Issue 
11/04/1897 Zweites Blatt
 
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image

Wo willst Du hin, Tante?" fragte Anno, al- jene nach der Thür zuging.

Einmal in der Küche nachsehen. Nein, nein, bleibe nur da." Ein Weilchen darauf hörte man ste mit Töpfen und Tellern klappern, sie that eS nur zum Schein, um un­gehindert weinen zu können. Der Alte trommelte mit den Fingern an den Scheiben, ein Zeichen, daß er bei übelster Laune war, dann verließ auch er da- Zimmer. Georg und Anna waren allein, letztere wieder mit ihren Palmen be­schäftigt, während er trübselig vor sich htnblickle.

Die Großmutter ist nicht lange krank gewesen," fing Anna endlich an,aber sie war in der letzten Zeit sehr diu- füllig geworden. Ste hat immer noch von Dir gesprochen und gefragt, wann Du kommen würdest."

Ich danke Dir," sagte er warm und trat zu ihr heran.

Wofür?" fragte sie verwundert.

Er antwortete nicht, er hatte einen Palmenzwetg ge­nommen und drehte ihn zwischen den Fingern hin und her.

Wie lange ich so etwa- nicht in Händen gehabt habe," sagte er.Und Du stellst noch immer am Palmsonntag Palmen in- Zimmer?"

Immer noch," antwortete sie.Ich habe ja alle die langen Jahre gethao. Wir waren noch kleine Kinder, al- wir zusammen nach Palmen gingen. -

Ich weiß. Und auch später noch, al- wir erwachsen waren, bi-"

Bi- Du fortgingft. Am letzten Palmsonntage war das Wetter so schön und warm wie heute,- sprach sie fort, während ihre Finger mechanisch zwischen den Zweigen hin und her tasteten,und wir gingen in daS Weidengebüsch unten am Vach."

Er nickte.Du hattest Dein blaues Kleid an."

Ja, Du hattest am Abend vorher zu mir gesprochen und mich gefragt, ob ich Dich lieb hätte, und ich hatte Dir keine Antwort gegeben, ich war so froh und so erschrocken gewesen. Nun hatten wir genug Palmrn gesammelt und vertheilten fie unter unS: so viel sür unS, so viel für die Großmutter. Ich behielt einen hübschen, vollen Zweig zurück. ,Für wen soll der?' fragtest Du. ,Für den, den ich von allen Menschen am liebsten habe^, sagte ich, und ich gab ihn Dir."

Warum wiederholst Du wir da- alle- ?" rief er erregt. Meinst, Du, sch hätte da drüben nicht Zeit genug gehabt, an alles zu denken, was ich beseffeo und verloren h,be? O Gott, ich wollte waihaftig, ich wäre nicht hergekommen! Ich weiß nicht, wer von Euch beiden grausamer ist, Du oder der Vater !"

Er war auf seinen Stuhl -urückgefallen und ließ den Kops auf die Brust finken. Einen Augenblick sah fie ihn ftiQ an, dann trat fie zu ihm und legte einen Palmenzweig auf seine Hand.

WaS soll daS?" fragte er rauh.

Was eS damals sollte", gab fie zur Antwort.Ich gebe den Zweig dem, den ich am liebsten habe. Und wenn Du mich lieb hast wie früher, will ich mit Freuden atit Dir gehn und Dein treue- Weib sein."

Er sah sie einen Augenblick wie geblendet an. dann zog er fie ungestüm an sich, drückte seinen Kops an ihre Brust und brach in ein krampfhafte- Weinen aus. ES war nicht daS Weinen eine- Kinde- wie vorhin, eS waren heiße, glühende Männerthränen.

Hast Du denn jemal- gedacht, daß eS ander- kommen könnte?" fragte fie nach einer Weile, sanft mit der Hand über seine Haare stretchend.Ich habe Dich immer al- mein betrachtet, wie ich weiß, daß ich Dein bin, mochten die andern sagen, was fie wollten. Erst als Du kamst, dachte ich: wie wenn all da- Schwere, wo- er durchzumachen hatte, sein Herz gegen Dich erkältet hat?"

O Du Du! Und Du willst wirklich später wenn ich Dir erst gezeigt habe, daß ich kein verlorener Mensch bin"

Nicht später. Laß mich jetzt zu Dir kommen, wo Du noch eine Stütze und einen Halt brauchst. Geh und richte Dich in unserer neuen Heimath ein, dann komm und hole mich. Von diesem Augenblick an bin ich zu jeder Stunde bereit mit Dir zu gehen, wohin Du willst."

Sie hatten eS beide überhört, daß die Thür fich hinter ihnen öffnete- jetzt wandten fie sich hastig bet einem dumpfen Au-ruf um. Der Alte stand da, starrte fie an und stotterte: WaS wa»"

Was e- bedeuten soll?" sagte Anna mit leuchtenden

Augen -daß ich mit ihm gehe und ihm eine gute Frau sein will, so wahr mir Golt helfe!"

Jede-.tchen in dem starren Gesicht zitterte und zuckte. Da- willst Du, Mädchen Sind?" Und wie fie Beide eS bestätigreo, griff er noch ihren Händen:Herr Gott im Himmel! Mutter! Mutier! Komm herein! Mensch, wenn Du jetzt nicht ein ehrlicher, odevtlicher Kerl wirft"

Ich will e- werden, Vater, und ich sage auch: So wahr Gott mir helfe!"

Am Nachmittage machten die jungen Leute sich auf, um da- Grab der Großmutter zu betuchen. Die Mutter sah ihnen unter der HauSthür nach, ein glückliche- Lächeln um die Lippen und Freudenthränen in den alten Augen.Er ist doch ein stattlicher Mensch, unser G?org", sagte fie.

NarrenSpoffen", brummte der Alte.Ein ehrlicher Mensch soll er werden, ein Mensch, der die Anna werth ist." Er räusperte fich und seine Augen zwinkerten - er wollte fich selber da- Gesühl noch nicht gestehen, da» in seinem Herzen für den Sohu aufgewacht war.

Georg und Anna standen an drm frischen Hügel. Sie hatten zulammen ein Bateruvser gebetet und sahen nun hinab auf die Stadt, au- der sie hinaufgestiegen waren. Da» Geläute der Glocken wehte zu ihnen hinüber.

Für un» wird der Palmsonntag der höchste Feiertag bleiben, nicht wahr, Georg?" sagte da- Mädchen.

Palmsonntag!" wiederholte er.Morgen geht die Charwoche an - und über kurz oder lang kommt Deine Pasfion»- zeit, Herz. Hast Du e- Dir auch überlegt, waS e» heißt, unter Fremden zu leben, al- da- Weib eine» ehemaligen Zuchthäu-ler- ?"

Sie sah ihn mit einem vollen klaren Blick an.Ich habe alle- überlegt, und nicht erst heute", sagte fie.Wir werden unsere LeidenSzeit durchzukämpsrn haben. Aber ich weiß, wtr werden einander helfen und halten, und ich fürchte mich nicht, deun nach der Charwoche kommt da» Osterfest i"

Er küßte fie auf die Stirn, fromm andächtig, al» be­rührten seine Lippen etwa- Heilige-.Jetzt glaube ich an meine Auferstehung."

Emil Seelig, A. G-, Heilbronn a. N.

Wo nicht \ wondemen'

Vsich direkt ' welche

Millionen trinken

Seeligs candirten Korn-ü,Malz-Kaffee, empfohlen

durch

! f Herrn

I Duktor

'FwSr Weisser

rKirsel) bei Dresden.

Künstliche Dünger

Pflanzennahrung fürTopfgewächse Prof. Wagner's Universaldünger Chilisalpeter Hornmehl Knochenmehl

empfiehlt 3472

Otto Schaaf,

Selter»weg 39.

Bürger!. Mittagstisch

333

k 50 A Im .Rebstock".

Namenlos glücklich

Holzversteigerung

vj " o lowieemtaestcht ohne sommert prost en

im Gießener Stadtwald.

und Hautuuretnigkstten.

3023

daher gebrauche man:

L'. . r-MM'M-iMMtz

Mon

1897, Vormittags 9</, Uhr beginnend

von Bergmann & Co. in Radebeul-Dresden

sollen im Fernewald, in den Diftricten Langeneck, Schützenacker, Strangs wiese und Faulerboden, versteigert

Versteigerungen.»

(Schutzmarke: Zwei Bergmänner) Stück 50 H bei Apotheker Roth, Engel- Apotheke; Dr. Caesar, Hirsch-Apotheke.

werden:

1 Eichen Stamm, mit 0,49 fm, 380 Fichten- und Kiefern-Stämme, mit 256,50 fm (darunter schönes Schnittholz),

78 Fichten-Stangen, mit 9,74 fm,

1 rm Kiefern-Nutzscheitholz,

5 Eichen-Knüppelholz,

46 Nadel Knüppelholz,

105 Nadel-Stockholz, 2410 Wellen Nadel-Reisig.

Die Zusammenkunft ist an der Strangswiese.

Gießen, den 8. April 1897.

Großh. Bürgermeisterei Gießen.

Gnauth. 3561

DeuWil Cognac hoch feine Marke (garantirt rein) per 1 Liter-Flasche incl. Glas Hk. 1.80 empfiehlt 648

Ph. Herrmann,

Seltersweg 38.

Blumenkübel,

Bekanntmachung,

betreffend : Die Heichelheim'fche Stiftung.

Aus obiger Stiftung sind am 19. Juni d. Js. die halbjährigen Zinsen mit 525 Mk. an eine in Gießen wohnhafte, würdige und bedürftige israelitische Familie oder Person zu vergeben. Anmeldungen werden bis 1. Mai d. Js. auf dem Armenamt Zimmer Nr. 3J entgegen­genommen.

Gießen, den 7. April 1897.

Grobherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

I. V.: Wolff.3553

Allgemeiner Verein fvrAmen- und Krankenpflege.

Wir theilen unseren Mitgliedern hierdurch mit, daß unsere Dienerin, Frau Bickel, von dieser Woche an die Beiträge einsammeln wird. Wir erinnern dabei an die großen Aufgaben unseres Vereins, wie wir sie gerade jetzt wieder im Jahresbericht dargestellt haben, und an die großen Ausgaben, die sie erforderten. Wir weisen zugleich darauf hin, daß der bevorstehende Neubau unseres Schwesternhauses auch eine dauernde Erhöhung der laufenden Ausgaben mit sich bringt, zumal wir beabsichtigen, die Zahl unserer Schwestern zu vermehren. Für das Alles erbitten wir, im Bewußtsein, daß wir ja nur dem allgemeinen Wohle bienen wollen, die alten, und wo es irgend möglich ist, erhöhte Bei­träge. Solchen, die noch nicht Mitglieder sind, wird Gelegenheit gegeben werden, sich in die Liste einzuzeichnen, und wir bitten, davon recht reichlich Gebrauch zu machen. 2660

Gießen, den 16. März 1897.

Der Vorstand:

Justizrath Baist. Director Baufa. Dr. Baur. Pfarrer Dingeldey. Landgerichtsrath Doruseiff. Pfarrer Dr. Greiu. E Kauffmann. Pfarrer Schlosser. C Schwan seu. R. Stuhl. Stadt­verordneter Vogt. Revisor A. Wilker. Beigeordneter Wolff.

Frau Dr. Brüel. Frau Provinzialdirector von Gagern. Frau L. Homberger. Frau Profeffor Siebeck. Fräulein P. Stammler. Frau A. Weidig. Fräulein A. Windecker. Fräulein L. Wort- mann. Fräulein I. Zimmermann.

Alice-Schute.

Kl. III: Hand- und Maschinennähen, Flicken, Stopfen, Weihst., Fachz. Zuschn., wöchentlich 24 Std., 20 Wochen 30 Mk.

Kl. II: Hand- und Maschinennäh., Flicken, Stopfen, Weiß-und Iuntft., Fachz. Zuschn., Hausbaitungsbuchf. Franz., wöchentlich 20 Std., 10 Wochen 20 Mk., 20 Wochen 40 Mk.

Kl. I: Engl. oder Franz., Handarbeiten und Bügeln nach Wunsch, 10 Std. wöchentlich, 10 Wochen 30 Mk:, 20 Wochen 40 Mk. Beide Sprachen, Handarbeiten und Bügeln nach Wunsch, 10 Std. wöchentlich, 10 Wochen 50 Mk., 20 Wochen 90 Mk.

Schneidern, 20 Std. wöchentlich, 20 Wochen 30 Mk. Bügeln, 8 Std. wöchentlich, 10 Wochen 12 Mk. CurS zur Ausbildung der Lehrerinnen 40 Mk. Einzelfächer nach Belieben.

Aufnahme der Schülerinnen Donnerstag, den 22 April, Morgens IO Uhr 3183

Nähere Auskunft ertheilt L. Moeser. Oberlehrerin, Gartenstr. 30.

Moderne Grabdenkmäler

Institut von Dr. Kübel.

Planmässige und gründliche Vorbildung für alle Klassen höherer Lehranstalten, für das Maturitäts-, Fähnrichs- und Einjährig- Freiwilligen-Examen, für Vorprüfungen des Finanz- und Geo­meterfachs und andere Schul-Examina.

Für junge Leute, welche Tags über verhindert sind, ist eine Abendschule eingerichtet, in welcher sie sich in verschiedenen Ab­teilungen für Examina oder den kaufmännischen Beruf ausbilden können. 3025

Beginn des Sommer-Semesters am 20. April.

Prospecte durch den Vorsteher:

Dr. Kübel.

JMF* in allen Steinartcn TW1

empfiehlt da» Grabsteingeschäft mit Dampfbetrieb von 2540

Karl Kling in Wieseck bei Gießen.

Billige Preise. Schriften »erden mittelst Dampssandgebläse au-gravirt.

Blumenstäbe

in allen Größen billigst bei

Ludw. Kohlenmann,

3098 Bleichstraße 13.

Kl'acö-Kandschuhe

guter Qualität

schwarz, weiß und farbig,

! Sommer-Handschuhe! Halb-Handschuhe

in fils de cos, fila do perse. imit. Schweden in größter Auswad', und billigsten Preisen empfiehlt

J. H. Fuhr,

3314 Souucustrahe 25.

orselien

StrttM-ep ralfeds» Lö­set, unzerbrechlich, sowie sonst gut sitzende Fagon» für Dame» und Kinder. 2896

A. Fangmann, Bahnhosstr. 29.

Oarteukie»,

weißer, zu hoben bet 3M*

I Sicherst», st

802 bestehend au» :

Bettstelle, Matratze, Lverdett und Kiste«.

Heinere vollet&nd. Bette« in JL »st.. 40 - 44 58,, 86100DU»00. Bested.nb, je nach Preislage, au»: Bettstelle, Sprungrahmen, Moll-, Seegras», Roßhaar- oder Eapoc-Matrotzen, Oberbett und zwei Kisten sowie

Einzelne AettSestandtheite

versendet franco die

Erste ^ronhfirtrr ,roßte e. billigste

Bettenfabrik

Jo!. Heinr. Helberger

: Gegründet 1829. :

5 Verkaufs u. Bersandthäuser: Frankfurt am Main, ßiimtrg 30,32,34,361.38.

Verlangen Siemeinen illnstrirteu stpeci al» Veiten-Katalog gratis t

DoUflönbigr Letten

von v* an.

Toh

S27

L^er, bestehe garnirten und u Taschentüchern, wasche etc. VO

Lader

larktslrasi

gestellt,

mann lc Ausverk, Vorwi

Mett , la Ai Ntoei* $«lei

Prnkfurt.