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9.9.1897 Erstes Blatt
 
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Air. 2tt Erstes Blatt Donnerstag dm 9. September

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Gießener Anzeiger erscheint täglich, «it Ausnahme de« Montag».

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Hratisöeitage: Hießen er Kamikienökätter.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag« für de» folgenden Lag erscheinenden Nummer bi« Bonn. 10 Uhr.

Zur Lage in Oesterreich.

Daß das Borgehen der österreichischen Regieluag gegen die Deutschen Böhmens auch allseitiges Interesse innerhalb der Grenzen Deutschlands wachruft, tft selbstverständlich, um s» mehr, als auch bereit« ein deutscher Fürst, der Groß« Herzog von Sachsen-Weimar, die Initiative ergriffen hat, um gegen die Vergewaltigung unserer Landsleute drüben in Oesterreich Einspruch zu erheben. Die Verhaftung des Egerer RedacteurS Hofer lenkt von Neuem die Aufmerksamkeit auf die Zustände <m Kaiserstaate an der Donau. Keine Woche vergeht, ohne daß nicht Reibereien zwischen den Schützlingen deß Grafen Badcnt und den Deutschen stattfinden, und die Polizei im Böhmerlande ist in steter Permanenz, um AuS- -fchrkitungen entgcgenzutreten, oder auch, um solche zu pro- voziren. Graf Badeni hat jetzt mit der Rechten einen Pact geschloffen und glaubt nun, die Schwierigkeiten überwunden zu haben. Aber wenn er auch wirklich im Parlamente eine Mehrheit fich geschaffen hat, so bleibt die Situation in Böhmen und Mähren doch immer noch gleich ernst, und sie wird immer einen wunden Punkt in der innerpolitischen Lage bilden und den Ausgangspunkt weiterer Eonflicte. Denn eS ist nicht anzunehmrn, daß die Deutschen sich so ohne Weiteres dem jetzigen Stand der Dinge unterwerfen werden, und ebenso sicher ist eS, daß die Czechen immer neue For­derungen stellen, die darauf hinauslaufen, die Deutschen voll­ständig zu unterdrücken. Dieser Umstand könnte geeignet -sein, einen Hoffnungsstrahl für die letzteren zu bilden, da die Regierung unmöglich auf alle Wünsche der Czechen ein- gehen kann und schließlich einmal einsehen wird, daß sie einen großen Fehler beging, als sie die Deutschen ver- Aewaltigte und ihnen alle politischen Rechte nahm

Die vielfachen Conferenzen, welche Graf Badeni in Len letzten Tagen beim Kaiser Franz Josef hatte, werden io tzwlitischen Kreisen sehr bemerkt. Man folgert, daß wichtige Beschlüsse bezüglich der künftigen Gestaltung der innerpoli- tischen Verhältnisse Oesterreichs bald bevorstehen. Das er- scheint uns jedoch nur eine leere Schlußfolgerung, denn zu solchen einschneidenden Beschlüssen gehört immer die Zu­stimmung des Parlaments, und Badeni har sich wohl die Unterstützung der Rechten gesichert, aber nicht für alle Fälle. Ebenso gehen auch die czechischen Abgeordneten nur so lange mit der Regierung, als diese die Sonderwüvsche der Böhmen zu bewilligen geneigt und im Stande ist. Ob die Regierung unter solchen Umständen reüssiren wird, wissen vorläufig nur Lie Götter,- schwierig bleibt die Lage jedenfalls, insbesondere da auch das Berhäliniß zu Ungarn sich immer mißlicher ge­palter. Der Ausgleich der beiden Länder ist noch immer nicht abgeschloffen, und nur guter Wille auf beiden Seiten, ein weitgehendes Entgegenkommen könnte zu einer Verstän­digung führen. Wo soll aber guter Wille vorhanden fein, und ein solches Entgegenkommen ftartfinden, wenn sich beide Theile nahezu feindlich gegenüversttheu und von ihren An­sprüchen und Forderungen um nichts zurückweichen wollen! Die Verhältniffe in der cisleitbanischen Reichshalfte nehmen auch daS Jntereffe der Ungarn tu hohem Grade in Anspruch, und eS erging von Budapest auS vor einigen Tagen eine energische Mahnung nach Wien zur Wiederherstellung ver­fassungsmäßiger Zustände in Oesterreich. Man gab zu ver­stehen, daß eventuell alle ungarischen Parteien fich mit dem Gedanken einer Personalunion befaffen müßten, also mit der vollständigen LoStrennung Ungarns von Oesterreich. Auf diesen Wink hin hat Badeni versichern laffen, daß keine BerfaffungSäuderung vorliege oder geplant sei.

Wir haben schon einmal ausgeführt, daß und nicht begreiflich ist, wie Kaiser Franz Josef dem Vorgehen seiner Regierung zustimmen kann, und müssen deshalb zu der IUrbrrzeugung gelangen, daß Graf Badeni einen sehr großen Einfluß auf ihn auSübt. Daß die demnächstige Anwesenheit Kaiser Wilhelm« in Oesterreich Ungarn dazu beitragen wird, die Lage der Deutschen zu verbeffern, ist nicht anzunehmen, da irgendwelche Einmischungen in die innerpolitischen Ver- hältniffe eines anderen Landes vermieden werden. Aller Voraussicht nach werden die Deutschen also noch länger unter dem ungerechten Regiment Badeni- zu leiden haben und sie können nur durch weitere Einhaltung der seit Kurzem befolgten Obstructionspolitik dagegen Protest einlegen. Dieses zu bekämpfen und zu unterdrücken dürfte der Re­gierung nicht gelingen, wohl aber wird die ganze Gesetz­gebung, die Entwickelung Oesterreichs auf culturellem Gebiete sÄwer darunter zu leben haben. (xx)

Deutsche* Retch

Friedberg. 7. September. Ihre König!. Hoheiten der Nroßherzog und die Großherzogin fuhren gestern

Abend mit Gefolge noch Hornburg zur Raileuafet im Cur- hauS und nach derselben wieder hierher zurück. Der Rajah von Kherit hatte ebenfalls Einladung erhalten und deshalb seine Abreise nach England aus heute Vormittag verschoben. Zum heutigen Manöver bet Mittelbuchen und Hochstatt fuhren die Herrschaften mit Gefolge nach Windecken, wo die Pferde bestiegen wurden.

Berlin, 7. September. Der Verbandsvorstand der deutschen Buchdrucker bringt nunmehr zur Kenntniß, daß er die Mitglieder, die fernerhin offen Opposition gegen den Verband machen werden, auS demselben auSschließen wird. Bei der Urabstimmung haben sich 18,251 für den BerbandSvorftand, 5164 für die Opposition erklärt.

Ueber die Bedeutung des gegenwärtigen Besuches des italienischen KöntgspaareS in Hom­burg hat derBerl. Loc.-Anz." den italienischen Minister deS Auswärtigen, Visconti Vcnosta, ausfragen laffen. Der betr. Berichterstatter meldet seinem Blatte darüber daS Folgende: Wie ich aus der Unterredung mit dem greisen Staatsmann entnehmen konnte, haben in Homburg bisher politische Verhandlungen noch nicht stattgefunden. Mit größter Liebenswürdigkeit plauderte der Marchese über die Eindrücke, die sein Souveratn, sowie die Herren seiner Suite von dem Empfang in Homburg gehabt haben. Die Kundgebungen der Sympathie, die König Humbert wie bei seinen früheren Besuchen in Deutschland such diesmal zu Theil wurden, haben den König von Italien, wie Visconti Benosta sich ausdrückte, geradezu gerührt. Er empfand, daß die Be­grüßung der Bevölkerung aufrichtig gemeint war, daß der Jubel, der ihn und seine noch immer so unvergleichlich an» muthtge Gemahlin begrüßte, mit voller Spontaneität durch­brach und daß der Gruß dem treuen Verbündeten und auf­richtig ergebenen Freund des deutschen Kaisers galt. Wer da glaubt, daß die Freundschaft zwischen den beiden Herrscher- famtlien nur Schein oder Decoration sei, irrt fich gewaltig. Marchese Visconti Venosta betonte immer von Neuem die Innigkeit des VerhältniffeS, die bekanntlich ja schon die Be­ziehungen des italienischen KönigSpaareS zum Kaiser und zur Kaiserin Friedrich kennzeichnete. Ganz begeistert hat sich König Humbert über die Haltung der deutschen Truppen bet den Paraden ausgesprochen. Die Strammheit der Truppen, die Exactheit ihrer Bewegungen, der glänzende Elan bet den Vorbeimärschen haben auf den Kön g einen tiefen Eindruck gemacht. Und das Unheil König Humberts hat seinen Werth, denn der König ist selbst ein tüchtiger Soldat und verfolgt nut lebhaftestem Juteresse alle Vorgänge auf militärischem Gebiet. Daß daö Königspaar mit Entzücken von dem lieblichen Homburg spricht, ist selbstverständlich, wenn dieses auch in dem Gewühl und dem unruhigen Treiben dieser Tage ein Stück seines vornehmen CharacterS eingebüßt hat. Als ich schließlich den sympathischen alten Herrn verließ, faßte er die Bedeutung dieser Festtage dahin zusammen: eine neue Kundgebung der treuen Freundschaft zwischen den beiden Monarchen und eine Bestätigung de» politischen BündniffeS.

Ueber den Allianzvertrag werden von den Blättern noch fortgesetzt Mittheilungen veröffentlicht, die aber kaum auf Auihenticität werden Anspruch machen dürfen, da regierungsseitig bisher keine Bekanntgabe erfolgt ist, wohl auch vorläufig nicht erfolgen wird. Aber begreiflich ist eS schon, daß die Blätter auf die Veröffentlichung des Bündniß- Vertrages verfeffen sind,- weiß man doch trotz der schönen Worte auf btmPothouau" noch immer nicht recht, woran man eigentlich tft. Daß bienations alliees noch nicht durch eine förmlicheAllianz" verbunden zu sein brauchen, beginnt man mehr und mehr einzusehen, und seitdem König Humbert in Homburg von der deutsch-italienischen Allianz gesprochen hat, ist man an der Seine mißtrauisch und eifer­süchtig geworden und verlangt noch lauter als bisher, zu erfahren, wie man mit Rußland steh'. Gibt Präsident Faure, der so begeistert empfangen wurde, nicht bald be­friedigende Auskunft, dann dürste er am Ende die Erfahrung machen, von der es im Nibelungenliede heißt,daß Liebe mit Leid am Ende lohnen kann."

Wolffs telegraphische» Eorrefpondenr-Bureau.

Berlin, 7. September. Der ^Reichsanzeiger" veröffent­licht die Verleihung deS Großkreuze« der Rothen Adler- ordenS an den Präsidenten von Venezuela, General Crespo.

Berlin, 7. September. Der stellvertretende Lande»- haupimann von Demfch-Neu Guinea, Corvettencapitän a. D. Rüdiger, ist am 26. August von Eingeborenen ermordet worben.

Alle Annoricen-Bureaux de« In- und Ausländer nehme» - Anzeigen für denGießener Anzeiger- entgegm.

Hamburg v. b. Höhe, 7. September. Am heurigen Manövertage griffen bie bayerischen Truppen gegen 8 Uhr die stark verschanzten preußischen Stellungen aus der ganzen Linie an. Ein Sturmangriff deS linken bayerischen Flügel« wurde abgeschlagen, während der rechte Flügel der bayerischen Ostarmee gegen Mittag in die preußische Stellung bei Windecken eindrang. Die beiderseitigen Cavallerie- Divisionen griffen lhätig in den Kampf nicht ein. Auf beiden Seiten kam heute ein Feffelballon und bei bei Westarmee auch ein Drachenballon aus Berlin zur Berwenbung. Die Großherzogin von Heffen wohnte btm Manöver im Waaen bei. Ihre Majestäten Kaiser Wilhelm unb König Humbert verließen baS Manövergelände um 12</a Uhr von Windecken auS mittels SonderzugeS.

München, 7. September. Der Prinzregent stellte ben Kronprinzen Friedrich Wilhelm ä la suite de» 1. Ulanen Regiments.

Straßburg i. E., 7. September. Der kaiserliche Statt­halter Fürst zu Hohenlohe-Langenburg wird am 10. d. M. aus Tyrol nach Straßburg zurückkehren.

Diebenhofen, 7. September. Gestern Abend stürzte in dem HüttenwerkJoluf" in Diedenhosen bei der Entleerung eines Hochofens eine große Erzmasse aus beträchtlicher Höhe herab. Zwei Arbeiter wurden getödtet, der Betriebs­leiter und sieben Arbeiter wurden schwer verwundet.

Wien, 7. September. DiePolit. Corresp.- meldet: Die griechische Regierung theilte gestern den Mächten mit, daß nunmehr 10,000 Reservisten der letzten JahreSklaffc entlaffen seien. Weitere Verabschiedungen von Reservisten ständen in der zweiten Hälfte des September bevor. Nach einer weiteren Meldung derPolit. Corr." dürfte die Zahl der Schiffe der fremden Geschwader vor Kreta auf die Hälfte herabgesetzt werden. Die Truppen-Contiugente dürften aber ihre augenblickliche Stärke bi» auf Weiteres behalten

Cern, 7. September. Infolge Regenwetters und Schnee­falles ist der Bahn verkehr an verschiedenen Orten unterbrochen, so auf bet Gotthardtbahn, zwischen Zug unb Goldau, ferner auf der Brüntgbahn, -wischen Brtenz und Meiringen. Einzelne Postcurse konnten wegen bei Wasser« nicht anSgeführt werden.

Madrid, 7. September. Amtlich wird bekannt gegeben, daß das Kriegsgericht in Barcelona den Attentäter Samp au Barril zum Tode verurtheilt hat.

Bonbon, 7. September. Die Ausfuhr im Monat August zeigt eine Abnahme von 1552 799 Pfund Sterling- bie Ausfuhr für bie Monate Januar bi» August einschließl'ch weist eine Verringerung um 3145774 Pfnnb Sterling auf.

Birmingham, 7. September. Der hier tagende Trabe- UnionS-Congreß nahm einstimmig eine Resolution an, in welcher den im Ausstande befindlichen Maschinenbauern die Sympathie beS CongresseS auSgebrückt wirb unb ber Congreß sich verpflichtet, demselben moralische und finanzielle Unterstützung zu leihen.

Glasgow, 7. September. Der deutsche Consul unb schwedische Viceconsul I. O. Lietke ist heute gestorben.

Konstantinopel, 7. September. (Agence Hava».) Gutem Vernehmen nach sind die Mächte geneigt, den Vorschlag Englands anzunehmen, welcher dahin geht, eine inter­nationale Commission einzusetzen zur Controle ber Einnahmen, welche zur Deckung der KriegSentschädigung»- anleihe bestimmt finb.

Konstantinopel, 7. September. Die Mitglieber ber russi­schen Botschaft veranstalteten zu Ehren be» scheibenden Neltdow ein Ab schieb »fest. Die russische Colonie stiftete einen Nelidow-Preis für bie hiesige russische Schule.

Depeschen be» Vurean .Herold."

Berlin, 7. September. Einem Privattelegramm ber StaatSbürger-Zeitung" au» Wiesbaden zufolge begibt sich ber Bicepräfident beS StaatSministeriumS, Dr. v. Miquel, heute zum Vortrage beim Kaiser nach Homburg. Man nimmt an, daß der Minister morgen Abend von seinem Urlaub nach Berlin zurückkehren wird.

Berlin, 7. September. Die von der deutschen Colonial­gesellschaft, Abtheilung Berlin, veranstaltete öffentliche Ver­sammlung über die Flottenfrage wird am 13. b». Hierselbst stattfinben.

Berlin, 7. September. Wie bieVoss. Ztg." hört, ist das Entlassungsgesuch, baS ber UnterstaatSsecretär bei RetchSpoftamtS Dr. Fischer bereit» vor einiger Zett ein­gereicht hat, genehmigt und zu seinem Nachfolger ber Direetor der ersten Abtheilung de» RetchSpoftamtS, Fritsch, ernannt worden.

Berlin, 7. September. Der Staatssekretär de» Reich»- amt» bei Innern Graf Posabowskh begibt fich morgen