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12.1.1897 Zweites Blatt
 
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1807

Zweites Blatt

Re. 9

ZlnZts- und Anzeigeblntt für den Ureis Giefzen

Dienstag denl2 Januar

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Gießener Anzeiger

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folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Borm. 10 Uhr. | TEf g &

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(Fortsetzung folgt.)

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Mendelssohn Lieder ohne Worte, von Schumann Phantasie- siücke rc. genannt. Die Menge der von Schubert geschaffenen Werke ist angesichts der Kürze seines Lebens kaum zu 6:* greifen oder doch nur unter dem Gesichtspunkt, daß Schubert ein Genie war. Außer den 457 Liedern liegen eine große Reihe von Klavierwerken vor, darunter 10 umfangreiche, bedeutsame Sonaten. Für den Concertsaal schuf er Sym­phonien, seine C-dur und die unvollendete H-moll gehören nach Beethoven zu den bedeutendsten Schöpfungen, außerdem große Chorwerke, zahlreiche unübertroffen dastehende Kammer­musikwerke, für die Bühne verfaßte er Opern und Melo­dramen, für die Kirche Messen und Psalme. Diesem Heros der Töne werden anläßlich seines Geburtstages Opfer aller Art gebracht werden, auch der Gießener Concertverein wird unter Herrn Mufikdirector Trautmanns Leitung eine weihevolle Feier veranstalten, bet welcher eine Reihe der köstlichen Perlen des Meisters zu Gehör gebracht werden soll. Als Solist ist der bekannte Schubert Sänger St ft er* m ans aus Frankfurt gewonnen, außerdem wirkt der Frauen­chor des Akademischen Gesangvereins sowie daö Vereins- orchester mit. Chor und Orchester find schon heute in vor- bereitender Thätigkeit, sodaß Schuberts lOOjährtger GeburtS- tag auch in Gießen eine erhebende Würdigung finden wird.

fältigsten Angaben über den größten und kleinsten Treffer, die Netto-Beträge derselben, die Auszahlungstermine u. s. w., überhaupt alles, waö zur Beurtheilung der Chancen dienen kann. Dem Kalender sind ferner Prospecte und Mittheilungen über die HauptgeschästSzweige der Gesellschaft: Lebens-, Un- all- und Haftpflichtversicherung, beigesügt.

* Bromberg. 5. Januar. Der vor einigen Jahren ver­storbene Bankier Albert AronS hatte sein Geschäft seinem Procurtsten Müller vermacht und letztwillig bestimmt, daß eine Letche in Gotha verbrannt und die Asche in dem Bank­geschäft in Bromberg aufgestellt werde. Müller setzte das Geschäft fort. AlS er vor einiger Zeit starb, wurde über einen Nachlaß der ConcurS eröffnet. Bei der Versteigerung der ConcurSmaffe gelangte auch die Asche der AronS Jammt der Urne zum öffentlichen Verkauf. Ein hiesiger Pfandleiher erstand Urne und Asche für 15 Mk.

Leipzig, 5. Januar. Eröffnung einer Cigarren- kiste als schwerer Diebstahl. Der Schulknabe Gustav Großvtetsch hatte in drei Fällen eine verschloffene Cigarren kisteerbrochen" und einige Cigarren daraus entwendet. Das Landgericht Glotz sah die Cigarreuktste nicht als Be- hältniß im Sinne des Strafgesetzbuches an, sondern als eine sehr leicht zu öffnende Hülle, ähnlich der Düte rc., und ver- urtheilte deshalb am 7. October G. nicht wegen schweren, sondern nur wegen einfachen Diebstahls zu 14 Tagen Gc- fängniß. Auf die Revision deS StaatSanwaltS hob jedoch das Reichsgericht daS Urtheil auf und verwies die Sache an das Landgericht zurück. ES handle sich um ein Behält- niß, und auf das Quantum der aufzuwendenden Gewalt komme eS nicht an.

* 3« Coburg find von den hohen Herrschaften, welche in diesem Jahre dem herzoglichen Hofe Besuche abgestattet haben, wahrst sürstliche Trinkgelder ru-ackgelasfin worden. Sie betrugen in ihrer Gesammtsumme ca. 21,000 Mk. und find jetzt, zu Weihnachten, an die Hofdtenerschaft zur Bertheilung gelangt. Die Höhe der Summe erklärt sich daraus, daß in diesem Jahre aus Anlaß der Vermahlung der Prinzessin Alexandra mit dem Erbprinzen von Hohen­lohe-Langenburg fürstlicher Besuch in wett größerer Zahl als sonst hier anwesend war. AlS im Jahre 1894 die Ver­mählung der Prinzessin Victoria Melitta mit dem Groß­herzog von Heffen hier stattfand und aus diesem Anlaß neben dem deutschen Kaiser auch die Königin Victoria von England, die Kaiserin Friedrich und der damalige Thronfolger, jetzige Kaiser von Rußland, zu Besuch anwesend waren, floffen die Trinkgelder noch reichlicher. Es konnten am JahreSschlutz ca. 23,000 Mk. an die Hofdienerschaft zur Bertheilung ge- I bracht werden.

Franz Schubert.

Hundert Jahre sind am 31. Januar d. Js. verflossen, feit der Schöpfer deS modernen Liedes, Franz Schubert in dem kleinen Wiener Vorort L'chtenthal, in dem Hause seines Vater«, eines einfachen Schullehrers geboren wurde. Mit 18 Geschwistern hatte der junge Franz Peter Schubert die Liebe der Eltern zu theilen, jedoch außer ihm war nur noch ein um 3 Jahre älterer Bruder, Ferdinand, musikalisch bennlagt. Franz zeigte schon sehr früh außerordentliche musikalische Begabung und fand sein Talent durch seinen Vater die erste Pflege (Violinsptel). Seine schöne Soprau- ftimme verschaffte ihm Ausnahme in die Wiener Hoscapelle und Conoictschule, sowie geregelten Unterricht im Generalbaß bei Rucztcka und Salieri. Als die Mutation eintrat (1813), verließ er das Convtct, trotzdem ihm eine Freistelle zum ferneren Bleiben berechtigte, wurde Gehilfe seines Vaters und unterrichtete 3 Jahre lang die Elementarschüler in der Lichtenthaler Vorstadt. In dieser Zett bereits entstanden acht Opern, 4 Messen und andere kirchliche Werke, sowie eine große Anzahl von Liedern, darunter derErlkönig" urd derWanderer". Erst im Jahre 1817 ermöglichte eS sein treuer Freund, Franz von Schober, daß Schubert die Fesseln feiner Stellung abwerfen konnte, und sich ganz der Musik widmete. Schober unterstützte Schubert jahrelang, thtilte mit ihm sogar seine Wohnung, machte ihn auch mit dem berühmten Tenoristen M. Vogel bekannt, welcher der erste Sänger Schubert'scher Lieder war. Schubert gelang es trotzdem nie, eine dauernde, gesicherte Lebensstellung zu er- angen, eine ihm 1822 angeborene Stelle eines Organisten der Hoscapelle lehnte er ab, bewarb sich aber vergebens um eine Hofcapellmeisterstelle und eine ähnliche am Kärntner- thortheater. So war und blieb er auf die Honorare seiner Lompositionen angewiesen, die er nicht seinen Erfolgen gemäß in die Höhe zu heben verstand. Am 19. November 1828 erlag er im noch jugendlichen Alter einer kurzen Krankheit, seine Ruhestätte befindet fich fast neben der Beethovens, nur j«>ei Gräber trennen die beiden unsterblichen Meister auf dsm Währinger Friedhof zu Wien.

Im Leben ist Schubert mit Beethoven nicht in nähere Beziehungen getreten, obgleich die Wohnungen bet einander lagen, doch zollte letzterer Schuberts Liedern reiches Lob. Schubert ist der eigentliche Schöpfer des modernen Liedes, er führte das, was Reichard und Zelter angebahnt hatten, zur höchsten Vollendung, seine Lieder sind zumeist unglaublich schnell ohne Arbeit entstanden. Epochemachend wurde Schubert auch durch Uebertragung der Liedform auf daü Klavier- seine Moments musicals bilden den Ausgangspunkt der seither in so großer Zahl producirten Miniaturen, von

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Vennischte».

* Berlin, 9. Januar. Die 62jährige alleinstehende Rentnerin und ehemalige Lehrerin Maria Gifford, wohn­haft Btesenthalerstraße Nr. 14, ist in ihrer Wohnung ver* brannt und erstickt aufgefunden worden. Die Wohnungs- eturichtung ist theilweise verbrannt. Wahrscheinlich ist da» Unglück durch verschüttetes Petroleum entstanden.

* Die Lub-Direktion derWilhelms in Magdeburg (Abtheilung für AuSloosungS* Versicherung), Berlin W. 8., Friedrichstraße 73 I, hat soeben ihren VerloosungS-Kalender für das Jahr 1897 erscheinen lassen, der gratis und franco zu beziehen ist. Bet dem allgemeinen Interesse für solche Einrichtungen, welche dem besitzenden Publikum Schuft gegen Verlust durch Ausloosung gewähren, wird der Kalender um so willkommener sein, als er wiederum in denkbar klarster Darstellung die wirthschaftliche Nothwendigkeit der Aus- loosungS-Versicherung und deren Methode behandelt. Zwei übersichtlich angeordnrte Verzeichniffe geben die Namen, die vorjährigen Prämien- und Entschädigungssätze fast sämmtlicher für daS Verstcherungsbedürfniß in Betracht kommenden Werth* papiere. Ein Kalender für Prämien'Anleihen zeigt für jeden Tag des Jahres die stattfindenden Ziehungen verzinslicher und unverzinslicher Loose auf und enthält bet jeder die sorg*

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Berben.

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Feuilleton.

®ne Spssierfahrt nach Norwegen

Reiseerlebnisse von Joseph Kahn, Ranstadt (Oberhessen).

(1. Fortsetzung.)

getreu, daß man beim Anblicke deffelben fich auf den Fuß­spitzen fvrlschleichen möchte. Dort drüben ist unser berühmter LandSmann Friedrich v. Schiller. DaS Denkmal selbst steht in Stuttgart und ist, glaube ich, daS erste, das man dem Dichter gesetzt hat. Der Dichter ist dargestellt, als sinne er nach, mit gebeugtem Haupte nicht idealifirt wie die meisten Statuen, macht eS durch seine Einfachheit einen be- deutenden Eindruck auf den Beschauer. DaS Großartigste in der Galle:ie find die zwölf Apostel, von welchen die Originale in der Frauenkirche stehen. Eine fitzende Figur zeigt uns den englischen Dichter Lord Byron. Thorwaldsen, von ihm selbst, zeigt uns den Künstler selbst bei der Arbeit. Eine noch unvollendete weibliche Figur, der Genius, steht an desien Seite, während Thorwaldsen den Meißel ansetzt, um die noch rohe Form zu vollenden. DaS Modell von Johannes Gutenberg, deffen Monument in Mainz steht, befindet sich im oberen Saale. Werke auö der griechischen Mythologie zieren die Wände. Wir durchwanderten die vielen hohen Säle mit flüchtigem Schritte und vieles Jntcreffante ist uns wohl entgangen. Im oberen Stocke befinden sich die vom Künstler gesammelten Kunstgegenstände, wie Gemälde, Goldarbeiten und Werke anderer Bildhauer. Auch viele Zeichnungen und Skizzen zu seinen Werken find hier, so daß man viele der Bildwerke von der Conception bis zur Ausführung durch die verschiedenen EatwickelungSstadien verfolgen kann. Im Zimmer Nr. 42 befinden sich die vom Meister benutzten Möbel, das Bett, worauf er verschied, und seine letzten, noch unvollendeten Werke. DaS Gebäude ist zugleich die Grabstätte der QtoB«i Künstlers. In der Mitte des Hofes, unter herrlichem Grün, schläft der Genius, umgeben von seinen unvergänglichen

Der erste Abend an Bord wurde durch einen «einen Commers gefeiert, wobei zum erstenmale das dänische Bier, Oel" genannt, probirt wurde, daS uns vortrefflich mundete. Wir langen laich- Lieder, al«Deutlchland, Deutschland über alle«",Röslein aus der Halbe" und ,um Schluffe brachte L-brrr Schnelder van Beilin ein Hoch aus unseren Kaffer au«, da« WÜrner noch durch ein Hoch aus SISmari ergänzte. $11« wir unlere Kojen aussuchten, «ar Polizeistunde schon längst vorüber. Nach langer Paule lag ich nun wieder in einem Schiffsbette, da« mir den Bortheil gönnte, daß ich bei meinen unruhigen Gedanken doch M- u°d unbeweglich zu liegen hatte. Nach langem Suchen sand ich erst da« Koplkiffen, da« ich wegen leine« diminutiven Umsange gerne meiner Mutter al« Nadelkissen verehrt hätte.

Dl- erste Nacht aus dem Schiffe schlaft IM« «L8 w Man hört noch da« Aechzen und Krachen der Ba k-n zu deutlich, das gleichsbrmige, brummende Stoßen der Maschine weckt un« immer wieder aus, oder man denkt an die H-imh und dl- Lieben, die dort find, man ist Überhaupt noch ein wenig surchtlam. Endlich ist man doch nach langem W der stände eingeschlasen - da klingelt« - °° f^ntU_|et«u» - beinahe hatte ich gesagt, au« denj 8-dern mit d m Ankleiden geht e« noch etwa« unbeholsen, wir hären em Geräusch, da« von porzellanener Waare herzurühren schein - wahrscheinlich ist e« FrllhstückSzeit. Nun, schnell gen g find wir in dem Speisesalon und in wenigen Mi-u-ten sitz wir beim dawpsenden Mokka und W°S noch alle« dazu ge

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Kopenhagen, aus dänisch Kiobenhavn, daS wie Kjöbvhahn ausgesprochen wird, heißt eigentlich in gutes Deutsch übersetztKaushasen". Die Stadt bietet eigentlich in ihrem Aeußeren wenig Remerkenswerthes. Mich wenigstens hat sie enttäuscht. Abgesehen von Schloß Rosenberg, der Börse mit ihrem frappanten Thurm, Schloß Christiansburg, der Frauenkirche, weisen fast nur die Bauten der allerletzten Jahre ein characteristtscheS Gepräge auf. WaS die Um* gebung jedoch betrifft, so ist sie unstreitig von eminenter Schönheit, Auf unseren Ausflügen sahen wir überall reife Kornfelder, grüne Wiesen, herrliche Buchenwälder, deren Wurzeln von dem crystallklaren, bald blau, bald grünlich erscheinenden Sund bespült wird. Dazwischen liegen zahl­reiche VillaS, Schlöffer, Dörfer und Flecken. Beim Ein- marsch in die Stadt theilten wir uns in verschiedene Gruppen. Ich trat in Begleitung zweier Lehrer die Wallfahrt nach dem Thorwaldsen'schen Museum an. Meinen ersten Besuch wollte ich dem Orte widmen, der die Schöpsungen eines der begabtesten Jünger der Kunst birgt. Das Museums- aebäude steht dem niedergebrannten königlichen Schlöffe gegen­über, fast im Mittelpunkte der Stadt. Von außen macht es eher einen düsteren als imponirenden Eindruck. Haupt' sächlich unschön find die sarbigen Zeichnungen, bk fich aus der einen äußeren Seite des Baues befinden. Sie stellen die Triumphfahrt des Künstlers und feine Heimkehr dar, sind aber verwischt und überhaupt von keinem großen Kunst- werthe. Gleich beim Eintritt sehen wir das Duplicat des Löwen von Luzern. Das majestätische Thier liegt da als ob im Schlafe, aber man meint, daß ein Hauch es wecken könnte. Die Wiedergabe deS Wüstenkönigs ist so natur»

ü hört. In einer knappen halben Stunde sollten w>r in Kopenhagen sein. Wir sehen schon die Vorboten der däni­schen Metropole, mehrere Inseln, worauf fich Martneetabliffe-

flotthardbahn.

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