WB. Peterhof, 11. August. Gestern Vormittag hatten der deutsche Reichskanzler, Graf Murawiew, der Botschafter v. Bülow und Radolin eine längere Couferenz.
Wien, 11. August. Wie verlautet, wollen die Deut« schen auf keinerlei Au»gleichS«Verhandlungen etugehen, bis sie Geougthuung erlangt haben.
Rom, 11. August. Man vermuthet hier, daß der Mörder CanovaS identisch ist mit dem 26jährigen Anar« chtsteu Michele Angiolitto auf Foggia in Apulien. Derselbe hat in Lucera eine Gefängnißstrafe wegen anarchistischer Propaganda verbüßt und war seit einigen Monaten ver« schwundeu. Der Polizei war aber bekannt, daß er fich in Barcelona unter dem Namen Jose Santo aufhtelt.
Paris, 11. August. Der Polizei-Präfectur sind 250 Anarchisten bekannt, von denen mehr all die Hälfte Italiener find. Gollis Bild befindet fich nicht tu BertillonS Auarchtsteo-Album.
Madrid, 11. August. Der Attentäter Golli wird im Gefängntß von Dergara sehr streng bewacht. Die Untersuchung ist abgeschloffen. Voraussichtlich wird die Angelegenheit vor dal für die baskischen Provinzen eingesetzte Ausnahmegericht von Ditaria kommen, dessen Vorsitzender ein dem Armee-Corps angehöriger General ist. Die Wittwe CanovaS' weilte 48 Stunden ununterbrochen bei der Leiche ihres ManveS. Nur mit List konnte man sie entfernen, um den Leichnam einzubalsamiren.
CoceUs unt provinzielle«
Ließen, den 11. August.
* * Dieustuachrichteu. Seine Königliche Hoheit der Grobherzog haben Allergnädigst geruht, am 7. August dsS. Js. den Bauiuspector für besondere Bauausführungen, Franz Frenay zu Gießen, auf sein Nachsucheu', mit Wirkung vom 17. August 1897, aus dem Staatsdienste zu entlassen, sowie den Bauaffessor Wilhelm D i e h l auS Groß- Bieberau zum Bauiuspector für besondere Bauausführungen, mit Wirkung vom gleichen Tage, zu ernennen.
• * Parlamentarisches. Eine Eingabe des gefchäftS« führenden Ausschusses der freien Vereinigung der Krankenkassen im Großherzogthum Hessen, Errichtung einer Lungen« hetlaustalt bett., an die Zweite Kammer der Landstände, lautet: Der Abgeordnete Ullrich (Offenbach) hat bei hoher Kammer den Antrag gestellt, auf Staatskosten eine Heilanstalt zu errichten. In der 5. ordentlichen General« Versammlung der freien Vereinigung von Krankenkassen im Großherzogthum Heffen wurde auch die Frage betr. Errichtung einer Lungenhetlanstalt wiederum erörtert und in Hinsicht auf die Zweckdienlichkeit rc. derartiger Anstalten der Beschluß gefaßt, den Antrag Ullrich, soweit derselbe die Lungenheilanstalt betrifft, zu unterstützen, auS welchem Grunde wir, unter Anschluß eines ProtocollS über qu. Gene« ral-Bersammlung, uns ganz ergebenst gestatten, an hohe Kammer die ehrerbietigste Bitte zu richten: dieselbe wolle hochgeneigtest dem Anträge Ullrich genehmigend beitreten.
* * Radfahren betr. Der Bericht des Zweiten AuS« schuffeS über die Vorlage Großherzoglichen Ministeriums deS Innern, den Gesetzentwurf, das Radfahren auf öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen betr., erstattet von dem Ab« geordneten Hirsch, lautet: Von Großherzoglicher Regie« rung wurde das — in Beilage Nr. 160 abgedruckte — Gesetz „daS Radfahren auf öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen" betr., nebst Begründung vorgelegt. In der Begründung wird auSgeführt, daß das Radfahren nicht nur dem Sport, sondern auch dem leichten und raschen Verkehre diene. Daß bet der, immer mehr Verbreitung findenden Sitte des Radfahrens eine gesetzliche Regelung desselben nothwendig geworden ist, beweisen die in den öffentlichen Blättern erhobenen Klagen über Unannehmlichkeiten, denen das Publikum Seiten! der Radfahrer ausgesetzt ist. Aber auch von den Radfahrern wird über Belästigungen geklagt, die für manchen Fahrer schon recht unangenehme Folgen hatten. Zur Verhütung dieser Störungen wurden in ver« schtedenen Kreisen Polizeianordnungen erlaffen, die aber keinen ausreichenden Schutz gewähren und zeigten, daß ohne einheitliche Regelung des RadfahroerkehrS das Publlkum und die Jntereffen deS Verkehrs nicht genügend geschützt werden. Dieses zu erreichen soll der Zweck der Gesetzesvorlage sein und ist der Ausschuß der Ansicht, daß die Regelung deS RadfahroerkehrS auf die Dauer von zwei Jahren durch landesherrliche Verordnung erfolgen soll- er glaubt, daß bis dahin genügende Erfahrungen vorliegeu, den Radfahrverkehr durch gesetzliche Bestimmungen festzulegen. Der Ausschuß beantragt: die Kammer wolle der Gesetzesvorlage zustimmen, jedoch im Artikel 1 hinter dem Worte „erfolgt" den Zusatz „auf die Dauer von zwei Jahren" einfügen.
** AmlSstyl im Postdienst. Zur Verminderung des Schreibewerks und zur Vereinfachung deS Geschäfts« verkehr! hat auch nunmehr daS ReichSpoftamt für feinen Bereich die nöthigen Anordnungen getroffen. Nach dieser soll die Schreibweise knapp und klar sein und alle entbehrlichen Fremdwörter, veraltete KanzleiauSdrücke und überffüssige HöflichkeilSauSdrücke sollen vermieden werden. Häufungen und Steigerungen, wie: „sehr ergebenst, ganz ergebenst, hoch« dieselben" sind nicht mehr anzuwenden, die Anrede Ew. Wohl« geboren fällt ganz weg, während die Anreden Ew. Hoch« geboren, Excellenz rc. möglichst durch Fürwörter zu ersetzen find. Im Verkehr zwischen gleichgestellten Post« und Tele« graphen-Behörden find Höflichkeitswendungen wegzulaffen. Desgleichen in Berichten an die vorgesetzte Behörde, Wörter, die daS Nachgeordnete Derhältniß ausdrücken, wie gehorsamst, ehrerbietigst. Jede Schroffheit in Schreiben ist bet alldem ju vermeiden. Für Berichte an den Landesherrn, Schreiben an fürstliche Personen gelten die bisherigen Formen. Für die Sprachreinheit soll als Vorbild das bürgerliche Gesetzbuch dienen. Bei dem gelammten GeschäftS-Verkehr sind Kosten möglichst zu vermeiden und der schriftliche Verkehr zwischen
Depeschen M Bure« »Herold/
Berlin, 10. August. Der Kaiser hat den Großfürst «hri II von Rußland, ältesten Sohn deS Großfürsten Wladimir, i la suite der deutschen Marine gestellt und den Großfürsten Constantin Constautinowitsch, Com« mandeur deS Leibgarde-Regiments PreobraskenSk, zum Chef deS 5. Garde-Grenadier.Regiments ernannt.
Berlin, 10. August. Der „ReichSauzeiger" veröffentlicht die Ernennung des bisherigen Botschafters Freiherrn v. Thielmann zum StaatSfecretär des Reichsschatzamts, unter Verleihung des CharacterS all wirklicher Geheimer Rath.
Berlin, 10. August. DaS „Berl. Tagebl." meldet auS Madrid: Die Identität del Mörder! CanovaS ist noch nicht endgültig festgestellt. In jeder Stadt trat Golli unter einem anderen Namen auf. Nunmehr verweigert der Mörder jede weitere Auskunft. Die Polizei trifft umfaffende Sicherheitlwaßregeln für die königliche Familie. In San Sebastian wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen.
Berlin, 10. August. Der engere Ausschuß des Komitee für die Ueberschwemmten hat heute beschloffen, 30 000 Mark dem Comitö für Württemberg, 30000 Mark der sächsischen Gesandtschaft Hierselbst für die Ueberschwemmten im Königreich Sachsen, 30000 Mark dem Oderpräfidenten von Schlesien für die schlesischen Ueberschwemmten, und 5000 Mark für die Lausitz, für Guben und Forst, sofort zu Überweisen.
Berlin, 10. August. Die „Post" berichtet heute, daß Fürst Bismarck auch dem Herzog. Regenten Johann Albrecht von Mecklenburg gegenüber bei dessen letzter Anwesenheit in FriedrichSruh geäußert hat, Kaiser und Reich könnten jederzeit auf seinen Rath rechnen.
Oldenburg, 10. August. Heute, am Geburtstage der Erbgroßherzogin, wurde ein Thronfolger geboren.
Wien, 10. August. Die hiesige spanische Gesandtschaft erklärte die kürzlich von der „Times" gebrachte Meldung über allerhand Grausamkeiten, welche die in den Kerkern Spaniens befindlichen Anarchisten zu erleiden hätten, für vollständig unwahr.
Graz, 10. August. Infolge von Wolkenbrüchen wurde die Straße von Turnau nach Mariazell durch eine Erdlawiue verschüttet.
Budapest, 10. August. Seit gestern Abend ist das Hochwasser der Donau von Raab bis MohacS im Sinken begriffen. DaS überschwemmte Gebiet ist riesig groß, die verursachten Schäden enorm. Die Hochfluth führt Dächer, Möbelstücke, viele Wild« und leider auch Menschenleichen mit sich. Aus der Strecke von Gran bis Budapest wurden vorgestern und gestern mehr als 10 Leichen, auch ein Kind in feiner Wiege aus den Finthen gefischt.
Brussel. 10. August. Der „Soir" erhält eine Corre« spondenz aus London, wonach bezüglich der Ermordung CanovaS mehrere englische Anarchisten erklärten, der angebliche Mörder Golli sei wahrscheinlich der italienische Advokat Gori, der fich in den letzten Jahren in Frankreich und England aufgehalten hat und bereits früher verdächtigt wurde, Caserio zu dem Attentat auf Carnot angehalten zu haben.
Paris, 10. August. Der Mörder CanovaS' war vor einigen Jahren in einer lithographischen Anstalt in Marseille beschäftigt. Damals nannte er fich Michele Argiolillo. Seine damaligen College« schilderten ihn als talentvollen Autodidacten. Ein hier weilender Anarchist erklärte auf Befragen, daß man da- Attentat in Spanien voranSfehen konnte. Alle Hingerichteten Anarchisten hätten in ihren letzten Augenblicken die Worte gesprochen: „Genossen, rächet uns." Noch vor einigen Wochen fand man am Palais Bourbon einen Zettel mit der Aufschrift: „Rächet die Brüder."
Paris, 10. August. Infolge der Aussage des Mörders CanovaS', sein Verbrechen sei der Anfang einer Reihe anarchistischer Thateu in Spanien und anderen Ländern, hat der Pariser SicherheitS-Director die strengsten Maßregeln getroffen, um in Paris ein weiteres Vorgehen der Anarchisten zu verhindern. Behufs Sicherstellung des Präsidenten der Republik bei feiner Reise nach Petersburg will man fich mit ben dortigen Behörden in Verbindung setzen.
Petersburg, 10. August. Heute fand in ZarSkoje Selo eine Gefechtsübung statt, welcher der Zar und Kaiser Wilhelm beiwohnten, während die Kaiserin verschiedene Sehenswürdigkeiten Petersburgs in Augenschein nahm. Zu der heute Abend in Peterhof stattfindenden Galatafel find auch die deutschen Marine-Offiziere geladen. — Der Zar ewpftn« gestern Herrn v. Bülow in längerer Audienz.
Petersburg, 10. August. Die Offiziere des deut« C d)toaber6 rour^cn dem Zarenpaare gestern nach Schluß der Parade vorgestellt- sodann fand in dem auf dem f* C ki' /rri*lctcn Kaiserzelt ein Frühstück statt, an welchem die beiden Kaiserpaare, Würdenträger und Generale, sowie die Großfürsten und Fürstinnen theilnahrnen. Bei der Tafel trank der Zar auf das Wohl des deutschen Kaiser- paares, Kaiser Wilhelm auf daS Wohl des ZarenpaareS. 2Zodl. ben^ Job°nn tn Peterhof abgehaltenen Familten-Diner begaben sich die Allerhöchsten Herrschaften nach der Olga- Insel, wo unter freiem Himmel ein Garten'Ballet vorgesührt wurde. 1500 Gäste waren hierzu eingeladen.
*0. August. Die Regierung ordnete die Rückkehr sammtltcher beurlaubter Offiziere zu ihren Truppentheilen an und untersagte weitere UrlaubSbewilltg-
Konstantinopel, 10. August. Der neueste E t n f a l l v o n mehreren Tausend Armeniern in türkisches Gebiet ist ein sehr ernster. Ueber 200 türkische Unter- thanen, darunter viele Frauen und Kinder, sollen von Armeniern moffacrirt und furchtbar verstümmelt worden sein. Die Pforte wies den Gouverneur von Wan an, energisch gegen die Räuber vorzugehen und ersuchte die serbische Re- gierung, sich an der Verfolgung und Vernichtung der Räuber kräftig zu betheiligen.
Abtheilnngen und Dienststellen derselben Behörde durch münd' liche Besprechung oder Unterredung u. S. mittels Fernsprecher zu ersetzen.
• • Die beiden jüngste» Kinder deS Kaisers pasfirtcn heute vormittag 10 Uhr auf der Reise von Tegernsee nach WilhelmShöhe die hiesige Station mittelst besonderem in ben Schnellzug 11 eingestellten Hoswageu.
* • InteruntionaleS Rad WeNsihre» in Gießen. Einen über Erwarten günstigen Erfolg har ble Einladung zu dem internationalen Wettfahren am 15. August b. I! von allen Seiten erfahren, unb eS bestätigt auch dieser Umstand, in welcher vortheilhafteu Weise fich die Rennbahn auf dem Sportplatz an der Hardt feit der kurzen Zett ihre! Bestehens in Radfahrerkreisen eingeführt hat. Die stattliche Zahl von 130 Anmeldungen füllt die Liste, worunter fich viele Namen btftnben, deren Träger schon Siege auf' zuweisen haben, welche nur von ganz vorzüglichen Fahrern erreicht werden, z. B.: Michael Hrrtry auS Klein-Steinheinr, der am 4. Juli d. I. in Darmstadt die Meisterschaft von Heffen über 5000 Meter gewonnen hat und der wegen seiner großen Technik jüngst dazu auSersehen wurde, aus dem Sportplätze in Leipzig eine Trainirschule für Radfahrer z» begründen. Ferner nennen wir den beliebten unb gleich tret'- züglichen Rennfahrer Heinrich Struth auS Mainz, welcher fich bereits früher den Titel „Meisterfahrer von Deutschland" erworben hat, weiter die hier schon bekannten Conrad Lautermann au! Darmstadt unb Hanl Neumann au! Rüffel!' heim. Außer vorstehend genannten Herren und den bereit! in unserem ersten Bericht erwähnten Gebr. Krämer au! Chicago und Christiansen auS Kopenhagen, liegen zu dem für Beruflfahrer entschieden wichtigsten Rennen um die Meisterschaft von Heffen noch weitere Anmeldungen Dor», fr daß dasselbe von neun Fahrern bestritten und durch die vereinten aulerwählten Kräfte fich von selbst zu dem Haupt- rennen del Tages gestalten wird. Sehr bedeutende nicht- hessische Berufsfahrer, welche noch gemeldet haben, find u. A.: Bodilek auS Prag, Platt auS Crefeld, Fahrig au! Chicago, Willi Koch, Meisterfahrer von Heffen-Naffan, au»-. Frankfurt a. M., Jehlika au! Prag, Wolff au! Stettin, Heering au! Hannover, Kieling au! Mannheim unb viele andere. Zu dem Militärfahren, welche! gleichfall! sehr in- tereffant zu werden verspricht, wurde alS Anzug vorgeschrieben: Litewke, Schirmmütze und Gamaschen, ohne Seitengewehr. Die Werthpreise für Amateure werben von Donnerstag an im Schaufenster deSHerrn Ernst Blödner am Selterlweg ausgestellt fein. An der festlichen Ausstattung deS Sportplatzes an der Hardt wird rüstig gearbeitet, die Vorarbeiten zum guten Gelingen deS Ganzen find nahezu abgefchloffen, und e! bleibt nur noch zu wünschen, daß auch daS Wetter, von dem der größte Theil bei Feste! abhängt, fich ben Veranstaltungen nicht hinbernd entgegen- stellen möge unb der Verlauf ber Rennen, ungetrübt durch Unfälle, ein befriedigende! Ende finde.
• * Oberheffifcher Bienenzüchter Verein. Die diesjährige Wander v ersammlung des ober hessischen Bienen' züchter« Vereins findet am Montag den 13. September in „Hamels Gartenhaus" zu Grünberg nach voran!- gegangener Vorfeier am Sonntag statt. Am Montag hatte sich der Vorsitzende des Verein!, Herr Pfarrer Ellen- berg er au! Ortenberg, zu einer Sitzung, zu welcher eine Anzahl Herren von Grünberg eingeladen waren, eingefunden, um das zur Veranstaltung der Versammlung Nöthige zu besprechen und anzuordnen. Nach dem von Herrn Pfarrer Ellenberger vorgeschlagenen und von den Anwesenden gutgeheißenen Programm findet am Sonntag im „Gartenhaus" Concert und Abends eine ComitHfitzung in einem Locale in dec Stadt statt, während am eigentlichen VersammlungStag im „Gartenhaus" Vorträge aus dem Gebiete der Bienen- wirthschaft gehalten, sowie die Prämiirung der ausgestellten Gegenstände und die Berloosung, für welch' letztere 3000 Loose zur Verausgabung gelangen, vorgenommen werden. Hieran — voraussichtlich Mittags gegen 1 Uhr — schließt fich bei Mufikvorträgen ein gemeinsames Mittageffen und gesellige! Beisammensein an.
* • Die 116er. AuS Griesheim wird Folgendes berichtet: DaS 1. Bataillon des 116. Jnf.-Regt!., daS leit dem 21. v. M. in Quartier lag, ist am 7. August wieder in seine Garnison Gießen zurückgekehrt. Wir wollen bei dieser Gelegenheit nicht unerwähnt laffen, daß die Ange- hörigen deS Bataillons ohne Ausnahme während ihres Hierseins ein in jeder Beziehung musterhaftes Betragen an den Tag legten, was auf eine vortreffliche Manneszucht im Bataillon schließen läßt. Das gegenseitige Einvernehmen war daS denkbar beste, wie man vielfach wahrzunehmen Gelegenheit hatte. Nicht die geringste Klage ist zu verzeichnen unb auch die Soldaten dürften, vielleicht mit ganz geringen Aul- nahmen, mit ber Aufnahme, die fie bei ihren Quartiergebern gefunden, recht zufrieden fein.
Kennzeichnung von Sträflingen. Eine in ber Groß- । herzoglich hessischen Zeitung unterm 16. April 1812 erlassene Berorbnung der Regierung enthält folgenden intereffanten Paffu!: . . . „Um bet den gefährlichen Verbrechern dem Reiz zur Flucht durch die verminderte Wahrscheinlichkeit eine« glücklichen Erfolge» zu begegnen, und auch daS Gelingen derselben durch Erleichterung der Wiederverhaftung zu er- schweren, wird verordnet, daß in Zukunft allen Delinquenten beiderlei Geschlechts, welche auf längere Zeit als ein Jahr zu Zuchthaus verurtheilt find, ingleichen allen etwa verhaf« teten Jnquifiten, gegen welche bereits die Specialinquifitioa erkannt ist, die Haare auf der rechten Seite des Kopfes unb ber Bart auf der rechten Seite der männlichen Arrestanten glatt abgeschoren unb dieses Abscheeren alle vierzehn Tage wiederholt, auf der linken Seite aber dem Haupthaar unb Bart sein freie« WachSthnm gelassen werden soll." Alle Staaten hatten damals eine besondere Art der Kennzeichnung von Verbrechern, so daß e! jedem Polizisten möglich war, sofort zu erkennen, auS welchem Staate btr Flüchtling auSgeriffen war.


