Hindernisse durch Gewinnung des Fürsten Leopold zum Lin. verständoiß und Anerkennung der inzwischen erfolgten Heirath führt, so glaubt mau des Dichters Hersch Stimme zu der- nehmen, die sagt: Härtest Du nicht mit meinem »albe ge« pflügt . . . Doch, wie dem auch sei, da- Stück bietet für einen Abend Unterhaltung genug, antmirt stellenweise zu herzlichem Lachen, mitunter zu sentimentalen Regungen, und wenn einigermaßen gut gespielt, auch zu lebhaften Beifalls« kundgebuvgeo. Nun da- Spiel. Bet der Menge der tu Action gewesenen Personen seien nur die Hauptgestalten besonderer Beachtung unterzogen. Herr F r i tz s ch l e r al- Fürst Leopold war nicht echt, da» Gepräge zu hau-backeu, uur die, wohl zur Würze, im Dialog vorkommenden derben Ausdrücke waren historisch getreu wtedergegeben. ES liegt uuS ferne, damit dem bekundeten Fleiß bei Künstlers nahe zu treten, allein diese Figur verlangt wehr Heroi-mu- und muß einheitlich durchgeführt werden. Die Rolle der Fürstin Anualiese wurde tu Verhinderung bei Frl. Hervad in letzter Stunde durch Frl. Marl off daukenSwerther Weise übernommen uad sehr zufriedenstellend erledigt. Schade, daß Frl. Hervad tu dieser Paraderolle nicht ihre künstlerischen Fähigkeiten zeigen konnte, wir hatten uuS schon darauf gefreut, da da- die erste größere von ihr zu erledigende Rolle gewesen wäre. Den Erbprinz Gustav gab Herr Boehm- sein Spiel zeigte den feurigen Liebhaber, Auftreten und Haltung war correct. Herr Forsch als BiertelSmeifter Herre schuf eine ansprechend characteristische Figur- etwas weniger pathetisch, hätte er noch gewooueu. Frl. Vtotti, al- die Geliebte des Erbprinzen, war richtig mit der „Tentiwenz" behaftet- ihr Spiel muß beseelter, gestaltuugSfäh'ger werden, es lag etwas Unfertiges in ihrer Wiedergabe. Besonders erwähnenSwerth ist die Verkörperung bei Großvaters (HerreS Vater) durch Herrn Director Helm, sowie die der Hökerin Hauua, durch Frau Direktor Helm- letztere ließ an Echtheit des „histori- schen" nichts zu wünschen übrig, im Gegeotheil, bet dem FreudenauSbruch tu der Scene des Gesprächs mtt dem Fürsten über deffen Jrrthum betreffs des „preußischen" wurde tm Eifer des Guten wohl zu viel geleistet. Im Uebrigen machten sich die Damen v. Winterst ein, BudowSka, sowie die Herreu Dos er, Albrecht, Liebscher und Fellner verdient. Die Ausstattung war eine glänzende- daS zahlreich erschienene Publikum applaudtrte lebhaft für den gebotenen amüsanten Abend.
♦ * Stadttheater. Am Sonntag den 10. October ge« laugt tm htestgen Stadttheater die erste Poffe tn dieser Saison zur Aufführung, nämlich Eduard Jacobsons „Mann im Monde" ein sehr wirkungsvolles, äußerst humoristische» Bühnenwerk, mit guten GesaugSetnlagen au»- gestattet. Die komischen Hauptrollen liegen tn dea Händen der Herren Direktor Helm und' Nicol. Albrecht, sowie der GesangSsoubrette Fräulein Clara Nathusiu». — Auf die am Montag erfolgende Wiederholung von Haupt- wanll» Märchendrama „Die versunkene Glocke" sei noch ganz besonder» aufmerksam gemacht.
* • Zugentgleisungen. Auf der Strecke K ö l n—G teßeu, zwischen Kirchen und Betzdorf, entgleiste gesteru ein Güterzug. Mehrere Wagen wurden zertrümmert, Personen find nicht verletzt. — Bet Huugen eutgleiste, wie die „Franks. Zig." meldet, infolge falscher Weichenstelluog der um 6 Uhr 25 Mtn. Nachm. nach Friedberg abgelaffene Per« soneuzug. Verletzungen an Personen kamen nicht vor.
Die Wanderer ®. R. 6. veranstalten morgen (Sonntag), wie tm vergangenen Jahre eine Schnitzeljagd, mit welcher die Einweihung de» neuen ClubloealS im «Restaurant Royal" verbunden wird. Die Thetlnehmer treffen sich am Nachmittag 28/< Uhr tm „Casö Hrttler", wo diesen dte näheren Bestimmungen der Jagd bekannt gegeben werden, worauf um 3 Uhr die Abfahrt zur Schnitzeljagd erfolgt. Abend» 8Vi Uhr findet Commer» im Clublocal statt, wo auch dte fünf zur Vertheilung kommenden werthvollen Preise übergeben werden.
* * Entfernung bei Strabeapflasters. In allen Städten des Landes, in denen fich Gerichts« oder sonstige Regierungs- gebäude an lebhaften VeikehrSstraßrn befinden, soll, wie der „Franks. Ztg." auö Darmstadt mitgetheilt wird, tm Jntereffe des Dienstes daS vor diesen Gebäuden befindliche Stein« Pflaster entfernt und durch Holz« oder anderes Pflaster ersetzt werden. Mit den Gemeindeverwaltungen werden zu diesem Zweck wegen der Kosten besondere Verträge abgeschloffeu.
• • Die Aulgabe der Kartenbriefe soll, so schreibt die „Deutsche BerkehrS-Zetrung", am 1. Rovemb er beginnen. DaS neue Formular gleicht äußerlich einer mittels gummirter Ränder leicht verschließbaren Doppelkarte, bietet aber zum Beschreiben den dreifachen Raum als eine gewöhnliche Post« karte.
♦ * Todesfälle. Nach den vorläufigen Aufstelluogen der KretSgesuudheitSämter starben tm 2. Quartal 1897 im Großherzogthum inSgesammt 5367 Personen. Davon waren 1337 im ersten, 752 im 2. bis 15., 1654 im Alter von 15 bis 60 und 1624 im Alter von über 60 Jahren. Todesursachen waren in 105 Fällen Masern und Rötheln, tu 10 Scharlach, 9 Rose, 58 DiphtherittS, 13 Croup, 30 Keuchhusten, 8 Thphu», 3 Genickstarre, 8 Syphilis, 13 Kindbettfieber, 20 Geburtskrankbeiten, 777 Lungenschwindsucht, 245 Tuberkulose anderer Organe, 261 Lungenentzündung, 484 andere Krankheiten der AthmungSorgane, 189 Schlagfluß, 238 Herzkrankheiten, 251 Darmkatarrh, 90 Atrophie der Kinder, 180 LrbenSschwäche und Bildungsfehler, 256 Neubildungen, 527 Alterfchwäche, 1000 sonst benannte Krankheiten, 420 nicht bekannte Todesursachen und 171 gewalt« samer Tod.
— Auf der internationalen Odstaulftellnug, welche in ben Tagen vom 24. September bis 4. Oktober im Anschluß an die Allgemeine Gartenbau Ausstellung in Hamburg ab« gehalten wurde, waren, wie die „Zeitschrift des landw. Verein» für da» Großherzogthum Heffen" mitthrilt, außer Deutschland namentlich Ungarn, Oesterreich, Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland, Frankreich, Holland Belgien,
die Schweiz und Nordamerika vertreten. An Maffe der ÄuSstellungSnummern (ca. 1900) überwog natürlich Deutschland, da» durch fast alle seine Bundesstaaten die Ausstellung beschickt hatte, aber auch nach Qualität de» ausgestellten »rutschen Obste» nahm Deutschland unter den mit ihm in gleicher Wettbewerb»-Zone covcurrirenden Staaten die hervorragendste Stelle ein. Besonders stark waren die Provinzen Schleswig-Holstein und Hannover vertreten. Nach »em nunmehr veröffentlichten Ergebniß der Prämiirung hat die vom hesftschen Landwirthichaftsrath nach Vereinbarung mit den die landwirthschaftlichen Vereine veranstalteten Landes-Ausstellung des GroßherzogthumS Heffen daselbst mit 44 Ausstellern und 78 Preisbewerbenummern im Ganzen 57 Preise erhalten, darunter fieben Ehrenpreise. DaS tnd ca. 27 pCt. aller Preise, die für die betreffende Preis- aufgabe überhaupt auSgesetzt waren. Der Erfolg ist also ein über Erwarten günstiger gewesen und ficherlich für die Werthschätzunq und die Gestaltung der Absatzverhältuiffe für daS deifische Obst von großer Bedeutung.
• • Der glückliche Gewinner des ersten Preises der D a r w - tädter Pferdemarktlotterie, bestehend auS einem Landauer mit zwei dunkelbraunen Stuten und complettem filberplattirtem Geschirr, ist Hofsänger Bögel in Darmstadt, der da» GlückSloo» bet Uhrmacher vrtbach daselbst gekauft batte.
• • Schullehrer Seminare. Nach amtlichen Miitheilungen unterrichteten während de» letzten Schuljahre» in den „bret Lehrerseminarien unsere» Landes tm Ganzen 31 Lehrkräfte, nämlich 13 in Friedberg und je 9 in Bensheim und Alzey. Die drei Anstalten wurden von zusammen 270 Zöglingen besucht. Davon wurden 73 alS SchulamtScandidaten entlassen. Neu eiugetreten find 98 Schüler, also Bestand 304, wovon 235 evangelisch, 66 katholisch und 3 mosaisch. Au» Starkenburg sind 105, aus Oberheffen 81, aus Rheinhessen 103 und Nchtheffen 15 Schüler. Söhne von Lehrern find nur 38, dagegen von Landwirthen 143 vorhanden. In Präparandevanstalten wurden 232 Zöglinge vorgebildet. Die erste UnterrichtSkiaffe umfaßt 94, die zweite 98 und die dritte 112 Schüler.
• • Der juristische Beruf in tzesfut. Man schreibt dem „Darmst. Tägl. Anz.": E» ist eine leider durch die Ersah« rung oft bestätigte Thatsache, daß von den Gymnasial« Abiturienten solche, die zu keinem akademischen Berufe beson- dere Neigung haben, fich meist der Jurisprudenz zuwenden, da fie hier zunächst auf Versorgung hoffen. Auch in Heffen zeigt sich namentlich in den letzten Jahren ein überaus großer Zudrang zu diesem Studium, so daß für die nächsten Jahre eine starke Uebetfttllung zu erwarten ist. Wie aus dem kürzlich auf dem Hessischen AnwaltStage erstatteten Jahresbericht hervorgeht, hat die Zahl der Rechtsanwälte in Heffen tm letzten Jahre wieder eine bemerken-werthe Zunahme er« fahren- zu der letzten juristischen Facultätsprüfung in Gießen hatten fich 56 Candidaten gemeldet, von denen allerdings, infolge der hohen Anforderungen, nur der dritte Theil be« stand, und zu den nächsten Prüfungen ist die Zahl der Can- didaten kaum geringer zu veranschlagen. Für Solche, die auf eine pecuniäre Versorgung — sei eS im Staats- oder im AnwaltSberufe — rechnen müssen, find daher die AuS« fichten in Hessen zur Zeit wenig günstig.
•» In Amerika verstorbene Heffen. Waverly, Ja., Director Georg Martin Großmann, 74 Jahre alt, au» Groß-Bieberau. — New Haven, (Sonn., John Uhl, 63 Jahre alt, au» Lich. — Darmstadt, Jll., Johann Georg Fett, 80Jahre alt, aus Appenrod. — Brooklyn, N.-Y., Fran Margarethe Weigold, geb. Groß, 53 Jahre alt, au» Fränkisch«Crumbach. — Ne «York, Wtttwe Katharina Wagner, geb. DechShetmer, 53 Jahre alt, au» Biebelnheim. — Cleveland, O., Frau Dora Zimmer- mann, geb. Fürst, 56 Jahre alt, au» Darmstadt. — Liverpool bet Syracuse, N U., Peter King, 63 Jahre alt, au» Hamm (KreiS WormS). — Sheboygan Fall», Wi»., Wittwe Anna Dorothea Hermann, geb. Zöllner, 79 Jahre alt, au» Maulbach. — Philadelphia, Pa., Wittwe Lisette Wagncr, geb. Jungblut, au» AlSseld. — Ne «York, Frau Elisabetha Kltnzing, geb. Heuser, au» Mainz. — Belleville, Jll., Martin Flohn au» Heppenheim. — Allegheny, P., Loui» Muth, 69 Jahre alt, au» Heffen-Darmstadt. — Mc KeeSvort, P., Fran Katharina Götz, 64 Jahre alt, au» Reichelsheim i. O.
W. Gründers, 9. Oktober. Die Restauration in der neuen Turnhalle ist an Herrn Restaurateur MenS, der auch die Restauration zum Bahnhof übernimmt, für eine jährliche Pachtsamme von 500 Mk. übertragen worden.
• Marburg, 8. October. Zu dem Selbstmord de» KreiSphyficuS vr. Kloß auS Biedenkopf ist noch zu berichten, daß derselbe vorgestern Nachmittag mit der Bahn hier ein« traf, sich mehrere Stunden aufhielt und auch einen Revolver mit Patronen kaufte. Bei dem Abendzuge stieg er tn einen Wagen zweiter Klaffe und ersuchte den Schaffner, ihn doch, da er sehr müde sei, bei der Ankunst in Biedenkopf zu wecken. Als der letztere vor der erwähnten Station die Thür öffnete, fand er den Fahrgast leblo» in der Ecke fitzen, der Revolver lag am Boden- der Schuß inS Herz hatte den sosortigen Tod herbeigesührt. Der Schreck, den der Mana bekam, läßt fich leicht begreifen. Kloß ist in den vierziger Jahren, ver« heirathet und Vater mehrerer Kinder. Was den allgemein geachteten, in guten Verhältnissen lebenden tüchtigen Arzt zu dieser unseligen Thar trieb, ist noch nicht aufgeklärt. Eß ist Überdies nicht völlig ausgeschloffen, daß fich der geladene Revolver entlud, während K. unoorfichtig mit ihm hantirte- dabei hält man oft den Lauf gegen sich. (Oberh. Ztg.)
• Kola, 8. October. Gegen da» Urthetl im Kölner Schinkenprozeß hat dir Staatsanwaltschaft Revision beim Reichsgericht eingelegt. Die Beweisaufnahme batte bekanntlich dargethan, daß große Mengen faulen serbischen
Fleische» in Deutschland verkauft oder zu Wurst verarbeitet worden waren. Der Staai»anwalt beantragte Gesängniß- trafen von 2 bi» 6 Monaten, da» Gericht erkannte jedoch aus Freisprechung, weil nicht erwiesen worden war, daß die Angeklagten wiffentlich faules Fleisch verkaust hatten.
• Dal «arksystern für die deutsch« Reichlmunzeu ist in Vorschlag gebracht worden 1848 von dem lutherischen Pastor Gröning in Oldenburg, deffen Name wegen seine» practi- chen Wirkens auf wirthschaftlichem und socialem Geb ete in Oldenburg bei der alteren Generation noch einen guten Klang hat. Gröning gab lange Jahre den BolkSkalender „Olden« burgischer VolkSbote" heraus, und tn dem Jahrgange 1849, der also 1848 verfaßt wurde, findet sich auf Seite 218 bi» 220 ein Aufsatz, betitelt: Heber ein deutsche» Münzsystem. Darin heißt efl: „Man behalte den gegenwärtig in Deutschland weit verbreiteten Silbergroschen oder Neugroschen 28/i Grote, 3V2 Kreuzer rhein., 30 Silber- oder Neugroschen geben einen Thaler) bet, und theile ihn, wie e» in Sachsen chon geschieht, in 10 Neupsennige- den Thaler dagegen und den Gulden schaffe man ab, indem man da» Zrhngroschen- stück (21 Grote, 25 Kreuzer rhein.) al» Hauptrechnung»« münze (Münzeinheit) anfieht. Zu diesem Zweck ist ein neuer Name nöthig, und wir schlagen dasür den kurzen und guten deutschen Namen „Mark" vor, der in Hamburg bekanntlich schon eine etwa» größere Münze bezeichnet." Der Verfaffer führt dann die Vorzüge de» decimaltn System» weiter au» und schlägt ebenfalls die Zählung nach Pfennigen von 1 bl» 99 vor, ganz wie wir eS jetzt haben. Dem Urheber dieser Markrechnung dürfte allerdings dieser Vorgänger ihrer Ideen schwerlich bekannt gewesen sein.
• HungerSnoth in — Ilmenau. Große Entrüstung hat in Baltimore unter den Deutsch Amerikanern ein Inter- View mit Profeffor ASger Hamerik über seine Erfahiungeu in Bad Ilmenau in Thüringen hervorgerufen. Profeffor Hamerik, Mufiklehrer am Peabody Conservatorium und Ritter eine» dänischen Orden», kehrte am 17. September von einer längeren Europareise zurück und erzählte einem englischen Berichterstatter, daß man in Deutschland entweder Bier trinken oder hungern müffe. Er habe letztere» vorgezogen, da er kein Bier trinke. In Bad Ilmenau, wohin er wegen eine» Hal»leidenS gegangen sei, habe er für schwere» Geld keine genießbare Mahlzeit erhalten können. In Berlin habe er den schlechten Mahlzeiten den gleichfalls schlechten „Blüm« chenkaffee" vorgezogen. Em Zimmer tn Pari» sei billiger al» der Aufenthalt in Ilmenau. In Deutschland würden die Frauen überarbeitet und sehnten fich alle nach Amerika. Nicht einmal einen amerikanischen 10 Dollar-Schein habe man in Ilmenau wechseln können. Diese» und AehnlicheS schwefelte der Herr Profeffor den hötbegierigen Baltimoren vor, und jetzt wissen fie drüben, wie eS tn Deutschland auSsieht.
• Die Hochzeitlpforte. Im neuen Rathhau» zu Hamburg ist auch ein Raum errichtet worden zur Vornahme ehelicher Trauungen. Dieser Theil de» RathhauseS erregt erklärlicher Weise namentlich bei den Damen, verheirathrten sowohl wie unverhetratheten, größte» Jntereffe, denn der fragliche Raum hat gleich der zu ihm führenden Pforte eine ganz eigenartige, von Künstlerhand geschaffene Ausstattung erfahren. In den Nischen be» Eingangs stehen die Statuen Adams und EvaS als Versinnbildlichung de» Beginns de» Menschengeschlechts, und der Apfel, den da» Weib dem Manne reicht, ist da» Symbol dafür, daß ewig bleiben wirl, wo» von allem Anfang war: dte gewiffen Schwächen des Erden« menschen. Doch sehen wir weiter: Ueber den Säulen, welche den oberen Theil de» mit reicher Renaissance-Verzierung ge« schmückren Portals tragen, erblickt man zu beiden Seilen die steinernen Kopfbilder von König Blaubart und Xanthippe, während zwischen ihnen ein Schild sich befindet, da» ipäier einem geeigneten Spruch zum Träger dienen dürfte. Etwa» höher ist finnooll die Gestalt Hymnen» mit der LiebeSsackel angebracht- vom obersten Plätzchen deS Portal» aber blicken zwei fröhlich schnäbelnde Tauben herab. WaS den Raum nun selbst betrifft, zu dem die Pforte führt, so sei hier nur gesagt, daß er u. A. eine prächtige malerische Darstellung aller wichtigen Momente deS menschlichen Leben» von der Wiege bis zum Grabe enthält und auch im Uebrigen eine würdig schöne Ausstattung erfahren hat.
• Mibverpandniß. Der in Nancy erscheinende „Jmpar- tial de l'Est" meldet folgendes: „Regiments d’huesiere. Der Stand der Gerichtsvollzieher ist in Deutschland milttärtf* organifirt worden. In jedem Gericht-bezirk bilden diese Beamten hinsürder ein Bataillon, welche» von einem Lorn- mandenr mit weitgehenden Befugnissen befehligt wird. In« sonderheit hat der GerichtSvollzieher-BataillonS-Cowmandeur daS Recht, seine Untergebenen nach einer gewiffen Zeit in den Ruhestand zu versetzen. Sie erhalten dann eine Pension. Nur im militärischen Deutschland konnte der Gedanke entstehen, die Gerichtsvollzieher militärisch zu organifiren! viel leicht verleiht man ihnen auch noch eine Fahne! Um eine paffende Inschrift braucht man ja nicht verlegen zu fein’* — Die „Straßburger Poft" bemerkt dazu: DaS Ranziger Blatt, da» noch den Untertitel , Journal du Progrds Liberal !* führt, hätte seiner Intendanten Meldung noch hinzusügen sollen, daß die deutschen Gerichtsvollzieher tn Zukunft alle Zustellungen bet Vermeidung der Richtigkeit tm Stechschritt zu bewirken haben, und daß man fich von der Reuorgam- sation tm Kriegsfälle große Vortheile verspricht, weil die deutschen Militär-Gerichtsvollzieher die feindlichen Kanonen rechtzeitig mit Beschlag belegen und verstegeln werden! Wahrscheinlich hat unser harmloses Gesetz vom 21. Juni d. I- über die Errichtung einer Peofion-kaffe Anlaß zu dem grotesken Mißverständniß gegeben.
Norddeutsch« Lloyd, tn Gießen vertreten durch die Agenten Carl Loo» und I. M. Schulhof.
Bremen, 8. October. [Btr transatlantischen Telegraph.) Da Dampfer Barbarofsa Norddeutschen Lloyd tn Bremen ist heute Morgen 4 Uhr wohlbehalten in Newyork angekommen.


