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10.9.1897 Zweites Blatt
 
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Nr. 212 Zweites Blatt. Freitag den 10. September

1807

Der

Olfener Anzeiger erscheint täglich, Mit Ausnahme de» Montag-.

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tktttiidn* Lhoü.

Bekanntmachung.

Landwirthschaftliche Winterschule zu Büdingen.

Der Unterricht der landwirthschastlicheu Winterschule -u Büdingen beginnt in diesem Jahre Donnerstag den 4. November 1897, Bormittags ioy2 Uhr und wird Ende März deS kommenden Jahres geschlossen.

Die Anstalt, zunächst für die Befriedigung deS Bildung-« bedürfntffe» des mittleren und kleinen LandwirthS bestimmt, wird den Schülern neben der Fortbildung in den Realfächeru die Grundlage für den rationellen Betrieb der Landwirthschaft übermitteln. Der diesbezügliche Lehrplan ist nach dem von Großh. Regierung für die landw. Winterschulen festgestellten Unterricht-plan entworfen und erstreckt sich auf zwei Winter« curse. Zum Eintritt in die untere Klasie find die Absol« vtrung der Volksschule und einige Kenntnisse deS practischen Betriebs der Landwirthschaft Vorbedingung. In die obere Klasse können nur solche junge Leute ausgenommen werden, weiche entweder bereit- im Vorjahre die untere Klaffe einer landw. Winterschule mit Erfolg besucht oder sich doch ander­weitig die in derselben zu erwerbenden Kenntnisse angeeiguet chaben.

Der Unterricht wird durch eine Sammlung zahlreicher And werthvoller Lehrmittel unterstützt.

Die Unterrichtsstunden find so gelegt, daß Schüler au- solchen Ortschaften, welche nicht weit von Büdingen oder tu der Nähe der Oberhesfischen Eisenbahn liegen, zu Fuß oder per Bahn täglich den Weg hin und zurück machen können. Diejenigen Schüler aber, welche in Büdingen Wohnung und Kost nehmen wollen, können solche zu mäßigen Preisen erhalten. Bom Besuche der Fortbildungsschule find die Schüler der landw. Winterschule entbunden. Das Schulgeld beträgt für jeden Eursu- 12 Mark und ist beim Eintritt an die Anstalt-« kaffe zu entrichten. Gesuche um Befreiung vom Schulgeld sind schriftlich dem Aufficht-rath zu unterbreiten, Anmeldungen

find schriftlich oder mündlich au den Aufficht-rath oder den Dirigenten der Anstalt, Großh. LandwirthschaftSlehrer Andrae, zu richten. Auch sind dieselben zu anderweitiger bezüglicher AuSkuuftSertheiluug gerne bereit.

Büdingen, den 31. August 1897.

Der Vorsitzende des Aufficht-rath» der landwirthschaftlichen Winterschule Büdingen.

Kltetsch.

Deutsches Reich.

Darmstadt, 8. September. Aus Friedberg, 7. Sep- tember, wird derDarmst. Ztg." gemeldet: Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen heute Nachmittag den Dr. Arthur Hoffmann, der in Moskau gewesen und ein Schreiben Ihrer Kaiserlichen Hoheit der Großfürstin Sergiu- überbrachte, ferner den Geheimen Regierung-rath Dr. Braden, der von Homburg gekommen war.

Berlin, 8. September. Die au- dem Schutzgebiete der Neugutnea-Compagnie etngegangeueTodesnachricht betrifft nicht den Capitän Rüdiger, der bereit- im Vorjahre aus dem Dienste der Compagnie getreten und nach Europa zurück­gekehrt ist, sondern den stellvertretenden Landeshauptmann v. Hagen. Die über Numea vermuthltch durch ein franzö­sische- Kriegsschiff übermittelte Drahtnachricht besagt ohne nähere Angaben, daß Hagen am 14. August durch Eingeborene erschossen worden sei.

Eine Mahnung an die Franzosen richtet die Lon­donerSt. James Gazette". Da- Blatt macht darauf auf­merksam, daß in demselben Augenblick, wo der französische Chauvinismus sich überschlägt, in Deutschlanddie Mobili- sirung einer ungeheuren Armee" (gemeint sind die Manöver­truppen) stattfindet.Natürlich" so fährt dieGazette" fortist daö Zusammentreffen nur ein zufälliges. Die deutschen Manöver kehren alljährlich wieder und haben mit dem diplomatischen Erfolge deS Herrn Faure nicht» zu schaffen. Nichtsdestoweniger befindet sich jetzt innerhalb einer augenfälligen Nähe (striking diatance) der Republik ein größeres Heer al- Deutschland, wie dieDaily News" dar­

legen, zehn Tage nach der Kriegserklärung von 1870 au der Grenze wobilifirte. ES ist da- eine Wahrnehmung, welche den Sinn für Selbstzucht und Nüchternheit unter unseren tapferen Nachbarn vertiefen sollte."

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Fsrriltcton.

Ein moderner Goldmacher.

Skizze aus dem Leben von Fr. Wagner.

(Schluß.)

Nach Feierabend begaben wir uns wieder in die besagte Werkstatt. Damit mir jeder Zweifel benommen werde, erbot fich elmpfon, bei diesem zweiten Versuche bloS als Zuschauer zu figuriren und mir die Ausführung ganz allein zu über- kaffen. Gleichzeitig forderte er mich auf, dem Gold einige Zweiflankenstücke beizufügen, indem dadurch der Schmelz­prozeß leichter vor sich gehe.

Nachdem die fünfzehn Goldstücke und fünf Zweifrauken« fiücke in den Schmelztiegel gebracht worden waren, überreichte mir Simpson eine mäßig große Cartonschachtel, da» geheim« ntßvolle Pulver enthaltend, welches ich sodann mit den Gold­stücken vermengte. DaS alle- geschah ohne irgend welches Zuthun des Fremden.

Nach kurzer Zeit konnte die Abkühlung vorgeuommen werden und wieder blieb zu meinem größten Erstaunen ein Goldklumpen in der Größe eine» kleinen Hühnereies im Tiegel zurück. Um meiner Sache sicher zu sein, holte ich da» Gut« schteu verschiedener am Platze ansässiger Goldschmiede ein, welche alle die Aechtheit dr- Metall» bestätigten. Im gleichen Sinne antwortete ein Institut, das sich speckll mit der Prüfung von Edelmetallen befaßt. Des Wetteren beauf­tragte ich einen auswärtigen Goldschmied mit dem Verkauf des gewonnenen ProducteS, machte denselben jadoch gleich­zeitig darauf aufmerksam, daß ich für die Aechtheit de- Goldes nicht garanttreu könne. Zu meiner Verwunderung ging nach rtntgeu Tagen eine Summe von FrcS. 855.80 ein, die mir durch Vermittelung deS erwähnten GoldschmtdeS von der Usine de degrossissage de lor in Genf für das eingesaudte rohe Gold osserttt wnrde.

Sie sehen/ sagte Simpson zu mir,daß es sich bet «Oner Entdeckung um ein durchaus reelle» Geschäft handelt. Damit ich nun dieselbe in erfolgreicher Weise au»beuten kann, ist mir die Unterstützung eine» größeren Bankinstitut» unerläßlich, denn e» handelt fich darum, die Goldgewinnung sofort in größerem Maßstabe zu betreiben, da die Möglichkeit utcht auSgeschloffru ist, daß ein Anderer ebenfalls früher oder später auf die Entdeckung geführt würde. Da ich aber nur über kleinere Summen verfügen kann, würde e- ge­

raume Zeit dauern, bi» ich von meiner Erfindung in aus­giebiger Weise Gebrauch machen könnte. Damit ich nun gleich mit Huuderttausendeu opertreu kann, bin ich auf die Mithilfe eine» leistungsfähigen Bankhauses angewiesen und glaube ich überzeugt sein zu dürfen, daß Sie meinem Ver­fahren hinlänglich Vertrauen geschenkt haben werden, um da» Experiment mit einer Summe von hunderttausend Frank«! zu toagig. Als Erkenntlichkeit äHerire ich Ihnen die Hälfte de- GeMmes. Zur Präparlruug des Golde»,- fuhr Simpson fort,ist nun ein Porzellaugefäß von bedeutender Größe erforderlich, deffen Construction ungefähr die folgende sein müßte: Die obere Wand des Gefäße», walche zugleich al» Deckel figurirt, läuft in der Mitte in eine trichterförmige Oeffaung au-, durch welche die erwähnte Säure etngeschüttet wird. An der Vorderseite des Gefäße» ist ein Hahn an­gebracht, durch welchen die Säure, die von sechs zu sechs Tagen erneuert werden muß, auSgeschafft wird. Wenn Sie nun die hunderttausend Franken in den Porzellankasten bringen, werde ich da- nöthige Quantum Säure herbeischaffen, damit da» Gold vorgeschriebenermaßen präparirt werden kann."

Ich verrteth nun doch einiges Mißtrauen in Anbetracht der Ueberlaffung einer bedeutenden SuuLie unter so seltsamen Umständen. Allein Simpson suchte dasselbe zu beschwichtigen, indem er mir den Vorschlag umchte, ich solle da» Porzellan­gefäß während der vorgeschrtebeneu achtzehn Tage von zwei vertranten Leuten bewachen lassen. Er selbst werde das Zimmer, dessen Wahl er mir überlasse, nur in meiner Gegen­wart betreten und zwar nur am siebenten und dreizehnten Tage, wo die aufgefüllte Säure abgelassen und durch neue ersetzt werden müsse. So harmlos dies alles auch klang, konnte ich mich dennoch eine» leisen Verdachtes nicht erwehren, einen gefährlichen Schwindler vor mir zu haben. Auf welche Weise jedoch Gefahr für mein Eigenthum vorhanden war, konnte ich damals nicht ergründen. Kurz entschlossen erklärte ich dem Fremden, bafe e» mir nicht möglich sei, auf sein Ansuchen einzutreteck. Zugleich händigte ich ihm al» End- schädtgnng für seine Bemühungen und da» auSgelegte Gold eine Tausendfrankennote ein. Unmittelbar darauf war Simpson spurlos verschwunden und ich hörte in der Folge nicht» mehr von ihm.

Ich gedachte dieser Begebenheit nm? sehr selten, 616 ich zufällig einen befreundeten Chemiker traf, dem ich meine Geschichte erzählte. Nach den Eröffnungen dieses Herrn konnte ich mit meinem Jnstinct, der mich damals geleitet

hatte, nur zufrieden sein, denn wenig hätte gefehlt, so wäre ich das Opfer einer kühn geplanten Gaunerei geworden. Ich will Ihnen im Nachfolgenden die Erklärung der verschiedenen genannten Vorgänge geben. Jedermann kennt, wenigsten- dem Namen nach, diejenige Flüssigkeit, welche allein tm Stande ist, Gold aufzulösen: das Königswasser. Gießt man mm zu der entstandenen Goldlösung, welche Goldchlortd genannt wird, eine gewisse Menge Eisenvitriol, so setzt fich da» gelöste Gold wieder als fester Körper nieder und zwar als braune pulverförmige Maffe, welche Scbwammgold genannt wird. Hier haben wir nun bereit» die Erklärung für da» geheim« ntßvolle Pulver, da» nicht» ander» al- eine Zusammensetzung von Schwammgold und Borax war. Während der letztere im Schmelzprozeß verbrannte, vereinigte fich da» Schwamm« gold mit den Goldmünzen zu einem Klumpen rohen Goldes. Das Quantum braunen Pulvers, welche» den dreihundert Franken beigefügt wurde, entsprach also einem Werthe von ca. sechshundert Franken Gold, das, zuerst in Königswasser aufgelöst, durch Zügteßen von Eisenvitriol in Schwammgold umgrwandelt wurde und welche-, mit Borax vermischt, mit den dreihundert Franken in der Glühhitze zu einem Klumpen zusammenschmolz. Der von dem Fremden geschickt au»« gesonnene Plan, mich um hunderttauseckdFranken zu betrügen, beruhte auf diesem Experiment mit Königswasser. Erinnern Sie fich, daß Simpson die Bedingung, da» Gold müsse acht­zehn Tag in einer Säure liegen, alsMnpterforderniß nannte. Während nun die Flüsfigkeit, in welcher da» Fünffranken­stück und die dreihundert Franken lagen, nur gefärbte- Wasser war, welches da- Gold unbeschadet gelassen, hätte der schlaue Betrüger, nachdem die hunderttausend Frauken im Porzellan« gefäß plactrt worden, gerade so viel Königswasser durch den Trichter eingelassen, al» zur Auflösung dieser Summe erfor­derlich gewesen wäre. Nach Verlauf der ersten sechs Tage wäre dann die Abfüllung deS kostbaren Goldchlortd- vor fich gegangen und weitere zwölf Tage hätten für den Schwindler einen solchen Vortheil bedeutet, daß er sich mit seinem Raube um so rascher hätte flüchten können, al- die Ausscheidung dr» festen Goldes verhaltnißmäßig wenig Zeit in Anspruch nimmt. Hätte ich dann nach Verlauf der achtzehn Tage da» Gefäß öffnen laffeu, so wäre darin nicht» zu finden gewesen all reine» Königswasser.