Ausgabe 
9.6.1897 Erstes Blatt
 
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ftr. 132 Erstes Biatt Mittwoch dm 9. Ami

S8S»

Der

Lietzener Anzeiger erscheint täglich, «it Ausnahme deS Montags.

Die Gießener Aamirlenvrätter werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal lxigelegt.

Meßmer Anzeiger

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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Sonn. 10 Uhr.

Hratisöeilage: Hießen« Samilienötätter.

Alle Annoncen-Bureoux deS In- und Au-landcS nehme» I Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

AartUche» LHM.

Nr. 26 des Reichs * Gesetzblattes, au-gegeben den 2. d. M., enthält:

(Nr. 2391.) Verordnung, betreffend die Ausdehnung der §§ 135 bis 139 und des § 129 b der Gewerbeordnung auf die Werkstätten der Kleider« uud Wäscheconfectiov. Bom 31. Mat 1897.

(Nr. 2392.) Bekanntmachung, betreffend die dem iuter- natiooalen Uebereinkowweu über den Etseubahnfrachtverkehr beigefügte Liste. Bom 29. Mai 1897.

Gießen, den 5. Juni 1897.

Großherzogliches Kreisamt Gießen. __v. Gagero.__________________'

Gießen, den 6. Juni 1897.

©et».: Die vierteljährliche Einsendung der Fleischbeschau- Tagebücher.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen au die Grofth. Bürgermeistereien: 1. Belters Hain, 2. Bersrod, 3 Beuern, 4. Climbach, 5. Ettingshausen, 6. Harbach, 7. Lauter, 8. Lindeuftruth, 9. Loudorf, 10. Münster, 11. Oberbesfingeu, 12. Odenhanseu, 13. Röthges, 14 Rüddiugshausen, 15. Stangenrod, 16. Stock­hansen, 17. Treis a. d. Lda., 18. Weitershaiu.

Sie wollen den Fletschbeschauern aufgeden, ihre Tage- bScher unverzüglich bet Meidung von Strafe an Großh. Kreisveterinäramt Grünberg ktuzusendeu.

_______v. Gagern.__________________

Gießen, am 3. Juni 1897.

Betr.: Die Versicherung von Ernteerzeugniffen in Schobern gegen Feuersgefahr.

Hat Grotzherzogliche Kreisamt Gießen

m bit »r,sth. be*

Ja den VerficherungSbedingungen dec Deutschen Feuer- verstchrrungSgesellschaften findet fich die Bestimmung, daß die Versicherung von Feldfrüchten auf dem Halm fich auch auf -te abgeernteten Früchte und beim Aufstellen derselben in Schobern während acht Tagen auch auf die Schober bezieht, daß dagegen Ernteerzeugntffe, die länger alö acht Tage tu Schobern verbleiben sollen, gegen Zahlung einerSchober« Prämie" besonders versichert werben müssen.

Da es fich im Wesentlichen hierbei nur um eine Ort-- Veränderung bereit- versicherter Erzeugniffe handelt, so kann im Jutereffe eine- thunltchst beschleunigten AbschluffeS der Schoberverficherung in den Fällen der bezeichneten Art von der Einhaltung des tu § 4 der Verordnung vom 11. Drcember 1871 (Reg. Bl. S. 439) vorgeschriebenen Verfahrens ab- gesehen werdeu.

Voraussetzung ist dabei jedoch stekS, daß die zur Schober- verficherung gebrachten Erzeugniffe bereit- vor der Aberntung bet derselben Gesellschaft versichert wareu.

Sie wollen fich hiernach bemeffcn.

v. Gagern.

Deutsche- Reich.

Berlin, 5. Juni. Herr v. Tausch beabfichtigt, wie der Local-Anzeiger" von gut unterrichteter Seite erfährt, sein Abschiedsgesuch unter Beifügung etoeS ärztlichen Atteste- Aber seinen gegenwärtigen krankhaften Zustand etnzureichen.

Berlin, 5. Juui. Uebrr die parlamentarische Ge­schäftslage nach den ReichStagSferien berichten dieBerl. Reuest. Nachr.", daß in BaudeSrathskreisen bestimmt auf die unveränderte eudgilttge Annahme der Handwerkernovelle in ihrer jetzigen Gestalt gerechnet wird. Die Verhandlungen über den Milttärstrafproceß dürften ruhen, bi- der bayerische Bevollmächtigte v. Habel von seinem jetzt nach München abgetretenen Pfingfturlaub hierher zurückgekehrt sein wird.

Berlin, 5. Juni. DerReichsanzeiger" meldet: Die zur Reich-kaffe gelaugte Ist ein nähme abzüglich der Aus- fuhrvergütungen und BerwaltuogSkosten beträgt bei den nach- bezeichnrten Einnahmen für 1896/97: Zölle Mk. 433,719,244 (mehr 50,476,882), Tabaksteuer 11,757,820 (mehr 851,632), Zuckersteuer nebst Zuschlag zu derselben 93,223,183 (mehr 12,688,100), Salzsteuer 46,873,996 (mehr 1,407,394),Matsch- Bottich-, Branntwein-, Matertalsteuer 15,618,480 (weniger 2,589,041), Verbrauchsabgaben für Branntwein und Zuschlag 101.532,183 (mehr 6,391,373), Brennsteuer 1,001,432 (weniger 89,343), Brausteuer, Uebergangsabgaben für Bier 28,030,850 (mehr 597,128), Spielkarten stempel 1,422,446 (mehr 72,900).

Kattovih, 5. Juni. Die Erdsenkungen in Rosdzin nehmen immer größere Dimenfioueu an. Halb RoSdziu schwebt in Gefahr, zu verfinken. Die obdachlosen Einwohner sind in den Nachbarorten untergebracht. Die Bahnverwaltung sandte zehn gedeckte Wagen zur Unterbringung von Menschen. Die Bewohnerschaft des Bezirks erwartet staatliche Hilfe. Der Schaden an Gebäuden wird auf zwei Millionen Mark geschätzt.

Arr-laud.

Prag, 5. Juni. Der Reichskanzler Fürst zu Hohen­lohe ist heute auf Schloß Podiebrad eingetroffen.

Rom, 6. Juni. Anläßlich des heutigen National­feiertages fand eine Parade über die hiesige Garnison statt, welcher der König, die Königin, der Prinz und die Prinzessin von Neapel, der König und die Prinzen von Siam sowie die OsfizierSdeputation de« 1. Hessischen Husareu- RegimentS Nr. 13 beiwohnten. Der König und die Königin wurden von der zahlreich in den Straßen angesammelten Menge lebhaft begrüßt.

©rüffel, 5. Juni. 1200 Bahnarbetter striken in Brame la Comte. Nach Pfingsten ist ein Generalftrtke geplant, woran 15000 Arbeiter theilnchmen sollen. Die Regierung befürchtet den Anschluß der staatlichen Bahn- arbeiter.

Paris, 5. Juui. Präsident Faure wird auf seiner Reise nach Petersburg von dem Minister Hanotaux, dem Generalstabschef BoiSdeffre, dem Admiral Gervais, dem neu ernaunteu General - Secretär FaureS, dem General Hagrou, den beiden ProtocollchefS Erozier und Mollard, dem Obersten Menefroy und mehreren Offizieren begleitet sein. Da die Abreise am 25. Juli, nach dem Kammerschluß, erfolgt, entfällt die Theilnahme der zu jener Zeit nicht als Präsi­denten der Kammer und des Senats fungireuden Herren Briffon und Loubet. Ein von mehreren Panzern begleiteter Kreuzer 1. Klaffe ist für die Fahrt auSerseheu.

Barcelona, 6. Juni. In der Nähe des Hauses eines GemeinderathSmitgliedeS wurde eine Dynamttbombe ge­worfen, deren Explosion beträchtlichen Schaden anrichtete und große Bestürzung in der Stadt hervorrief. Der Urheber ist noch unbekannt. Al- Beweggrund vermuthet man per­sönliche Rache.

Bukarest, 5. Juni. Die Recouvalescenz des Thron­folger- verläuft ausgezeichnet. Jede Gefahr erscheint beseitigt.

Athen, 5. Juui. Die griechische Regierung hat bei den Vertretern der Mächte folgende Bedingungen für den Wiffensttllstand erhoben: Die Blokade der griechischen Küste wird aufgehoben. Die Verproviantirung auf dem See­wege wird gestattet. Die Untersuchuug von Schiffen hört auf. Andererseits darf die Türkei kein Kriegsmaterial und keine Soldaten zu Wafler befördern. Die türkische Flotte darf nicht au- den Dardanellen auslaufen und der Türkei dürfe nicht gestattet werden, die Garnisonen der ägäischen Inseln zu verstärken.

Athen, 5. Juni. Gestern haben die beiderseitigen Dele- girten daS Doeument unterzeichnet, worin die näheren Be­stimmungen de-Waffenstillstandes zur See festgesetzt werden.

Athen, 5. Juni. Nachdem der Waffenstillstand gestern Abend definitiv unterzeichnet worden ist, beginnt die Regierung bereit-, zur Erzielung von Ersparnissen im Staats­haushalt die strengsten Maßregeln anzuwenden. Die Lehrer und Profefforen erhalten künftig während der Ferien kein Gehalt. Ein großer Theil der Beamten in den Ministerien und der Provinzialverwaltung wurde entlaffen.

Athen, 5. Juni. Der frühere Ministerpräfident DelyanniS beabfichtigt, in der nächsten Kammerfitzung, in welcher die Sanctiouirung des Frieden- erörtert wird, die jetzige Regierung zu stürzen.

Athen, 6. Juni. Die Regierung verhinderte die Abfahrt bewaffneter Banden nach Kreta- der AvisoParalos" ist angewiesen worden, zu diesem Zwecke die Meeresstraße bei Cerigo zu überwachen. Man betrachtet diese Befehle als eine thatsächliche Ausführung de- den Mächten Seiten- Griechenlands gegebenen Versprechens.

Kanea, 6. Juni. Ein europäisches Kriegsschiff brachte an der Küste von Kreta ein Hegelschiff auf, an dessen Bord sich 14 bewaffnete Griechen, darunter ein Sohn de- Obersten Mano-, befanden, und führte da- Schiff nach der Sudabeh.

Depeschen deS BureauHerolds

Venedig, 7. Juni. In ganz Italien herrscht eine tropische Hitze. Die Temperaturen variireu zwischen 32 und 38 Grad CelsiuS.

Koustauttuopel, 7. Juui. Wie verlautet, ist über die verschiedenen Friedenspunkte eine volle Einigung erzielt. Griechenland zahlt 4 Millionen Pfund Krieg-eutschädigung uud verliert an der theffalischen Grenze einige strategische Punkte. Pharsala, Volo, Mezzora und NezaroS bleiben von den Türken besetzt nud werden stapelweise nach der in Rate« erfolgten Zahlung geräumt.

Hanau, 8. Juni. Aus Anlaß der 300jährigen Jubelfeier der Gründung der Neustadt Hanau wurde gestern ein großer historischer Festzug veranstaltet, der unter Mitwirkung von nahezu 2000 Personen in seinen einzelnen Gruppen die Entwickelung Neu-Hanau- mit Berückfichtiguug der hauptsächlichsten geschichtlichen Momente der Stadt aus den letzten 300 Jahren veranschaulichte. Der Zug zählte 21 Prunkwagen, 10 Musikcorps und mehrere Abtheiluugeu Trommler und Pfeifer. Der Fremdenzufluß war groß.

Wien, 8. Juui. Auf dem socialtstischen Partei­tage erkärte Pfannkuch, die deutschen Socialisteu würden auf dem nächsten Parteitage ebenfalls erwägen, ob und wie sie mit einzelnen anderen Parteien gehen sollen, um die Macht deS preußischen JunkerthumS zu brechen.

Ischl, 8. Juui. Für den König von Siam soll ein hiesiges Hotel auf längere Zeit gepachtet werden.

Paris, 8. Juni. Die rabicalen Blätter verdächtigen die Bank von Frankreich, ein günstiges Kammervotum er­kauft zu haben.

Rew-dork, 8. Juni. Trotz der von Mac Kinley er­hofften Schutzzollpolitik ist die wirthschaftliche Lage, wie aus den amtlichen Statistiken hervorgeht, äußerst kritisch. In New Uork, Philadelphia, Chicago, Boston uud Baltimore beträgt ine Zahl der Arbeitslosen 15000.

CocaUs unb ptwluskUw,

Gieße«, den 8. Juui

Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuer­wehren wurde verliehen durch Allerhöchste Entschließung Seiner Königlichen Hoheit des Groß Herzogs vom 19. Mai den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Münster, Emmerich Schneider, Michael Hartig, Peter Roßkopf, 8"am Schneider II., Job-. Bonifer IV., Adam HauS VIII.

Erledigte Lehrerstellen. Erledigt ist: Eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an bet Gemeindeschule zu Eppelsheim, Kreis WormS, mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk.

Schuldienst-Nachrichten. Am 19. Mai wurde der Schulverwalter an der höheren Mädchenschule zu Alzey Peter Böhner zum Lehrer an dieser Schule, unter Belassung in der Kategorie der Volk-schullehrer, an demselben Tage wurde dem Schulverwalter Heinrich Pfaff zu Wenings eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Bleichenbach, Kreis Büdingen, an demselben Tage wurde dem Schullebrer an der Gemeindeschule zu Rockenberg Friedrich Joseph Grobe die Stelle eines Lehrers an der Zellenstrafanstalt Butzbach, unter Belassung in der Eigenschaft als Volksschullehrer, an demselben Tage wurde dem SchulamtSa-piranteu Adolf Mergott aus Elpeurod eine Lehrerstelle an der Gemeinde­schule zu Beuern, Krei» Gießen, übertragen.

Die verflossenen Pstngstfeiertage haben im Allgemeinen, was die Witterung anbelavgt, befriedigt. Der drohende Regen ging nur strichweise nieder, in der Umgebung der Stadt beispielsweise in der Gegend des SchiffeubergeS. Wie immer, wurden auch diesmal die Feiertage zu weiteren Ausflügen benutzt, die Eiseubahnzüge, welche viele Bewohner der Stadt entführten, derselben aber auch viele Fremde zuführteu, waren vielfach überfüllt und hatten theilweise erhebliche Verspätung. Die Vergnügungs- und AuSflugS« punkte der Umgebung waren stark besucht. Fußwandereru und Radlern dürfte die eingetretene Kühle recht willkommen gewesen sein.

Sin heftige« Unwetter wüthete am 1. Pfingstseiertage über der Gemarkung Leihgestern. Gegen */,2 Uhr ging ein wolkenbruchartiger Regen nieder, derselbe dauerte beinahe drei Stunden und fetzte nicht nur Felder und Wiesen^ sondern auch niedriger gelegene Straßen des Ortes unter Wasser. Stellenweise drang das Wasser in die Ställe, so daß man gezwungen war, daS Kleinvieh daraus zu entfernen. Die zwischen Lechgestern, dem Sch ffenberger Wald und dem