Ausgabe 
11.4.1897 Drittes Blatt
 
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Feuilleton.

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Z. Darmstadt, 8. April.

Bf* Odenwaldelub. LvvceNe. Som Trsßh. haftheater.

Alljährlich zur Zeit ws draußen in Feld und Flur die ersten KnoSpen de» LeozeS baldige» Nahen küadeu, sammelt die Darmstädter Sektion de» OdeuwaldclubS Ihre Getreuen zu einem Feste, da» unter den vielerlei Ber- anstaltungen der Wiotersatfou mit die meiste Zugkraft auf alle Kreise unserer Stadt ausübt. Und da» mit vollem Rechte! Sind doch die Sympathiee», die man allenthalben dem genannten Vereine entgegenbringt, in hohem Maße wohl­verdiente! Wer sich noch erinnern kann, mit welchen Schwierigkeiten der wandernde Naturfreund vor dem wirk« famen Walten der jetzt weitverzweigten Odenwaldclub» zu kämpfen hatte und damit die Annehmlichkeiten vergleicht, die er jetzt überall im Elubgebiet geniest, der versteht, warum gerade diesem Vereine, wie kaum einem anderen, da» In- tereffe Aller gilt. So waren auch am letzten SamStag die Spitzen der staatlichen und städtischen Behörden bet ihm zu Gaste, um sein Fest mitzufeieru und unser erhabener Landes­herr sogar hatte einen Vertreter entsandt, der dem Club die Allerhöchste Anerkennung in huldvollster Weise ausdrückte. Einen Prächtigen Humpen hatte Se. König!. Hoheit zum Geschenk geschickt, au» dem den um die Sache de- Oden­walde» verdienstvollsten Mitgliedern des (Stube der Ehren­trunk gereicht werde. Mit tiefen Danke nahm der Vorsitzende, Stadtverordneter K. Müller, die hohe Auszeichnung ent­gegen und sprach die Versicherung aus, daß der Odenwald- club fortfahren werde, wie seither den Verkehr in seinem von der Natur so reich mit Schönheiten gesegneten Gebiete zu heben, den Wohlstand der Bewohner zu fördern und die

nationale Idee wacker zn pflegen. Ein begeistert ausgeuom- meue» Hoch auf den hohen Proteetor de» Vereins zeigte, wie sehr die Worte de» Vorsitzenden au» de« Herzen jede» Einzelnen gesprochen waren und mit welchem Stolze die hohe Anerkennung der Thätigkeit de» Verein» Jeden erillllre. Zu de« sich anschließenden Feste hatten die ersten Kräfte der Stadt willig ihre Mitwirkung zur versüguug gestellt. Der Saal selbst war in einen duftenden Fichtenhain verwandelt. Geh. Hofrath Wünzer trug mit bekannter Meisterschaft einen poetisch-schönen Prolog vor, Hofsäuger Bassermavu sang und der gefeierte Dichter des Odeuwalde» Karl Schäfer hatte ein prächtige» Gedicht nach Art der Scheffel- scheu Lieder:Die Wetnprobe zu Heppenheim" für den Abend verfaßt. Rechtsanwalt Schneeberger trug seine Gedanken über da» Lied ,(55 regt sich was im Odenwald" in herrlichen Versen vor. Ein von Hofmufiker !A. Kugler componirte» Singspiel ,Die Verlobung im Odenwalde" und fünf vor­züglich arraugirte lebende Bilder au» dem HochgebirgSlebeu waren außerdem besonders hervorragende Nummern in dem mit erlesenem Geschmacke zusammengestellten und beifälligst anfgcnommenen Programme.

Einem jungen, reich begabten Eomponisteu unserer Stadt, der auch an dieser Stelle schon öfters erwähnt ward, Herrn K. Hallwachs, hatte der Richard-Wagner-Vereiu in letzter Woche bei seinem 34. BereiuSabend da» Wort ge­liehen. 16 Lieder des jungen Künstlers, denen großentheil» Texte E. F. Meyer» zn Grunde liegen, wurden durch ,bie Opernsängerinnen Frl. Zeruy aus Mainz und Frl. Linde­mann von hier zu Gehör gebracht. In allen offenbart Hallwachs ein sehr ansprechendes Talent, da» zwar keinem unserer bekannten Meister direct folgt, das jedoch sich fern hält von originell sein sollenden Extravaganzen, wie sie leider die vielen Grzeugniffe der Gegenwart so häufig zeigen. Er hat eine ausgesprochen lyrische Beanlagung, deren Producte da» Jntereffe weiterer Kreise sicher erregen werden. Der

nächste Abend de» Sagner Verein» wird nun dem Gedächtnis de» am letzten SamStag verstorbenen Eomponisteu Johanne» BrahmS geweiht fein und find dafür schon jetzt erste Kunst- kräfte gesichert.

Zwei intereffante Novitäten brachte die Hofoper in der legten Woche zur erstmaligen hiesigen Aufführung: Har» Pfitzners Musikdrama ,Der arme Heinrich" und Erik Meyer- Helmuud» BurleSke ,Die Geisterstunde". Pfitzner ist un­streitig ein große» Talent, sein Werk ist eine gewaltige That, die de« Hörer unbedingte Achtung «dringt, aber Befriedigung wird sie den Meisten nicht gewähren. Der Künstler ist in Wagner» Bahnen «eitergewandelt, aber er ist über da» Ziel hinauSgegaugen, seine Arbeit gewahrt, außer einzelnen wirk­lichen musikalischen Schönheiten, nicht Anregung und Genuß, sondern sie ermüdet den Hörer, spannt ihn ad. Da» nicht ohne Geschick von Jame» Grün verfaßte Textbuch behandelt die Legende von dem mittelalterlichen Helden, der von ekel­hafter Krankheit befallen, nur geheilt werden kann, wenn ein schuldlose» Menschenleben für iha sich opfert für viele auch kein ansprechender Stoff. Um die eminent schwierige Wiedergabe deS Werke» machten sich neben Hofcapellmeifter de Haan namentlich die Herren Bass er mann (,Heinrich"), Weder (,Dietrich") und Rich mann (Mönch"), sowie die Damen Borchers (,Hilde") und Frank (Agne»") sehr verdient.

von wesentlich anderem Gesichtspunkte an» ist Meyer- Helmund» Burle»ke zu betrachten. Der Eompontst wollte sein Publikum unterhalten, awüfiren und daS ist ihm trefflich gelungen. Seine Musik ist nicht» weniger al» originell, aber leicht flüssig, pikant und voll köstlichen Humor», wozu aller­dings auch der Stoff, deffen Handlung eine Specialitäten- truppe im RedactionSbureau zeigt, vorzüglich sich eignete. Die Novität fand den wärmsten Anklang und der Eompontst mußte wiederholt vor der Rampe erscheinen, um den Beifall entgegenzunehmen.

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