehen und sendet ihnen zugleich ein Verzeichniß der Personen, die gerade gerichtlich verfolgt werden, und der Strafen, die im vorhergehenden Jahre verhängt wurden. Bleibt die Warnung wirkungslos, fo schreitet der Verein zum gerichtlichen Verfahren. Dabei überlaffen die Gerichte dem Verein allein die Aufgabe, ihnen die Vergehen näher zu bezeichnen, sei eS nun Mißhandlung oder hochgradige Vernachlässigung der Kinder oder Sittlichkeitsvergehen. Die „Italic" schreibt, daß der Verein seit seiner Gründung 15545 Personen zur gerichtlichen Anzeige gebracht hat, die indetz nicht sämmtlich den armen Klaffen angehörten, und daß in 95 Fällen von 100 Geld- oder Freiheitsstrafen verhängt wurden. Im VereinS- raum find die traurigen Trophäen: Stöcke, Peitschen, Ketten, Messer und Eisengeräthe aufgehängt, von denen die BereinS- mitglieder die armen Opfer befreit haben. Der Verein hat in 13 Jahren seinen Schutz und seine Hilfe 250000 Kindern angedeihen lassen.
* Sine Warnung für Milltonärssohne bietet das T e st a- ment deS Eisenbahnkönigs Pullmann, da» dem Erb- gerichtShof in Chicago vorgelegt worden ist. Pullmann hinterläßt seiner Wittwe 1,250,000 Dollar» und das Wohnhaus. Seine beiden verheiratheten Töchter, Frank Carola« und Frank Lowden, erhalten je 2,250,000 Dollars. Die beiden Söhne George und Sanger Pullmann müssen sich mit dem Almosen (!) einer Jahresrente von 3000 Dollar» begnügen. Es heißt bezüglich ihrer im Testament: „Da keiner meiner Söhne ein Gefühl von Verantwortlichkeit entwickelt hat, wie fie nach meinem Urtheil für den weisen Gebrauch großen Vermögen» nöthig ist, bin ich zu meinem Leidwesen gezwungen, in ihrem eigenen Interesse ihnen ein solches Einkommen zu billigen, wie es zu ihrem Unterhalte nöthig ist." Der Vater hatte die Söhne, welche ihre Zeit mit Pferderennen und Vergnügungen, wie fie die „Goldene Jugend" zu üben pflegt, vergeudeten, schon seit zwei Jahren aus seinem Hau» verbannt. Aecht amerikanisch ist eß, daß die beiden Söhne sofort, nachdem ihr Pech bekannt geworden war, von ihren respectiven Verlobten, die guten amerikanischen Kreisen angehören, den Laufpaß bekommen haben. Ob die Ex- Bräute nicht ein wenig vorschnell darin gehandelt haben, wird sich sehr bald zeigen. Die beiden Söhne find nämlich die Lieblinge ihrer reich bedachten, offenbar knrzfichtigen
Mutter, und diese hat verschiedene Millionen geerbt. Da» amerikanische Gesetz gestattet dem Vater eine weit größere Freiheit bezüglich seiner Hinterlassenschaft seinen Kindern gegenüber, als dies in den in Europa gültigen Gesetzen der Fall ist. ES ist eine vielfach gemachte Erfahrung, daß große Vermögen nicht über die dritte Generation hinanSgehen und das mit Talent und Fleiß Erworbene von Söhnen und Enkeln leichtfertig verpraßt wird. Vater Pullmann hat mit catouischer Strenge seine Verlaffenschaft davor bewahrt, in Pferderennen und Leichtfertigkeiten aller Art zu verpuffen, und sein Handeln kann allen Millionärsöhnen jenseit» de» WafferS zur Warnung dienen. Die deutsche Gesetzgebung sucht mit Fideicommissen etwaS Aehnliche» zu erreichen, Wader Amerikaner durch das freie BersügungSrecht gewinnt: die Möglichkeit, ein Vermögen für die Nachkommenschaft zu- sammeozuhalten.
* Wie eine Newyorkertn zur Trauung geht. Ein eigen- thümlich phantastische» Gepräge nehmen die Trauungen in Nordamerika seit einiger Zeit an. Ueber die vor Kurzem stattgehabte Trauung einer vornehmen Newhorkerin werden ganz merkwürdige Dinge berichtet: Während fich die Hochzeitsgesellschaft in der Kirche versammelte, saug der Ktrchenchor unter Begleitung von Harfen und Violinen Melodien au» Waguer'schen Opern. Die Braut schritt nach anglikanischer Sitte ohne den Bräutigam dem Zuge zum Altar voran. Hoch aufgerichtet, den blonden Kopf mit dem feinen Profil nur wenig geneigt, ging fie unter einem Roseubaldachin dahin, der von vier in weißen AtlaS gekleideten Pagen getragen wurde. Drei vierjährige kleine Mädchen in altmodisch weißen AtlaSkleidcheu mit Rosenkränzen in dem phantastisch arrangirten Flachshaar trippelten vor ihr her, duftende Rosenblätter und Knospen auf den Pfad streuend. DaS Brautgewand war ebenfalls neu und eigenartig in feiner Zusammenstellung. DaS vorn und an der Seite hochgeraffte Oberkleid au» weißem AtlaS war ganz mit Seide gefüttert, die bei jeder Bewegung einen zart rofigen Schein auf den unteren Rock warf, der ein Vermögen an unschätzbaren venettanischen Spitzen aufwie». Mit demselben duftigen Spitzengewebe erschien die lange Schleppe wie überrieselt und wurde hier und dort von Perlenschnüren gehalten, die das fürstliche Geschenk eine» zärtlichen Millioneo-Großvater» bildeten. An Stelle de» üblichen Kranze» und Schleier» trug die schöne Braut ein kostbares Perlendiadem int Haar, von dem der Brautschleier in Gestalt eine» ebenfalls unersetzlichen Stücke» jener wunderbaren, gelblich angehauchten venettanischen Spitze herabwallte, die — wie Familieutraditionen behaupten — bereits im Besitz der Borgia gewesen sein soll. Außer den bei keiner vornehmen Hochzeit fehlenden gleichcoftümirten Brautjungfern, Blumenmädchen und Pagen erschien ganz zuletzt hinter dem Bräutigam noch ein niedliche», kaum vierjährige» Mädchen, von Kopf bis Fuß in schneeige» Weiß gehüllt. Die Kleine trug ein herzförmiges, mit Rosen garnine», weißes Sammet- kiffen, auf dem die Symbole der nimmer endenden Liebe und Treue — die Trauringe — Muhten.
Feuilleton.
Nieten!
Von Ernst Konrad.
(Schluß.)
„Was, nicht mehr spielen?" schrie Herr Nimmerlang, der mehr und mehr außer fich gerathen war, „da kennen Sie mich schlecht, — nun gerade wird gespielt, und wenn der ganze Schnee verbrennt! Her mit den Loosen!" Er zog au» einem Päckchen Loose, da» ihm der Chef hinhielt, zwei heran». „So, die werdens thun! Das haben Sie nun davon, daß Sie mich vom Weiterspielen abhalten wollten, — jetzt wird nicht nur ein», sondern e» werden zwei Zehntel gespielt. Wa» kostet der Schwindel? Hier ift Geld!"
Damit warf er ein Goldstück auf den Zahltisch.
„Schwindel?" dehnte der Collkcteur, indem er den Ueber- schuß herauSzahlte. „Sie sollten in der Wahl Ihrer Ausdrücke doch vorsichtiger sein —"
„Herr!" brauste Herr Nimmerlang wieder auf und raffte die Thalerstücke zusammen. „Da» Lotteriespiel soll katn Schwindel sein? Der größte, der überhaupt existirt. Sine Gauneret ist'», eine unerhörte. Die Räuber in den Abruzzen find ehrliche Leute gegenüber diesen Strauchd . ."
Krachend ließ er die Faust aus den Zahltisch fallen und fuhr schließlich wiederum blitzschnell zur Thür hinan».
Der Canzleirath Hohmann war ein kreuzbraver Mensch, aber er besaß einen großen Fehler: er verstand eS nicht, dem Leben die guten Seiten abzugewinnen, dagegen verdoppelte er die schlechten. So war er ein griesgrämiger alter Herr grwordeu, ein „verknöchter Bureaukrat", wie man ihn spottweise nannte.
Nun ja, er war ein pflichtgetreuer Beamter, der mit dem Schlage der Uhr au seinem Pulte saß und der mit derselben Pünktlichkeit „Schluß wachte". Im Urbrtgen war er von der Schlechtigkeit der Welt derart überzeugt, daß er e» vorzog, fich von diesen bösen Menschen abzusondern, die keinen Schuß Pulver werth waren.
Er hatte das Gymnafium nicht besucht, weil seine Eltern seinen Berficherungen Glauben geschenkt hatten, daß er dem Unterricht nicht werde folgen können.
Er hatte da» Kaufmannsgeschäft seine» Vater» nicht übernommen, weil er fich nicht gefeit hielt gegen unglückliche Speculationen.
Er hatte nicht gefreit, weil er sich einbildete, daß ihn kein Mädchen haben wöge.
Er hatte nicht gehetrathet, weil er fest davon überzeugt war, eine Frau nicht ernähren zu können.
Trotz seines guten Gehaltes lebte er wie ein Spartaner, weil er der Anficht war, er werde doch noch etnwal Hunger» sterben wüsseu.
So war er der richtiges Sonderling geworden mit einer Veranlagung nach der melancholischen Seite hin.
Heute schien sein UnglückStag angebrochen zu sein. In dem Morgenthee taumelte eine schlaftrunkene Fliege, — er
mußte da» „Letchenwaffer" fortgießen. Im Bureau fragte der Chef nach den noch nicht fälligen und deßhalb auch nicht fertigen MouatSabrechnungeu, da» würde ihm feine Stellung kosten. Da» Mittagessen war schlecht, — man wollte ihn augenscheinlich verhungern lassen. Beim Kaffee- Skat zankte er sich mit einem „Kiebitz", — er wurde grob, und al» er näher htnsah, war e» sein HauSwirth. Nachmittag» meldete fich sein Factotum, der Bureaudtener, kranker hatte als Anbeter de» Feuerwaffer» „einen Tüchtigen abgebissen", der Canzleirath aber erblickte in dem Schwanken einen Beweis der Altersschwäche. Auf dem Nachhauseweg sah er noch, wie ein Landstreicher arretirt wurde und ein Droschkengaul stürzte . . .
Welch ein jämmerliches Leben! Kein Licht, kein Sonnenstrahl, alle» Grau in Grau!
Zu Hause sand er ein Streifband vor. Der Lotterie- collecteur theilte ihm in der üblichen formellen Weise mit, daß sein LooS nicht vom Glück begünstigt worden sei, daß aber wegen dieser kleinen Niete . . .
Also eine Niete . . .
Der Canzleirath versank in tiefe» Nachdenken. War nicht sein ganze» Leben eine Niete? Lohnte e» denn dieser Niete wegen noch zu leben?
---Am nächsten Morgen laS «an in der Zeitung, daß Herr Canzleirath Hohmann tobt aufgefuudeu worden sei, — er hatte fich eine Kugel in die Schläfe geschossen.


