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Nur im Alpenvorlom , aber unter Tags ° ' Witterung: Sllgemein
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rin halbe- Dutzend dieser Langfinger van den in der Um» gebung vertheilten Agenten festgenommen werden konnte.
Einige der gelungensten Verkleidungen der Geheim« Polizisten find die folgenden: Eines Tages erschien eine Ab» theilung von Pflasterern mit Schiebkarren und Werkzeugen aller Art vor einer alr Diebshöhle bekannten Kneipe. Das Pflaster wurde aufgeriffen, allein die Arbeiter zeigten fich so saumselig, brachten ihre Zeit so gewifienhaft in der benachbarten Kneipe zu, daß dte Bewohner der Straße und namentlich die Geschäftsleute ungeduldig wurden und mit einer Beschwerde an den Gemeinderath drohten. Eine volle Loche war bereits verfloffen, ohne daß das Pflaster in Ordnung gebracht worden wäre. Mit einem Male schienen die Pflasterer es sehr eilig zu haben: fie brachten die Steine in Ordnung und verschwanden bald darauf. Die Geheimagenten, die fich zum Zeitvertreib mit Pflastern beschäftigten, hatten ihre Beobachtungen beendigt und TagS darauf konnte die ganze Diebsbande in der Kneipe festgenommen werden.
Schwieriger fällt es den bescheidenen Agenten offenbar, die Rolle eines Weltmannes zu spielen, wenn dies noth» wendig ist, wie z. B. in dem Falle, wo die Sicherheitspolizei fich Gewißheit darüber verschaffen mußte, ob ein sehr vornehm auftrereuder Herr in einer eleganten Wohnung gestohlene Bilder von hohem Werthe befitze. Zu diesem Be- hufe mußte ein Agent unbemerkt und namentlich unerkannt in die Wohnung dringen können,- und das war nicht leicht, da der verdächtige Gentleman keinen Diener hatte, den man hätte aushorchen können. Eine- schönen TageS erfuhr der Geheimagent, daß die Wohnung oberhalb derjenigen, die er sehen mußte, zu vermiethen sei. Er wartete geduldig einige Stunden, bU die Miether der zu vergebenden Wohnung ausgegangen und die Dienerschaft ihnen gefolgt war. Jetzt sprach er bei dem Hausbesorger vor, um die zu vermiethende Wohnung zu sehen, allein daS war in Abwesenheit der Miether nicht möglich. Dank einem reichlichen Trinkgeld Ueß der Hausmeister fich bewegen, die gleiche Wohnung de- unteren Stockwerkes zu zeigen- der Agent machte einen Rundgang, betrachtete die Bilder und am folgenden Morgen war der Pseudo-Gentleman verhaftet und dte Bilder konnten ihrem rechtmäßigen Besitzer ausgeliefert werden.
Ein anderes Mal hatten zwei Jnspectoren eine Gesellschaft internationaler Diebe zu beobachten, die eben mit dem Erträgniß ihrer Mlsscthaten in'S Ausland flüchten wollten. Sie auf dem Bahnhofe zu verhaften, ging nicht gut, da dte Polizisten nicht zahlreich^genug waren. Deshalb legte einer dte Uniform eines Schaffners an und ließ fich während der Fahrt dte Tickets zeigen. Als er wußte, wohin die Gesellschaft reiste, telegraphtrte er an die betreffende Station, wo zahlreiche Polizisten dte Ausflügler festnahmen.
Die großen Pariser Lreditinstitute werden an wichtigen Zahltagen von Geheimagenten überwacht, die dte Uniformen der Kaffen- oder Hausdiener tragen und dte fich stets sehr
geschäftig zeigen, um desto bester dte Langfinger überwachen zu können, die fich gewöhnlich in dem Gedränge vor den Schaltern befinden.
Dte häufigste Verkleidung der Pariser Geheimagenten ist die als Strolche, Dank der fie Zutritt in gewtffe Ver- brecherkreise erhalten, deren Gehetmsprache sie kennen. Goron erzählt in seinen Memoiren, daß zwei Jnspectoren, die volle acht Tage inmitten des abscheulichsten Gesindels der Place Maubert gelebt, eine ganze Mörderbande sestnehmrn lasten konnten, ohne daß die Kameraden bis zum letzten Augenblicke eine Ahnung davon hatten, wem fie den Berrath zuschreiben sollten. Dte beiden Pseudo-Strolche machten einen so schlechten Eindruck, daß Goron selbst alle Mühe hatte, fie wieder zu erkennen, als sie ihm vorgeführt wurden, und erst daß verabredete Zeichen klärte ihn darüber auf, mit wem er es zu thun hatte. Mit Recht betont der ehemalige Chef der Sicherheitspolizei, daß derartige Leistungen, für dte dte Ge- Heimagenten keine besondere Bezahlung erhalten, große Selbstverleugnung bedingen. Acht Tage lang in den abscheulichsten Spelunken und inmitten des gräßlichsten Ungeziefers zuzudringen, um Miffethäter ausfindig zu machen, ist keine Kleinigkeit.
Dermifd?tes.
* Liue Thierqualerei üben manche Radfahrer dadurch auS, daß fie ihre Hunde auf ausgedehnte Strecken wett hinter fich hertraben lassen. Denn sehr häufig sieht man in den Straßen und namentlich auf Chauffeen die armen Thiere mit lang heraushängender Zunge und dichtem Schaum vor dem Maule hinter dem im schnellsten Tempo dahinjagenden Rade herlaufen. Namentlich für kleine Hunde find solche Strapazen einer unerhörten Thierquälerei gleich zu achten, die leicht den augenblicklichen Tod der Thiere herbeiführen kann. Es müßte daher gegen diese Unsitte nachdrücklich ein- geschritten werden- denn ist e- schon grausam, kleinere Hunde bei heißem Wetter einem Omnibus oder Pferdebahnwagen folgen zu lasten, um wie viel größer ist diese Grausamkeit bei dem schnell dahinsausenden Rade.
* Mannheim, 3. August. Ende Mai d. I. bot der Agent MoseS Krieg auS Grünstadt dem Bataillons- Arzt des 3. Bataillons deS hiesigen Grenadier-RegimentS 500 Mk., falls er dafür forge, daß der Fahrradfabrikant Theodor Heß, der zum dritten Male zur Musterung Gestellungsbefehl erholten hatte, vom Militärdienst freikomme. Krieg stand deshalb heute vor der Strafkammer wegen Bestechung unter Anklage. Er erklärte, nur aus persönlichem Interesse fich für den jungen Heß, mit dessen Vater er befreundet gewesen sei, verwandt zu haben, ohne daß er irgendwie von dem jungen Mann selbst oder dessen Mutter eine Aufforderung erhalten hätte. Ec habe dem Stabsarzt Or. Mendel nicht gesagt, er bekomme 500 Mk., sondern, nachdem er dem Arzte vorgestcllt habe, daß Heß ohnedies
über die Brust zu schmal sei und schon schwere Krankheiten überstanden habe, seine Befreiung vom Dienste also auf durchaus loyale Weise erfolgen könne, am Schluffe bemerk,: „An dem Tage, an dem Heß frei wird, zahle ich 500 Mk." Die Vernehmung des Stabsarztes ergab, daß Krieg sehr zu« dringlich gewesen war und die Summe von 500 Mk. direct angeboten hatte. Die unvereidigt vernommenen Zeugen Theodor Heß und deffen Mutter bekundeten, daß Krieg allerdings schon verschiedene Geschäfte für fie besorgt, aber von ihrer Seite keinen Austrag erhalten habe, irgendwie etwa- zu unternehmen, um Theodor Heß von der Militärpflicht zu befreien. Krieg wurde zu 2 Monaten Gefängniß verurtheilt.
* Poetische Meteorologie. Die Geistesblitze der Schriststeller schlagen am häufigsten in dte Papierkörbe der Redac-ionen ein.
Technische Fortschritte.
— «ebläse Düsen richtet Herman« Biedermann m Wien nach dem ihm ertheilten Patente so ein, daß dte Düte beim Nichtqebrauch geschlossen bleibt und sich von selbst reinigt. Zu dem Zwecke ist dte Düse hinter ihrer Mündung zu einer Kapsel erweitert bezw einer solchen aufgeschraubt, an die sich seitlich dte Lust- oder Wasserleitung anschließt. Diese Kapsel ift innen durch eine Membrane in zwei Tbeile gethetlt, dte einen hinter der seitlichen Düse liegenden elastischen Boden bildet, in dessen Mitte ein in die Düse reichender venttlartiger Dorn befestigt ist. Tritt also dte Luft oder das Wasser mit Spannung in dte Kapsel, so drückt sie die Membrane nach hinten, so daß der Stift die Düseöffnung frei gibt, wogegen bet Abstellung der Zuleitung der Stift wieder in dte Düse eintritt; durch diese Bewegung erfolgt mithin auch eine Reinhaltung der Düsenöffnung. (Mitgetheilt vom Internationalen Patentbureau Carl Fr. Retchelt, Berlin NW. 6).
»ottesdimst in der Synagoge.
SamStag den 7. August 1897.
Vorabend 7*> Uhr, Morgens 8®° Uhr, Nachmittags 4 Uhr, SabbathauSgang 8M Uhr.
Verkehr, uwb Vslkswirthschast«
— Gieße«, 5. August. Auf dem gestrigen Ochsen markt waren etwa 60 bis 70 Fahrochsen aufgetrteben; auch hier ging der Handel sehr gut, so daß der Markt trotz der hohen Preise, dte für das Vieh verlangt wurden, schnell geräumt wurde. Es wurden verkauft dte schwersten Ochsen, die am Markt waren, mit 900 Mk. pro Paar, minder schwere Waare kostete 850—800—780—700 Mk. p o Paar. — Auf dem Schwetnemarkt waren etwa 500 Thiere aufgetrteben, darunter im Gegensatz zu den beiden letzten Märkten viel Ferkel, für welche rege Kauflust vorhanden war. Die verlangtkn Preise hielten sich in den ziemlich hohen Grenzen der beiden letzten Märkte, trotzdem die Kauflust für Ferkel nur sehr gering war und der Markt auch hierin überständig blieb. Fettvieh war weder beim Ochsen- noch beim Schweinemarkt aufgetrieben.
Temperatur der Lahn und Luft
nach Reaumur gemessen am 5. August, zwischen 11 und 12 Uhr Mittags: Wasser 17</,°, Luft 25°.
Rübsamen'sche Badeanstalt.
Bekanntmachung.
Zur diesjährigen Ausführung der Ebelstiftung werden u. A. erforderlich und sollen auf dem Submissionswege bezogen werden:
ca. 25 fertige Anzüge für Knaben,
ca. 60 bis 80 Meter Stoff zu Winterkleidern für Mädchen,
ca. 150 Meter Baumwollflanell bezw. Halbleinen zu Hemden;
ferner soll die Anfertigung von ca. 20 Mädchenkleidern und von ca. 45 Knaben- und Mädchenhemden vergeben werden.
Angebote auf Lieferung der Anzüge und Stoffe, sowie Anfertigung der Mädchenkleider und Hemden sind bis spätestens 14. August d. I., Nachmittags 4 Uhr, bei dem Armenamte einzureichen, woselbst auch Stoffmuster eingesehen werden können.
Gießen, den 31. Juli 1897.
Die Armen-Deputation:
Wolff. 7425
OverheMcher Geschichtsverein.
Das Museum des Vereins im alten Rathhause bleibt bis Ende September für das Publikum vollständig geschlossen.
Gießen, den 5. August 1897. 7405
__Der Vorstand.
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