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9.4.1897 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt.

Freitag den 9. April

1S97

Gießener Anzeiger

Kmeral-Anzeiger

Aints- und Anzeigeblatt für den Kreis Gieren

Hratisöeitage: Hießener Kamikienötätter.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für bex folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Barm. 10 Uhr.

Alle Annoncen-Vureaur deS In- und Auslandes nehme» I Anzeigen für denGießener Anzeiger* entgeg«.

Redactton, Expeditto» und Druckerei:

Schutftratze Ar.7^

Fernsprecher 51.

vierteljähriger Adounemcutspreisr 2 Mark 20 Pfg. mit Lringerlohn.

Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Pfg.

Die Gießener

Hlnmlklenvtälter werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt.

Der *

Fletzen er Anzeiger erscheint täglich, rit Au-nahme deS Montags.

Anrtücheu Theil.

Gießen, den 7. April 1897. Betr.: Lehrmittel in den Volksschulen.

Die

Mrtzh. Kreis-Schulcommisßon Gießen

<M die Dchrrlvorstände der dreiklafsigeu Schulen des Kreises.

Wir theileu Ihnen mit, daß die Verlagsbuchhandlung Won Emil Roth in Gießen eine Ausgabe des hessischen Lesebuchs für die dreiklafsigeu Schulen bis zum Beginne des neuen Schuljahres fertig stellen wird. Die mit D bezeichnete Ausgabe besteht aus folgenden Theileu:

L Fibel mit Anhang je nach Einband von 40 bis 60 Pfg.,

H. 2. bis 3. Schuljahr 60 ,, 90

1(1.4. 5. 1.00 bis 1.80 Mk.

rv. 6. 8. 1.60 2.00

Die Theile I und TV. unterscheiden sich nicht von der Ausgabe B, während Theil II und III nunmehr den Lese- stoff so vertheilt haben, daß er dem Lehrplan entsprechend behandelt werden kann.

Wir empfehlen Ihnen die Einführung dieses Buches in den Ihnen unterstehenden Schulen mit Beginn des neuen Schuljahres anzuordnen.

v. Gagern.

Gießen, den 7. April 1897. Vetr.: Die Vertilgung der Maikäfer.

Die

Srotzh. Kreis-SchulcommWo« Gießen

au die Schulvorstände des Kreises.

Nachfolgende Verfügung Großherzoglichen Ministeriums des Innern uad der Justiz, Abtheilung für Schulangelegen- heiten, vom 4. Mai 1894 theileu wir Ihnen zur Kenntniß Mnb Nachachtung mit.

v. Gagern.

Auf Ersuchen Großh. Ministeriums der Finanzen, Ab« theilung für Forst- und Cameralverwaltung, weisen wir Sie en, in denjenigen Gemeinden, in denen ein Mai­kaserstugjahr stattfiudet, den schulpflichtigen Knaben vom 10. blö 14. Lebensjahr während der Vormittagsstunden I» gestatten, daß sie sich bis 9 Uhr, so lauge der Käferflug dauert also etwa drei Wochen unter Aufsicht und nach Anleitung erwachsener, von dem betreffenden Gemeinde- Vorstand bestimmter Personen bei dem Abschütteln, Sammeln und vertilgen der Käfer betheiligeu.

Für die Übrigen Kinder erleidet der Schulunterricht keine Veränderung.

v. Knorr.

Das

L. Großh. Hessische Infanterie-Regiment (Leib-Regiment) Nr. 117

feiert am 10. Juni 1897 das Jubiläum seines 200jährigen Bestehens und ladet alle Veteranen, welche die Feldzüge 1866 und 1870/71 beim Regiment wttmachten, sowie die- jtnigen Unteroffiziere, welche nach dem Feldzuge 1870/71 aetiv im Regiment dienten, hierzu ein.

Alle, welche hiernach berechtigt und bereit find an dem Feste Theil zu nehmen, wollen sich, soweit sie im Großherzog- lhmn Heffen oder im Laudwehrbeztrk Frankfurt a. M. wohnen, bis spätestens 1. Mai d. Js., mündlich unter Ausweis ihrer Persönlichkeit bet dem nächsten Meldeamt des Landwehr- ieztrks ihres Wohnorts anmelden. Bet Verlust der Militär- frpiere find genaue Angaben über das frühere militärische Vienstverhältniß erforderlich. Soweit die Betreffenden außer­halb Heffen bezw. des vorgenannten Landwehrbezirk- wohnen, Wied um schriftliche Anmeldung beim Regiment zu gleichem rermiu ersucht.

Den Augemeldeten wird später ein Ausweis auSgehäu- Üfft. Diese Ausweise geben allein ein Recht zur Thetlnahme »er Fest/ die Verausgabung derselben erfolgt Ende Mai nach darhergegangener Bekanntmachung.

Mainz, April 1897.

I. Großh. Hess. Zafauterie Regimeat (Leid Regiment ) Nr. 117.

Deutsche* Reichstag.

208. Sitzung. Mittwoch, den 7. April 1897.

Präsident o. Buol macht Mttthcilung von dem Ableben deS Abg. Köpp. DaS HauS ehrt sein Andenken durch Erheben von dm Sitzen.

Der Vertrag mit der Schweiz betr. Errichtung schweize­rischer Nebenzollämter auf badischem Gebiete wird in dritter Lesung definitiv genehmigt.

ES folgt die dritte Berathung deS Handelsgesetzbuches.

Abg. Bachem (Ctr.) beantragt, das gelammte Handelsgesetz­buch nebst Einfühlungsgesetz in der Fassung zweiter Lesung en bloc anzunehmen.

Abg. Weiß (frs. 93p.): Seine Freunde hegtm zwar nach wie vor starke Bedenken gegen Paragraph 73, die Concurrenzclausel, wollten aber der en dloe-Annahme nicht widersprechen.

Abg. Singer (Soc.) erklärt, seine Freunde hätten ebenfalls verschiedene Bedenken gegen Einzelheiten des Gesetzes, namentlich auch hinsichtlich der Concurrenzclausel; aber bezügliche Anträge würden ja doch Aussicht auf Annahme nicht habm. Vorliegendes Handelsgesetz bringe außerdem werthoolle Besserungen der btshertgm handelsgesetzlichen Vorschriften, weshalb feine Freunde der en bloo; Annahme zufrtmmten.

Hierauf erfolgt ohne weitere Debatte die en blvo-Annahme der Vorlage.

Zur Berathung stehen sodann noch einige Resolutionen. Die Commtsiion beantragt zunächst eine Resolution betr. Vorlegung eines Gesetzentwurfs, wonach zur Entscheidung von Streitigkeiten zwischen Princtpalm und Handelsgehtlfen bezw. Lehrlingen kaufmännische Schiedsgerichte zu errichten seien.

Die Resolution wird widerspruchslos angenommen, ebmso die zweite, betr. Erlaß von Bestimmungen über das Verfahren bei Auf­stellung der Dispense in dem noch zu erlassenden Gesetz über An­gelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit.

Weiter beantragen Dietz und Genossen eine Resolution betr. Vorlegung eines Gesetzentwurfs 1) zur Regelung der Arbeitszeit für Handelsgehilfen und Lehrlinge und 2) behufs Ausdehnung der Ge- werbeinspection auf das Handelsgewerbe unter Anstellung besonderer Handelsinspectoren.

Endlich liegt noch eine Resolution Hertling und Genossen vor betr. Ausdehnung der Gewerbeordnungsbestimmungen in den Paragraphm 120a bis 120e und 134a bis 139b auf das Handels­gewerbe unter zweckmtsprechmder Anpassung an die Bedürfnisse des letzterm.

Abg. Dietz (Soc.) befürwortet seine Resolutionen, deren erste namentlich auch die Beschäftigung der im Handelsgewerbe Angestellten in der Zeit von 8 Uhr Abends bis 6 Uhr Morgms im Allgemeinen ausgeschlossen wissen will. Redner schildert eingehend die über­mäßige Arbeitszeit, welche den Angestellten im Handelsgewerbe zu- gemuthet werde.

Abg. v. Hertlinn (Ctr.) begründet seine Resolution, die nichts weiter sei, als eine Parallel-Action zu der Dieh'schen. In der Richtung des Arbeiterschutzes müsse auch beim Handelsgewerbe noch weiter gegangen werden, als dies in dem Handelsgesetzbuch geschehe, namentlich in Hinblick auf die übermäßige Arbeitszeit in den Laden­geschäften. Nachgerade sei es doch ein allgemein anerkannter Grund­satz, daß der Staat überall da etngreifen dürfe, wo cs sich handele um Leben und Gesundheit, um religiöses Leben und geistige Fort­entwickelung. Sein Antrag gehe weiter, als der des Abg. Dich, in­dem er sich nicht allein auf die Arbeitszeit beschränke, sondern auch Arbeitsordnungen verlange, sowie Schutzbestimmungen zu Gunsten der jugendlichen und weiblichen Gehilfen und Lehrlinge. Man möge nicht mit dem Einwande kommen, der Antrag schädige den Mittel­stand; so sehr seine Partei für den Mittelstand eintrete, so wolle sie doch auch keine Schädigung der im Mittelstand beschäftigten Personen.

Ministerialdirector v. Woedtke: Der Antrag Hertling ist be­reits von den verbündeten Regierungen überholt: denn e8 sind be­reits Erhebungen eingeleitet roorben, inwieweit die Schutzbestimmungen der Gewerbeordnung etwa auf das Handelsgewerbe auszudehnen seien. ES ist ja auch bereits oorgegangen worden mit Vorschriften über den Acht-Uhr-Ladenschluß. Gerade diese sind aber auf vielen Widerspruch gestoßen. Der Reichskanzler hat diese Frage daher noch­mals dem preußischen Staatsministerium oorgelegt und diese« hat seine Verhandlungen darüber noch nicht abgeschlossen. Je nach dem Ergebniß dieser Berathungen wird der Reichskanzler event. nicht zögern, einzugreifen. Der Antrag Dietz geht in seinem ersten Theil doch wohl zu weit, indem er bereits positive Anordnungen fordert, ehe noch die Berathungen und Erwägungen abgeschlossen sind.

Abg. Frege (cons.) erklärt, die Conseroatioen stimmten dem zu, daß Erwägungen in der Richtung der Resolution Hertling an­gestellt würden, wie dies unter Lil. a) dieser Resolution verlangt werde. Der Ltt. b), welche bereits die Vorlegung eines bezüglichen Gesetzentwurss wünsche, würden seine Freunde dagegen nicht zu­stimmen; ebensowenig dem Antrag Dietz.

Abg. Bassermann erklärt, auch den Nationalliberalm gehe der Antrag Dietz zu weit und an dem Anträge Hertling sei ihnen ebenfalls nur Lit. a) annehmbar.

Abg. Lenzmann (frs. Vp.) stimmt NamenS feiner Partei der Resolution Hertling zu, denn die Mißstände in Bezug auf die Arbeitszeit im Handelsgewerbe hätten sich schon durch die Erhebungen der arbeit«-statistischen EnquSte-Commtsiion als sehr erhebliche herausgestellt.

Abg. Gamp (Rp.) hält die Resolutionen für überflüssig. Man solle ruhig die Ergedniffe der von dem Ministerialdirrctor von Woedtke erwähnten Erwägungen abwartm. Höchstens könne man sich auf Annahme der Lit. a) der Resolution Hertling beschränkm.

Abg. Rösicke (lib.) spricht sich gegen die Resolution Dietz auS, die zu schematisch sei, dagegen für die Hertling'sche.

Nachdem noch Abg. Hitze (Ctr.) für die Resolution Hertling eingetreten, wird dieselbe in ihrem Theile a) (Erwägungen) fast ein­stimmig, dagegen in ihrem Theile b) (Vorlegung eines Gesitzent- wurfs) mit schwacher Mehrheit angenommen.

Die Resolution Dietz wird abgelehnt.

Nächste Sitzung Dienstag den 27. April, 1 Uhr: Nachtrags- etat, Beamten-Relicien-Novelle. (Schluß 31/, Uhr.)

Deutsches Reich.

Darmstadt, 8. April. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Sich heute Nachmittag 4Uhr 19 Mtn. zur Auerhahnbalz nach Alsfeld begeben. Im Gefolge befindet sich Oberstallmeifter Frhr. Rtedefel zu Eisenbach.

Ueucfte Rach-zchlE-.-

Wolffs telegraphisches Lorrespondent-Brrr«m.

Berlin, 7. April. Die Budgetcommisfion des Reichs­tages berteth die BesoldungSaufbefserung weiter und nahm einstimmig nach längerer Debatte den Antrag Müller- Fulda au, wonach Postasfistenten und die übrigen Beamten derselben Beamtevkiaffe ein Gehalt von 1500 bis 3000 Mk. beziehen sollen und in daS Höchstgehalt, daS um 300 Mk. erhöht ist, nach einer 21jährtgen AufrückungSzett eintreten. In der Sitzung theilte StaatSfecretär des RetchSschatzamtS, Graf PofadowSky, die vom 1. April 1898 ab in Kraft tretenden Grundsätze über die Berwerthung der Fonds zu Remunerationen und Unterstützungen mit. Die Commisfiou vertagte sich bis nach Ostern.

Gotha, 7. April. Ja der heutigen Sitzung des gemein­schaftlichen Landtages wurde ein Antrag auf Einführung deS allgemeinen gleichen Wahlrechts abgelehnt.

München, 7. April. AuS hiesigen musikalischen Kreisen wird die Idee der Errichtung eines Denkmals für Richard Wagner in München angeregt.

Wien, 7. April. Die Leiche von Johannes Brahm« wurde gestern Nachmittag im Cenrralsriedhofe beigesetzt, in dem von der Stadt Wien gestifteten Ehrengrab neben der Ruhestätte Beethovens. Vorher fand eine erhebende Leichen« feier in der evangelischen Kirche der Dorotheergaffe statt, wohin ein glänzender Trauerzug die Leiche von der Wohnung des Verstorbenen aus geleitete.

Pest, 7. April. Bet dem Minister-Präsidenten Baron Banf fy fand gestern Abend großer Empfang statt, dem fämmtltche Minister, hohe Würdenträger, zahlreiche Mitglieder beider Hauser des Reichstags, sowie die Spitzen der Civil- und Militärbehörden beiwohnten. Viele der Geladenen waren mit ihren Damen erschienen. Auch der z. Zt. hier anwesende Berliner Polizeipräsident v. Windheim, sowie der Crtmtnaltnspector v. Meerscheidt-Hülleffem waren mit einer Einladung beehrt worden.

London, 7. April, DaS Unterhaus nahm mit 160 gegen 91 Stimmen die zweite Lesung der Vorlage an, nach der vom Ausland eingesührtes Fleisch und aus- ländischer Käse obligatorisch unter Androhung einer Geldstrafe alsauswärtig" zu bezeichnen find. Im Laufe der Debatte erklärte LandwirthfchaftSminister Lang, er billige das Princtp der Bill, deren Einzelheiten jedoch einem Sonder- auSschuffe überwiesen werden wüßten. Die Vorlage wurde schließlich einem SonderauSschuffe überwiesen.

London, 7. April. DieDaily News" berichten auS Newhork von gestern, daß die in den Hauptplätzen von Ohio abgehaltenen Gemeindewahlen einen ganz be- deutenden Stimmenzuwachs für die Demokraten ergeben haben. In Cincinnati, wo McKinley bei der Wahl im November eine Mehrheit von 20,000 Stimmen erreicht hatte, feien gestern für die demokratischen Candidateu 7000 Stimmen mehr als für die republikanischen abgegeben worden. Kanton, die Heimathftadt Mc Kinleys, fei aus dem republikanischen ins demokratische Lager übergegangen. Die in anderen Staaten abgehaltenen Wahlen zeigten eine ähnliche Umwandlung. Ein besonderer auffälliger Character- zug der Wahlen sei der Erfolg vieler ausgesprochener An« Hänger BryanS.

London, 7. April. DieTimes" meldet aus Mon- tevideo von gestern, die Regierung habe die sofortige Mobilisirung von 6000 der in der Hauptstadt garnt- sonirenden Nationalgardisten verfügt. Die revolutionäre Bewegung unter den BlancoS bleibe lebhaft im Gange.

Madrid, 6. April. Dem deutschen StaatSfecretär Frei- Herrn v. M a r s ch a l l ist da- Großkreuz des Ordens Carls III. verliehen worden.

Manilla, 7. April. Die Orte San FranziSco und Malaton, wo fast der gesammte Rest der Auf-