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Nr. 155 Erstes Blatt
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Gietze«er Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme des Montags.
Die Gießener
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Siebener Anzeiger
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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de, folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.
chratisöeitage: Hießener Kamilienötätter.
Alle Annoncen-Bureaux des In- und Auslandes nehm« i Anzeigen für den „Gießene-r Anzeiger* entgeg«.
Amtlicher LheiL.
Gießen, den 3. Juli 1897.
Betr.: Die Vorschriften des Arbetterfchutz-GefetzeS vom I.Junt 1891 über die Arbeitsbücher und Beschäftigung jugendlicher Arbeiter und Arbeiterinnen.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen a« die Grofth. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.
Nach c II. Abs. 2 der Ihnen zugegangenen gedruckten Anweisung vom 26. März 1892 ist von der Ortspolizei- Behörde in jeder gewerblichen Anlage, welche den Be- stimmungen der §§ 135 bis 139b der Gewerbeordnung vom 1. Juni 1891 unterliegt und in welchen Arbeiterinnen oder jugendliche Arbeiter beschäftigt werden, jährlich mindestens eine ordentliche Revision vorzunehmen.
Hierbei sind folgende Punkte festzustellen:
1) Wie groß ist die Zahl der in der revidirten Anlage zur Zett beschäftigten Arbeiter
a. zwischen 16 und 21 Jahren,
b. zwischen 14 und 16 Jahren, o. unter 14 Jahren?
In allen Rubriken a., b. und c. find diese Zahlen getrennt nach Geschlechtern festzustellen. Außerdem ist, soweit dies thunlich, die Zahl der Arbeiterinnen über 21 Jahre zu ermitteln.
2) Sind sämmtliche minderjährige Arbeiter (mit Ausnahme der unter A III Abs. 3 der Anweisung bezeichneten) mit vorschriftsmäßig ausgefüllten Arbeitsbüchern versehen?
3) Ist in den Arbeitsräumen, in denen Arbeiterinnen über 16 Jahre beschäftigt werden, der Auszug aus den gesetz- ltchen Bestimmungen auSgehängt?
4) Stimmt die regelmäßige tägliche Arbeitszeit au den Vorabenden der Soun- und Festtage und die Mittagspause der Arbeiterinnen über 16 Jahren mit den gesetzlichen Vorschriften (§ 137 Abs. 1—4 der Gew.-Ord.) und mit der, der OrtSpoltzeibehörde erstatteten Anzeige überein?
5) Wird denjenigen Arbeiterinnen über 16 Jahren, welche ein Hauswesen zu besorgen haben, auf ihren Antrag eine lt/zstündige Mittagspause gewährt?
6) Werden nicht Arbeiterinnen entgegen der Vorschrift de» § 137 Abs. 5 der Gewerbeordnung während der ersten vier Wochen nach ihrer Niederkunft beschäftigt oder ist, sofern eine Beschäftigung während der folgenden zwei Wochen statt- findet, da» Zeugniß einer approbirten Arztes, welches diese Beschäftigung für zulässig erklärt, beigebracht wordeu?
7) Sind in den Arbeitsräumen, in denen jugendliche Arbeiter beschäftigt werden, der Auszug aus den gesetzlichen Bestimmungen und da» Derzeichniß der jugendlichen Arbeiter auSgehängt?
8) Stimmen die Angaben diese» Verzeichnisses über Arbeitszeit und Pausen mit den der OrtSpoltzeibehörde gemachten Anzeigen überein?
9) Stimmen die in dem Berzeichniffe eingetragenen jugendlichen Arbeiter mit dem Befunde und mit den vom Arbeitgeber verwahrten Arbeitsbüchern überein?
10) Stimmen Arbeitszeit und Pausen der jugendlichen Arbeiter mit den gesetzlichen Vorschriften und de» auf den Verzeichnissen eingetragenen Angaben übereiu?
Indem wir Sie an die Vornahme dieser Revision hiermit erinnern, wollen wir Ihrer berichtlichen Vorlage, unter genauer Berücksichtigung der vorerwähnten Punkte, bis zum 15. August d. I. spätestens entgegensehen.
v. Gagern.
Bekanntmachung,
betr.: Den Verein zur Unterstützung und Besserung der aus den Strafanstalten Entlassenen, hier: Die Neuwahl der Mitglieder der Bezirksvereinscommissionen für die Jahre 1897, 1898 und 1899.
Die Mitglieder des rubr. Vereins werden hierdurch zu einer Haupt ° Versammlung auf Dienstag den ÄO. Juli 1897, Nachmittags 3 Uhr, in das Re- gierungsgebäude dahier ergebenst eingeladen.
Gießen, den 5. Juli 1897.
Die Bezirksvereinscommission des Vereins.
v. Gagern.
Bekanntmachung.
Die am 4. März l. I. angeordnete Sperre des Riegelpfades zwischen Ludwigftraße und der Kennel'schen Hosraithe wird hiermit aufgehoben.
Gießen, den 3. Juli 1897.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
I. V.: Roth.
Deutsche» Leich.
Nürnberg. 3. Juli. Heute Mittag um 12 Uhr verkün- deteu Böllerschüsse den Beginn des 12. deutschen BundeS- schießens. Die Stadt hat in allen ihren Theilen Festgewand angelegt und sich zu dem besonderen Zwecke sinnreich geschmückt. — Die Schützen aus ganz Deutschland treffen in großen Schaartn, zum Theil mit Extrazügen, hier ein; die Zahl der angemeldeten Schützen Übertrifft schon jetzt diejenige aller früheren Bundesschießen. Ehrenpreise, darunter solche von Sr. Majestät dem Kaiser, Prinzregenten Luitpold, Kaiser Franz Josef und anderen Fürsten gestiftete, sind in überaus großer Zahl eingegangen. Heute Abend findet in der coloffalen, mit den Büsten Sr. Majestät des Kaisers und des Priuzregenten auSgestaiteten und herrlich geschmückten Festhalle ein Festcvmmers zum Empfange der Gäste statt.
Straßburg i. E., 3. Juli. Aus den verschiedensten Theilen Elsaß-Lothringens lausen Nachrichten über schwere Gewitter mit Hagelschäden ein. In der vergangenen Nacht gingen zwei schwere Gewitter mit Hagelschlag über Straßburg nieder. In Oberhausbergen war der Regen so stark, daß das Waffer in die Häuser etndrang und Sturm geläutet wurde. Im Canton Buchsweiler sind 16 Gemeinden verhagelt. Nach vorläufiger Berechnung beträgt der Schaden über drei Millionen Mark.
Ausland.
Konfiautinoprl, 3. Juli. Der Sultan drücke dem deutschen Botschafter sein Beileid wegen des Unterganges des Schiffes Reivbeck au». Der Marine-Minister ist angewiesen, eine etwaige Hebung des Schiffes mit allen Mitteln zu versuchen. Der Sultan zeigt besonders sein Interesse für die Familien der Ertrunkenen.
Konstantinopel, 3. Juli. Unter den Botschaftern find neuerdings bedeutende Meinungsverschiedenheiten hervorgetreten. Man spricht von einer vorübergehenden SuSpen- sirung der Konstantinopeler Conferenzen, damit den Kabinetten Zeit zu einem neuen direkten Austausch gegeben wird. Nach der Anficht unterrichteter Persönlichkeiten fei ein baldiger Abschluß der Verhandlungen nicht zu erwarten. Dieselben würden sicherlich noch zwei Monate dauern.
SZeuefte NachsichsSMo
Wolff» telegraphische» Correfpondenz-Bureau.
Lübeck, 4. Juli. Gestern Abend begab fich Seine Majestät der Kaiser von der „Hohenzollern" nach dem Kurhaus in Travemünde und nahm daselbst die Preis- vertheilung au die Sieger in der See-Regatta Kiel-Travemünde vor. Seine Majestät überreichte eigenhändig den Siegern die gewonnenen Preise und verweilte sodann noch bis gegen 11 Uhr im Kreise deS Regatta-Vereins. Hierauf kehrte Seine Majestät an Bord der „Hohenzollern" zurück. Heute Vormittag 11 Uhr begann hier die Regatta bei heftigem Winde; mehrere Segler traten wegen de» zu starken Windes zurück.
Nürnberg, 5. Juli. Das 12. deutsche BundeS- schießeu ist von etwa 5000 Schützen aus ganz Deutschland, Oesterreich, Schweiz usw. besucht. Auch aus Amerika find einige 40 Schützen mit ihren Damen eingetroffen. Gestern Abend fand die Begrüßung in Form eines Commerfes in der großen Festhalle auf dem Feftplatz statt, während die Amerikaner das Fest der Unabhängigkeitserklärung im „Württemberger Hof" feierten. Heute Vormittag H*/zUhr erfolgte der Feftzug durch die Prächtig decorirten Straßen. Der Festzug stellt in drei Abheilungen die Zeiten Barba- roffas, Maximilians und Gustav Adolfs dar. Die Costüme waren den alten Zeiten getreu nachgebildet. Alle die Ritter, Ritterfrauen, Minnesänger, Herolde, Fanfarenbläser, Reisige, Künstler, Landsknechte, Kaufleute, Patrizier, Gewerbetreibenden usw., die wundervollen Wagen der Germania und der Minne, die frohen Gestalten der Schützen, die jubelnden Zuschauer, alles dies in dem Rahmen der alterthümlichen Straßen der alten Reichsstadt bot ein prachtvolles geradezu überwältigende» Bild. E» ist nur eine Stimme, daß Nürnberg alle ihre Vorgängerinnen übertroffen hat. Vor den auf dem
Marktplätze am „Schönen Brunnen" errichteten Tribünen, auf welchen u. A. Cultusminister von Landsmann, Regie- rungtpräfident von Zenetti, sowie die Spitzen der Civil- und Militärbehörden Platz genommen hatten, erfolgte um zwölf Uhr die Uebergabe des Bundesbanners an die Stadt. Auf dem riesigen Festplatz vor der Stadt löste fich der P/2 Stunden lange Zug auf, um 3 Uhr fand in der mächtigen Festhalle Festmahl statt; etwa 300 Personen betheiligten fich daran. Gymnafialrector Vogt hielt die BewillkommungSrede, der Vorsitzende deS Gcsammrauschuffes deS deutschen Bunde»- schießens HauSschild-Brernen brachte ein Hoch auf den Kaiser und den Prinzregenten, die anderen deutschen Fürsten und daS deutsche Volk aus. Es folgten noch andere Toaste, wie auf die Stadt Nürnberg und auf die Schützen. An den Kaiser wurde folgendes Huldigungstelegramm gesandt: „An Se. Majestät Kaiser Wilhelm II.: Au» allen Gauen Deutschlands, aus Oesterreich, aus der Schweiz, ja aus Amerika, zu Tausenden versammelt, bringen die deutschen Schützen ihren begeisterten Jubel dem deutschen Vaterlande dar und bitten Ew. Kaiserliche Majestät, unsere patriotischen und dankbaren Huldigungen entgegennehmen zu wollen." Ein ähnliches Telegramm wurde an den Prinzregenten geschickt. Die Zahl der gewidmeten Ehrenpreise, darunter von Kaiser Wilhelm, den Priuzregenten und Kaiser Franz Josef ist eine kolossal große. Um 5 Uhr begann daS Concurrenzschießen.
Madrid, 4. Juni. In Albacette find Unruhen wegen der Verzehrungssteuer auSgebrochen- Eine Anzahl Frauen zündeten daS Steuergebäude an. Einige GenSdarmeu wurde» durch Steinwürfe verwundet.
Depeschen deS Bureau .Herold."
Xravemüude, 4. Juli. Der Kaiser und Prinz Heinrich wohnten mit ihrem Gefolge drei Stunden dem gestrigen Bierabend im Kurhotel bei.
Hamburg, 4. Juli. Wie der „Hamb Corresp." au» Berlin erfährt, sprach der Staatssekretär v. Marschall in feiner letzten A'tdi^z beim Kaiser vor Antritt deS Urlaubs die Bitte aus, im Herbst von seiner hiefigen Stellung entbunden zu werden.
Pari», 4. Juli. Die Morgenblätter bezeichnen den Schaden, welchen der Hagelsturm, Ueberschwemmungen und Blitzschläge innerhalb der letzten 24 Stunden im südwestlichen Frankreich angerichtet, als unberechenbar. Die von der Regierung in der Kammer beantragten vier Millionen zur Unterstützung der Opser des Unwetters feien weniger als nichts. In Toulouse und auch in anderen Orten find Häuser eingestürzt. Die Ernte ist vollständig zerstört. Die Häuser stehen zwei Meter unter Waffer. Zahlreiche Personen sind vom Blitz erschlagen worden.
Kiew, 4. Juli. Eine große SchifsS-Katastrophe hat sich auf dem Dnjepr zwischen hier und JekatarinoSla« ereignet. Nähere Einzelheiten fehlen.
Sofia, 4. Juli. Nachdem drei Fälle von Pest in Konstantinopel constatirt worden find, ordnete die hiesige Regierung für alle aus der Türkei kommenden Reifenden eine 15tägige Quarantäne an.
Königsberg, 5. Juli. Wie hier verlautet, übernimmt Graf Wilhelm Bismarck da» Oberpräfidium von Schleswig-Holstein, sein Nachfolger soll Herr v. Bötticher werden.
Hamburg, 5.Juli. Die gestern stattgefundene Generalversammlung der Hafenarbeiter Deutschlands war von 47 Delegirten besucht. An dem Festzuge nahmen 12 000 Personen mit Bannern und Musik Theil. Auf dem Festplatz zu Barenbeck sprachen die socialistischen Abgeordneten Pfannkuch und v. Elm über die Organisation der Gewerkschaften und deren gegenwärtige Wirksamkeit.
Mons, 5. Juli. In fünf großen Versammlungen der Strikenden wurde gestern die abschlägige Antwort der Grubendirectoren verlesen. Die Strikeführer forderte» die Arbeiter auf, nicht eher zu ihren Gruden zurückzukehren, bi» sie Genugthuung erhalten haben; die socialistischen Syndikatkaffen würden den letzten Pfennig hergeben.
Toulouse, 5. Juli. Die Ueberschwemmungen nehmen in ganz Südfrankreich einen bedrohlichen Umfang an. Die meisten Verkehrswege find unterbrochen. Im AroSthal stürzten sieben Häuser ein.
Locales rrnd provinzielles.
Gieße», den 5. Juli 1897.
♦* Ordensverleihung. Seine Majestät der Kaiser haben dem Generalmajor z. D. v. Holwede, bisher Tom- manbeur der 49. Infanterie-Brigade (1 Großh. Hessisches


