stiller freien Tätigkeit beraubt und ihm Controlmaßregeln auferlegt, wie man sie seither uoch keiner Interessengemeinschaft ouszueclegen versuchte. Gegenüber den vielfachen auf die Handels-Verträge gerichteten Angriffen erachten wir eS sür unsere Pflicht, mit Nachdruck darauf hinzaweisen, wie gerade diesen Verträgen tu der Hauptsache unser jetziger »irthschastlicber Aufschwung zu verdanken ist. Zugleich richten wir au die ReichSregieruug die dringende Bitte, an dieser bewährten BertragSpolitik unentwegt festzuhalten, zumal nicht- geeigneter ist, den politischen Frieden zu erhalten, als eine wirthschaftliche Annäherung der einzelnen Nationen unter sich und die Verschmelzung ihrer materiellen Interessen.
•• Radsport. Die gestern bei schönstem Wetter verlaufene sportliche Veranstaltung auf unserer Rennbahn war verhältoißmäßig nicht sehr zahlreich besucht, obgleich die Rennen fich sehr interessant zu gestalten versprachen. Beim Recordversuch auf Tandem (Strecke 400 bis 402% Meter) erzielten Christtausen-Lautermann 0,25% bezw. 0.25%, gegen 0,25 bezw. 0,25% bisher beste Leistung. — Der von denselben Fahrern vorgesührte Recordversuch auf 3000 Meter hatte einen ungleich besseren Erfolg. Die Strecke wurde in 3,18% gegen 3,26 bisher gefahrene beste Zeit zurückgelegt. Diese Leistung wurde allseitig mit brausendem Beifall begrüßt. Es ist hiermit auf unserer Rennbahn sogar der Welt-Record überholt. Die darauf folgenden MatchS erledigten fich, indem Albert-Bieberich mit 2,28 — bei 1200 Meter — gegen Lautermann und Christiansen, die allerdings durch die Recordversuche stark mitgenommen waren, um % Secuode früher das Ziel pafftrte, als jene. Das gleiche Resultat lieferte der zweite Lauf bei 3200 Meter. Albert war mit 5,59% Erster. Ebenso fiegte Albert beim Entscheidungslauf — 1200 Meter — mit 2,14%, nachdem seine Gegner 50 Meter vor dem Ziel das Rennen aufgegeben. Ein Match auf Tandem — Strecke 1200 Meter — wurde von Duill-Lautermann, Becker-Albert und Böhler-Beckmann ausgefahreu. Sieger blieben Becker-Albert mit 2,4, während Duill-Lautermann 2,4% fuhren.
** Gelegentlich der morgen (SamStag) hier stattfinden- den Wanderverfammlung des Mittelrheinifcheu Architekten- und Ingenieur-Vereins findet im kleinen Saale von „Steins Garten" eine Ausstellung von Plänen und Photographien städtischer Bauten statt, deren Befichtiguug Nachmittags von 3 bis 5 Uhr Jedermann frei steht. Eine Verlängerung dieser Ausstellung ist leider nicht möglich, worauf wir Interessenten besonders aufmerksam machen möchten.
•* * Der Gesangverein „Ltederkranz" wird einer Einladung des „Liederkranzes" in Biedenkopf zufolge In voller Zahl seiner activen Mitglieder am nächsten Sonntag eine Herrentour dorthin unternehmen, woselbst er fich bet einer stattfindenden Feier auch gesanglich betheiligen wird. An dieser Parthie können fich auch inactive Mitglieder sowie Freunde des hiesigen „LtederkranzeS- betheiligen.
** Steuerreform. Nächsten SamStag wird in Darmstadt die Commission zur Vorberathuug über die Steuerreform zusammentreten. Derselben wird eine Denkschrift auf Grund seitheriger vorbereitender Arbeiten der Steuer- commtssariate zugehen. Se. Excellenz, der Herr Finanz- Minister wird die Verhandlungen eröffnen. Zu Mitgliedern der Commission sind ernannt: Graf SolmS-Laubach, Geh. Commerzieurath Michel-Mainz und Freiherr von Heyl, die Abgg. Dr. Schröder, Möllinger und Dr. Schmitt-Mainz, der frühere Landtagsabg. Wolfskehl, Provinzialdirector von Gagern, die Oberbürgermeister Morneweg, Gaßner und Gnauth. Als Vertreter des Ministeriums des Innern werden Geh. Staatsrath von Knorr und Ministerialrath Ufinger, von Seiten des Finanzministeriums Ministerialrath v. Krug, Geh. Obersteuerrath Weiche! und Obersteuerrath Bitte!, und seitens der Steuerverwaltung die Steuercommiffäre Kritzler- Darmstadt, Lautenschläger-Mainz, NiSpel-Ntdda, Dr. Metzler- Groß-Gerau und Steuerasseffor Gläsfing als Mitglieder der Commtsfion entsandt.
** Wetterbericht. DaS barometrische Maximum hat wieder an Raum gewonnen und daS umfangreiche Depres- fionSgebiet weit nach Norden zurückgedrängt. Einzelne kleinere Theilmiuima bestehen aber uoch fort. Das Wetter war am Morgen allenthalben trüb und find seit gestern überall Niederschläge gefallen, doch dürfte der hohe Druck zur Geltung kommen. — Voraussichtliche Witterung: Allgemein wieder besseres Wetter.
§§ Vom Vogelsberg, 6. Juli. Ernten ohne gesät zu haben, kann einLandwirth in Bermuthshain. Derselbe besitzt einen Acker, der im vorigen Jahre mit^Roggen bestellt war. In der Erntezrit herrschte aber solches Regenwetter, daß viele Körner aus den Halmen fielen. Der Acker wurde nach der Ernte mit Weißrübeu besät, dabet stand aber der Roggen ebenfalls grün und zwar recht gleichmäßig. Die Weißrübeu wurden im Herbste geerntet, während der Roggen fich weiter entwickelte. In diesem Frühjahr fand nun der Landmann einen prächtigen Roggensaalstand auf seinem Grundstücke, er ließ die Frucht stehen und scheint daS Weitergedeihen derselben zu den schönsten Hoffnungen zu berechtigen.
D Dauernheim, 8. Juli. Jäger, Jagd- und Naturfreunde können hier, auf dem Pachtgute des Herrn St., ein reizendes Stillleben und Naturspiel bewundern. Beim Kleemähen fanden die Knechte des Herrn Hofpachters St. zwei junge, vielleicht erst wenige Stunden alte Rehböckchen und brachten die allerliebsten Thierchen mit nach Hause. Das Hofgut liegt etwa 20 Minuten von der Bahnstation Ranstadt. (Die Knechte dursten die Böckchen ohne einen Jagdsrevel zu begehen, hetmbringen, weil Herr St. Jagdpächter ist). Sogleich wurde für die zwei Rehböckchen eine Amme in Gestalt einer Ziege besorgt, die die beiden Waisen auch nach einigem Sträuben annahm. DaS eine Böckchen wurde indessen eigensinnig, eS verschmähte die Amme, weshalb der Versuch mit einem sogen. „Gummischlutzer" gemacht wurde, der sehr gut auSfiel. Die Ziege mit den Rehböckchen befindet fich in
einem geräumigen Stalle, dessen obere Halbthüre stet» geöffnet ist, so daß eS niemals an frischer Luft mangelt. Eine Schaar Stallhasen treibt fich bei der Ziege und den Rehböckchen herum. Letztere find so zahm, daß sie fich auf den Arm nehmen laffen, eS ist ein reizender Anblick, die ganze Gesellschaft fich in dem Stalle umhertummeln zu sehen und ungern trennt man fich davon. — Die hiesige Heu- und Kleeernte ist sehr reich ausgefallen- alle übrigen land- wirthschaftlichen Culturpflanzen, sowohl Halm- als Hackfrüchte, sehen prachtvoll aus und versprechen reiche Erträge, nur daS Obst ist mißrathen.
Kirtorf, 6. Juli. Aus Anlaß der 30jährigeu Wirksamkeit des Herrn Dr. med. Jost au hiesigem Orte als Arzt wurden demselben große Ovationen bereitet. Der Gesang- und der Krtegerverein sowie die Freiwillige Feuerwehr ernannten Herrn Dr. Jost, der fich um diese Vereine wie überhaupt um das Wohl der Gemeinde sehr verdient gemacht, zu ihrem Ehrenmitgliede.
Seligenstadt, 7. Juli. Der 50jährtge Gemeindehirte Stock aus Dettingen transportirte gestern Abend ein Stück Rindvieh hierher, um eS dem Käufer abzulteferu. Als daS Thier mittelst der „fliegenden Brücke" übergesetzt werden sollte, sprang es, den Hirten mit fich fortreißend, über die Fähre in den Strom. Der Fährmann sprang sofort nach und rettete mit eigener Lebensgefahr den mit den Wellen ringenden Stock, der beim Sturze tu den Fluß mit dem Kopfe auf einen Stein gefallen war und eine Kopfverletzung erlitten hatte. DaS R<nd schwamm an daS jenseitige Ufer zurück und wurde dort wieder eingefangen. Offb. Ztg.
Bingen, 7. Juli. Die Blüthe des Weinstocks in der hiesigen Gemarkung und benachbarten Orten ist nunmehr mit wenig Ausnahmen vorüber: fie ist trotz dem anfangs kühlen Wetter recht gut verlaufen. Der Heuwurm hat während des kühlen Wetters keinen nenuenswerthen Schaden verursacht.
• Marburg, 8. Juli. Ein „dankbarer Verlierer". Gestern fand ein armer Junge vor dem Barfüßerthor ein Notizbuch mit Geldscheinen im Betrage von 600 Mk. Der ehrliche und gut erzogene Junge machte sofort Meldung von dem Funde. Eine halbe Stunde später stellte sich auch der Verlierer, ein reicher Bewohner eines benachbarten Dorfes, ein. Dieser wurde nun nach dem Jungen geführt, und als er sein Notizbuch mit dem Gelde zurück erhielt, behauptete er zunächst, daß es 700 Mk. gewesen seien, gestand jedoch nachher zu, daß er nur 600 Mk. in seinem Notizbuch.hatte. Als Ftnderlohn bot er nun dem ehrlichen Jungen sage und schreibe 30 Pfg. an, die dieser jedoch nicht anuahm. Jetzt wechselte der Mann einen Thaler- den Vorschlag, diesen als Finderlohn zu geben, ließ er unbeachtet und gab dem Jungen mit Gönnermiene eine „ganze" Mark. (Oberh. Ztg.)
* Marburg, 8. Juli. Vom 18. bis 22. ds. Mrs. feiert der hiesige Schützrnveretn anläßlich seines 35jährigen Bestehens und zur Einweihung seines neuerworbenen Schießplatzes ein großes Schützen- und Volksfest. Sämmt- !tche bürgerlichen Vereine, 20 au der Zahl, betheiligen fich und unterstützen den Schützeuverein in allen Thetleu hinsichtlich der Ausgestaltung der Festlichkeiten nach Kräften. Der geräumige, in unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofes gelegene Festplatz mit einem prachtvollen Blick auf die Stadt und ihre Umgebung umfaßt außer den schon früher zu dauernder Benutzung herg'stellten Anlagen: zwei große Tanzplätze, eine Musiktribüne, vier umfangreiche gegen Sonnenschein und Regen geschützte WirthschaftShalleu mit ca. 4000 Sitzplätzen und den obligaten Juxplatz. Zwei große Capellen werden zu Concert und Tanz aufspieleu. Die Beleuchtung Abends wird durch electrischeS Licht bewirkt. Eine große Anzahl auswärtiger Schützenbrüder werden erwartet und in Marburg selbst rüstet fich die gesammte Bürgerschaft, welche von jeher dem feftgebenden Vereine ihre Sympathien evtgegenbrachte, und insbesondere die weibliche Jugend zum Feste. So find — gutes Wetter vorausgesetzt — die denkbar günstigsten Unterlagen für ein fröhliches Fest gegeben. Und fürwahr! wer je einmal Gelegenheit hatte, ein Marburger Volksfest mitzufeiern, dem bleiben diese Tage unvergessen und die Erinnerung daran ist für Viele ein froher Widerhall der freundschaftlichen Gesinnungen, welche hier eine Verbindung für'S Leben schlossen. Deßhalb gehen auch Fremde so gerne nach Marburg, in dessen Mauern man Gastfreundschaft so hoch schätzt und wo man so bald heimisch werden kann unter den Bewohnern der lieblichen Bergstadt des HesienlandeS. Drum auf zum Schützenfeste nach Marburg!
PA. Homburg v. d. tz., 8. Juli. 2 3. Mittelrh. Kr ei St urnf est. Unser so wohl vorbereitetes Fest nimmt einen kaum erwarteten Umfang an. Ließ schon die Vorfeier am letzten Sonntag erkennen, daß sich die hiesige Einwohnerschaft vollzählig daran betheiligt, so find nun auch von auswärts bereits ca. 3500 Turner angemeldet, zu denen wohl noch eine wettere große Anzahl treten werden. Die Eröffnung des Festes findet am Samstag Abend in der Festhalle statt, woran fich Sonntag Vormittag das Vereins- wettturnen und um 12% Uhr der große Festzug schließt. An diesem werden sich mindestens 5000 Turner rc. betheiligen, 6 Musikcorps und 7 Festwageu find eingereiht- in unserer festlich geschmückten Stadt wird dies farbenprächtige Bild von imposanter Wirkung sein. Der Sonntag Nachmittag ist den Massenstabübungen, Schauturnen des Main-TaunuS Gaues, Musterrtegen-Turnen und Turnspielen gewidmet, wozu zwei Capellen concertiren. Abends findet Vertheilung der Ehrentafeln statt, ferner Massenchor der Turn-Vereine des Matn- TaunuS-GaueS, Concert in der Festhalle und Tanz auf dem Festplatz. Für Montag und Dienstag find Turnübungen vorgesehen, Chorgesänge und mannigfache Unterhaltungen, am Dienstag Abend 8 Uhr großes Sommerfest im Curgarten mit Doppelconcert und Feuerwerk, wozu die Festkarten freien Eintritt gewähren. Letzter Zug nach Frankfurt a. M. in
den Tagen vom 10. bis 13. Juli um UM —Omnibus uve 1 Uhr NachtS nach Frankfurt a. M.
* In Balduinstein fiel ein dreijähriger Knabe beim Spielen in die Lahn. Auf sein Geschrei eilte ihm der achtjährige Sohn des Schullehrers zu Hilfe, dabet wußte er aber das Bahugeleis überschreiten. In demselben Augenblick, als der Knabe über den Bahnkörper lief, fuhr ein Schnellzug aus dem Tunnel und erfaßte den Knaben, dessen Körper durchschnitten wurde. Der ins Wasser gefallene Junge konnte von anderen noch gerettet werden.
* Hanau, 7. Juli. Der hiesige Stadtrath beschloß bekanntlich vor Kurzem, die Errichtung eines städtischen ElectricitätSwerkeS in die Wege zu leiten. Auch der Gemeindeausschuß machte fich in seiner heutigen Sitzung in gleichem Sinne schlüssig. DaS Werk soll im Gelände deS städtischen Gaswerkes erbaut werden. Nach einem von Herrn Dr. May in Frankfurt auSgeführten Gutachten werden sich die Herstellungskosten auf 520,000 Mk. belaufen, die jährlichen Betriebskosten auf 56,000 Mk. Die Rentabilität bei- Werkes ist nach den Berechnungen des Herrn Dr. May hinlänglich gesichert. ES soll so eingerichtet werden, daß eS den Betrieb einer electrischen Bahn gestattet. Ferner wurde beschlossen, Herrn Dr. May die Ausarbeitung eines Detail- projectes nebst Kostenanschlag und Entwurf zu den Ausschreibungen zu übertragen. Man hofft, daS Werk noch tn diesem Herbst in Betrieb setzen zu können.
• Wie Nachrichten von verschiedenen Seiten bestätigen^ find während deS Brande» in den Farbfabrikea in Elberfeld Farbtheilchen von dem grade herrschenden Südwestwinde massenhaft viele Kilometer weit getragen worden und haben in vielen Orten die an den Bleichen liegende Wäsche verdorben. Noch in Hagen wurden Hausfrauen durch waschrchre blaue und rothe auf der Wäsche plötzlich erscheinende Punkte tiefbetrübt. In der Stadtverordnetenfitzung tn Barmen brachte Herr A. MolineuS den in Folge des Brande» entstandenen Schaden an auf der Bleiche befindlichen Wäschestücken zur Sprache. Mau war allseitig der Anficht, daß zunächst jeder durch den Brand Geschädigte sofort durch Zeugen protokollarisch seinen Schaden seststellen lassen solle. Die Rechtsfrage, wer für den Schaden ersatzpflichtig sei, fei noch nicht klar, werde aber wohl in den nächsten Tagen entschieden werden. Der „Barmer Zeitung" wird von juristischer Seite die Ansicht mitgetheilt, daß, wenn ein Verschulden eines Angestellten der Farbenfabriken an dem Brande vorliegt, die Actiengesellschast für allen durch das Brand- Unglück angerichteten Schaden haftbar sein dürfte. Auch an Humor fehlte es bei der allgemeinen Färbung nicht. In einer Barmer Schulklasse erzählte ein Lehrer seinen Schülern von der eigenartigen Färbung seiner Wäsche und fragte die Kinder, ob bei ihnen auch derartiges vorgekommen sei^ worauf alle prompt wie ein Mann aufstauden. Eine Kostgeberin in Barmen hatte mehrere Schüsseln Reis zum Abkühlen aufs Fensterbrett gestellt. Als ihre Kostgänger nach Hause kamen und die „bunten Schüsseln" sahen, fragten fie erstaunt, ob da» denn „Wolbeerenzoppe" sei. Ist den Privaten ein beträchtlicher Schaden erwachsen, so dürfte derselbe sür die Bleichereien und Färbereien im Thale noch bedeutender sein. Einzelne Bleichen sollen ihren Verlust auf 3000 Mk. schätzen.
♦ Leipzig, 7. Juli. Die Pforten der Ausstellung pasfirte heute der „millionste" zahlende Besucher. Er erhielt eine goldene, sein Vor- und Nachmann je eine filberne Uhr.
* Dankbarkeit. Man schreibt der „Frkf. Ztg.": Ein hübsches Geschichtcken, das fich dieser Tage zugetragen,, und daS den Vorzug hat, wahr zu sein, wird gewiß Manchem Ihrer Leser Vergnügen bereiten. Eine wegen ihrer Wohl- thätigkeit und noch mehr ihres ReichthumS halber bekannte Dame in einer niederrheintschen Industriestadt erhält einen Brief, worin ein armer Familienvater sein Leid klagt und um Unterstützung bittet. Die Dame erkundigte sich nach den Verhältnissen deS Mannes und hört, daß alle Angaben betreffs Krankheit, Ktnderretchthum rc. auf Wahrheit beruhen» Gutherzig, wie sie ist, sendet fie ihm 50 Mk. Dabet wäre nun nichts Merkwürdiges, aber wie sich die Dankbarkeit deS armen Familienvaters äußert, ist gewiß der Erwähnung werth. Eine Woche später erhält die Wohlthäterin abermals einen Brief von derselben Hand und vermuthet schon, aufs Aeußerste verblüfft, eine abermalige Bitte. Sie öffnet das Schreiben und findet darin — eine Photographie der ganzen Familie bis zum jüngsten Säugling, angeferitgt von einem der ersten Photographen der Stadt- dazu eine Widmung, „nur auf diese Weise wisse er seine Dankbarkeit auszudrücken rc." — Die Spenderin soll über die practische Verwendung ihres Geschenkes einigermaßen erstaunt gewesen sein.
* Untersteinach, 6. Juli. Im nahen Kupferberg trug sich heute Vormittags ein schreckliches Unglück zu. Der Geschäftsführer des Bergwerkes, Nicolodi (ein Italiener), wollte, so geht das Gerücht, Dynamit zum Bergwerk tragen. Auf dem Wege kam er zu Fall und das Dynamit explo- d tr te. Nicolodi wurde nach den „M. N. N." bis zur Unkenntlichkeit in Stücke zerrissen.
* Pari», 4. Juli. Ueber die Ergebnisse eines „For- schungSgangS" berichtet der „Cri de Parts": „Professor Mtlne-EdwardS und seine Assistenten im naturwissenschaftlichen Museum suchten unlängst in den Katakomben einen geeigneten Ort für zoologische Versuche über Acclimatisirung gewisser Thiere unter der Erde. In der Gegend deS Jardin deS PlauteS fanden sie das Erdreich zu feucht, und so fetzten die Gelehrten ihren Weg in der Richtung von Paris fort. Plötzlich wurden sie von einem pyramidenartigen Hügel aufgehalten. ES waren lauter Katzenköpfe, die untersten fleischlos, elfenbeinartig, die obersten noch blutig, seit Kurzem abgeschnitten. WaS konnte das sein? Sollten die riesigen Cloakeuratten solche Missethat am Katzenvolk verüben, so fragten die Gelehrten? Allein der Ingenieur, der fie begleitete, entrollte ein Karte von Paris und wies nach, daß fich über der Schädelstätte ein großes Restaurant befindet-
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