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Kr. 13a Erstes Blatt DonnerNa« dm 10. Jmi
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D»r Zehnter Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme M MontagS.
Die Gießener
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Gießener Anzeig er
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HratisKeikage: Hießener Jamilienblätter
Alle Annonccn-Bureaux deS In- und Auslandes nehm« I Anzeigen für den „Gießener Anzeiger- entgeg«.
stellen:
die Militärpflichtigen, den Ladungen entsprechend, eme Stunde vor Beginn des Geschäfts zur Stelle sind.
Gießm, am 29. Mai 1897.
Der Civil-Vorsitzende der Großherzoglichen Ersatz-Commission des Kreises Gießen.
Dr. Wallau.
Ausland.
— Die neue Verfassung von Kreta. Der -Times"»Correspoudent in Constantivopel theilr folgende Einzelheiten über die von den Botschaftern auSgearbeitrte Verfaffung für Kreta mit, das ein autonomes Fürste«, thum unter der Oberhoheit deS Sultans werden soll: A. Der Fürst. 1) Er wird ein Christ und ein Fremder sein, erwählt von den Mächten und anerkannt vom Sultan - 2) er wird haben ein Vetorecht gegen alle von der National. Versammlung angenommenen Gesetzentwürfe; 3) das Recht zu begnadigen und Amnestien zu erlaffen- 4) das Recht, alle Beamten zu ernennen, Christen und Muhamedaner, wobei persönliche Tüchtigkeit und locale Bedürfnisie in Betracht zu riehen find: 5) die oberste Controle über die bewaffnete Macht des Landes. B. Die Nationalversammlung 1) w^d aus Christen und Muhamedanern zusammengesetzt, die getrennt im Derhältmtz zu der Bevölkerungsziffer der beiden Confesfionen gewählt werden- 2) wird alle ö^i Jahre und in besonderen Fällen einberufen- 3) wird das Budget und alle Gesetze mit einfacher Mehrheit annehmen. C. Finanzen. 1) Directe und tndtrecte Steuern ohne Ausnahme, die Einnahmen aus den Domänen, Salinen re., von Posten und Telegraphen mit Ausnahme derjenigen, die fremden Regierungen oder Compagnien gehören, werden dem Schatze der Insel -»geführt. 2) Eia Tribut von 10,000 Lstr. (200,000 Mk.) wird jährlich nach Ablauf von 5 Jahren dem kaiserlichen Schatze gezahlt. D. Die bewaffnete Macht. 1) Die türkischen Truppen sollen nicht auf der Insel erhalten bleiben. 2) Das Gendarmeriecorps, das, wenn nothwendig unter dem Befehl von einem oder verschiedener fremder Osfi- ziere stehen wird, soll mit der Aufrechterhaltung der Ordnung betraut werden, unter dem Beistände von Abteilungen । fremder Truppen. 3) Bei dem Abzüge dieser Abtheiluugen i und um deren Stelle einzuuehmen, wird eine Localwili, i organifirt. E. Die Sprache. Griechisch, das von allen
Deutsche» Reich.
Berlin, 8. Juni. Nach der vorläufigen Mittheilung des Kaiserlichen Statistischen Amtes zur ConcurS. Statistik gelaugten im ersten Vierteljahr 1897 im Deut chen Reich 1932 neue Concurse im volkswirthschaftlichen Sinne, d. h. Fälle wirtschaftlichen Zusammenbruchs, zur Zählung gegen 1927 im ersten Vierteljahr 1896, 6764 im Jahre 1896, 7111 im Jahre 1895.
Ilmtikber Tyeil.
Bekanntmachung,
betretend: das Ober-ErsatzgeschLft für 1897.
Das Ober-Ersatz-Geschäft für 1897 wird im Kreise
Gietze«
Dienstag de« 15. Juni im Rathhause zu Lich, Vor-
mittags 8 Uhr,
Mittwoch de« 16. Juni daselbst, Vormittags 8 Uhr, Zkrettag de« 18. J««i in der Reftauration „Zum Lonys
Bierkeller", Westanlage, zu Metze«,Vormittags 8 Uhr, Samstag de« 19. Juni daselbst, Vormittags 8 Uhr, Montag den 21. Juni daselbst, Vormittags 8 Uhr, Dienstag den 22. Juni im Gasthaus „Zum Rappen
zu Grünberg, Vormittags 8 Uhr, stattfinden. , r c , .
Es haben sich nach Maßgabe der besonders ergehenden Vorladungen an den genannten Tagen vor der Großherzoglichen Ober-Ersatz.Commission im Bezirk der 49. Infanterie- Brigade in fämmtliche« Aushebungsorten zu ge-
a. die für dauernd untauglich befundenen Militärpflich. tigen, soweit denselben eine besondere Ladung zugeht;
b. die zum Landsturm I in Vorschlag gebrachten Mili.
Einwohnern gesprochen «ird, I°ll dl- officielle Sprach- lei«. Gesetze, Verordnungen und amtliche Kundmachungen werde« gleichzeitig auch in türkischer Sprache veröffentlicht. F. Die Flagge. Kreta wird seine eigene Flagge haben.____
tärp süchtigen;
c. die zur Ersatz-Reserve in Vorschlag gebrachten Milr- tärpflichtigen;
d. die von der Ersatz-Commission als tauglich und em- stellungssähig erkannten Militärpflichtigen, einschließ, lich derjenigen aus früheren Jahrgängen;
e. die von den Truppentheilen zur Dispositton der Ersatz-Behörden entlaffenen Soldaten;
f. die von den Truppentheilen abgewiesenen einjährig Freiwilligen. .
Den Großherzoglichen Bürgermeistereien werden beson- dere Ladungen für die Militärpflichtigen k. H. zugehen, welche den betreffenden unverzüglich zuzustellen sind. Der Vollzug der Ladungen ist innerhalb 5 Tagen anzuzeigen. Die Militärpflichtigen find außerdem anzuwersen, ihre Loosungsschelne mit zur Stelle zu dringen. . _
Die zur Beurtheilnng von Reclamattonen in Betracht kommenden Personen haben ebenfalls zu erscheinen.
Sollte eine Ladung nicht vollzogen werden können, so ist der Grund hiervon derichtlich anzuzeigen und ist, wenn ein Militiirpslichtigcr von feinem bisherigen Wohnorte weg- gezogen ist, zngleich anzngeben, wohin derselbe Herzogen ist.
Die Grobherzoglichen Bürgermeister haben bei dem Ober, Ersatz-Geschäfte bis znm Schluß des gesummten Geschäft- selbst anwesend zu fein, um bei der Untersuchung von Feld- dienstuntauglichen sowie Invaliden ev. Auskunft geben zu können, auch haben sich dieselben darum zu bemühen, daß
Wolffs telegraphisches Eorrespondmz-Bmeau.
Berlin, 8. Juni. Infolge EinathmeuS giftiger Gase bei de« Löscharbetten deS Brandes der Scheräng scheu chemt- chen Fabrik am 2. d. Mts. find bisher 3 Offiziere und >7 Mau« der Feuerwehr schwer erkrankt.
Bremerhaven, 7. Juni. Der neuernannte amertkanifche Botschaster White ist heute mit Gemahlin und Tochter und in Begleitung deS BotschaftSsecretärS FiSk an Bord de« Schnelldampfer« „Spree" hier angekommen.
Lemberg, 8. Juni. Gestern gerietheu in Schodntca Arbeiter mit Juden infolge Wortwechsels «S Hand- armenge, überfielen deren Häuser und demolirten einige. Die GenSdarmerie stellte die Ruhe nach vorauSgegaugeuem Kampfe wieder her, wobei ein Arbeiter getödtet wurde. 17 Ercedeuten wurden verhaftet.
Pari», 8. Juni. Dem „GauloiS" zufolge findet die Reise des Präfidenten Faure nach Rußland Ende August ftQtt2flnbon, 8. Juni. Der internationale Berg- arbeitercongreß wurde gestern in Anwesenheit von 68 Delegirten eröffnet, die inSgesammt 1050 000 deutsche, englische und franzöfische Bergarbeiter vertraten. Eine weite« Abordnung, die 100000 böhmische Grubenarbeiter vertritt, wird heute erwartet.
Depeschen de« Bureau .Herold/
Berlin, 8. Juni. Reichskanzler Fürst Hohenlohe kehrt heute hierher zurück. , t z c.
Berlin, 8. Juni. Während der Pfingstfeiertage hat hier der dritte Parteitag der selbstständigen polnischen Soctalisten-Partei stattgefunden.
Leipzig,8.Juni. Der fünfte allgemeine deutsche Schriftstellertag wurde gestern Abend durch eine sehr gelungene Festlichkeit im Theatersaale des CrystallpalasteS ei öffnet. Den osficiellen Beginn bildete eine heute Morgen ßi/» Uhr im deutschen Buchhändlerhause stattgehabte Dele- girten-Versammlung, in welcher Seitens des VerbandS-Bor- standes Profeffor Dr. Böcker-Frankfurt a. M. und Director Levy-Frankfurt a. M. über die Thätigkeit und den Stand des Verbandes berichteten. Demselben gehören zur Zett 18 Vereine mit 1365 Mitgliedern an. Um 11 Uhr erfolgte im Feftsaale deS deutschen Buchhändlerhause- die feierliche Eröffnung des Journalisten- und Schriftstellertages. Kreis- Hauptmann v. Ehrenstein-Leipzig überbrachte die Grüße der sächfischen Regierung und deS Königs. Seitens der Stadt waren Oberbürgermeister Dr. Georgi und Geheimer Hofrath
Herr
kamen:
jeher alle ächten Dichter gepriesen. So Bodenstedt in seinem Mtrza-Schaffh:
„In Gemeinheit tief versunken Liegt der Thor, vom Rausch bemeistert, Wenn er trinkt, wird er betrunken, — Trinken wir, find wir begeistert, Reden wie mit Engelzungen, Sprühen hohe Wttze-funken, Und von Gluth find wir durchdrungen Und von Schönheit find wir trunken."
So war eS auch bet der Einweihung des Hatteuheimer RiesenfaffeS in den weiland Wilhelmy'scheu Kellereien, als Emil Rittershaus, von der Begeisterung deS Augenblickerfaßt, einen gereimten Pathenspruch improvifirte aus den alten Procurator Wilhelmy und mit Anspielung auf seinen Sohn, den berühmten Geigerköatg, worin die Verse vor-
„. . . . Die Jugend ist mir sauft verflogen, Don holder Muttrrlteb' verschönt, Ward mit dem Fläschchen aufgezogen Und hab' mir's nicht mehr abgewöhut. Bald wird zu Muth mir ernst, bald schelmisch, ES schwingt mein Sinn fich hoch empor, Al- geigte in der Brust Wilhelmy'sch De- Herrgotts ganzer Engelchor. Die Hüte schwenkt! Hoch soll er leben, Der unS kredenzt daS holde Naß, Dem Kaiser tu oem Reich der Reden, Wilhelmy gelte dieses GlaS!*
Feuilleton.
(Emil Nittershsus als Improvisator.
Sein noch ungedrucktes Preislted auf Heffm.
Und da floffen ihm die Verse nur so wie eiu lebendiger Boro von den Lippen, wenn eS galt, ein hohe- Fest zu feiern, einen großen Mann zu ehren, fich für gewordene Anerkennung zu bedanken, einen geselligen Kreis zu erheitern. Manche dieser Improvisationen hat der Dichter selbst in treuem Gedächtntß verwahrt und, wenn auch nur thetl- weise, in seinen Liedersammlungen verwerthet, wie die erste Strophe des eben eitirteu PathenspruchS in seinem präch- eigen Büchlein: „Am Rhein und beim Wein!" Andere find, wie die Gelegenheit fie geboren, verrauscht nnd ver- klungen, andere dagegen von den entzückten Hörern auf- 8 z Eines dieser letzteren hat der Derfaffer dieser Skizze durch einen glücklichen Zufall in die Hände bekommen uud glaubt es, da es bis jetzt noch nicht veröffentlicht ist, den Freunden und Verehrern deS liebenswürdigen Sängers nicht vorenthalteu zu sollen. ES entstand im Sommer 1876, alber Dichter von Bad Salzschlirf aus seine Bekannten in Alsfeld besuchte. Auf eine ihm in einer dortigen Gesellschaft ausgebrachte Ovation hin trug RttterShauS ein Loblied von Heffen vor, das man ein Pendant zu seiner bekannten Verherrlichung Westfalen- nennen könnte, woraus noch kürzlich, wie bkkannt, engherzige Prüderie den VerS aus dem Schullesebuch tilgen wollte:
„Glückselig, weffen Arm umspannt Ein Mädchen auS Westfalenland!"
Köstlich hat ja der „Kladderadatsch" dafür vorgeschlagen: „Glückselig, wem noch drückt die Hand Ein Onkrl auS Westsalcnland!"
Feuilleton: , .
Alle, welche dem unlängst heiwgegangenkn feurigen Rtleinsüngtr unb marmblütigen Menschenfreund Emil Rltter-bau- im Leben nähergestanden, haben ihn außer keiner Verherrlichung betätigtet DaseinSfreude und seiner Bekundung -chtdeutscher patriotischtr Gesinnung mahl auch a.l-aentlich bei nationalen Festen und Ehrengedenktagen be> bnitenber Dichtet und Künstler, sowie im engeren geselligen Steile aiS einen Improvisator von Gottes Gnaden kennen gelernt. ES war der niemals au-gelungen.^harmonische Dreiklang, bet unfet Dasein verschönt t „Wein, Weib, ®<|ang!« bet dann auch feinen begeisterten Lippen entquoll, v-sonder- am schönen Rheinftrom, den et über aller liebte, bei (einem goldenen Feuerweine, den er al- die edelste Gabe seiner romantischen Ufer pries, da wat e«, al« wenn -er Geist über ihn käme, da leuchtete sein Menschenfreund- licheS Antlitz und sein ltebewarmeS Auge, und eS war, a 8 redete er mit feurigen Zungen. Bet ihm ietflte sich f° recht, daß der Wein alle edleren Gefühle im Menschen regt und weckt und daß sich durch ihn de- Menschen wahre Natur offenbare. In vino veritas! sagt ein alter Spruch, und alS Spiegel des menschlichen Herzens haben ihn von
In der „Darmstädter Zeitung" veröffentlicht , Dr, I. Nover«Worw« das folgende hochinterrffante


