• Berlin, 3. November. Der heute gemachte Versuch «tt dem lenkbaren Luftschiff au» Aluminium, für deu sich auch die Luftschifferabtheilung intereffirte, ist gescheitert. Da» neue Luftschiff liegt zerschmettert im Ackerfelde- der Luftschiffer formte fich nur durch einen kühnen Sprung retten.
• Sin niederträchtiger Bubenstreich hat am Sonntag Abend namenlose» Elend überein brave» Mädchen in Linden gebracht. Ein Bursche hatte fich auf da» Schlafzimmer de» betreffenden Mädchen» geschlichen und dann unter dem Bette versteckt. Al» da» Mädchen, kurz nachdem e» fich zur Ruhe begeben, sah, daß eine fremde Person im Zimmer war, stürzte e» sich in seiner Angst au» dem zweiten Stock zum Fenster hinan» und brach beide Beine.
* Ebenso wie da» Projett eine» unterseeischen Tnneell zwischen dem Feftlande und England stet» wieder auftaucht, so beschäftigt man fich in England selbst seit langer Zett mit Projekten einer unterseeischen Eisenbahn-Verbindung zwischen Irland und der englischen Haupt- insel, ohne daß e» jedoch bis jetzt zu einer Realisation der Idee gekommen wäre. So liegt neuerding», nach einer Mittheilung vom Internationalen Patentbureau Earl Fr. Reichelt, Berlin NW. 6, wiederum ein derartiger Plan -ur Erwägung vor, nach welchem der Tunnel als von der irischen Insel Magee ausgehend angenommen ist, um von da birect nach der Beaufort Dyke Senkung zu gehen, die 500 Fuß unter dem Wasserspiegel liegt, von wo der Tunnel in gerader Linie nach Portobello an der Küste der Landschaft Gallowah zu führen wäre. Die unterseeische Tunnellänge würde fich hierbei auf 39 Kilometer, die ganze Länge auf 55 Kilometer bemessen, während an Einschnitten zur allmäligen Erreichung der Tunnelsohlen Tiefe gegen 17 Kilometer erforderlich werden würden. Zur Trockeohaltuug der Tuonelsohle wüßte auf irischer Seite ein Puwpschacht von 240 Meter, auf englischer Seite ein solcher von 250 Meter Tiefe niedergetrieben werden. An Anschlußlinien würden gegen 10 Kilometer vöthig werden- der Kostenanschlag beziffert fich auf 200 Millionen Mark, die Dauer der Ausführung ist auf 11 bis 12 Jahre bemessen.
♦ Zukuufts Telegraphie. Die Central-Zeitung für Optik und Mechau,? vermittelt un» einen schwungvollen Ausspruch des englischen Professor» Ayrton, eines besonder» auf dem Gebiete der Elektrochemie oft genannten Forschers. Dieser verstieg fich neulich in einem Bortrage zu der Prophezeiung: unterliegt keinem Zweifel, daß eine Zeit kommen wird, wo Kupferdrähte, Guttapercha und andere Mittel zum Um- |
hüllen der Telegraphevdrähte Dinge der Vergangenheit sein werden. Wenn dann Jemand seine« Frennde, dessen Aufenthalt er nicht kennt, eine Mittheilung machen will, so wird er mit einer elektromagnetischen Stimme reden, die nur von Demjenigen vernommen wird, der da» zugehörige elektromagnetische Hörorgan besitzt, für jeden anderen aber unverständlich bleibt. Er ruft z. B. „ffio bist Duund er vernimmt von dem, für den die Frage bestimmt war, vielleicht die Antwort: »Ich befinde wich im Bergwerke da und ba* oder „in der Mitte de» Dcean»* oder „Ich übersteige eben die Hüben» Bette* usw. Wenn aber keine Antwort eintrifft, so weiß der Fragende, daß der Freund tobt ist. Wa» für ein Rufen unb Antworten mag dann von Pol zu Pol gehen, hörbar jedoch nur für die, zwischen welchen die Sprachverbindung verabredet ist, für alle übrigen Menschen aber uuveroehmbar.*
* Kaufmännische SteHeuvermiUeluig. Dem Verbände Deutscher HaudlungSgehülfen zu Leipzig, dessen Stellenvermittelung von Jahr zu Jahr au Ausdehnung gewinnt, wurden von Anfang dieses Jahre» bis Ende September 8002 offene Stellen zur Besetzung gemeldet gegen 7181 im gleichen Zeit- raume de» Vorjahre». Die Dermittelungsziffer, die im vorigen Jahre 2255 war, wach» in diesem Jahre bi» ult. September auf 2743 an. Ein steigende» Berhältuiß ist auch von der Zahl der Bewerber zu verzeichnen, indem 1897 rund 800 ftellesucheode HaudlungSgehülfen mehr fich anmeldeten. Au» vorstehenden Zahlen ist die erfreuliche Thatsache zu ersehen, daß die für Principale wie HandlungSgehülfen völlig kostenfreie Stellenvermittelung immer mehr und mehr von deu Firmen Deutschland» benutzt wird. Der Verband unterhält zur wirksamen Entfaltung seiner Stellenvermittelung Geschäft»- stellen an allen größeren Plätzen de» Deutschen Reiche», wie Berlin, Braunschweig, Bre»lau, Chemnitz, Dresden, Erfurt, Frankfurt a. M., Glauchau, Halle, Hamburg, Hannover, Köln, Königsberg i. Pr., Leipzig, Magdeburg, München, Nürnberg. E» kann somit die Stellenvermittelung de» Verbände», die fich auch auf» Ausland und auf überseeische Plätze erstreckt, allen kaufmännischen BerufSgenoflen angelegentlichst empfohlen werden.
* Der blaue Frack ist da! Eigentlich schon lauge- aber gewiffermaßen amtlich wird er im kommenden Januar auf >cr Bildfläche erscheinen. DaS Präfidium der tm Januar n Wien zu eröffnenden Kochkunst-AnSstellung hat nämlich beschlossen, am Eröffnungstage im „blauen Frack au» dem Jahre 1848" zu erscheinen und diese» Kleidungsstück in der Folge bei allen außerordentlichen Gelegenheiten al» Fest-
gewaod zu tragen. Vielleicht steht gar Derther» Leiden»' costüm io AuSficht, wie e» Goethe beschreibt: „gestiefelt i« blauen Frack mit gelber Weste*. Mit dieser Wiedereinführung de» blauen und Verdrängung be» langweiligen, wenn auch sehr praktischen schwarzen Fracke» kann mau fich rinverstaobeu erklären, vorausgesetzt, daß der „blaue Frack au» dem Jahre 1848* nicht den entsetzlich hohen Kragen bekommt und sonst auch modern zierlich auSfieht. Der blaue Frack ist übrigen» nie ganz verschwunden. Mitte der 60er Jahre etwa trag man ihn in Deutschland auch, sogar mit gelben Metall- knöpfen.
litcratnr uufc Kutttt
— Patentwesen, Muster- und Waarenzetchenschntz von Otto Sack. Mit drei Abbildungen. In Cngtnal:Urtncnbrab Mk. 2.50. Verlag von I. I. Weber in Leipzig. Biele Erfinder begehen zu ihrem größten Schaden den Fehler, daß sie die gemachte Erfindung ohne Weiteres für neu ansrhen und fich nicht die Mühe geben, selbst eine Vorprüfung darüber anzustrllen, ob die Ersmdun» neu ist oder nicht. ES kommt eben hierbei daraus an, den Kernpunkt einer Erfindung richtig zu erfaffen. Bersasier de» vorliegenden BucheS, Patentanwalt und vereideter Sachoerftändtger für Palentun d Gebrauchsmusterschutzwesen am Landgericht zu Leipzig, legt den Schwerpunkt darauf, die verfchiedenen Gesetze zum Schutz de» gewerblichen geistigen Etgenthums von der praktischen Seite kurz und allgemein verständlich zu «rläulern, so daß unter Anführung von Beifpielen die Gestaltung der Gesuche um Erlangung von Schutzrechten, sowie die Vorgänge, die sich während der amtlichen Behandlung der Schutzgesuche abspielen, richtig aufgefaßt werden können.
— Deutsche« Seesischeret-Vlmauach für 1898. Heraus- gegeben vom Deutschen Seefischereiverein. Mit 93 Abbildungen unb zwei Karten. In Leinwand geb. Mk. 4.50. Verlag von I. I. Weber in Leipzig. Mit dem WachStbum der deutschen See- und Küstenfischerei machte sich daS Bedürfniß immer fühlbarer, den Kreisen, die durch Beruf ober sonstiges Inter sie in Beziehung zur Seefischerei stehen, alle diejenigen technischen und statrsttschen Angaben, sowie diejenigen G-setze und Verordnungen in handlicher Form zugänglich zu machen, die für die Seefischerei von Bedeutung sind. Der Deutsche Seefischereiverein hat, mit Unterstützung durch Behörden, Vereine und Private, das gesammte einschlägige Material in einem Seefischerei-Almanach vereinigt. Derselbe stellt daS gesammte Material an Gesetzen, Verordnungen und Verfügungen deS Reiche», der einzelnen deutschen Küstenstaaten, sowie der an die See stoßende» Provinzen des preußischen Staates zusammen, so weit die Küsten- und Hochseefischerei irgendwie davon berührt wird. Der die Grund- riffe der Nautik gebende dritte Theil umfaßt auch Tafeln zur Berechnung der geographischen Breite, Gezeitentafel, Flutconstantm, Sturmsignale, ein Capitel über die Rettung Schiffbrüchiger unb eine mit instruktiven Abbildungen bereicherte liebetftdjt der Fang- geräthe.
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Für den Vorstand: Dr. Naumann, Pfarrer.
der Actienbraucrei Gießen.
Indem ich zu freundlichem Besuch meiner Lokalitäten einlade, em. pfehle ich mich Hochachtungsvoll
Wilhelm Gerhardt
Bleichstrasze 31«
Sonntagsverein für Mädchen.
Die Vereinigung der Mädchen am Sonntag soll für das Winter- Halbjahr am nächsten Sonntag, deu 7. November, wieder ihren Anfang nehmen.
Die Vereinigung findet statt an jedem Sonntag zwischen 2 und 7 Uhr Nachmittags im Saale der Kleiukiuderschule; die Mädchen Annen nach Belieben zu jeder Zeit kommen und gehen; von i/t4 Uhr bi» 8/»5 Uhr findet gemeinsame Unterhaltung statt mit Gesang, Ansprache, Dotträgen.
Gute unterhaltende Bücher und Spiele sind in großer Zahl vorhanden.
Eröffnungsfeier am Sonntag, deu 7. November, Nachmittags 4 Uhr.
Wir laden die Mädchen zu zahlreicher Betheiligung ein, und bitten Ettern, Herrschaften und Geschäftsinhaber, ihre Mädchen auf den Sonntagsverein Hinweisen und denselben die Theilnahme gestatten zu wollen.
Gießen, den 3. November 1897.
Der geschäftsführende Ausschuh
Dingeldey. Dornseiff. E. Kauffmann.
Oberhksfischer Verein für innere Mission.
Jahresfest zu Gietzen:
Mittwoch, den »«.November, Nachmittags 3 Uhr: Sitzung des Vorstandes und der Synodalvertreter in dem oberen Saal der Herberge zur Heimath. Referat von Herrn Pfarrer Weimar-Münzenberg über: Stand und Pflege der Sittlichkeit auf dem Lande. Zutritt auch anderen Vereinsmitgliedern gestattet.
Abends 6y4 Uhr: Festgottesdienft in der Johanneskirche. Herr Pfarrer D. Hackenschmidt aus Straßburg.
Abends SVi Uhr: Freie Abendversammlung in Steins Garten.
Donnerstag, deu 11. November, im Confirmandensaal der Johanneskirche: Vormittags 10 Uhr: Morgenandacht. Herr Pfarrer Walz au» Lang-Göns. Referat von Herrn Professor D. Stamm über. Die innere Mission nnb bie Gebildeten. Discussion. 10168
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Gießen, den 5. Novbr. 1897.
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