Ausgabe 
10.10.1897 Zweites Blatt
 
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densten Formen, Armbrustbolzen und ein langer, schmaler Spießeisen von einem langschäftigen, Framen genannten fränkischen Speere. Links eine Sammlung von Schußwaffen. In diesem Saale sei ferner noch hingewiesen auf vier guß- eiserne Ofenplatten aus dem 16.19. Jahrhundert, die einer sehr reichhaltigen Sammlung angehören, welche leider, fra das alte Gebäude die große Belastung nicht tragen würde, vorläufig im unteren Hausflur untergebracht werden mußten. In den Vitrinen neben dem Fenster möge man auf zwei herrliche Pistolen des vorigen Jahrhunderts aus der berühm­ten Kuchenreuter'schen Fabrik zu Regensburg achten.

Der aufmerksame Beobachter wird noch manchen interes- santen und schönen Gegenstand finden, den wir hier bei nuferen kurzen Andeutungen nicht erwähnen konnten, er wird aber auch bemerken, daß das noch kleine Museum in allen Theilen gute, entwickelungssähige Ansätze zeigt. Von dem Interesse und der Opferwilligkeit hängt es ab, ob die Sammlung mit der Zeit völlig die ihrem Zwecke entsprechende Ausdehnung erhalten wird.

Erntedankfest.

Am heutigen Sonntage wird einer alten Sitte gemäß das Erntedankfest gefeiert. Es ist erklärlich, daß dieses Fest im Allgemeinen bei den Landleuten in höherem Ansehen steht, als bei den Städtern. Diese haben eben keinen Schweiß auf den Feldern vergoffen, haben es nicht keimen und wachsen sehen und verstehen nicht, was alles dazu gehört, ehe ein Fuder Roggen in die Scheune kommt. Aber dennoch ist auch für den Städter das Erntedankfest von der allergrößten Be­deutung. Denn einmal ist es wirklich für keinen Menschen gleichgiltig, wie die Ernte ausfällt, ob es Fülle des Segens giebt oder Mißwachs und Theuerung und dann: Haben wir nicht alle unser Arbeitsfeld? Müssen wir nicht alle schaffen im Schweiße unseres Angesichts? Möchten wir nicht alle gern reichlich einernten in unsere Scheunen? So lange daher die vierte Bitte im Vaterunser steht, so lange die Brodfrage auch die Städter bewegt, und so lange die Land- wirthschast eine Säule des Staatswohles ist, so lange hat keiner ein Recht, von der Feier des Erntedankfestes sich aus« zufchließeu.

Aber nun kommt es eben daraus an, wie es gefeiert wird. Darin sollten doch alle, die noch einen Funken von Religion in sich haben, einig sein, daß eine rechte Erntedank- festfeier ohne Thellnahme an dem kirchlichen Dankgottes­dienst ganz undenkbar ist. Und so pflegen denn auch auf dem Lande wenigstens an diesem Tage die Kirchen im All­gemeinen recht gut besucht zu sein. Das Gefühl hat eben dort noch meist ein jeder, daß heute der erste Dank Gott dem Herrn gebührt als dem Schöpfer und Geber alles Guten. Liegt es doch für jeden Denkenden klar auf der Hand, daß, wenn auch das Werden, Wachsen und Reifen der Ernte ein Raturproceß ist, dennoch ein höherer und persönlicher Wille vorhanden sein muß, welcher diesen Proceß leitet vermittelst

der Kräfte, die er geschaffen und in die Äatur hineingelegt und die er ganz allein in seiner Hand hat! Wie nichts von sich selbst entstanden sein kann, so können auch die Natur­kräfte nicht von sich selbst entstand en fein. Wer das sagt, dem kann man auch sag-n: die Uhr in deiner Tasche ist ganz von selbst entstanden ohne einen Uhrmacher und ohne einen Menschen, sie geht auch ganz von selbst fort, ohne daß du sie aufzuziehen brauchst, vermöge der Naturkraft, die in ihr liegt. So unsinnig dies ist, ebenso unsinnig ist es auch zu sagen: die Erde bringt alles aus sich selbst hervor, es ist alles Natur. Nein, die Natur an sich ist nichts, sie be­deutet nur etwas, sobald wir einen lebendigen und willens- starken, aber auch gütigen und barmherzigen Gott uns über und hinter ihr denken, der sie lenkt und regiert nach feinem Wohlgefallen und der auch Wind und Wetter macht, wie es ihm gefällt. Das ist der Christenglaube, wie wir ihn von Christo, unserem Hellande, haben und wie er trotz aller Angriffe sich bis hierher erhalten hat und erhalten wird. Darum versteht es sich heute wie allezeit für den Christen ganz von selbst, daß er mit der feiernden Gemeinde singt: Lobe den Herrn meine Seele, und vergiß nicht, was Er dir Gutes gethan hat".

Wohl mag es in unserem lieben deutschen Vaterlande manchen Landmann und manche Gemeinde geben, welchen so zu sprechen es heute sehr schwer wird. Haben doch nur in zu vielen Gegenden Fröste, Wolkenbrüche, Hagelschläge die Ernte vernichtet, abgesehen von der schweren wirthfchaftlichen Krisis, unter welcher selbst die besten und fruchtbarsten Gegenden leiden! Aber dennoch kann ein rechter Christ auch in solchen Lagen noch danken. Denn einmal denkt er an das, was Gott ihm schon vorher Gutes gethan hat, ohne daß er ihm etwas zuvor gegeben hätte, sodann hat er trotz aller Verluste doch wenigstens so viel behalten, daß er nicht Hungers zu sterben braucht.Seine Güte ist, daß wir noch nicht gar aus sind, und Seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende". So spricht der Christ mit dankbarem Gemüth. Er weiß ja, daß auch solche Zeiten Segenszeiten sind. Wenn Gott auf sieben fette Jahre sieben magere Jahre schickt, so hat er seine weisen Absichten dabei. Wären die sieben mageren Jahre nicht gekommen, die Brüder Josefs wären nicht nach Egypten gezogen, Getreide zu kaufen, und hätten ihren Bruder nicht wiedergefunden, den sie durch eigene Schuld verloren hatten. So soll noch heute die Noth der Zeit uns dazu dienen, daß wir uns brüderlich die Hand reichen und einander helfen.Wohlzuthun und mitzu- theilen vergesset nicht, denn solche Opfer gefallen Gott wohl", das ist das andere, was der heutige Tag uns zuruft. Wer da hat, der gebe dem, der nichts hat und lasse die linke Hand nicht wissen, was die rechte thut. Es giebt nichts, was ein Menschenherz mehr beglückt, als ein williges und fröhliches Geben. Das ist ja auch die rechte, gottgewollte Verwendung der irdischen Güter. Denn nicht nur sie zu verschwenden und zu sündlichen Zwecken zu mißbrauchen, nicht um uns ungeheure Reichthürner zu sammeln und andere

halben zu kaffen, sondern um Gutes damit zu thun, wo untz wie wir können, läßt Gott die irdischen Güter uns zu Thell werden. Und dann, wer Nahrung und Kleidung hat, der lasse sich begnügen und sei zufrieden. Er blicke ohne Neid auf die, bte mehr besitzen.Neid ist Eiter in de« Beinen", sagt die Schrift, aber wer gottselig ist und läßt sich genügen, der hat großen Gewinn. Denn er gewinnt nicht nur das zeitliche, sondern auch das ewige Glück und wird dereinst ohne Aufhören ernten, was er gefäet hat. I, diesem Sinne wünschen wir allen unseren Lesern ein recht gesegnetes Erntedankfest.

CHctotur Mttd

$ano eioou Die deutsche Revolution 184849. Mit über 200 authentischen Illustrationen und Faksimtledetlagen. Ltg. 1: 1 Mk. Preis des vollständigen Werkes 10 Mk. Verlag bet Eugen DtedertchS, Florenz und Leipzig. Das Werk nennt sich eine JubtläumSgabe. Und mit Recht! Denn im nächsten Jahr sind eS 50 Jahre, daß da« .tolle' Jahr oder auch wie Andere sagen ,bcr deutsche Völkerfrühling' in dem öffentlichen Leben Deutschlands einen entscheidenden Wendepunkt veranlaßte. Denn seit diesen Tagen datirt ein allgemeines Jntereffe deS deutschen Volkes am politischen Lcben, Presse und Parlament, sodaß damit die Grundlage zu späterer Einigung gegeben war. Hochmüthig haben viele Kreise bisher aus jene Be­wegung herabgesehen und der Verfasser, der als Sohn deS damaligen populärsten VolkSsührerS Robert Blum und auch als BtSmarckütograph weiten Kreisen bekannt ist, betont mit Recht, daß man, um unS unserer endlich errungenen Einheit zu freuen, auch die Vorstädten, da« Rtngen und Sehnen unseres Volkes verfolgen muß. DaS Jahr 1848 ist nur erklärlich durch die Vorgänge, die seit den Befreiungskriegen liegen, deßwegen bringt unS die vorliegende 1. Lieferung das Hauptsächlichste deS Metternich'fchen Systems, die Burschenschaftsbewegung, die Demagogenversolgungen, Hambacher Fest (1832) und Frankfurter Wachensturm (1833). Die zweite Lieferung führt unS von den Göttinger Sieden, der inneren Entwicklung Preußen« mit seinem Zollverein und dem romantischen, von GotteS Gnadenthum erfüllten König Friedrich Wilhelm IV. bereits bis zu den ersten Gährungen in Baden. Bet der bekannten anziehenden populären Schreibweise deS Verfassers, bet seinem nationalen Standpunkt, bet der Verpflichtung, die ihm sein Name auferlegt, dürfen wir ein objektiv geschriebenes Werk auS seiner Feder erwarten. Denn nun nach beinahe 50 Jahren bat die Geschichte über die Behauptungen vieler demokratischer Blätter Gericht gesessen, und actenmäßtge Untersuchungen haben u. a. die otelumstrtttene Frage, wer an der Berliner Revolution Schuld trage und wer gesiegt habe, daS Volk oder die Truppen, überzeugend aufgeklärt. _______________

-Sanatorium für Stada", so nennt sich eine seit Jahren bestehende Einrichtung in Parts. ES ist ein Salon, dessm Besitze, sichdocteur des modes* nennt, in dem jede Dame, gegen ent­sprechendes Honorar für die Konsultation, genau erfährt, wie sie stch ihrer Eigenart nach am passendsten zu kleiden, Nein« Mängel zu verdecken, ihre Vorzüge inS rechte Licht zu setzen hat. Wir glauben, daß unsere deutschen Damen getrost auf jene originelle Einrichtung verzichten können, wenn ihnen ein Fachblati, wie ,Dte Modenwelt', wohlverstanden die echte, rühmlichst bekannte Modenwelt, nicht zu verwechseln mit den Titel-NachahmungenGroße Modenwelt' und .Kleine Modenwelt', zur Seite steht. Jede Frau wird darin praciische Anleitung finden, wie fie selbst mit geringen Mitteln ihre Erscheinung gefällig und hübsch gestaltm kann. Besonderer Werth wird auf die Pflege deS gediegenen, einfachen .SchneiderkleibeS' und anspruchslos zierlicher HauSgewänder gelegt, sowie größte Sorgsalt auf die praktische Nutzbarkeit der Vorlagen durch mustergültige Schnitte oerwerrdet.

Erweiterte Handwerkerfchule.

Das Wintersemester 1897/98 der unter staatlicher Oberauf­sicht stehenden gewerblichen Fachschule für Handwerker aller Berufszweige, insbesondere für Bauhandwerker, beginnt am

25. Oktober d. I., Bormittags 8*/» Uhr.

Anmeldungen sind spätestens bis zum 20. October d. I. an die unterzeichnete Anstaltsleitung zu richten.

Gießen, den 24. September 1897. 8904

Der Aussichtsrath Die Austaltsleituug:

L. Heyligevstaedt, Vorsitzender. Trader, Großh. Hauptlehrer.

Erweiterte Handwerkerschule Nidda.

Unter staatlicher Oberaufsicht stehende gewerbliche Fachschule für Hand­werker aller Berufszweige, insbesondere für Bau

Handwerker.

Beginn des Winterhalbjahres 1897/98 am 2. November, Bor mittags 8V3 Uhr; Schluß Mitte März. Das Schulgeld beträgt für Schüler, deren Väter oder Lehrmeister Mitglieder des hief. Ortsgewerbe­vereins find, 12 Mk., für andere 16 Mk. Unterrichtet wird an allen Wochentagen von Vorm. 8Vs bis Nachm. 5Vs Uhr von zwei Fach- und vier Hilfslehrern in folgenden Lehrfächern:

Frrihand- und geometrisches Zeichnen, darstellende Geometrie, Fach, und Ornamentenzeichnen, BauconstructionS-, Materialien-, Schatten- und Bau, formenlehre, Stetnschnttt und Perspective; ferner in Deutsch, GeschäftSauf, sätze, Buchführung, Geschäftsrechnen, Geometrie, Algebra, Physik, Mechanik, Festigkeitslehre, Veranschlagen, Baurecht, Rundschrift und Modelliren.

Anmeldungen sind spätestens bis 15. Oktober d. I an den unterzeichneten Hauptlehrer zu richten, von welchem auch ausführliche Pro­gramme bezogen werden können.

Nidda, den 10. September 1897. 8448

Der Aussichtsrath: Die Austaltsleituug:

C. Ringshau^en, Vorsitzender. I. Meyer, Großh. Hauptlehrer.

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' V Frankfurt a. M.

Ziehung:

10. November 1897.

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