Nr. 262 Zweites Blatt. Sonntag den 7. November 189?
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Cotafcs und Kronrnrielle».
A Darmstadt, 2. November. Scheffel-Denkmal. Ja der letzten Sitzung de» Scheffel«Denkmal-Au»schuffeS zu Säkktugeu, der alten Waldstadt am Oberrhein, wurde, wie man uns mittheilt, der Beschluß gefaßt, bet denjenigen Scheffel-Freunden und Gönnern der Denkmalssache, welche bisher noch mit Gaben zurückgehalteu haben, eine sogenannte „Haussammlung", wie sie von einem Darmstädter Verehrer der Scheffel'schen Muse bethätigt worden ist, auch dort zu veranstalten. Mit der Ausführung einer solchen Sammlung sind sechs AuSschußmitglieder betraut, die gegenwärtig zur persönlichen Empfangnahme freiwilliger Spenden vorstellig werden. ES ist nicht zu zweifeln, daß die Säkkinger Opfer, Willigkeit sich diesmal ganz besonders bethättgen wird, gilt es doch, da- Andenken des Mannes zu ehren, durch dessen herrliche Dichtung der Name „Säkkingen" weltbekannt wurde. — Bis Ende September l. I. find etwas über 8000 Mk. eingegangen, die Stadtgemetvde bewilligte 5000 Mk. Die Einweihung des Denkmals, für welches 30« bis 40 000 Mk. erforderlich werden, hofft man im Frühjahre k. I. vollziehen zu können. Wir schließen mit der letzten Strophe des Gedichts des LtebltngSdichterS des deutschen Volkes, Jos. Victor v. Scheffel „Wiedersehen in Rom", abgedruckt im „Trompeter von Täkktngen":
„Liebe und Trompetenblasm Nützen zu viel guten Dingen, Liebe und Trompetenblasen Selbst ein adlig Weib erringen; Liebe und Trompeteblasen, Mög' eS Jedem so gelingen Wie dem Herrn Trompeter Werner An dem Rheine zu SSkkingen!"
* Wetzlar, 4. November. Der Stadtverordnete Josef Raab von hier hat aus Dankbarkeit für die Genesung von schwerer Krankheit seiner Vaterstadt Wetzlar ein Capital von 1 5,000 Mk. überwiesen und bestimmt, daß diese-Ver- mächtniß zum Gedächtniß an seine Ehefrau „Eltsesttftung" benannt werde. Die Zinsen aus dieser Stiftung sollen zur Unterstützung an solche bedürftige Einwohner der Stadt, ohne Rückficht auf deren Religion verwendet werden, die keinerlei Unterstützung aus öffentlichen Armenfonds beziehen können. Diese Stiftung soll von vier Stadtverordneten, drei evange- lischen und einem katholischen, unter dem Vorsitze des Bürger« melstrrs oder eines Beigeordneten verwaltet werden. Diese Commission ist nach jedesmaliger Neuwahl der Stadtverordneten neu zu wählen, oder zu ergänzen.
Feuilleton.
Der Garten im November.
Von I. C. Schmidt, Erfurt.
(Nachdruck verboten.)
ES ist winterlich geworden, die letzten Blüthen des Herbste- find dahingestorben und die bunten Beeren, welche wir im vorigen Monat noch in reicher Zahl an manchen Bäumen und Sträuchern bewundern konnten, treten nur noch fpärltch hervor; die meisten von ihnen haben bereits den herumstreichenden Sängern al» Nahrung gedient. Das bunte Herbstlaub, welches dem Garten im October zu eigenartigem Retz verhilft, ist von den Bäumen gefallen und modert bereits auf dem Composthaufen. Baum und Strauch werden kahl, das Winterobst ist geerntet und nur hier und da erinnern einige trockene Blätter, ein unerreichbarer Apfel oder eine vergeffene Traube im Laubengange an die entschwundene Pracht de- Somm t8, an den Segen des Herbstes. Alle Reize, welche in schöneren und besseren Tagen den Garten auszeichneten, hat die rauhe Witterung hinweggefegt? nichts ist von ihnen geblieben. Statt leuchtender Rosen starren uns harte, spitze Dornen hingegen. Rauher Sturm fährt durch da- kahle Gezweig, die trockenen Aeste, die letzten dürren Blätter herunterreißend. Dem WachSthum ist die Ruhe gefolgt- überall ist Tod eingezogen, aber bloß scheinbarer Tod, denn nur wenige Pflanzen fallen dem Winter wirklich zum Opfer- die meisten ruhen schlummernd, um im kommenden Jahre mit frisch verjüngter Kraft zu sprossen und zu blühen.
Der wahre Gartenfreund wird auch in den traurigen Novembertagen feine Lieblinge nicht vergessen. Wo er früher
* Jungen Leuten, die sich eine gute Stellung verschaffen wollen, kann dar Einschlagen der landw. Bureaubeamtenlaufbahn sehr empfohlen werden. Die Stellen al- landw. Rechnungsführer, Guts- und AmtS- fecretär haben noch nicht unter Ueberfülluug zu leiden und werde« techifch geschulte Beamten noch stets gesucht. Eine anerkannt fachmännische Ausbildung zur späteren Bekleidung solcher Stellen erhält Jeder auf dem einen guten Ruf genießenden landw. Technikum zu Leichlingen (Rhein- Provinz). Das Technikum verlangt von den Theilnehmern eine gute, moralische Führung und erhalten auch Alle, die Diesem entsprechen, von hier aus Stellung. Zur Ausnahme genügen die Kenntnisse einer Volksschule. (S. Inserat.)
• Ein Fortschritt in der Hygiene. Die Wissenschaft hat in neuester Zeit mit zweifelloser Sicherheit festgestellt, daß gewisse Krankheiten, und ebenda gerade die gefährlichsten, namentlich auch Hautkrankheiten, häufig durch Gegenstände übertragen und verbreitet werden, welche entweder von dem betreffenden Kranken selbst, oder auch nur von Personen berührt wurden, die um den Kranken beschäftigt waren. Bet drohenden Epidemien treffen deshalb staatliche wie Gemeindebehörden umfaffende Maßregeln, um Gegenstände und Effecten, die etwa tnficirt sein könnten, so schnell als möglich unschädlich zu machen. — Damit ist aber auch daS Können der permanenten AuffichtSorgaue erschöpft. In daS Privat- unb Familienleben des Einzelnen einzugreifen, verbieten ihnen Verfasiung und Gesetz. Gerade diese letztere Schranke aber erhöht umsomehr die Pflicht deS Einzelnen, selbst alle- zu thun, was in seinen Kräften steht, um sowohl die eigene Person und Familie, als auch deu Nächsten vor schwerem Unheil zu bewahren. Manche- ist auf diesem Gebiete schon geschehen- Vieles bleibt zu thun noch übrig. Namentlich ist eS ein Artikel, der fich ganz besonders zum Uebertragen von Krankheiten eignet, da er sowohl in den Palast deS Reichen, wie in die Hütte der Armuth ungehindert seinen Einzug nimmt und dabei durch die verschiedensten Hände geht, ohne daß bis jetzt auch nur das Geringste geschehen, um einer Gefahr wie die vorher angedeutete, vorzubeugen — „DaS tägliche Brod." — Während alle übrigen Lebensmittel, die wir kaufen, in Papier etngeschlagen oder anderweit verpackt werden, erhält man daS Brod ohne irgend welche Verpackung und genießt es, ohne die Rinde desselben besonders sorgfältig auf ihre Sauberkeit zu prüfen, obwohl dies manchmal doch recht nothwendig wäre. Dem Brode besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden, erscheint schon deshalb geboten, weil die mit dem Ueberbringen des BrodeS betrauten Personen gewöhnlich auch mit der Sorge für die Zugthiere de» Brodwagens, für Hunde und Pferde, betraut sind und häufig
des Morgens stand, erblühende Reize zu bewundern, da muß er jetzt schützen gegen harten Frost. Zarte Nadelhölzer werden in Decken gehüllt, die Rosenkronen in die Erde eingeschlagen oder sonst eingebunden, die Reben vom Spalier genommen und in Stroh gehüllt, zarte Blüher auf FrühltngS- beeteu mit Tannenzwetgen bedeckt, mit Zwiebeln bepflanzte Gruppen mit kurzem, halb verrottetem Dung überzogen. Bevor strenger Frost eingetreten ist, muß überall der ooth- wendige Wtnterschutz geboten worden fein- dann unterzieht man den Garten gründlicher Reinigung und erst darauf darf man die Hände in den Schoß legen, um mit gutem Gewiffen beffere Tage abzuwarten. Ist die Witterung günstig, so giebt eS im Freien noch Arbeit mancherlei Art. Im Gemüsegarten wird dann noch gedüngt und rigolt, im Obst- und Ziergarten noch gepflanzt- dann beginnt der Obstbaum- und Gehölzschnitt und auch die Gehölzegruppen können bei frost- freiem Boden schon gegraben werden. Die Arbeiten, welche wir jetzt ausführen können, sollen wir auch möglichst rasch beenden, denn im Frühling, wenn überall drängende Arbeit Kopf und Hand des Gartenfreunde- wieder voll in Anspruch nimmt, wird man es angenehm empfinden, durch vorbereitende Thätigkeit Erleichterung geschaffen zu haben.
Zu Beginn des Winters soll der Rasen sauber und kurz fein, weil er sonst in nassen Wintern auSfault und dann im Frühjahr erneuert werden muß. Man entferne daher die von Bäumen gefallenen welken Blätter wiederholt mit Harke oder Besen vorsichtig, d. h. ohne Verletzung der Grasnarbe und beschneide daS GraS bei trockenem Wetter möglichst noch ein letzte» Mal mit der Maschine. Dann beginnt die Düngung- am besten gute Eompost- ober Mtftbeeterde, bünn über bie grüne Fläche geworfen unb bann mit ber Harke so vertheilt, baß baS Gras nicht ersticken kann. Wo viel I MooS auftritt, da lege man die Rasenflächen durch Auffüllun- |
genug z. B. an bem Zuggeschirr etwas zu ordnen finden, ohne daß die Leute jedoch im Staude wären, fich, ehe fie hinterher das Brod berühren, erst wieder die Hände zu waschen. Indessen ist dies nur die eine Seite der Nachtheile, welche uns bei der bisherigen Behandlung des BrodeS bedrohen, die andere liegt darin, daß, wie schon Eingang- erwähnt, alle möglichen schädlichen Mikroben und sonstigen Krankheitserzeuger fich an die Brodrtnde anhaften und von uns mitverzehrt werden können, ohne daß wir auch nur im Geringsten eine Ahnung davon haben. Diesem Uebelstande nun soll durch eine, unter Nr. 60,129 geschützte Brodhülle auS Papier ein Ende bereitet werden. Die Brode werden bald, nachdem sie aus dem Ofen gekommen, wo die Hitze schon etwa vorhanden gewesene AnfteckungSstoffe vernichtete, in die Hüllen hineingeschoben, diese an beiden Seiten zugedreht und nun bleibt baS Brob vollftänbig sauber und ist auch ben hygienischen Ansprüchen gemäß zu transportireu. — In Cassel, Hannover, HilbeSheim, Braunschweig rc. haben bereits mehrere Brobfabriken unb Bäckereien bieselben eingeführt, sehr zur Zufriebenheit threr.Kunbschaft. Wir glauben, baß jebe Hausfrau, welcher baS Wohl ihrer Familie am Herzen liegt, biefc Neuerung mit Freuben begrüßen und fich nicht bedenken wird, einen kleinen Prei-auffchlag für bie Hüllen zu tragen, wenn fie baburch einem Uebelstanbe abhelfen kann, ber uns burch bie alles bewältigende Macht der Gewohnheit gutgeheißen unb so lange gebulbet werben konnte.
* Das Zeichen der Zeit iw Antlitz. Gewöhnlich finden sich bie Gesichtsfalten mit 40Jahren ein. Senkrechte Falten zwischen ben Augen beuten auf Nachbenken ober Sorgen. Gebogene Runzeln auf ber Stirn über ber Nasenwurzel, bie zwischen ben eben genannten senkrechten Falten beginnen, unb beSgletchen wagerechte Runzeln auf ber Stirn sprechen von schweren körperlichen ober geistigen Leiden. Die sogen. Krähenfüße neben den Augen find ein Zeichen, daß daS 35. Jahr überschritten ist, während bie von ben Nafen- winkeln auSgehenben Runzeln, von benen bie ersten zu ben Munbwiukeln gehen, von einem vorgeschrittenen Alter erzählen. Ebenso find die Runzeln am Kinn unb in ber Nähe ber Ohren Zeichen von hohem Alter. Runzeln an den oberen Augenlibern berichten von Kummer unb Sorge. Maler, bie, um zu schmeicheln, bie Runzeln weglassen, unb Photographen, bie sie fortretouebieren, verwischen baburch bie Inschrift beS Antlitzes, deren künstlerifche Wiedergabe einem Porträt geistige Prägung verleiht. Daher kommt e», baß ein mit alle« Einzelheiten gemalter Characterkopf stets burch feine Wahrheit wirkt, wogegen ein „verschönertes" Angesicht einen kalten unb seelenlosen Einbruck macht, weil man bie Runenschrift vermißt, bie ba- Leben darauf gezeichnet hat.
gen höher unb bamit trockener ober sorge für rationelle Drainage beS Bodens. Für vermooste Rasenflächen empfiehlt fich Holzasche.
Der November ist der beste Pflanzmonat für Obstbäume, besonder» für alle leichteren, warmen Böden. Mit dem Einpflanzen beginnen wir so zeitig wie möglich, dann können die Obstbäume vor Winter noch neue Wurzeln bilden unb treiben im fommenben Frühjahr rascher auS. Bei allen im Herbst gepflanzten Bäumen wirb bie Baumscheibe mit Dünger belegt, ein Angießen empfiehlt sich nur in sehr rrockenev Böben. Je zeitiger wir unsere Baume in ben Baumschulen bestellen, je größere Auswahl ist bort unb desto schönere Exemplare erhalten wir. Unb nun ein paar Winke für Besteller von Obftbäumen: Pfirsiche, Aprikosen, beziehe man erst im Frühjahr. Von Birnen, Aepfeln, Kir- scheu verlange man stets junge Bäume, ein alter starker Stamm wächst stets schlecht an.
Zu ben erprobten Neuheiten ber letzten Jahre kann man bie folgenben Sorten zählen:
Ein Apfel, ben man wohl ben schwersten unb größte« der Welt nennen kann, ist der „Prinz Albert". Er trägt schon im 2. unb 3. Jahre Riesenfrüchte unb bilbet eine SehenSwürbigkeit in jedem Obstgarten. Ei« eigentlich feiner Tafelapfel ist er nicht, aber ein vorzüglicher WirthschaftS- apfel, unb als solcher ist er zum Großanbau sehr zu empfehlen.
AlS ein wirklich wohlschmeckenber feiner Apfel ist ber Himbeer-Apfel von Holovous zu betrachten. Er bnftet und schmeckt nach Himbeeren. Die Frucht ist mittelgroß unb herrlich gefärbt. Sie hält fich bis in ben Februar.
Als ein Spiel ber Natur stellt sich Riha'S Butterbirne bar. Sie hat keine Kerne unb kein Kernhaus. Im Uebrige« I ist fie eine hochfeine Tafelbirne.


