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Hießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.
Die Gießener
Aamitienötäller werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
EMeß Blatt, Donnerstag den V März_________
Gießener Anzeiger
Kenerat-Anzeiger.
1897
Vierteljähriger Avonnementspreisr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohu. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Pfg.
Redaction, Expedition und Druckerei:
Schststraße Ar.7^ Fernsprecher 51.
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Aints- und Anzeigeblntt für drn Ureis Gieren.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borin. 10 Uhr.
Hratisöeilage; Hießener Kamikienökätter.
Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehme» j Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen. \
Amtliche* Theil.
Bekanntmachung,
betreffend: Maul- und Klauenseuche zu Queckborn.
Nachdem in einem Gehöft zu Queckborn die Maul« und Klauenseuche amtlich festgestcllt worden ist, wird dies mit dem Ansügen zur öffentlichen Kenutniß gebracht, daß Gehöftsperre angeordnet worden ist.
Gießen, den 10. März 1897.
Großherzogliches KreiSawt Gießen.
-(74 0. Gogern.
Deutsche» Reich.
Berlin, 9. März. Nach der Marine «Denkschrift tverden für.'die nachfolgeoden drei EtatSjahre 1898/99, 1899/1900, 1900/1901 neue Schiffsbauten angemeldet, die einen Kostenaufwand von Mk. 182,883,000 erheischen, so daß zuzüglich der noch für 1897/98 geforderten Schiffsbauten und der aus den Vorjahren überkommenen Restforderungen sich ein Aufwand für Schiffsneubauten von Mk. 328,371,000 ergibt und die Etatsforderungen der Marine allein für Schiffsbauten sich belaufen würden für 1897/98 ans Mk. 62,165,000, für 1898/99 auf Mk. 59,070,000, für 1899/1900 auf Mk. 56,240,000, für 1900/1901 auf Mk. 60,510,000. Weitere Neuforderungen von 1901/1902 ab werden Vorbehalten. Mittels dieser Summen sollen an Neubauten noch weiter in Angriff genommen werden: 1897/98 nach dem Etat 1 Panzerschiff 1. Kl. L 20 Mill. Mk., 2 Kreuzer 2. Kl. ä Mk. 10,130,000, 1 Aviso L Mk. 4,240,000, 2 Kanonenboote i Mk. 1,326,000, 1 Torpedodivifion von 2 Schiffen Mk. 4,452,000; 1898/99: 2 Panzerschiffe 11. Kl. ä Mk. 20 Mill., 2 Kreuzer 1 Kl. L Mk. 14 Mlll., L Kanonenboot, 1 Torpedodivifion; 1899/1900: 1 Panzerschiff 1. Kl. L Mk. 20 Mill., 2 Kreuzer 1. Kl. L Mk. 14 Mill., r. Aviso, 1 Torpedodivifion; 1900/1901: 1 Panzerschiff 1. Kl. b Mk. 20 Mill., 2 Kreuzer l.Ki. L Mk. 14 Mill., 1 Aviso, 11 Torpedodivifion.
WslffS telegraphische» Lorrespondenz-Bsreae.
Paris, 9. März. HavaSmeldung. Meldungen aus Athen zufolge begegnen die Mobiltsirung und Kriegs« rüstungen in Griechenland sehr ernsten Schwierig- {eiten. Die nach der theffalischen Grenze gesandten Regimenter find auf sehr geringem Bestände, da die Reservisten der Einberufung nicht Folge geleistet haben. Auch fehlt eS an Offizieren. ES ist möglich, daß man fich gezwungen sehen wird, wenn nöthig, zum Aufgebot deS Landsturmes zu schreiten.
Pari», 9. März. Die Regierung hat das Decret vom 9. Februar, welches von Indien kommenden Schiffen das Anlaufen von Marseille absolut verbietet, aufgehoben.
Athen, 9. März. Meldung der „Agence HavaS". Der Kommandant der gemischten Besatzung, Am0retti, hatte der Aufforderung an den griechischen Biceconsul, BarakliS, Kreta mit erster Gelegenheit zu verlaffen, die Mittheilung hinzugefügt, er werde bis zum Augenblick feiner Abreise als Gefangener betrachtet werden. Hierauf erwiderte BarakliS, n werde fich nur der Gewalt unterwerfen. Amoretti er« klärte ihm alsdann, daß er nicht zögern werde, Gewalt an« zuwenden. Diese Maßregel ist auf alle in Kanea wohnenden griechischen Unterthanen, darunter drei ZeitungSberichterstatter und das Personal des ConsulatS, ausgedehnt worden.
Depeschen des Bureau „Herold."
Berlin, 9. März. Am heutigen Sterbetage Kaiser Wilhelms I. war das Mausoleum im Park von Charlotten- burg wie alljährlich auf daS Kostbarste geschmückt. DaS ttaiserpaar legte riesige Kränze nieder. Weitere Kränze wurden im Auftrage der Kaiserin Friedrich, der Großherzogin von Baden, deS ErbgroßherzogS und der Erbgroßherzogin von Baden überbracht.
Berlin, 9. März. Der Herzog von Connaught wird zu den Centenar-Feierlichkeiten hier eintreffen.
Berlin, 9. März. Sobald auch das Handelsgesetz- bAch vom Reichstage angenommen sein wird, hat derselbe von den im Zusammenhang mit der Einführung deS bürgerlichen Gesetzbuchs nothwendigen Reformen im Wesentlichen noch die deS Civilproceffes und der ConcnrS Ordnung zu rr ledigen. Die Vorarbeiten für diesen Gesetzentwurf sind, wie die „Post" erfährt, soweit gefördert, daß eS möglich lcheeint, dieselbe gleich zu Beginn der nächsten Tagung an den RxichStag gelangen zu laffen.
Berlin, 9. März. Die „Post" meldet aus Konst an« tin op el: Angesichts der ablehnenden Antwort Griechenlands wurden die Vertreter der Pforte bei den Großmächten beauftragt, betreffs deren Zustimmung zu einem Einmarsch der türkischen Truppen in Thessalien zu sondiren.
Berlin, 9. März. Auch der hiesige griechische General« Consul benachrichtigte im Auftrage der griechischen Regierung die griechischen Unterthanen, die in Berlin und der Provinz Brandenburg wohnen, daß die in den Jahren 1866 bis 1873 geborenen Reservisten zu den Fahnen berufen werden und ohne jeden Zeitverlust fich nach Griechenland zu begeben haben.
Berlin, 9. März. Dem Profeffor Robert Koch ist eS gelungen, bei der Bekämpfung der Rinderpest in Südafrika einen guten Schritt nach vorwärts zu kommen. Er kann mit Hilfe des Serum eine gewiffe Immunität erzeugen und erklärte fich bereit, einen UnterrichtScurfuS über die Behandlung der Thiere mit Serum in der Versuchsstation von Kimberley zu eröffnen. ES sei auch rathsam, so heißt eS in dem Bericht des Professors Koch an den Land- wirthschastSminister der Capcolonie, in anderen Theilen des Landes Laboratorien zu errichten, fie mit dem nöthigen Material auSzustatten und mit ihrer Leitung geeignete Personen zu betrauen.
Wien, 9. März. Die Blätter bezeichnen die Antw orst Griechenland» als sicheres Zeichen dafür, daß Griechenland im Begriff sei, einen ehrenvollen Rückzug anzutreten. Demnach hätte fich die Situation wesentlich gebeffert und liege kein Anlaß zu pessimistischen Erwartungen mehr vor.
Wien, 9. März. Der „Neuen freien Preffe" wird auS Paris telegraphirt: In hiesigen diplomatischen Kreisen verlautet, daß fich die Commandanteu der europäischen Geschwader über die Vorschläge, wie die Zwangsmaßregeln gegen Griechenland durchgeführt werden sollen, geeinigt haben. Alle Regierungen genehmigten folgende Vorschläge: Zuerst ist eine Blokade Kretas in Aussicht genommen, dann soll die griechische Flotte aufgefordert werden, die kretenfischen Ge° wäffer zu verlaffen. Bleiben diese Aufforderungen unbeachtet, dann würden sofort Zwangsmaßregeln ergriffen, welche die Rückkehr der griechischen Schiffe nach ihren Heimathhäfen sicherstellen würden.
Brunn, 9. März. Drei Soldaten des hiesigen Jusauterie-Regiments erschossen fich mit ihren Dienstgewehren.
Rom, 9. März. Die auS Macedonien und Albanien hier einlaufenden Nachrichten erregen auch in RegierungS- kreisen große Besorgniß. ES ist nachgewiesen, daß die Vorbereitungen für ben Ausbruch eines Aufstandes im Frühjahr bereits weit vor den Ausbruch der Kreta Unruhen zurückdatiren.
Rom, 9. März. Auf der Confulta wird neuerdings versichert, daß die italienische Regierung fich den eventuellen ZwangSmatzregelu gegen Griechenland ohne Weiteres an sch ließ en wird.
Paris, 9. März. Entgegen dem hier circulirenden Gerücht, Deutschland wolle auS dem europäischen Concert auStreten und den übrigen Mächten die Action überlaffen, wurde in der gestrigen Conferenz, welche der Minister Hanotaux mit dem deutschen Botschafter Grafen Münster hatte, ein vollständiges Einvernehmen mit Deutschland betreffend die zu ergreifenden ZwangSmaß- regeln erzielt.
Pari», 9. März. Dem „GauloiS" zufolge glaubt in London Niemand an den Ausbruch eines Krieges. Man hält eine Lösung in dem Sinne für möglich, daß Kreta unter Oberhoheit des Sultans mit dem Prinzen Georg al- General-Gouverueur die Autonomie erhält.
Loudon, 9. März. Die griechischen Studenten an englischen Hochschulen, sowie frühere griechische Militär- laffen fich auf dem griechischen Consulat als Freiwillige eintragen, um den eventuellen griechisch-türkischen Krieg mitzumachen. Der griechische Consul hat gestern seiner Re' gierung eine Summe von 100000 Pfund übersandt, welche ihm während der letzten Wochen aus Amerika zugegangen waren.
Petersburg, 9. März. Nachträglich wird bekannt, daß eine Vermehrung der russischen Feld-Artillerie um 69 Batterien oder 252 Geschützen zur Bildung zweier neuer ArmeecorpS durchgeführt wird.
Kaudia, 9. März. Bei St. Blasien fanden gestern Kämpfe zwischen Insurgenten und Baschibo- schukS statt, wobei es Tobte unb Verwundete gab. DaS hiefige Militär hat noch etwas Proviant, doch fehlen Kleider, selbst der Gouverneur ist schlecht gekleidet.
Berlin, 10. März. Die Budget-Commission de» Reichstage- erledigte gestern die Generaldebatte des Marine-Etats und wird heute in die Specialdebatte eintreten.
Berlin, 10. März. Die „Deutsche Tageszeitung" glaubt mittheilen zu können, daß nicht alle, den früheren Cartell- Parteien angehörigen Reichstagsabgeordneten für die unverkürzte Bewilligung der Marine-Forderungen für 1897/98 stimmen werden.
Berlin, 10. März. DaS Deficit der vorjährigen Gewerbe-AuSstellung beträgt etwas unter 45pCt. der zum Garantie-Fonds gezeichneten Betrage.
Berlin, 10. März. Die „Nordd. Allgem. Ztg." meldet auS Wien: Betreffs der Antwort Griechenlands wird in diplomatischen Kreisen bezweifelt, daß fich die Mächte durch den Versuch der Verzögerung der kretenfischen Angelegenheit in ihrem Entschluffe zur ZwangSaction beirren laffen werden. Die diplomatischen Berathungen dauern fort. Nach der Ansicht hervorragender Diplomaten kann die ausweichende Antwort Griechenlands nur durch die Blokade Kretas und des Piräus beantwortet werden.
Berlin, 10. März. Der Eindruck, welchen die griechische Beantwortung des Ultimatums der Großmächte auf die deutsche Regierung gemacht hat, ist, wie die „Nat.- Ztg." hört, ein durchaus unbefriedigter. In voller Ueber- einstimmung mit ihrem bisherigen Verhalten fei die deutsche Regierung nicht gewillt, in weitere Verhandlungen einzutreten.
Berlin, 10. März. Die „Voss. Ztg." meldet au» Kanea: Die eingeschlossenen Türken in Candano wurden durch gelandete Truppen der Mächte entsetzt.
Graz, 10. März. Ein Bataillon deS 87. Infanterie- Regiments in Trieft, sowie die Sanitäts-Abtheilung wurden auf Kriegsfuß gesetzt. Daffelbe ist zur Einschiffung nach Kreta bereit.
Schwurgericht.
W. Gießen, 9. März.
Fortsetzung der Verhandlung gegen den Schuhmacher HeinrichPrescher und den Buchbinder Heinrich Brück, beide von Gießen, wegen Münzverbrechen.
Criminalschutzmann Weiß erklärt auf Befragen der Verteidigung, er habe bei der Durchsuchung der Prescher'schen Wohnung nichts weiter gefunden, als einen Kasten mit Blei und Zinn, sowie Sand, den ihm der Angeklagte Prescher ausgehändigt. Pferdemetzger Keßler bekundet, daß er sofort bei Empfang des FalfificatS gemerkt habe, daß eS nicht echt war. Brück war nicht verlegen, sondern gab ihm eine andere Mark, worauf ihm Keßler gerathen haben will, die falsche Mark bei der Polizei abzugeben. Taglöhner Balser erklärt, dabei gewesen zu sein, als Brück bei Keßler die Ausgabe der falschen Mark versucht hat, er hat fich überzeugt, daß Brück die falsche Mark an dem Abend nicht auf der Polizei ablieferte; am nächsten Tage ist der Zeuge zur Polizei gegangen, um Anzeige zu erstatten. Ein Onkel des Angeklagten Prescher verweigert das Zeugniß, seine Mutter erklärt, Zeugniß ablegen zu wollen. Sie behauptet, an dem betreffenden Tage bis gegen Abend abwesend gewesen zu fein; als fie zu Hause ankam, war Brück und ihr Sohu anwesend und der erstere verlangte die Mark, die der letztere gefertigt, der Sohn habe fich dessen geweigert, weil er dieselbe an die Uhrkette machen wollte, da habe fie, die Zeugin, gesagt: geb'S ihm doch. Brück wollte dann versuchen, daS falsche Geld auszugeben, worauf der Sohn jenem noch ein richtiges Geldstück gab, weil er wohl die Verausgabung deS falschen nicht haben wollte. DaS Gericht beschließt, die Mutter deS Angeklagten Prescher nicht zu vereiden. Schlosser Karl Ger lach ist der dritte Genosse, welcher mit dem Angeklagten in die Fremde ziehen wollte; er war an einem Abend bei Prescher, da zeigte ihm dieser die falsche Mark, hinzufetzend, er habe dieselbe gefunden und wolle sie an der Uhrkette tragen. Zeuge hat nicht gesehen, daß in der Prescher'schen Wohnung gegossen wurde. Der Angeklagte Brück erklärte, er habe oft wahrgenommen, daß Prescher fich im Formen und Gießen geübt, dieser habe aber nie davon gesprochen, daß er Gelb machen wolle. Werkmeister Reinharbt bei Schaffstädt bekundet, daß Prescher vom August bis Anfang Decrmber als Taglöhner bei ihm gearbeitet, er habe ihn als Kernmacher ausbilden wollen. Prescher hat mit ben Formern zusammen gearbeitet unb konnte deren Handhabung leicht abschauen. Der Zeuge glaubt nicht, baß Prescher als Former fich hätte zu Hause an»- bilden können, er hätte aber die Formerei in Sand üben


