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Fälle» zur Anwendung gebracht wurde, ist trotz des raschen Umsichgreifens der Epidemie nur ein einziges Kind zum Opfer gefallen, während früher bet ähnlichem Auftreten der Diphtherie stets eine größere Anzahl von Sterbefällen vor­zukommen pflegten. Also hat auch diese so gefürchtete Krankheit einen Theil ihrer Schrecken verloren, sobald be­ben ersten Anzeichen sofort ärztliche H lfe etugeholt wird. Gewiß eine angenehme Beruhigung für Eltern!

-h- Wolfersheim, 5. Januar. Das alte Jahr sollte für eine hiefige Familie nicht zu Ende gehen, ohne einen schweren Ungücks fall gebracht zu haben. Ein 28jähriger Bursche hatte das Pferd zur Schmiede geführt, um es be schlagen zu lasten, was bet dem betreffenden Thier wegen seine- unbändigen Wesens immer eine schwere und gefahc- volle Arbeit bedeutet. Nachdem zwei Hufeisen mit Mühe abgerissen waren, schien sich das Pferd beim dritten nicht mehr fügen zu wollen. Der in Rede stehende Bursche lieh ihm daher erst einmal eine wohlverdiente Züchtigung an­gedeihen - aber schon im nächsten Augenblick nahm das Thier furchtbare Rache für die empfangenen Hiebe. Als der Mann im Begriffe war, das ZüchtigungSinstrument bet Sette zu stellen, erhielt er einen so wuchtigen Tritt wider die Magengrube, daß er besinnungslos zu Boden fiel und für tobt weggetragen werden mußte. Nachdem er wieder zu Bewußtsein gekommen, stellte der alsbald herbetgeholte Arzt fest, daß der Getroffene eine Verletzung der Leber da- vongetragen und außerdem sich eine ganz bedeutende Menge Bl«t in die Bauchhöhle ergossen hat. Obwohl der Unglück­liche sehr geschwächt darniederltegt, so ist doch Hoffnung vor­handen, ihn am Leben zu erhalten.

F. Au» dem Kreise Friedberg, 4. Januar. Es kommt vor, daß Leute Wltze wachen, indem fie behaupten: Dieser oder Jener habe die Maul- oder Klauenseuche be­kommen. Die Sache hat eine sehr ernste Seitz, denn eS ist auch in unserem Kreise vorgekommen, daß Leute, die mit verseuchtem Vieh zu thun hatten, ohne die nöthige Vorsicht zu beachten, angefteckt wurden und recht empfindlich darunter zu leiden hatten. Wir rathen daher dringend au, mit diesen ernsten Dingen nicht zu spaßen, sondern recht vorsichtig bei Behandlung der erkrankten Thiere zu sein.

Ruppertenrod, 4. Januar. Die Unsitte deS Schießens in der Neujahrsnacht hat hier bet einem jungen Burschen tldle Folgen nach sich gezogen. Derselbe, der Sohn einer ohnehin vom Schicksal schwer heimgesuchten Wittwe, versuchte in einer Gastwirthschaft, auf ein geladenes Terzerol ein Zündhütchen zu setzen. Hierbei hielt er die Hand vor die Mündung des geladenen Laufes. Plötzlich krachte ein Schuß, die Waffe hatte sich entladen und die ganze Ladung war dem unreifen und unvorsichtigen Schützen mitten durch die Hand gegangen. Die Verletzung ist nicht leicht, da der Knochen des Mittelfingers zerschmettert wurde. Mög­lichen Falls behält der Junge für sein Leben eine steife Hand und damit die Warnung für sich und Andere: spiele nicht mit Schießgewehr!

Darmstadt, 2. Januar. Prinz Ludwig von Battenberg wurde zum Ehren - Marineadjutanten der Königin von England ernannt.

Offenbach a. M., 5. Januar. Der allgemeine Verband der deutschen landwirthschaftltchen Genossen­schaften petitionirt bei dem preußischen Staatsministerium wtib dem Abgeordnetenhaus^ darum, die landwirthschastlichen Heuoffenschasten in der Handelskammer-Novelle von der Beitrag,pflicht zu den Handelskammern zu befreien, dagegen die staatlich bestätigten Revifionsverbäude der Genossenschaften als GeuoffenschaftSkammern zu behandeln und den Handels­kammern gleichzustellen.

Aul Rheinhessen, 3. Januar. Der landwirthschaftliche

Verein für die Provinz Rheinhessen hat beschlossen, bei der in diesem Jahre in Hamburg stattfindenden Ausstellung der deutschen Landwirthschaftsgesellschaft eine Weinkosthalle für rheinhessische Weine zu errichten. Im Ganzen sollen höchstens 10 Sorten sorgfältig ausgewählter typischer rheinhesfiscker Weine zur Beschickung zugelaffen werden.

Citeratur und Aunft.

De» nette Jahrgang btt »Gartenlaube.* Jahrzehnte find verflossen, fetldem die(Gartenlaube* In raschem Fluge zu dem beliebtesten deutschen Volks- und Familienblatie geworden ist und unter den Deutschen nicht nur in der H/irnath, sondern auch in allen Erdthetlen eine geradezu beispiellose Verbreitung erlangt hat. Jahrzehnte sind verflossen und die Zetten haben sich geändert, aber trotzdem ist dieGartenlaube" das verbreitetste llluUrirte Famtlien- blatt, nach wie vor ein Lteblingsgast im deutschen Hause. Ein so dauernder Erfolg kann nicht auf einem Glück ssall beruhen, er ist der Lohn einer ernsten, pflichtbewußten Arbeit. In der Thal haben die Leiter derGartenlaube" ihre schwierige Ausgabe stets mit der wärmsten Hingabe für die Jntereffen des deutschen Volkes und der deutschen Familie zu erfüllen gewußt. Das Ziel, weiteste, ver­schiedenartig zusammengesetzte Volksschichten durch guten Lesestoff zu f ffeln, fie nach des Tages Last und Mühe zu unterhalten und zu­gleich durch Belehrung zu erheben, hat dieGartenlaube" niemals aus den Augen verloren und auch glücklich von Jahr zu Jahr er­reicht. Am 1. Januar begann ein neuer Jahrgang derGarten­laube" und aus dem Prospect, den Redaction und Verlag veröffent­lichen, können wird mit Genugthuung ersehen, daß dieGarten­laube" auch im nächsten Jahrgang ihren alten Ruf bewähren wird. Wie statistische Erhebungen in Leih« und VolkSbtbliotheken gezeigt haben, werden gegenwärtig die Romane und Novellen von W. Heim­burg vom Publikum am häufigsten verlangt und gelesen. Weiteste Leserkreise werden also mit Freuden die Nachricht entgegennehmen, daßTrotzige Herzen", der neueste Roman von W. Heimburg, den nächsten Jahrgang derGartenlaube" eröffnen wird. Daran werden sich u. A. anschließen:Hildegard", Roman aus der Zeit der Hexen- proceffe von Ernst Eckstein,Die Hansebrüder", Zeitroman von Ernst Muellenbach (Ernst Lenbach),Unter der Linde" Novelle von Wilhelm Jensen,Auf dem Kynast", Erzählung auS den Befreiungs­kriegen von R. v. Gottschall undDas Tagebuch", Humoreske von Hans Arnold. Schon aus diesen Beispielen kann man ersehen, wie die Romane und Novellen derGartenlaube" frei von jeder Ein­seitigkeit in der Auswahl, nach verschiedenen Richtungen hin das LesebedÜrfniß befriedigen sollen. Das Programm des belehrenden Theiles derGartenlaube" ist nicht minder glücklich ausgefallen. Wir begegnen in ihm Namen von bestem Klange, denn es ist der Gartenlaube" gelungen, einen Kreis hervorragender Gelehrten für die Mitarbeit an der Belehrung des Volkes zu gewinnen. Wir heben hier nur einige der angekündigten Beiträge hervor:Gesund­heit und Kleidung" von Prof. H. Buchner (München),Die trau­matische Neurose" von Prof. Paul Fürbringer (Berlin),Die Seh­schärfe der Naturvölker" von Prof. Herrn. Cohn (Breslau),Der Liebeszauber" von Prof. Max Haushofer (München),Auf den Goldfeldern Australiens", nach Mittheilungen von Bergrath Schweißer (Aachen) undDie Südpolforfchung" von Prof. Sophutz Rüge (Dresden). Das Programm verspricht ferner, daß die so allgemein beliebte Rubrik der kleinen illustrirten Mittheilungen und Winke für allerlei nützliche Beschäftigungen und Arbeiten im Hause be­deutend erweitert werden wird. Dieser so reichhaltige Inhalt, der noch durch einen sorgfältig hergestellten künstlerischen Bitderschmuck gehoben wird, muß auch den weitgehendsten Ansprüchen genügen, und so können wir unseren Lesern dieGartenlaube" an der Jahres­wende mit gutem Gewissen als ein gediegenes, Belehrung und Unterhaltung im reichsten Maße bringendes Familienblatt empfehlen.

Eingesandt.

Gieße«, den 6. Januar 1897.

DaSEingesandt" des Herrn Pfarrer Schlosser in Nr. 3 dieser Zeitung enthält eine ganze Reihe unwahrer Behauptungen. Zur Feststellung und Zurückweisung derselben wird der geeignete Weg betreten werden, wenn diese Angelegenheit auf dem Verwaltungs­wege, woselbst fie am 15. December vorgelegt wurde, ihre Ent­scheidung gesunden hat.

Bayer, Pfarrer.

Von einer Reise zurückgekehrt, lese ick soeben Herrn Pfarrer SchlofserS Anrempelung in Ihrem geschätzten Blatte vom 5. d. Mts. Dieselbe hat mir nur ein mitleidiges Lächeln entlocken können. Alles, wasder Eaplan" nach jenemWeckruf des öffent­lichen Gewissens" anrömischen Practiken" verbrochen haben soll,

ist vom ersten bis zum letzten Buchstaben aus der Luft gegriffen und unwahr, ob mit oder ohne befiere Kenntniß deS Verfasser-, laffe ich dahing-stellt. Im Uebrtgen lehne ich es ab, Herrn Pfarrer Schlosser als Richter meiner Thäligkeit anzuerkennen. Dazu hat et weder ein Reckt noch den Beruf; auch dürfte es gar sehr am noch» wendigen Verständnitz fehlen, wie die letzte Leistung bekundet. Ebenso­wenig kann ich mich natürlich auf den von ihm ausosuchten Balg- platz zu ihm berablaffen. Also möge er sich in Zukunft weitere phrasenreiche Ergüsse seiner Römerangst sparen.

Kronenberger, Caplan.

In einer Villa auf dem Seltersberge wird ein, übrigens schöner, weißer Foxterrier gehalten. Gegen diese Tbatsache ist nun nichts einzuwendcn, im Gegentheil ist Einsender dieses der Ansicht, daß besonders für alleinstehende, ältere Frauen ein treuer, wachsamer Hund einen nicht gering anzuschlagenden Schutz bildet und außerdem durch seine selbstlose Anhänglichkeit (bei guter Be­handlung!) zur Quelle mancher Freude wird. Dagegen können wir uns nicht damit einverstanden erklären, daß besagter Hund seit einiger Zeit jeden Morgen von ca. 6 bis 7 Uhr durck fein an­haltendes rauhes und nichts weniger als melodisches Bellen die Nachbarschaft im Morgenschlummer stört. Besonders unseren Kleinen, die durch die Schule recht sehr angestrengt werden, ist es absolut nicht zuträglich, wenn ihnen durch jenes nervenaufregende Gekläff eine Stunde des so überaus nothwendigen Schlafes entzogen wird. Mancher Kranke wie wir hören, wohnt sogar in genannter Villa eine schwerleidende Dame; dieselbe ist jedoch nickt die Be­sitzerin des Hundes findet erst gegen Morgen kurzen Schlummer und hat durck diese tägliche Störung unsagbar zu leiden. Wir glauben deshalb mit Fug und Recht darauf dringen zu dürfen, daß Bern gerügten Uebelftanb abgeholfen werde und geben der Eigen- thümerin des Köters den Rath, denselben in der Dunkelheit und Kälte des frühen Morgens, wo es ihn offenbar friert, nur für einige Augenblicke ins Freie zu laffen; hinter dem warmen Ofen wird er sicherlich zufrieden fein, und der Nachbarschaft keinen Anlaß »u Klagen geben.

Ein Menschen- und Thierfreund.

Wöchentliche Ueberstcht der Todesfälle in Gieße».

53. Woche. Vom 27. December bis 31. December 1896.

Einwohnerzahl: angenommen zu 23 000 (tnd. 1600 Mann Militär).

SterblichkettLztffer: 29,39, nach Abzug der Ortsfremden 13,56°/«.

Kinder

ES starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom

1.Lebensjahr: LIL.Jahr:

KrebS 3 (2)

3 (2)

Gehirnleiden 1 (1)

1 (1)

Lungenschwindsucht 1

1

Lungencatarrh 2

2

Herzfehler 1

1

Zellgewebsverhärtung 1 (1)

1 (1)

Diphtheritis 2 (2)

2 (2)

Summa: 11 (6)

6 (3)

3 (1)

2 (2)

1. Woche. Vom 1. bis 2. Januar 1897. Sterblichkettsziffer: 20,35°/«.

Lungenschwindsucht 11

Lebererkrankung 11

Unbekannte Krankh. 1 1__~

Summa: 3 3.

Anm. Die in Klammern gesetzter: Ziffern gebe« an, wie viele bet Todesfälle in der betreffenber. Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.

MechttcheAnzeigen de» evangGeinernde.

Donnerstag den7.Januar, Abends 8Uhr, im Confirmandens saal (Neustadt 61): Missto«»stu«de Über: Das Christenthum in Japan. Pfarrer Schlosser.

Verkehr, Canft* rrrrd

stmpur- 5. Januar. Fruchtmarkt. Rother Weizen X 13.85, weißer Weizen X 00.00, Korn ** 9.85, Gerste X 0.00, Hase X 5.30.

Kunst-Ausstellung, M.Y'M

Nähme des Samstags, von 11 bis 1 Uhr, am Mittwoch auch noch von 3 bis 5 Uhr. GormtagS unrrnterbroche« von II bi» 3 Uhr. Eintrittspreis für Nichtmitglieder an Werktagen 50 Pfzs., an Sonntagen 20 Pfg.

Holzversteigerung.

Montag bett 11. und Diens­tag den 12. Januar, jedesmal des Morgens von 9 Uhr an, soll in dem Reiskirchener Gemeinde­wald, Dtstricten Schäferschneise und Fuchsbau, nachverzeichnetes Holz Der* steigert werden:

166,24 fm Bau- und Nutzholz,

3 rm Buchenscheiter,

5 Eichenknüppel,

193,4 rm Nadelknüppel,

38,2 hundert Nadelwellen,

20,6 rm Nadelstöcke.

Bemerkt wird, daß das Brennholz twt ersten Tag, und das Bauholz am zweiten Tag zur Versteigerung kommt tnb daß sich unter dem Bauholz 17 Kiefernstämme befinden, welche sich zu schönen Balken eignen und das übrige größtentheils zu schönen Fichten* fparren und Rüststangen und eine Länge bis zu 23 m haben; auch find darunter schöne Fichtenstämme bis zu 25 m Länge und 1534 cm mitt­leren Durchmesser.

Die Zusammenkunft ist jedesmal m der Tränke beim Fuchsbau.

Reiskirchen, 5. Januar 1897. Vroßh. Bürgermeisterei Reiskirchen.

W a g n e r. 345

| Empfehlungen.

Bürger!. Mittagstisch m 50 im .Rebstock*.

Stöbt Schlachthaus.

Freibank. 344

Heute und morgen:

Dchs-nfleisch

nicht ladenrein, pr. Pfd. «> PI»

Kalbfleisch

nicht ladenrein, per Pfd. 3v Wg.

Schellfisch u. Cabliau

334_____________frisch im -Rebstock*.

Heuchelheimer Mühle.

Heute Donnerstag MetzelsiW Nachmittags 3 Uhr: Wellfleisch.

ends: Wurstsuppe.

Schöne Aussicht.

Heute Donnerstag:

Metzelsuppe.

Morgens r 349 Wellfleisch mit Kraut, wozu freundlichst einladet Albert Kuhnd.

Gummi-Schuhe,

beste Marke, für Herren und Da­men, empfiehlt 322

H. Rübsamen.

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