®tubeeten und Offizieren, Siebzehn Mitglieder der deutsch nationalen Burschenschaft „Germania" griffen fün Offiziere an, indem fie dieselben neckten. Al» dieselben daraufhin die Studenten zur Rede stellten, eutsta-d zwischen den beiden Parteien eine fünf Minuten dauernde Rauferei, bet welcher drei Studenten durch Säbelhiebe schwer verwundet wurden. Stu Kellner, welcher Geschirr retten wollte, wurde ebenfalls verwundet. Die Untersuchung ist eiugeleitet.
WB. Hirschberg i. Echl., 8. November. Der Kaiser traf heute früh 8 Uhr hier ein und begab sich zunächst in da» UeberschwewmuugS-Gebiet.
WB, Biro, 8. November. Nach Meldungen der Blätter aus Prag fanden gestern Nachmittag auf dem Weißen Berg die Vorfeier de» Jahrestages der Schlacht am Weißen Berg statt. DaS Fest war überaus zahlreich besucht und verlief äußerst stürmisch. Mehrere Tausend Personen zogen durch die Stadt und veranstalteten Kundgebungen. Siu starke» Wachtaufgebot schritt ein und zerstreute die Dcmonstraoten, einige wurden verwundet.
Cocale» rrnd LrooiirziellsS.
Gtetzro, den 8. November.
* • Empfang- Te. Kgl. Hoheit der Großherzog empfingen am 6. November u. A. den Oberst Hof, Corn- mandeur des Infanterie-Regiment» Nr. 140, den Professor vr. Dietrich von der Lande»uutverfität, den KreiSamtmaun Böckmaun von Gießen.
* * Auszeichnung. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog haben Allergnäbigft geruht, am 23. October dem gemein- herrschaftlich Breuberg'schen Forstschützen Loreuz Rummel zu Bremhof auS Anlaß seine» stattgehabreu 50jährigen Dienst- jubtläum» da» Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für 50jährige treue Dienste" zu verleihen.
• • Mtlitardteustuachrichleu. Die Assistenzärzte 2. Kl. der Reserve: Dr. Rullmann vom Landwehr-Bezirk Friedberg, Dr. Frank vom Landw.-Bez. I Darmstadt, Dr. Kayser vom Landw.-Bez. I Darmstadt zu Afftstenz-Aerzreu 1. RI.; die Unterärzte der Reserve; Dr. Müller vom Landw.-Bez. Gießen, Fendt vom Landw.-Bez. Mainz zu Asststeuz-Aerzteu 2. RI. befördert. Spangeuberg, Assistenz-Arzt 2. Kl. vom 3. Großh. Hess. Juf.-Regt. (Letv.-Regt.) Nr. 117, zum Jnf.-Regt. Nr. 167 versetzt.
• • Sitzung Großh. Handelskammer vom 2. November 1897. Anwesend die Herren: Koch, Scheel, Balser, Gail, Heichelheim, Katz, Kraatz und Wortman». — Der Vorsitzende erstattet kurzen Bericht über die tu der Sitzung des Ausschusses de» Deutschen Handelstages zu Berlin am 27. September d. I. erörterten Angelegenheiten: Neugestaltung des Zolltarifs und der handelspolitischen Beziehungen zu außer- deutschen Staateu, Garunummertrung, Zoll auf Trommelfelle, Haftung der Reichspostverwaltung für Versehen ihrer Beamten rc. und wurden- die bezüglichen BerhandluugSschriften zu näherer Kenntntßnahme Seitens der Mitglieder der Eirculation überwiesen. — Die Handelskammer Göttingen hat an den StaatSsecretär im ReichSpoftamt eine Eingabe gerichtet, in der fie um eine Aenderung im Telephon- gebührenweseu nachsucht. Sie erblickt in dem derzeitigen Zustand eine Ungerechtigkeit, da von den Inhabern einer Fernsprechstelle in einer kleinen Stadt mit kaum 20 Anschlüssen zur Zeit dieselbe Gebühr erhoben werde, wie in einer Großstadt mit über 30 000 Anschlüssen. E» entspreche besser den Gesetzen der Billigkeit, wenn die Gebühren nach Möglichkeit den jeweiligen Leistuugen der Postverwaltung ent- sprechend geregelt würden; wie bet der Telegraphie eine jede Depesche, so müsse auch bei der Telephonte jedes Gespräch bezahlt werden. Da e» bi» jetzt noch an einem selbstständig functiontrenden Apparat, der die Benutzung controlire, fehle, so sei ein anderer Ausweg zu suchen. Dieser biete fich in der Bemessung der Telephongedühreu nach einer Scala. Könne da» richtige Verhältntß zwischen Leistung und Gegenleistung nicht durch Bezahlung der einzelnen Gespräche erzielt werden, so wüffe man es pauschalmäßig festftellrn, d. h. die Pauschalgebühren müßten verschieden bestimmt werden, je nach den Leistuugen der Postverwaltung und dem Nutzen der Interessenten. Fraglich könne dabet nur erscheinen, ob e» fich empfehle, al» Maßstab die Zahl der Anschlüsse in einer Stadt, oder die Größe der Stadt zu Grunde zu legen. Unsere Handelskammer erachtet den vorliegenden Antrag au» verschiedenen Gründen für aussichtslos und lehnt dessen Unterstützung ab. Zugleich soll jener Schwesterkammer mitgetheilt werden, daß der diesseitige Standpunkt eine allgemeine Herabsetzung der Telephongebühr auf 100 Mk. erstrebe und wir nach dieser Richtung demnächst aufs Neue vorstellig werden würden; auch sei von un» in ®QUß auf die Fernsprechtaxen der Antrag zum dem- nächst tagenden hesslschen Handelskammertag eingereicht worden, für die Einführung einer Zwischenzone (50 bis 100 Kilo- «"er 60 Psg.) eiozutreten. — In zuvorkommender Weise hat der Vorstand der hiesigen ElsenbahnverkehrSinspection, einer Anregung der Kammer Folge gebend, die Annahme von Sendungen zu dem um 6 Uhr Borm. hier abgehen- den Eilgüterzuge noch kurz vor Abgang des Zuges in Aussicht gestellt. Die Aufgabe muß jedoch in der Zeit von 5 bis 5V1 Uhr Morgens erfolgen, damit dem Abfertigungsbeamten dir erforderliche Zett zur Anfertigung der Begleitpapiere verbleibt. Die ennprrchende Einrichtung wird in der Kürze getroffen werden. — Die deutsche Handelskammer in Brüssel theilt Folgende» mit: Laut Gesetz vom 12. Juli 1895 steht dem belgischen Finanzministerium das Recht zu, Artikel, welche bis dahin al» „Kurzwaaren uud Eisenkurzwaaren" (Mercerie und Quincaillerie) verzollt werden mußten (Zoll 15 pCt. vom Werth), und die zur Fertigstellung anderer Produkte dienen, unter die „verschiedenen Produkte für die Industrie (Produite divers pour 1’induBtrie, Zoll 50 pEt. vom Werth) zu klaffificiren. Wir machen die Interessenten
de» Kammerbezirks auf die sehr bedeutenden Zollerleichteruugeu mit dem Anfügeu aufmerksam, daß ein Berzeichoiß aller Artikel, die jetzt unter die „produits divers pour l'industrie* gerechnet werben, auf dem Büreau der Kammer eiugesehen werden kann. — Die regelmäßige ErgänzuagSwahl zur Großh. Handelskammer für die am 1. Januar 1898 auS der Kammer ausschetdendeu und wieder wählbaren Herren R. Scheel, S. Heichelheim und E. Kltngspor findet am 2. December d. I. im Sitzungszimmer der Kammer statt. Zum Wahlcowmiffär wurde Herr Eommerctenrarh Wortmann ernannt, zu UrkundSperfouen die Herren Fritz Kratz und N. Stamm. Die eriorderlichen Publikationen werden demnächst erfolgen.
• • Ehrung. Morgen Abend findet zu Ehren des Herrn Geheimen Mediciualrath Professor vr. L ö h l e i n ein Fa cke l - zug der Gießener Studentenschaft statt. Die Aufstellung de» Zuge» erfolgt tu Oswald» Garten. Abgang von da präei» 8 Uhr.
• • Saugerkraur-Coucert. Da» gestern Sonntag abgehaltene Loncert har in allen Thetleu voll befriedigt; es setzte fich aus gemischten Ehören, Männer-Ehören uud Sologesängen zusammen. Letztere erregten ein besondere» Interesse, weil eine junge, hier noch wenig bekannte Sängerin debuttren sollte. Fräulein Vetzberger mit ihrem Küustlerdomictl Frankfurt a. M. ist eine sehr begabte Schülerin des dortigen Hoch-Cooservatorium», im Besonderen des Professor Scholz uud der Frau Schröder-Haufstengl. Die junge Sängerin verfügt über einen wohlgeschulten, biegsamen Sopran, dessen Glanz und Kraft in der Höhe liegt; Schule und Vortragsart verweisen fie unbedingt auf die Bühne, an dessen Himmel die Kunstnovize bald al» Stern erscheinen möge und wird. Neben dieser interessanten jungen Künstlerin wußte unser gewandter und stimmbegabter Herr Th. H a u b a ch fich wohl zu behaupten; beiden Künstlern wurde stürmisch Beifall gespendet uud beide daukteu durch Zugaben. Die Chorleistungeu wurden mit bekannter Sicherheit und schönem Bortrage zu Gehör gebracht, Herr Franz Bauer, der Unermüdliche, hatte wieder Alle» wohl vorbereitet uud seine präctse uud scharfe DtrecttonSweise brachte auch die größten Aufgaben glatt uud ausdrucksvoll zu Gehör. Iw dem CycluS Maienwouue von Weinzierl lernten wir ein prächtige» Männerchorwerk mit Soli und Orchester kennen, e» war wohl das interessanteste de» Abend» uud wurde trotz größerer Schwierigkeiten von allen Betheiltgten besten» durchgeführt. Den fleißigen Verein und seinem strebsamen Dirigenten fordern wir auf, in gleichem Sinne weiter zu wirken, der Dank dafür wird ihnen nie fehlen.
• • Gießener Turoerfchaft. Unter zahlreicher Betheiligung der Vorstände, der aktiven Turnerschaft beider hiesiger Vereine, sowie ihrer Mitglieder hielt am SamStag Abend im Wiener Hof die Gießener Turnerschaft ihre erste MonatS- Versammlung im Winterhalbjahr 1897/98 ab. Um 9 Uhr eröffnete der Vorsitzende (Gauvertreter Helm) die Versamm- lung. Er begrüßte die Anwesenden, legte in wenigen Worten den Zweck der heutigen Zusammenkunft dar und gab zum Schluffe dem Wunsche Ausdruck, daß da» Bestehen der Turnerschaft nur zum Nutzen und zum Fortkommen der Turnsache in unserer Vaterstadt beitragen möge. Al»dann wurden noch wettere Reden gehalten und Toaste au»gebracht. Auch an komischen Borträgen recht gediegener Art, die wesentlich zur Verherrlichung und Verschönerung de» Abends beitrugen und )lc Stimmung wesentlich hoben, fehlte e» nicht.
**H. Stadttheater. Mit der gestrigen Aufführung von „Hopfenraths Erben" hatte die Direction für ein Sonntagsstück das Richtige getroffen. E» ist ein gute» Volksstück, das mit sicheren Strichen Berliner Leben zeichnet. Der Verfaffer, H ch. Wilken, wußte als routinirter Bühnen- chrtftftellkr das Ganze mit einer gewissen Dosis Humor, Berliner Witz und lebenswahr-ernsten, das Mitgefühl fich erringenden Scene» auszustatten, welche theilweise noch durch entsprechende GesangSetnlagen mit gefälliger Musik von Michaelis verschönt uud ergänzt wurde». Die Handlung hält fich, ohne in Unmöglichkeiten oder Ueberspanntheiten zu verfallen, an das natürlich fich vollziehende, von der Glücks- luth des Großstadtleben» hochgehobene, dann in der Tiefe >eS Ruins versinkende Schicksal der BraueretbesitzerSwtltwe ^opsenrath und ihrer abgöttisch geliebten Tochter, am Schluß läßt der Verfaffer jedoch Beiden durch die Ber- wandten und „Erben" eine wiedergewonnene, glücklich- chöne Zeit erstehen. WaS die Darstellung betrifft, so brachte fie unS die Güte unseres Ensemble» wiederum zum Bewußtsein, denn sowohl daS Zusammenspiel, al» auch die Wiedergabe der Einzelrollen war durchweg vortrefflich. DteS gilt zunächst von Frau Dir. Helm als Wittwe Hopfenrath und Frl. Marlo ff, al» deren Tochter Rudolfine. Al» Butterhäudler Dabelsteiu bewegte fich Herr Dir. Helm wieder ganz auf seinem eigentlichen Gebiete und tattete diese Figur mit tn richtigen Grenzen gehaltener Komik und treffender lebenswahrer Characteristik aus. Ihm am nächsten auf dem Gebiet der Komik kam Herr Albrecht al» Gelbfiegel, eine echte, die Dummheit Anderer fich zu Nutze machende Großstadtpflanze. Herr Böhm und Frl. Budowska waren al» glücklich Liebende günstig placirt, deSgletche» Herr Janson als schneidiger Baron und Herr Fellner, dessen Spiel nebenbei gesagt gestern Abend recht flott und zufriedenstellend war, als Kaufmann Günther. Die Soubrettenrolle des Stücke» war Frl. Natuftu» anvertraut, die damit als fesche Wittwe Blumberg im Spiel wieder Ausgezeichnete», sowie im Gesang Befriedigende» eistete. Eine in der Wirkung vorzüglich wtedergegebeue Episodenfigur schuf Herr Liebscher in seinem Schneider lopp. desgleichen Herr Keßler al» Diener und Droschkenkutscher. Der mufikalische Thetl wurde von unserer Regi- mentS-Eapelle unter Herrn Dir. KruseS tüchtiger Leitung n gewohnt guter Weise erledigt, wie überhaupt die AuS- führung der ZwischenaktS-Mufik durch verständntßvolle Auswahl der Piecen anerkennende Erwähnung verdient. Da» Publikum unterhielt fich sehr gut und spendete lebhafte»,
I stellenweise stürmischen Beifall. Da» Hans war auf alle» Plätzen sehr gut besetzt.
*• Stadttheater, lieber die in kommender Woche hier gafttrende Berliner Künstlerin, die gefeierte Frau Anna F ü hri n g, entnehmen wir dem Prachtwerke „Die Deutsche Bühne in Wort und Bild" nachstehenden Auszug: „Wenn wir de» Lebensgang der Künstlerin betrachten, die sich al» Rana Führing einen weithin klingende» Ruf erworben hat — fie heißt eigeulltch Anna von Strantz, da fie die Gatnn des bekannte» langjährige» DirectorS der Berlioer Königliche» Oper ist — so werde» wir finden, daß diese ausgezeichnete Schauspielerin sich auch nicht zu dem kleinsten Zugeständnisse au die sogen, moderne Strömung hat fortreizen lassen. Anna Führing steht mit ihrem ganzen schauspielerischen Inventar auf dem Boden vornehmster Elasficität. Sappho, Johanna d'Arc, Maria Stuart, Iphigenie, Medea, Hermione, Adelheid (Götz), Orstna, Porzia, Thusnelda (Fechter von Ravenna), Brunhilde, Lady Milford, Donna Diana — das find die Rollen, mit denen fie sich eine erste Stellung errungen hat. Daneben fallen zwei oder drei Gestalten, wie: Deborah, Gräfin Lea, nicht besonders schwer ins Gewicht. In erster Reihe ist Anna Führing also eine Darstellerin klassischer Charaktere. Zunächst war e» wohl die geradezu imponirende, majestätische Gestalt der Künstlerin, sowie ihr wundervolle», tn der Tiefe ganz unvergleichlich aus- druckfähiges Organ, wa» Anna Führing auf ihren jetzigen Rollenkret» anwte». ES muß wohl aber auch ein starke» Hinnetgen zu Aufgaben ernstester Art in der Natur schon de» jungen Mädchen» gelegen haben. Anna Führing ist in Hamburg als die Tochter gut fituirter Eltern geboren. Sie erhielt eine ausgezeichnete Erziehung und ist namentlich durch einen ihrer Lehrer schon in jungen Jahre» auf die klassische Literatur hiugeführt worde». Keine öffentliche Prüfung, kein ähnlicher Anlaß ging vorüber, ohne daß Anna zur Deklamation herangezogen wurde. Und man nmß annehmen, daß tn dem jungen Mädchen sich schon sehr zeitig rin starker, kritischer Geist regte, der selbstprüfend, selbstschaffend sich be- thätigte. Die entscheidende Wendung in ihrem Leben aber war die Ueberfiedlung nach Berlin, welche nach dem Tode von AunaS Vater vothwendig wurde. Hier hatte das kau« 15 jährige Mädchen überreich Gelegenheit, zu sehen und zu hören, ihren künstlerischen Hang auSzuleben. Sie besuchte nicht nur fleißig alle befferen Theater, sondern begann auch eine» Tage» Rollen auS Schiller'schen Dramen zu studtren. Und dieser ausgesprochene, alles Andere hinter fich zurück- laffende Trieb zur Kunst konnte der sorgsamen Mutter nicht verborgen bleiben. Widerstrebend gestattete fie, daß Anna fich von einem hervorragenden Fachmann prüfen lasse. Da hat nun ein überaus glücklicher Stern das junge Mädchen zu einem der Großmeister der Büdneopädagog'k geführt, zu dem damaligen Spiritus rector der Königlichen Oper, Direktor von Strantz. Selbst ein ganz ausgezeichneter, besonder» al» feinfühliger Characteristiker hervorragender Schauspieler gewesen, hatte Ferdinand von Strantz tn seiner langen Praxi» al» Oberregiffeur und Direktor vornehmer Kunstinstitute seinen Blick tn etnem Grade zu schärfen vermocht, der sozusagen den Jrrthum ausschloß. Und wte sich dieser Blick bet Beurthet- lung seiner Lola Beeth, einer Leifinger, eine» Rothmüh! und vieler Anderer bewährte, so hat er auch der jungen Kunstnovize gegenüber daS Rechte getroffen, die da eine» Tage» von ihm zu wissen verlangte, ob fie Talent habe. Herr von Strantz übernahm die Ausbildung der jungen Dame mit der junonischen Erscheinung und dem herrlichen Organ. Er war ihr ein strenger, aber doch auch wieder mit vollem Ber- ständntß auf ihre Eigenart eingehender Lehrer. Da» Ec- gebniß ist allgemein bekannt. Man weiß heute, daß Anna Führing eine Heldin ersten Range» ist, man ruft fie, wo r« eine» zugkräftigen Gaste» bedarf, und man feiert fie, wo sie ihre Kunst zeigt. Dom Wiener Hofburgtheater angefangen, wo fie mit schönem Erfolge gaftirte, bl» zu jener Reihe süd- deutscher Hoftheater, an denen Anna Führing immer wieder mit Freuden willkommen geheißen wird, hat fich diese noch so junge und doch — dank den glücklichen Umständen — so vollkommen künstlerisch auSgereifte Schauspielerin einen stet» fich mehrenden KreiS aufrichtiger Bewunderer errungen. Kaum eine größere Bühne Deutschland» giebt e», auf der fie nicht eine und die andere ihrer so recht auS dem Bollen geschaffenen Jdealgestalten verkörpern durste. Wie sehr übrigens Meister von Strantz mit seinem Werke zufrieden war, zeigte fich darin, daß er im Jahre 1889 seine Schülerin zu seiner Gattin machte. DaS ist auch für die rein fchausptelerische Laufbahn der schöne» Heroine von ganz außerordentlicher Wichtigkeit. Denn unter solcher Leitung ist Anna Führmg der Gefahr entrückt, jemals eine vtrtuosin zu werden. Die abgeklärte Kunstanschauung ihres Gatten wird ihr auch weiterhin ein Vorbild, eine Richtschnur bleiben, und dieser glücklichen Conftellatton hat e» die deutsche Bühne zu bauten, wenn fie in einer so materialistisch gesinnten Zeit eine Künstlerin besitzt von bim idealen Schwünge einer Anna Führing.
•*D. SinbruchSdiebüahl. In der Nacht vom Samstag auf Sonntag wurde im Haufe de» Herrn Wirth Kahl, Frankfurterstraße, ein Einbruchsdiebstahl verübt. Der Dieb war durch ein Fenster tn die Speisekammer gerathen, woselbst er alle» ihm Gefallende, al» Kuchen, Schinken, Wurst, Butter rc. mitnahm.
** Wetterbericht. Hoher Druck behauptet noch immer die Herrschaft Über den größten Theil Europa-; demgemäß haben auch bie Witterungsverhältnisse tn dem kontinentalen Lager zunächst noch wenig Aenderung erfahre». Die vorgestern im Norden rrschtenene Depression zieht gegen Norde» ab und ist auf ihre Rückseite ber Luftbruck sehr erheblich gestiegen, sobaß heute über d-m no dwestlichen atlantischen Ocean ein Maximalkern lag<u. Da» zweite Maximum tm Sübweste» hat an Umfang unb Intensität etwas verloren nnb auch über Sübeuropa zeigt ber Luftbruck eine geringe Abnahme. In Süddeutschland bauert im Flachlanbe bas uedelige Wetter fort, an den Hochstationen bleibt ber Himmel.


